Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
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Zuletzt bearbeitet am 26.12.2007
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Robert Kaufman:
Übermenschen unter uns, 1972


Der erste umfangreiche Ehemaligenbericht über die Scientology-Organisation in deutscher Sprache:
Robert Kaufman: Übermenschen unter uns.
Olympia Press Deutschland, 1972

Dies war zugleich das erste deutschsprachige Buch über Scientology.
Der Verlag wusste damals offenbar noch nicht, dass die Scientology-Organisation sich kurz vorher auch in Deutschland niedergelassen hatte.
Das zweite deutschsprachige Buch von Ingo Heinemann ist erst sieben Jahre später erschienen.
Weitere Bücher über Scientology: 
1982 Hugo Stamm: Selle im Würgegriff
1982 Friedrich-Wilhelm Haack: Scientology - Magie des 20. Jahrhunderts

Eine mehrteilige Version befindet sich in Winfried Müllers www.religio.de

Von dort wurde diese Version übernommen.

Das Oberlandesgericht Frankfurt 16 U 45/72 und das LG München 21 O 175/73 hatten eine einstweilige Verfügung gegen das Buch abgelehnt.

Robert Kaufman ist am 29.7.1996 an Krebs gestorben.
Er hatte das Buch gerade überarbeitet.
Hier die überarbeitete Version von 1995 in englischer Sprache:


 



Robert Kaufman: Übermenschen unter uns, 1972  Seite 2

Lieber Demetrius, Du alter Thetan-Racker!
Ich attestiere, daß dies mein erster ruhiger Moment im Jahr AD 21 ist. Hier der R-Faktor, auf den Du gewartet hast: Alles läuft prima in der AO. Höchstgeschwindigkeit ist IN: massenweise schwebende Nadeln und OT Release. Derzeit bin ich in der Klasse VIII; und es ist das bisher Tollste - ständig neue Erkenntnisse! Ich bin völlig außer mir, seit ich meine Neue Macht besitze. Gestern ließ ich meinen Körper drei Stunden hinter mir. Ich hasse es, Turbulenzen auf unseren Comm-Linien zu verursachen, aber irgend etwas ist definitiv OUT in der Org. Ich habe das Gefühl, daß es der DT ist. Ich darf Dir seine Fall-Geschichte zu den oberen Stufen nicht darstellen, wie Du weißt, aber vor einiger Zeit hatte er einen ARC-Bruch, fing an, aus seiner Bank heraus zu nörgeln und verschwand aus dem Hill. Na ja, sie holten ihn doch zurück, clearten alle seine Whitholds, unterzogen ihn einem Joburg und einem S&D. Er trennte sich von dem SP, aber das unterbrach den Kreis nicht; er klagt über Körper-Thetanen, selbst nach einer Wiederholung, und er wird wieder PTS. QUAL mußte ihn in die Review-Schlange stecken, ihm ein grünes Formular verpassen und eine Check-Liste für übergangene Ladung dazu. Er hatte einige fallende Nadeln und eine festsitzende, ehe sein Meter mit hohem TA voll gepackt war. Vielleicht gab es irgendwo ein falsches Attest - R6 EW oder früher - oder auch ein noch nicht eingeebnetes Service Fac. Vielleicht sitzt der Kerl sogar in einem Vorfall aus einem früheren Leben fest.
Genug davon. Ich will Dich nicht überfahren; Du mußt denken, ich sei wieder voller Begehrlichkeit! Mach's gut für heute - ich muß hinübergehen und TR-O mit einer Barbarin machen!

Mit ARC, Dein
OT III/VIII
(Dieser Brief, von einem Scientologen an einen anderen, ist erdacht. Aber er steht vollkommen im Bereich des Möglichen.)
 



Robert Kaufman: Übermenschen unter uns, 1972  Seite 5

Inhalt

Vorwort
Dianetic
 
Teil I: Die Agentur Teil II: Saint Hill Teil III: Die AOUK Teil IV: Rückkehr in die Welt der Barbaren Teil V: Die Rückkehr

Nachwort des Übersetzers
Verzeichnis von Scientology-Begriffen
 
 
 
 



Robert Kaufman: Übermenschen unter uns, 1972  Seite 7


 

Vorwort

Eine Darstellung der Scientology ist Science Fiction, die zum Leben erwacht ist.
Während sich die Zeitspanne zwischen meinem Scientology-Abenteuer und der Gegenwart vergrößert, lassen die krisenhaften Folgen dieses Erlebnisses nach, und das Leben in unserer Welt, dieser großartigen Welt, die die Scientologen als die Welt der Barbaren bezeichnen, gewinnt nach und nach seine wirkliche Bedeutung wieder - als wahre Science Fiction.

