Ingo Heinemann: Scientology-Kritik 
   Adresse dieser Seite: http://www.Ingo-Heinemann.de/Hartwig-Schattenspieler.htm 
Zuletzt bearbeitet am 15.2.2009  
Impressum | zur Homepage  | zur Inhaltsseite  |  AGPF-Spendenkonto
Google 
 
 
Anmerkungen zu Hartwigs Buch
"Die Schattenspieler"
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
 
  • www.AGPF.de: Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt

Mit ihrem Buch "Die Schattenspieler" von 2002 hat Renate Hartwig ihre Tätigkeit als Scientology-Kritikerin eingestellt. Hier soll auf einige Passagen aus Hartwigs Buch eingegangen werden.
 
 
 

Hartwig über "Deprogramming"

In ihrem Buch "Die Schattenspieler" von 2002 hat Hartwig auch über "Deprogrammierer" geschrieben.
Dabei hat sie einem Rechtsanwalt unterstellt, er habe sich zwar von kriminellen Deprogrammierern öffentlich distanzieren "wollen", dann aber "über einen Münchener Kontaktmann die Adresse genau dieser Deprogrammierer weitergegeben" und damit "Vermittlerdienste für solche Leute" übernommen.
Damit bin ich gemeint, Ingo Heinemann.
 
Hartwig: Die Schattenspieler Seite 360  


Weshalb ich dann anfing, mich mehr für Deprogrammierung und die Geschichte dieser Kritikerszene zu interessieren, waren die Personen aus Kirche und Staat, die mit in diesem für mich nicht nur höchst dubiosen, sondern schon kriminellen Verfahren ihre Hände mit im Spiel hatten.  
Als in den 80er Jahren die ersten Verfahren vor Gericht anhängig wurden, konnte nachgelesen werden, dass sich ein in der Szene bekannter Anwalt von „kriminellen Deprogrammierern“ öffentlich distanzieren wollte. Aus den Akten eines Münchener Strafverfahrens gegen englische Deprogrammierer, die wegen ihrer Tätigkeit zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden, ergeben sich später wieder Hinweise, dass der gleiche Anwalt über einen Münchener Kontaktmann die Adresse genau dieser Deprogrammierer weitergegeben hatte.  
Wer hier Vermittlerdienste für solche Leute übernimmt, kann sich distanzieren, soviel er will. Für mich gibt es auch eine moralische Schuld! Und die wiegt in einem Fall wie dem dieses Anwalts, der von staatlichen und kirchlichen Kreisen als so genannter „Aufklärer“ anerkannt ist, weit mehr. Denn er gilt als Multiplikator für viele besorgte Bürger! Und wenn jemand die menschenverachtenden Methoden der Deprogrammierung durch Vermittlung von Adressen gefördert hat, dann fehlt ihm schlichtweg die charakterliche Voraussetzung, Konfliktsituationen objektiv im Sinne des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“, zu klären.
Dem Begriff Deprogramming liegt die Annahme zugrunde, daß manche Sekten ihre Anhänger "programmieren".
Also könne man diese auch wieder zurück-programmieren.
Dazu im einzelnen: http://www.AGPF.de/Deprogramming.htm

Die nachfolgende Pressemitteilung habe ich nach einem Monat Tätigkeit bei der AGPF formuliert:
 
AGPF-Pressemitteilung vom 1.9.82:  

"Die AKTION FÜR GEISTIGE UND PSYCHISCHE FREIHEIT -  
ARBEITSGEMEINSCHAFT DER ELTERNINITIATIVEN e.V.  
warnt Eltern von Sektenmitgliedern vor Versuchen, ihre Kinder gewaltsam aus den Kulten herauszuholen.  

Unter Vorsitz des Bundestagsabgeordneten Friedrich Vogel befaßte sich der Vorstand am 1.9.1982 mit entsprechenden Zeitungsberichten und einer Anzeige in einer bundesweit verbreiteten Tageszeitung, in der sog. Deprogramming angeboten wurde.  

