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Streit um Scientology-Rede im US-Konsulat
Scotland-Yard-Ermittler pries Narconon-Programm. Caberta
spricht von Werbeveranstaltung für die Sekte
Von Insa Gall
Mehr als 100 Vertreter der Hamburger Gesellschaft hatten
sich im ehrwürdigen amerikanischen Generalkonsulat an der Außenalster
versammelt, um bei Häppchen und Sekt den Worten des Gastredners Christopher
Brightmore zu lauschen. Doch was der ehemalige Ermittler von Scotland Yard
den Versammelten vor wenigen Tagen auf Einladung des German-American Business-Clubs
zu sagen hatte, löste bei vielen von ihnen mehr als ein Stirnrunzeln
aus. Unverbrämt lobte der pensionierte Polizeibeamte das Scientology-Programm
"Narconon" als weltweit bestes Drogenentzugskonzept. Seine Rede hat inzwischen
Ursula Caberta auf den Plan gerufen. "Dies war eine reine Werbeveranstaltung
für Scientology", kritisiert die streitbare Leiterin der Arbeitsgruppe
Schientology bei der Innenbehörde.
Brightmore hatte in seiner Rede deutliche Worte gefunden:
Während der vergangenen zehn Jahre habe er auf der ganzen Welt nach
einem Drogenrehabilitationsprogramm gesucht, das tatsächlich funktioniere,
berichtete der Rauschgift-Ermittler den versammelten Gästen, unter
ihnen auch Polizeipräsident Udo Nagel und Ferdinand Fürst von
Bismarck. "Und ich bin glücklich, Ihnen mitzuteilen, dass ich sicher
bin, es gefunden zu haben", fuhr Brightmore fort. "Es wird durchgeführt
von einer Organisation namens Narconon, die zur Organisation ABLE gehört,
die Vereinigung für besseres Leben und Erziehung, eine Wohltätigkeitsfirma
gegründet von der Kirche der Scientology." Bei dem Konzept handele
es sich "um das beste verfügbare Drogenrehabilitationsprogramm", führt
der pensionierte Ermittler aus, um anschließend Funktionsweise und
Erfolge des Programms ebenso ausführlich wie überschwänglich
zu loben. Auszug: "Ich habe dieses Programm an drei verschiedenen Orten
besucht und habe mit den Studenten gesprochen. Alle sind begeistert von
ihrer Erfahrung."
Das Lob dieses Drogenentzugsprogramms widerspricht aus
Sicht von Ursula Caberta allen Erkenntnissen. Sie hält das Narconom-Programm
nicht nur für gesundheitlich gefährlich, es würden zudem
Abhängige infiltriert. "Hier wird eine Droge durch eine andere - Scientology
- ersetzt." Grundlage des Narconom-Programmes sei die Technologie von L.
Ron Hubbard, hatte auch die Bürgerschaft in einer Drucksache festgestellt
und hinzugefügt: "Eine Drogentherapie auf der Grundlage der in Scientology
üblichen Psychotechniken ist bedenklich." Der Berliner Drogenbeauftrage
warnte bereits 1978 eindringlich vor Narconom. So bestehe unter anderem
die "Gefahr einer irrationalen Anpassung an die hausinterne Hierarchie"
des Programms. Für Caberta ist Christopher Brightmore kein Unbekannter:
Sie habe erst kürzlich ein Video erhalten, auf dem der Ex-Polizist
praktisch Werbung für Scientology macht.
Die Leiterin der behördlichen Arbeitsgruppe interessiert
sich auch für die Rolle von Henry Randmark, der als Präsident
des "German-American Business-Clubs" zu der Veranstaltung ins Generalkonsulat
eingeladen hatte. Der 65-jährige Amerikaner, der in der Hansestadt
ein Reinigungsunternehmen führt, nutze offenbar seine Verbindungen,
um für dubiose Drogenprogramme Werbung zu machen, mutmaßt Caberta.
Randmark ist empört darüber, dass er in die
Nähe von Scientology gerückt werde solle, erklärte er gegenüber
der WELT. Er sei kein Mitglied der umstrittenen Sekte. Der Unternehmer,
der Parteigründer Ronald Schill im Wahlkampf als drogenpolitischer
Berater zur Seite gestanden hatte, sieht allerdings auch "nichts Anstößiges"
in der Rede Brightmores, wenn dieser feststelle, dass es sich bei dem Scientology-Programm
um das wirksamste Drogenrehabilitationskonzept handle. Er habe damit kein
Problem. "Es ist nichts Anrüchiges dabei, wenn man kranken Menschen
empfiehlt, sich behandeln zu lassen - egal ob von Jehovas Zeugen, den Mormonen
oder den Scientologen", so Randmark.