Unsere eigene Science Fiction unterscheidet sich nur äußerlich von der der Scientology. Die inneren Tendenzen sind ziemlich dieselben, trotz ihrer unterschiedlichen Einkleidung. Die Kräfte, die die Welt der Scientology bewegen - die Emotionen, die Ziele, die Manipulationen sind universal. Wenn zum Beispiel ein Kind in unsere Welt hineingeboren ist, wird ihm beigebracht, daß es ein Mensch ist, und daß sich die Menschen von allem übrigen im Universum unterscheiden. Man sagt ihm, was sein Geschlecht ist und seine Hautfarbe. Man lehrt es die Sitten und Gebräuche seiner Umgebung, ebenso seine Pflichten gegenüber Familie, Stamm, Religion und Vaterland.
Ein Scientologe würde einem solchen Kind sagen, daß es ein Thetan ist und deshalb einem einzigen Mann Treue schuldet.
Scientology ist die Schöpfung dieses einen Mannes, eines Amerikaners namens L. Ron Hubbard. Ich würde daher einen Scientologen als einen Menschen definieren, der alles glaubt, was aus Hubbards Mund oder Feder fließt.
Hubbards Beschäftigung mit dem Reich der Seele hat ihm einen Nettogewinn von Millionen Dollar auf einem Schweizer Bankkonto eingebracht, außerdem eine Jacht-Flotte, ein Flaggschiff eingeschlossen, mit dem er auf dem Mittelmeer kreuzt. Hinzu kommen zahlreiche Töchter seiner Mutter-Organisation, die über den Erdball verstreut sind. Wie ein Oberaufseher kontrolliert er das Leben vieler Mitglieder. Ein Telex-System hält das ganze Spinnennetz zusammen. Darüber hinaus weiß man wenig über den Mann. Die erreichbaren Mosaiksteine seiner Biographie



Robert Kaufman: Übermenschen unter uns, 1972  Seite 8


lassen ganze Abschnitte seines Lebens im Schatten. Seine Jünger halten ihn für übermenschlich.
Die Öffentlichkeit weiß fast so wenig über die Scientology-Bewegung wie über ihren Erfinder. Wenn man nicht Mitglied ist oder war, einen Freund oder Verwandten dabei hatte oder von einem der jungen, Broschüren schwingenden Werber ins Gespräch verwickelt wurde, hat man vielleicht nie etwas von Scientology gehört. Wenn mich jemand fragt: "Was ist Scientology?" dann muß ich ihm sagen, daß es mindestens eine Stunde dauert, um eine angemessene Definition zu geben. Man hat Scientology eine Religion genannt, einen Trick zum Geldmachen, eine Therapie für alle Krankheiten oder einen Gehirnwäsche-Kult, der - was heutzutage ungewöhnlich ist - ganz ohne Drogenanwendung auskommt.
Darüber hinaus hat die Scientology ihren eigenen Kosmos, eigene Gesetze, eigene Techniken und vor allem eine besondere Sprache. Und das alles stammt von L. Ron Hubbard. Zusammen genommen machen alle diese Dinge die Einzigartigkeit der Scientology aus, ihre besondere Atmosphäre. Für einen Scientologen ist diese Atmosphäre eine Wohltat, ein sicherer Hafen dicht am Paradies. Für einen Außenseiter, der ein wenig davon erfahren hat, was innerhalb dieses "Hafens" vor sich geht, mag das alles völlig anders aussehen, so unsinnig, daß er kaum wünscht, mehr darüber zu erfahren.
Um ein genaues Bild der Bewegung zu zeichnen, müßte man Bände schreiben, eine halbe Armee von Schreibern, Rechercheuren und ehemaligen Scientologen beschäftigen. (Letztere sind übrigens in angelsächsischen Ländern eine ständig wachsende Untergruppe unserer Gesellschaft.) Unausweichlich mußte ein solches Unternehmen den faszinierenden und gewichtigen Untersuchungsbericht einschließen, den eine australische Kommission zur Durchleuchtung der Scientology am 28. September 1965 der Öffentlichkeit übergeben hat.
Doch inzwischen lege ich meine eigene Antwort auf die Frage nach dem Wesen der Scientology vor. Es ist eine Dokumentation meines Lebens als Scientologe vom April 1967 bis zum August 1968 ebenso wie der Folgen dieses Abenteuers. Alles in diesem Bericht entspricht den Tatsachen. Techniken, Prozeduren und Personal der Scientology-Bewegung sind so beschrieben, wie sie damals bestanden. Ich habe keinen Anlaß zu glauben, daß sie sich seither wesentlich geändert haben. Verändert wurden nur die meisten in diesem Bericht erwähnten Namen.