In den USA war dieses Deprogramming nicht selten mit Freiheitsberaubung verbunden. In der Bundesrepublik wurde dieses Thema von einigen Sekten an die Öffentlichkeit gebracht. Es ist zu vermuten, daß dahinter die Absicht steht, alle Versuche zu diskreditieren, Sektenmitglieder davon zu überzeugen, daß sie sich auf einem falschen oder gefährlichen Weg befinden.  

MdB Friedrich Vogel betonte, daß auch im Umgang mit Sektenmitgliedern die Rechtsstaatlichkeit zu wahren ist. Zum Grundrecht der Religionsfreiheit gehöre allerdings auch das Recht zur Kritik an Sekten und destruktiven Kulten, zumal diese nicht selten Ehen, Familien und persönliche Bindungen zerstören".

Das ist vermutlich der Text, den Hartwig mit der Formulierung gemeint hat, ich hätte mich "von 'kriminellen Deprogrammierern' öffentlich distanzieren wollen".

Hartwig meinte nun, mich überführt zu haben, ich hätte "Vermittlerdienste" geleistet.
Hartwig hat sich auf "Akten eines Münchener Strafverfahrens gegen englische Deprogrammierer" berufen.
Ich bezweifle, dass Hartwig je einen Blick in diese Akten geworfen hat, denn Akteneinsicht ist bei Strafprozessen sehr strikt geregelt.
 
 
Der Hintergrund: 

Cyril Vosper hat 1971 ein Buch über Scientology geschrieben: The Mind Benders. 
Das erste Buch in Europa zu diesem Thema überhaupt. 
Vosper war davor 14 Jahre lang Scientologe. Dann wurde über ihn der Bann verhängt, der berüchtigte "Ethik-Befehl", abgebildet in seinem Buch. 
1987 hat Cyril Vosper im Auftrag der Mutter einer Scientologin zusammen mit zwei weiteren Engländern die Tochter in ein von der Mutter angemietetes Haus gelockt und eingesperrt, um sie mit seinem geballten Wissen über Scientology zu konfrontieren. Er war der Annnahme, dass dies dazu führen müsse, dass die Tochter sich von Scientology abwende. Vosper wurde nach zwei Monaten Untersuchungshaft zu 5 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. An der Sache selbst gibt es nichts zu beschönigen.

Die Presseberichte über den Fall lasen sich teilweise, als stammten sie aus der Schreibmaschine von Scientologen.
So schrieb ein Hans Wüllenweber in der Kölnischen Rundschau vom 2.1.88 unter dem Titel "Gedungene Hirnwäscher unterwegs":

"Welche Organisationen und Personen hinter den "Deprogrammierern" stecken, liess sich nicht klären. Auch ist es der jungen Frau schleierhaft, woher ihre von Arbeitslosen- und Krankengeld lebende Mutter das Geld für die Hirnwäscher hatte. Der Preis soll bei rund 10000 Mark gelegen haben."

Cyril Vospers Verteidiger teilte mir dazu mit Schreiben vom 12.1.88 mit:

"Die Darstellung ist in wichtigen Teilen unrichtig. So wurde in der mündlichen Verhandlung nicht zur Sprache gebracht, "welche Organisationen und Personen hinter den Deprogrammierern stecken. Das Gericht hat sich insoweit auch nicht um Aufklärung bemüht, da dies nicht Gegenstand der Anklage war.
Frei erfunden ist von Herrn Wüllenweber die Passage: "Auch ist es der jungen Frau schleierhaft, woher ihre von Arbeitslosen- und Krankengeld lebende Mutter das Geld für die Hirnwäscher hatte. Der Preis soll bei rund 10 000 Mark gelegen haben." Davon war in der Hauptverhandlung überhaupt nicht die Rede. Denn die "junge Frau", die Frau Schwarz, war nicht anwesend!"
Wie kommt also mein Name in die Akten? Auch ohne Aktenkenntnis habe ich dafür eine einfache Erklärung: In den Akten befindet sich vermutlich ein Brief ohne Datum der Mutter in englischer Sprache, den Scientology später in einer Dokumentation veröffentlicht hat ("Dokumentation zum Thema Deprogramming im Zusammenhang mit der AGPF und anderen weltanschaulichen Gegnern der Scientology Kirche", 25.11.1991, von Sabine Titzel). Die Mutter schreibt darin: "Ich habe eine neue Adresse von Dieter Roman (er hat sie von Heinemann AGPF Bonn)."

