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OFFENER BRIEF AN HERRN BUNDESKANZLER DR. HELMUT KOHL 17.12.92
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
wir, die Unterzeichneten, sind Mitglieder der Scientology Kirche.
In den letzten Monaten wurde von politischer Seite und von Seite der
Medien eine beispiellose Hetzkampagne auf unsere Glaubensgemeinschaft
und zahlreiche Mitglieder wenn auch nicht initiiert, so doch inszeniert.
Lediglich auf Grund von gesteuerten Berichten einiger weniger soll
die Scientology Kirche und somit auch ihr Mitgliederbestand zum Objekt
von Verfassungsschützern, zur quasi-staatsfeindlichen Einrichtung
erklärt und in einen Topf mit extremistischen politischen Gruppierungen
geworfen werden.
All dies unter dem Vorwand, daß der Heilsweg der Scientology
Kirche die Menschenwürde verletzen würde.
Bislang wurde in ALLEN sogenannten Expertenanhörungen nur eine
Seite gehört, nämlich die einer Handvoll eingeschworener Gegner
jeglicher neuen Religion oder Weltanschauung, bzw. einer verschwindend
geringen Anzahl ehemaliger Mitglieder der Scientology Kirche.
Niemals würden die zahlreichen ehemaligen Mitglieder anderer religiöser
oder auch weltlicher Gruppierungen - bis hin zum minderjährigen Ministranten,
der von seinem Priester mißbraucht wurde oder dem Mönch, der
sich als seelischer Krüppel vom Keuschheitsgelübde und Zeitungsleseverbot
ausgibt - zum Anlaß genommen werden, eine Einstufung dieser Gruppierungen
als staatsfeindlich vorzunehmen, auf der Grundlage dauernder Verstöße
gegen Artikel 1 GG.
Niemals würden auch die zahlreichen Gebote, Kirchenrechtlichen
Kodizes und Praktiken der Amtskirche, ihre hierarchischen Strukturen und
ihr Absolutheitsanspruch, welche in großem Ausmaß von ihren
Gegnern als Verstoß gegen die Menschenwürde eingestuft werden,
als Anlaß für ein "einheitliches Vorgehen" der Parteien und
politischen Mandatsträger dienen.
Ebensowenig würde wohl zu keinem Zeitpunkt in Erwägung gezogen
werden, Lybiens Gaddafi als alleinigen Experten in der Frage der Existenzberechtigung
der Vereinigten Staaten zu konsultieren oder den zukünftigen Bau von
Autobahnen alleinig von einem Gutachten eines Automobilgegners abhängig
zu machen.
Niemals würde eine andere Gesellschaftliche Gruppierung nach solcherlei
rechtsstaatlich unhaltbaren Maßstäben beurteilt werden.
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Allein der Scientology Kirche wird seit Jahren jeder nur denkbare und
in der Regel erfundene Gesetzesverstoß einzelner Mitglieder angelastet,
während zum selben Zeitpunkt beispielsweise in Bayern fast 80 Prozent
aller Straftaten von Katholiken begangen werden, ohne daß jemand
auch nur auf die Idee käme, diese bedauerliche Tatsache der katholischen
Kirche und ihrer Glaubenslehre in die Schuhe zu schieben. Diese Idee wäre
auch absurd.
Es versteht sich in diesem Zusammenhang von selbst, daß auch
und gerade die Scientology Kirche unter den ersten ist, die tatsächliche
Mißstände oder individuelle Beschwerden aufgreift und im Rahmen
ihrer Möglichkeiten behebt - wenn man sie läßt.
Kaum einer der Politiker, der alles über die Scientology Kirche
zu wissen vorgibt, hat sich jemals die Mühe gemacht, auch die andere
Seite auf die konkreten Vorwürfe hin, zuhören.
Kein einziger der angeblich neutralen Experten, die in letzter Zeit
auf politisches Drängen hin Gutachterlich Stellung bezogen, hat jemals
das zu begutachtende Objekt, die Scientology Kirche, kontaktiert, jeder
einzelne, bis hin zum Verfassungsschutz, operierte mit Ferndiagnose auf
Grund von Vorwürfen, die einer Verifizierung wohl kaum standhalten
würden.
Die Tatsache, daß 90 Prozent aller Gerichtsentscheidungen zu
gängigen Vorwürfen schon in der ersten Instanz zu Gunsten der
Scientology Kirche ausgehen, wird nicht zur Kenntnis genommen, positive
Entscheidungen werden in aller Regel in den Medien ignoriert.
Die Tatsache, daß trotz intensivster Anstrengungen der weltanschaulichen
Gegnerschaft in 20 Jahren noch nicht ein einziges Vorstandsmitglied einer
Scientology Kirche oder Mission wegen strafrechtlicher Verstöße
verurteilt wurde, wird ignoriert.
Die Tatsache, daß ganz im Gegensatz zu Medienberichten in 20
Jahren noch nicht ein einziges von Tausenden von hauptamtlich tätigen
Mitgliedern der Scientology Kirche entweder Selbstmord begangen hat oder
sich in einer psychiatrischen Klinik wiederfand, wird ignoriert.
Während im selben Zeitraum ein eigener Krankheitsbegriff für
den geistigen Verfall einer Reihe von amtskirchlich tätigen eingeführt
werden mußte, nämlich der der "ecclesiastischen Neurose".
Daß die Mitglieder der Scientolgy Kirche drogenfrei sind, wird
ignoriert.
Daß es seit bestehen der Kirche in Deutschland noch nie im Zusammenhang
mit Scientologen eine Gewalttat, geschweige denn eine politisch oder religiös
motivierte Gewalttat gab, wird ignoriert.