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Hamburger
Morgenpost 5.3.2002
»Sir
Henry«: Held oder Hochstapler?
von Matthias Onken
Henry C. Randmark. Hamburgs High-Society
kennt ihn als „Sir Henry“. Und kauft ihm all die Geschichten ab, die der
selbsternannte Mann von Welt vom Stapel lässt. Lange und Schill führte
er zusammen, den Innensenator beriet er drogenpolitisch. Peinlich nur,
Er tanzt auf allen Bällen. Und erzählt
dort in perfekt akzentuiertem Deutsch von seinen Verdiensten. Von „guten
Freunden“ wie der Fürstenfamilie von Bismarck. Von seinen Top-Aufträgen
als Graffiti-Beseitiger, den Alsteranleger und den Louvre zu schrubben.
Von seiner Zeit, in der er als US-Oberst die Drogenfahndung im Vietnamkrieg
geleitet haben will. Von den Orden, die ihm dafür verliehen worden
seien. Doch ist an seiner Uniform nicht alles Gold was glänzt. Die
wichtigste Auszeichnung, so räumt „Sir Henry“ kleinlaut ein, habe
ihm wohl versehentlich die Reinigung verpasst.
Nicht nur Randmarks Erfahrungen als Vietnamkrieger
erscheinen fragwürdig. Der Diplom-Kaufmann, der neun Sprachen beherrschen
will, ist seit Juni 2000 Präsident des Hamburg-Chapter des „American-German-Business-Club“
(AGBC). 70 Mitglieder zählt der Verein, der ursprünglich 1964
in Bonn gegründet worden war.
Was der Club macht, weiß in dieser
Stadt niemand so genau. Telefonisch erreichbar ist er gar nicht, unter
der auf der Homepage angegebenen Anschrift ist die Firma „IPA Randmark
International AG“ gemeldet. Zuletzt lud der AGBC am Valentinstag zu einem
Vortrag ins US-Konsulat an der Alster. Thema: Drogenbekämpfung und
Rehabilitation von Abhängigen. Referent: Chris Brightmore, Ex-Beamter
von Scotland Yard.
Nicht schlecht staunten viele der 110 Gäste,
als deutlich wurde, dass Mr. Brightmore Werbung für „Narconon“ machte.
Dies sei „quasi die Sozial- und Gesundheitsabteilung“ Scientologys, erklärt
Hamburgs Sektenbauftragte Ursula Caberta. Drogenexperten bezeichnen „Narconon“
unisono als unseriös, gefährllch und „medizinischen Müll“.
Unter den Gästen: Polizeipräsident Udo Nagel. Er kam allerdings
zu spät, bekam von der Skandal-Rede kaum etwas mit. Anders die ebenfalls
anwesende Gisela Hackenjos, Präsidentin von Scientology Hamburg.
Randmark bestreitet, Scientologe zu sein.
War aber Gast der jüngsten Scientology-Ausstellung im Café
Seeterrassen. Keinen Hehl macht Bush-Fan Randmark aus seiner Bekanntschaft
mit Innensenator Ronald Schill. Seinen Wahlkampf unterstützte der
Unternehmer finanziell – und ideologisch: „Ich habe ihn beraten in Fragen
von Drogenbekämpfung, weil ich auf dem Gebiet ziemlich gute Erfahrung
habe“, verriet „Sir Henry“. Der Ex-Richter revanchierte sich, ehrte den
Ami zu dessen 65. Geburtstag im Januar mit einer flammenden Rede.
Schills (Partei-) Freundin Katrin Freund
bestätigte in einem Interview, bis zur Gründung der Partei Rechtsstaatlicher
Offensive im Vorstand des AGBC gearbeitet zu haben. Privat soll Randmark
ein „väterlicher Freund“ der Politikerin sein, so ein guter Bekannter.
Auch für Ex-Konteradmiral Rudolf Lange (FDP) ist Glenn-Miller-Fan
Randmark („Mein Vater hat ihn persönlich gekannt“) kein Unbekannter.
Im Juli brachte Randmark bei einer Veranstaltung im „Wollenberg“ den Liberalen
mit Schill zusammen, für den er in seinem Club kräftig die Werbetrommel
gerührt hatte. |