Das besagt also lediglich, dass ich die Adresse eines englischen Autors und Scientology-Spezialisten an einen deutschen Berater gegeben habe, der damals Student der Psychologie war und seine Beratungen mit den üblichen psychologischen Beratungsmethoden durchgeführt hat.
"Dieter Roman" ist der Diplom-Psychologe Dieter Rohmann, http://www.kulte.de
Der Brief sagt klar, dass Rohmann sich gegen die "alte amerikanische Methode" ausgesprochen hat, womit vermutlich Freiheitsberaubung gemeint war. Der Brief sagt auch, dass er geraten hat, zunächst das Vertrauensverhältnis zur Tochter zu verbessern. Die Mutter: "Das bedeutet, daß Barbara weiter Scientology besucht und das Scientologen sie in unserer Wohnung aufsuchen werden". Sie beklagt sich, dass in ihrer Abwesenheit mehrfach Scientologen in der Wohnung waren und Sachen für einige tausend Mark gestohlen hätten. Die Mutter beklagt sich weiter, sie habe in Deutschland keine Hilfe und sei mit ihren Problemen völlig allein.

Es ist im übrigen durchaus verständlich, dass Scientology dies alles zu Propagandazwecken ausgeschlachtet hat. Ebenso, dass Scientology damals gegen mich offenbar Strafanzeige erstattet hat, denn im letzten Satz der Dokumentation heisst es: "In einem weiteren Verfahren hat sich Herr Ingo Heinemann für die Anstiftung zur Erpressung zu verantworten". Vermutlich wurde das Ermittlungsverfahren mangels Anfangsverdacht eingestellt, denn ich habe davon niemals etwas gehört. In solchen Fällen erhält der Anzeigeerstatter eine Einstellungsverfügung, nicht aber der Verdächtigte.

Eine ganz andere Sache ist, dass Renate Hartwig dies in ihrem Buch von 2002 so dargestellt hat, als sei ich in den Gerichtsakten als Vermittler von Kriminellen aktenkundig.
Das ist schlicht Unsinn.

Der geschilderte Fall hat im übrigen noch einige weitere Aspekte.

Offenbar hatte die Mutter den Engländern nicht gesagt, dass ihre Tochter nicht eine beliebige Scientologin war, sondern die frühere Pressesprecherin Barbara Schwarz. Die war während ihrer Tätigkeit bei Scientology psychisch krank geworden und wurde wegen Selbstgefährdung zwangsweise in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen. Der Vorgang wurde in der Verfügung der Staatsanwaltschaft München 115 Js 4298/84 erwähnt:
 
Aus: Verfügung der Staatsanwaltschaft München 115 Js 4298/84 vom 24.04.1986  
Kapitel: Scientology: Gewerbe in pseudowissenschaftlichem und pseudereligiösem Gewand? 