Ich lade den Leser ein, mich auf einem Trip durch jene Geisterwelt zu begleiten, geschaffen und beherrscht durch einen gottgleichen Erzschwindler, Messias, genialen Geschäftsmann oder auch hoffnungslos verrückten Größenwahnsinnigen, je nachdem, wie man ihn beurteilen



Robert Kaufman: Übermenschen unter uns, 1972  Seite 9


will. Vor mir liegt die Aufgabe, im Zusammenhang darzustellen, wie ich in eine Welt hineingeriet, die mir später wie ein Mittelding zwischen einem bösen Scherz und reinem Wahnsinn vorkam.
Die ständigen Bewohner dieser "Überwelt" sprechen einen Jargon, den ich "Scientologisch" nenne; ein Beispiel dafür ist vor der Titelseite abgedruckt. So groß ist die Zahl der Fachwörter, von denen viele zum Teil die gleiche Bedeutung haben, daß ich ihren Gebrauch weitgehend eingeschränkt habe. (Ein Blick in einige von Hubbards Veröffentlichungen wird den Leser von meinen Anstrengungen in dieser Richtung überzeugen.)
Der fiktive Brief dieses Scientologen an einen anderen soll nur als Beispiel dienen - um dem Leser ein wenig zu zeigen, wie sich Scientologisch anhört. Er darf aber versichert sein, daß ich ihm nicht noch einmal mit etwas ähnlichem kommen werde. Im allgemeinen wird jeder neue Ausdruck erklärt, sobald er zum erstenmal gebraucht wird. Für den Fall, daß beim Lesen eine schnelle Wiederauffrischung des Vokabulars gewünscht wird, findet sich im Anhang eine Übersicht der unumgänglichen Fachausdrücke.
Die Fragen der Auditoren (d. h. der ausübenden Scientologen), die ich kennengelernt habe, sind kursiv gedruckt. Diese Fragen enthalten die Quintessenz der Methoden des Scientology-Prozesses. Während seiner Ausbildung muß sie jeder Auditor auswendig lernen. Schließlich gibt es, ebenfalls kursiv gedruckt, Zitate von L. Ron Hubbard, die sich überall im Buch finden, sowie einige kleingedruckte Passagen - zum Beispiel der Brief -, die mit den Worten des Autors umschreiben, was Hubbard zu sagen hat. Mein Vorschlag: Wann immer der Leser ein Zitat oder eine Umschreibung vor sich hat, möge er sie sich in einem vollen Bariton gesprochen vorstellen... gravitätisch, doch honigsüß, zugleich einschmeichelnd und herrisch.
Es ist die Stimme von Mr. Scientology!
 



Robert Kaufman: Übermenschen unter uns, 1972  Seite 10


 
 