Daß alle Mitglieder - die hauptamtlich
tätigen - bis hin zum Polizeilichen Führungszeugnis, sich auf
Grund der Natur des scientologischen Heilswegs verpflichten müssen,
einen ethisch einwandfreien und legalen Lebensweg zu verfolgen und ansonsten
von der Kirche ausgeschlossen werden, wird ignoriert.
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Stattdessen wird im Schutze der Meinungsfreiheit "die kriminelle Vereinigung"
heraufbeschworen.
Die Tatsache, daß die wirtschaftliche oder politische Betätigung
einzelner Mitglieder der Scientology Kirche und die damit einhergehende
Unterstellung der "Unterwanderung" mit der Scientology Kirche als solcher
ungefähr genauso viel zu tun hat, wie die Betätigung eines Geschäftsmannes
oder Abgeordneten katholischer Konfession mit dem erzbischöflichen
Ordinariat München-Freising, wird trotz entsprechender Gerichtsurteile
und eidestattlicher Erklärungen ignoriert.
Obiges ließe sich beliebig fortsetzen.
Es ist richtig, daß die Menschenrechte von Mitgliedern der Scientology
Kirche mit Füßen getreten werden.
Jedoch nicht von der Scientology Kirche, die uns genauso zur religiösen
Heimat geworden ist, wie die Kirchen und Lehren anderer Konfessionen es
für ihre Mitglieder in aller Regel sind.
Sondern von denjenigen, die vorgeben, diese Menschenrechte schützen
zu wollen.
Diejenigen, die sich als Feuerwehr ausgeben, sind in Wahrheit selbst
die Brandstifter.
Wer anders als wir, kann besser beurteilen, ob und von wem unsere Menschenwürde
verletzt wird.
Wir bekennen uns zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Und
wir sind mündige Bürger, die sich gegen die faschistische Behandlung
durch diejenigen zur Wehr setzen, die uns "im Namen der Menschenrechte"
eben diese aberkennen und das Verursacherprinzip auf den Kopf stellen.
Scientologen erfahren täglich am eigenen Leib, was es heißt,
einen anderen Glauben zu haben.
Kinder, die nur deshalb nicht im Kindergarten aufgenommen werden, weil
ihre Eltern Scientologen sind.
Erwachsene, die in ihren Berufen denunziert werden und in den wirtschaftlichen
Ruin getrieben werden.
Ohne Anhörung der Betroffenen werden "Unvereinbarkeitsbeschlüße"
- so auch von der CDU-erlassen, und Mitglieder der Scientology Kirche auch
aus dem politischen Leben ausgeschlossen.
Eingeschlagene Fenster, bespuckte und beschimpfte Mitglieder, das Lächerlichmachen
der Lehre, Hexenjagen in jeglicher Couleur.
Dies ist die reale Wirklichkeit,, die mittlerweile auch der Menschenrechts-Kommission
der UN zur Kenntnis gebracht wurde, in einer umfangreichen Dokumentation.
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Die selben politischen Organe, deren Aufgabe es gewesen wäre,
die Verwirklichung des Schutzes und der Freiheiten der Artikel 1 - 5 GG
und gerade eben für die Mitglieder der Scientology Kirche und vieler
anderer Minderheitsreligionen in der BRD zu verwirklichen, -dieselben politischen
Organe lassen sich jetzt vor den Karren derjenigen spannen welche, dieses
Land in seine dunkleren Zeiten zurückstoßen wollen.
Es reiht sich nahtlos in diese Absurditäten ein, daß nicht
diejenigen, welche in bewußter Verschwörung den Staat für
ihre kriminellen Zwecke benutzen, vom Verfassungsschutz überprüft
werden, sollen, sondern diejenigen, welche die ersten Opfer der resultierenden
Hetzkampagne waren.
Wir werden das nicht hinnehmen und mit allen rechtsstaatlichen Mitteln
den jetzigen Entwicklungen begegnen.
Wir werden nicht weiterhin auch die andere Backe hinhalten, sonder
nötigenfalls unsere Rechte mit Hilfe von Mitgliedern der Scientology
Kirche aus 70 Ländern der Erde durchsetzen.
Wir haben ein Recht, gehört zu werden.
Wir haben ein Recht, als menschliche Wesen behandelt zu werden.
Wir haben ein Recht, den Glauben unserer Wahl anzunehmen und zu praktizieren.
Wir fordern Sie, Herr Bundeskanzler, daher
auf, uns in unserem Bemühen gehört zu werden zu unterstützen
und Vertreter der Scientologen zu empfangen. Sie haben sich mehr als einmal,
gerade in der letzten Zeit, für die Rechte derer eingesetzt,:die sich
auf Grund Ihrer Rasse, Hautfarbe, Religion oder Weltanschauung pauschalierten
Angriffen und Diskreminierungen ausgesetzt sehen.
Wir fordern Sie ferner auf, die Verursacher
dieser kriminellen Hetzkampagne einer Untersuchung zu unterziehen, welche
ihre wahren Motive an den Tag bringt.
Alles, was wir möchten ist, genauso behandelt zu werden wie andere
Mitglieder der Gesellschaft auch. Mit denselben Rechten, mit denselben
Maßstäben, und das heißt auch objektiv und neutral und
ohne die von vorneherein bestehende. Absicht, die Scientologen mit allen
nur denkbaren Mitteln der Propaganda und des Rechtstaats zu zerstören.
Mit der dringlichen Bitte um Antwort und der Bitte um ein Gespräch
mit Vertretern der Scientology Gemeinde verbleiben wir
Hochachtungsvoll
Stellvertretend für die gesamte Scientology Gemeinde:
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