http://www.Ingo-Heinemann.de/staatsanwalt86-2.htm#keineHilfe 
Es kommt daher nicht von ungefähr, daß die Organisation in den Psychiatern, die in der Lage sind, die kompetenteste Kritik zu formulieren, ihre ärgsten Feinde sieht. Hubbard hält den Berufsstand der Psychiater für entbehrlich, da er vorgibt, mit seinen Methoden selbst Geisteskrankheiten heilen zu können (HCOB 28.11.1970). Als eine ehemalige Münchner Spitzenfunktionärin 1984 ernsthaft geistig erkrankte, war die Organisation deshalb nicht in der Lage, ihr wirksam zu helfen. So unterließ man es bewußt, ihr die erforderliche psychiatrische Hilfe angedeihen zu lassen. Durch die scientologische Hilfestellung in den USA und in Dänemark verschlechterte sich erwiesenermaßen ihr Zustand (57). Die Hilflosigkeit und Verantwortungslosigkeit gegenüber echter Geisteskrankheit zeigt sich nicht nur in diesem Fall (58).
Die Einweisung in die Psychiatrie ist für Scientology sozusagen der Super-GAU.
Es war also klar, dass das weitere Schicksal der Barbara Schwarz von der Scientology-Organisation besonders beobachtet werden würde.
Ebenso klar war, dass die Scientologen noch eine Rechnung mit Cyril Vosper offen hatten.

Barbara Schwarz hatte offenbar einen Verdacht. Diesen teilte sie ihrer Mutter durch handschriftliche Eintragungen in ein Wörterbuch mit.
Dieses Wörterbuch, so schrieb sie unter dessen Titel, "gehört ... der betrügerischten Mutter der Welt". Und: "Das hast Du dir nur gekauft um 10.000 DM an Kriminelle loszuwerden. Bei Dir piepts!  Du wirst schon sehen, was Du davon hast."

Der Betrag 10.000 DM wurde später in den meisten Zeitungsberichten über diesen Fall genannt.
Obwohl das schriftliche Strafurteil des Amtsgerichtes Weilheim i.OB einen ganz anderen Betrag nennt.
Im Urteil heisst es, "Die anderweitig Verfolgte [Name der Mutter] hatte hierzu das Gebäude angemietet und den Angeklagten sowie dem anderweitig Verfolgten Reynolds DM 4.000.- gezahlt". Von darüber hinaus gehenden Beträgen ist weder im Urteil die Rede, noch in der Verhandlung, wie Vopsers Verteidiger schriftlich mitgeteilt hat (oben).

"Anderweitig verfolgt" bedeutet, dass die Sache eben nicht in diesem Verfahren verhandelt wird. Gegen die Mutter lief ebenfalls ein Strafverfahren.
Darüber enthält die oben erwähnte Scientology-Dokumentation eine Aktennotiz des Georg Stoffel. Demnach wurde am 28.3.1989 vor dem Amtsgericht Starnberg verhandelt. Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldbusse in Höhe von 1.500.- DM eingestellt. Die Schwester der Mutter wurde freigesprochen.

Aber wer ist der erwähnte "anderweitig Verfolgten Reynolds"?
Laut Anklageschrift heisst er Douglas Reynolds, andere Quellen sprechen von Douglas Brian Reynolds.

Die ersten Zeitungsberichte erschienen am 16.11.1987. Der Münchner Merkur schrieb unter dem Titel "Frau 'deprogrammiert'": "Dann kam die inzwischen von ihrer Sekte alarmierte Polizei und nahm zwei der Engländer fest, der dritte - angeblich ein Privatdetektiv - ist auf der Flucht". Dieser Artikel stützt sich offenbar nicht auf Scientology-Informationen, sondern liest sich wie ein üblicher Polizeibericht. Am selben Tag berichtete die TZ. Demnach hörte ein Nachbar bzw. Anwohner die Hilferufe und verständigte die Polizei. Der dritte Mann wird nicht erwähnt.

Am 18.11. berichtet die Nürnberger Zeitung (Artikel gleichlautend am 19.11.87 in der Main-Post) unter dem Titel "Suche nach den Hintermännern": " ... sucht die Betroffene mit Hilfe ihres Anwalts Wilhelm Blümel nach den Auftraggebern und Hintergrundorganisationen".
Blümel war damals ständiger Vertreter der Scientology-Organisation.

Die Zeitung weiter:

"Zwei der Briten, die derartige Deprogrammierungen von Sektenmitgliedern nach Informationen des Anwalts offenbar gewerbsmäßig betrieben, wurden verhaftet. Der dritte Engländer, der nach Schilderung der 32jährigen selbst Angst gehabt habe, hatte einem anderen Scientology-Mitglied das Herrschinger Haus gezeigt und war dann geflohen. Allerdings habe er am 16. November bei Blümel, dem jahrelangen Anwalt der Kirche, angerufen und geschildert, für die Gehirnwäsche seien 4000 Mark zur Deckung der entstandenen Auslagen vereinbart worden. Für die erste Woche der „Behandlung“ sollten die beiden anderen 1500 Mark, er einhundert Mark pro Tag erhalten. Von der zweiten Woche an seien für alle drei je einhundert Mark pro Tag vorgesehen gewesen."
Woher kannte der dritte Mann, der kein Deutsch konnte, einen "anderen Scientologen" und wie konnte er diesem das Haus zeigen?
Ebenfalls am 18.11.1987 berichtete das Straubinger Tagblatt: "Attacke offenbar von der Mutter initiiert".
Im übrigen enthalten alle Bericht gleichlautende Teile und gehen offenbar auf eine schriftliche Vorlage zurück.
Diese Text-Teile tauchen dann auch wieder in den angeblichen Prozessberichten auf, wie denen des Hans Wüllenweber, dessen Artikel von zahlreichen Zeitungen übernommen wurden.

Die Suche nach angeblichen "Hintermännern" oder "Hintergrundorganisationen" gehört im übrigen zu den Anweisungen des Scientology-Gründers Hubbard über den Umgang mit Kritikern.

Dazu zum Beschluß der Staatsanwaltschaft München 115 Js 4298/84 vom 24.04.1986 die Anlage 18:  "Plan für Untersuchung in Deutschland" vom 5.l2.83: Kritiker diskreditieren.
 
 
 
 

Hartwig und das Antidiskriminierungsgesetz

Hartwig zitiert in ihrem Buch "Die Schattenspieler" von 2002 (siehe unten) eine Stellungnahme der AGPF aus der Internetseite http://www.AGPF.de/Antidiskriminierungsgesetz.htm  zu einem Gesetzentwurf des Bundesministeriums der Justiz. Hartwig hat verschwiegen, dass es sich dabei ausdrücklich um einen "Diskussionsentwurf" gehandelt hat und dass die AGPF zur Teilnahme an dieser Diskussion ausdrücklich eingeladen war.

Hartwig zitiert in ihrem Buch "Die Schattenspieler" von 2002 die AGPF (>>):

"So schreibt der "Dachverband" der "Anti-Sekten-Initiativen" AGPF am 19. Februar 2002 eine Empfehlung an das Ministerium: "Die AGPF empfiehlt dringend, die Merkmale Religion und Weltanschauung' aus diesem Gesetzentwurf herauszunehmen ..."  weil " 'Religion und Weltanschauung' ein beträchtliches Gefahrenpotenzial beinhalten" und weil "Anwendungsbereich des Gesetzes, Zahl und Dauer der zu erwartenden Prozesse und damit die Kosten in keiner Weise absehbar sind."
Dieses angebliche AGPF-Zitat enthält eine Irreführung. Hartwig hat nämlich einfach verschiedenste Satzteile zusammengesetzt und dabei die entscheidenden Satzteile weggelassen. Im Satz zuvor hat sie den Eindruck erweckt, dass sie "die verschiedenen Argumente" vorstellt und nicht nur einige ausgewählte Satzteile: "Wie weit hier das Unrechtsbewusstsein fortgeschritten ist, zeigen die verschiedenen Argumente aus der Kritikerszene gegen den Gesetzentwurf".

Hartwig kommentiert (unten):

"Ein Anti-Diskriminierungsgesetz ist offensichtlich deshalb gefährlich, weil man eine Vielzahl von Klagen wegen Diskriminierung befürchten muss!"
Der Leser muss daraus zwangsläufig schliessen, die AGPF halte das Gesetz für gefährlich.
Das ist falsch.
Vielmehr hat die AGPF das Gesetz selbst ausdrücklich begrüsst.

Aus der AGPF-Website:

"Ein Diskussionsentwurf des Bundesministeriums der Justiz enthält deutliche und teils drastische Regelungen, die durchaus angemessen zur Beseitigung der Diskriminierung Behinderter und Benachteiligter erscheinen.
Die AGPF hat lediglich empfohlen
"die Merkmale 'Religion und Weltanschauung' aus diesem Gesetzentwurf herauszunehmen oder eine gesetzliche Definition dieser Merkmale hinzuzufügen. Diese Legaldefinition hätte insbesondere zu berücksichtigen, dass ....".
Die AGPF hat dann Argumente aufgeführt, die zu berücksichtigen sind. Dieser Aufzählung hat Hartwig ihr angebliches Zitat entnommen.

Hartwig  hat den Eindruck erweckt, als müsse die AGPF durch ein solches Gesetz "eine Vielzahl von Klagen wegen Diskriminierung befürchten".
Das ist nicht der Fall.
Das Gesetz betrifft Benachteiligung durch Verträge und den "Zugang zu und der Mitwirkung in Organisationen, deren Mitglieder einer bestimmten Berufsgruppe angehören".
Es ist nicht  ersichtlich, wie das die AGPF betreffen sollte.

Hartwig hat das Gesetz übrigens falsch zitiert als "Mitwirkung von Organisationen".
"Mitwirkung in Organisationen" und "Mitwirkung von Organisationen" ist ein grosser Unterschied.
 
 
Aus: Renate Hartwig: Die Schattenspieler, 2002, Seite 386  


Ein Gesetz, das für blankes Entsetzen sorgt 

Ein Gesetzentwurf des Bundesministeriums der Justiz löste im Dezember 2001 in der Szene der Sektenbeauftragten und der Kirchen blankes Entsetzen aus.  

Es handelt sich um ein für ein zivilrechtliches Antidiskriminierungs-Gesetz, das erstmals auch im Privatbereich Mitglieder von religiösen und anderen Minderheiten vor Ungleichbehandlung ausschließlich wegen ihrer Mitgliedschaft schützen soll.  

Am 4. Juni 2002 ließ die Bundesfraktion von Bündnis90/Die Grünen verlauten, dass das Gesetz nicht mehr vor den Bundestagswahlen im September 2002 in den Bundestag eingebracht werden wird. Grund: Der Druck der beiden großen Kirchen gegen Einführung des Gesetzentwurfs sei zu groß. Trotz Kompromissvorschlägen seien die Kirchen nicht bereit, den Entwurf zu unterstützen.  

Der Entwurf des Bundesjustizministeriums stützt sich auf zwei ver-bindliche Richtlinien der Europäischen Union (2000/43/EG und 2000/78/EG) und dem deutschen Grundgesetz. Danach soll in das Bürgerliche Gesetzbuch ein Benachteiligungsverbot eingeführt wer-den:  

,,Benachteiligungsverbot  

(1) Niemand darf aus Gründen des Geschlechtes, der Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behind.erung, des Alters oder der sexuellen Identität bei der Begrün-dung, Beendigung und Ausgestaltung von Verträgen, die a) öffentlich angeboten werden oder b) eine Beschäftigung, medizinische Versorgung oder Bildung zum Gegenstand haben, oder  
(2) dem Zugang zu und der Mitwirkung von Organisationen, deren Mitglieder einer bestimmten Berufsgruppe angehören, unmittelbar oder mittelbar benachteiligt oder belästigt werden."  

Wie weit hier das Unrechtsbewusstsein fortgeschritten ist, zeigen die verschiedenen Argumente aus der Kritikerszene gegen den Gesetzentwurf.  

So schreibt der "Dachverband" der "Anti-Sekten-Initiativen" AGPF am 19. Februar 2002 eine Empfehlung an das Ministerium: "Die AGPF empfiehlt dringend, die Merkmale Religion und Weltanschauung' aus diesem Gesetzentwurf herauszunehmen ..."  weil " 'Religion und Weltanschauung' ein beträchtliches Gefahrenpotenzial beinhalten" und weil "Anwendungsbereich des Gesetzes, Zahl und Dauer der zu erwartenden Prozesse und damit die Kosten in keiner Weise absehbar sind."  

Ein Anti-Diskriminierungsgesetz ist offensichtlich deshalb gefährlich, weil man eine Vielzahl von Klagen wegen Diskriminierung befürchten muss! Hier existiert doch wohl offensichtlich eine rechtliche Lücke!  

Nach der Veröffentlichung des Entwurfs im Dezember 2001 wurde durch die Reihen der so genannten Sektenkritiker, im besonderen derjenigen, die sich diesem Thema aus existentiellen Sicherheitsgründen angeschlossen haben, Gegendruck organisiert. In der Folge werden die in vielen EU-Ländern bereits umgesetzten EU-Richtlinien in Deutschland nun von den beiden Kirchen, evangelisch und katholisch, blockiert.  

Bei all den Eigeninteressen im Hintergrund wird gar nicht mehr re-gistriert, dass der Widerstand gegen das Gesetz zum absoluten Bu-merang für Deutschland - nicht nur in der EU - werden könnten. Dieses Risiko sind die Politiker in der 14. Wahlperiode des Deut-schen Bundestages nun eingegangen. Denn das Gesetz gegen Dis-kriminierung ist vorläufig erst einmal gescheitert.  

In der Süddeutschen Zeitung vom 22. Mai 2002 schrieb der Redak-teur Jonas Viering dazu: "Politiker, Kirchenmänner und Wirtschafts-Lobbyisten spielen Schwarzer Peter. Im Streit um die Einführung ei-nes Gesetzes, das im privaten Rechtsverkehr die Diskriminierung etwa wegen der Religion oder der Abstammung eines Menschen verbietet, will keiner schuld am Scheitern des Gesetzes sein. Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Alfred Hart-enbach, erklärte zu Pfingsten: zähneknirschend' fände sich der Ge-setzgeber damit ab, dass der Widerstand gegen das Gesetz zu groll sei. Die verbleibenden Wochen vor der Wahl seien zu kurz ... Die SPD-Fraktion hat insbesondere den Kirchen den Schwarzen Peter zugeschoben. Vergangene Woche haften diese in einem Spitzenge-spräch abgelehnt, dass religiöse Diskriminierung verboten wird. Katholische wie evangelische Kirche wollen weiter die Freiheit haben, nur Angehörige ihrer Konfession als Mieter zu nehmen oder mit  

-388-  

Werkaufträgen zu bedenken; Andersgläubige also abzulehnen. Selbst eine Ausnahmeklausel für die Kirchen akzeptierten sie nicht."  

Obwohl jedem klar ist, dass dieses Gesetz bis Ende 2003 verab-schiedet werden muss, um sich nicht eine Vertragsstrafe mit der EU einzuhandeln, will es jetzt - mitten im heißen Wahlkampf - niemand anlangen, um sich dabei nicht die Finger zu verbrennen.  

Mit Steuergeldern finanzierte Sektenberatungsstellen befürchten, dass über ein "Antidiskriminierungs-Gesetz" ihre Pfründe verloren gehen könnten. Katholische und evangelische Kirchen melden ihre Bedenken an, weil sie weiterhin Andersgläubige ohne Konsequenz ausgrenzen wollen. Die Politiker fürchten, Wählerstimmen zu verlieren, wenn sie das Gesetz noch vor der kommenden Bundestagswahl verabschieden würden.  

Allein das Setzen dieser Prioritäten zeigt, dass wir uns von dem Begriff "Demokratie und Rechtsstaat" immer weiter entfernen.  

Damit keine Missverständnisse entstehen: Wir schreiben das Jahr 2002!  
 

 
 
 
 
 

Hartwig 2002 über Heinemanns Gehalt 86/87

Hartwig hat in ihrem Buch "Die Schattenspieler" 2002 (Seite 378) geschrieben:

"Zum Fallbeispiel AGPF liegen uns folgende Zahlen vor: Für das Jahr 1983 wurden vom damaligen Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit 139.490,  DM genehmigt. Im Jahr 1987 waren es bereits 152.350,  DM. Demgegenüber steht ein Zahlenspiel, das jeden Steuerzahler interessieren muss:
Der Geschäftsführer der AGPF, allein Ingo Heinemann, bezog im Jahr 1986 aus der staatlichen "Förderungssumme" in Höhe von 150.700 DM ein Gehalt von 78.100 DM . 1987 wurde dieses Gehalt auf 84.800 DM aufgestockt, während die "Förderung" auf 152.350 anstieg. Weit mehr als die Hälfte der AGPF Finanzen wurde also allein als Gehalt des Geschäftsführers geschluckt."

Die AGPF wurde von 1980 bis 1995 staatlich gefördert. Der Sozialstaat basiert in Deutschland weitgehend auf derartigen Förderungen.Daran war also nichts Besonderes.
Bei Vereinen, die auf sozialem Gebiet tätig sind, sind die Personalkosten immer der weitaus grösste Anteil der Kosten.
Das gilt generell für Dienstleistungsunternehmen.
Bei der AGPF kam hinzu, dass diese nur einen einzigen voll bezahlten Arbeitsplatz hatte, nämlich meinen. Da halten sich die Sachkosten in Grenzen.
Auch daran war also nichts Besonderes.
Bisher hatte nur die Scientology-Organisation auf dieses vermeintliche Missverhältnis aufmerksam gemacht.
Aus deren Sicht war das verständlich, denn die Scientology-Organisation beutet ihre Mitarbeiter aus und hat  deshalb vermutlich nur einen geringen Anteil an Personalkosten.

Normalerweise weiss kaum ein Arbeitnehmer, was er seinen Arbeitgeber tatsächlich genau kostet. Da die AGPF aber nur eine einzige Stelle hatte, nämlich meine, waren die Kosten für die Stelle identisch mit dem, was ich gekostet habe. Deshalb konnte das jeder nachlesen. Darin enthalten waren selbstverständlich auch die anteiligen Kosten des Arbeitgebers für die Sozialversicherung, zum Beispiel die Rentenversicherung. Im übrigen konnte jeder nachlesen, dass das Gehalt nach dem Bundesangestelltentarif BAT berechnet wurde. Die Einstufung erfolgte durch das zuständige Ministerium und beruhte weitgehend auf meiner Ausbildung. Ich bin Volljurist mit zwei Staatsexamina, http://www.Ingo-Heinemann.de/index.htm#Biographisches.

Meine damaligen Unterlagen habe ich aufgehoben, weil ich davon ausging, dass Scientology irgendwann solche Behauptungen aufstellen würde.
Ich habe 1986 ein Monatsgehalt von netto 3.169.- DM (= 1.620 Euro) ausbezahlt bekommen und davon monatlich 518.- DM (= 264.- Euro) an die Krankenkasse bezahlt. Mein "Beitragspflichtiges Bruttoarbeitsentgelt" betrug 1986 laut Versicherungsnachweis 67.453 DM (= 34.500 Euro).
Bis April 1987 blieb mein Gehalt unverändert. Ab Mai 1987 stieg es auf 3.330.- DM, also um etwa 160.- DM. Die angebliche Aufstockung des Gehaltes war also eine ganz normale tarifliche Gehaltserhöhung.
 
 
 



1. Version dieser Seite installiert am 3.9.2003


Impressum:



Die Website www.Ingo-Heinemann.de wurde eröffnet im September 1998