Dianetic

Die Erschaffung der Dianetic ist ein Meilenstein für den Menschen, der Entdeckung des Feuers vergleichbar, und bedeutender als die Erfindung von Rad und Bogen.
(L. Ron Hubbard)
Meine Geschichte beginnt im Jahr 1950, als in den Buchläden ein Werk von L. Ron Hubbard auftauchte: "Dianetic - die moderne Wissenschaft von der geistigen Gesundheit.
Die Behauptungen auf dem hellgrünen Schutzumschlag des Buches wirkten wie eine Bombe. Hubbard nahm für sich in Anspruch, er habe nichts weniger entdeckt, als "die verborgene Ursache aller psychosomatischen Krankheiten und Geistesverwirrungen ... und dazu die Fähigkeit, sie unausweichlich zu heilen".
Ich verschlang das Buch.
Die Grund-Theorie ist ziemlich einfach. Hubbard beschreibt die Seele in einer Art, die an die Begriffe "Es, Ich und Über-Ich" (Id, Ego und Superego) erinnert. In der Version der Dianetic besteht der Geist aus zwei Elementen: dem analytischen Geist und dem reaktiven. Der eine ist gut, der andere schlecht. Der analytische Geist ist der bewußte, denkende Verstand, ein fehlerloser, tragbarer Computer. Der reaktive Geist dagegen ist ein lediglich auf Reize reagierender Medianismus, ein schwachsinniges und krankhaftes Überbleibsel aus den Tagen des Höhlenmenschen. Die alleinige Ursache allen irdischen Jammers soll in "Engrammen" liegen, Erinnerungen an entsetzliche und schmerzhafte Vorgänge, welche - ohne unser Wissen - sich über die Jahre hinweg in unserem reaktiven Geist ablagerten, während unser analytischer Geist infolge von Stress-Situationen nicht funktionierte. Diese Engramme haben nun die Wirkung, das Opfer in die Situation des ursprünglichen Vorfalls zurückzuversetzen, wenn sie "restimuliert" werden, d. h. wenn sie durch einen äußeren Einfluß in die Gegenwart übertragen werden. Das Opfer durchlebt dann bis zu einem gewissen Maß den Schmerz und die emotionale Verwirrung jenes Vorfalls erneut. Da der reaktive Geist nicht denkt, haben die ihm während eines solchen Vorfalls eingeprägten Worte eine vernichtende Wirkung: Engrammatische Worte, die in späteren Jahren restimuliert werden, werden durch das Individuum blindlings und buchstäblich als "Kommandos" mißverstanden.
Die Engramme eines Menschen sind auf der "Zeitspur" eingetragen, einer einem Filmstreifen ähnlichen inneren Aufzeichnung seines ganzen Lebens. Das erste und am meisten zerstörerische Engramm (genannt "Basis der Basis" oder BB) ist vermutlich schon vor der Geburt auf die Zeitspur aufgeprägt; demnach gibt es also "Praenatale Engramme". Nach Hubbards Buch ergeben sich aus dem Vorhandensein des reaktiven Geistes, der Zeitspur und der BB so weitreichende Folgen, daß die Engramme die Ursache des meisten Elends in der Welt sind, von leichten Verhaltensstörungen bis zu Krankheit, Krieg und Wahnsinn.
Hubbard nennt seine Methode, diesem Zustand abzuhelfen, "Auditieren". Dabei geht es ganz einfach darum, alle Vorfälle auf der Zeitspur des Patienten aufzuspüren und sie den Patienten noch einmal erleben zu lassen, in allen schrecklichen Einzelheiten. Schon wenige dieser Wiederholungen genügen, um ein Engramm auf der Zeitspur zu löschen, ebenso seine gefährlichen Wirkungen. Wer sich in dieser Weise von allen seinen Engrammen befreit hat, wird "Clear" (geklärt, befreit, klar) genannt. Er ist dann absolut frei von Neurosen und psychosomatischen Symptomen, mit vollständiger Erinnerung begabt und im Besitz eines fast übermenschlichen Intelligenz-Quotienten. Im Vollbesitz seiner Kräfte wäre ein Clear das erste sich voll selbst bestimmende Wesen auf unserem Planeten, der glückliche Bewohner einer schöneren Welt.
Es war nicht nur die Theorie und Methode, die Hubbards Buch von anderen unterschied (man begegnete in ihm vielen schon bekannten Gedanken, vor allem starken Anklängen an Freud). Es war auch der Stil des Autors, der Aufmerksamkeit erregte. Hubbard erinnerte an die Zeiten der Pioniere, als sich ein Mann nicht schämte, mit seinen Erfolgen zu prahlen. Er war hemmungslos, selbstbewußt und oft arrogant. Überall im Buch "Dianetic" griff er die etablierte Medizin mit prahlerischer Vehemenz an. Hubbard fand es nicht nötig, sehr tief in die Gesetzmäßigkeiten des analytischen Geistes einzudringen. Er konzentrierte sich völlig auf den reaktiven Geist, diesen Speicher aller menschlichen Krankheiten, beschrieb ihn in graphischen Darstellungen und in ausführlichen Schilderungen. Zur Ausschmückung seiner Darlegungen benutzte er eine ständig anschwellende, selbsterfundene Begrifflichkeit. Sie erweckte den Anschein, als sei sie ein Versuch, die gesamte psychiatrische Terminologie zu reformieren. Seine Beschreibungen der verschiedenen Typen von Engrammen waren unheimlich und einprägsam. Zum Beispiel die häufig vorkommende "versuchte Abtreibung" (AA), ein praenatales Engramm, wobei das Opfer sich überschwemmt fühlt, ausgeschabt oder mit Stricknadeln durchstochen. Viele Leute hielten dies für eine faszinierende Lektüre.

Die vielen Leser von "Dianetic", die sich für den Autor interessierten, erfuhren nur wenig über ihn. Hubbard behauptet, er habe ein äußerst wechselvolles Leben hinter sich. In seiner Jugend trieb ihn seine Abenteuerlust bis ins westliche China. Später war es nach seinen Angaben die Universitätsausbildung als Techniker und Physiker, die ihn befähigte, die menschliche Seele zu erkunden und mit mathematischer Präzision zu beschreiben. Und nebenbei hat er sich als Science-Fiction-Autor einen Namen gemacht. Es ist unwahrscheinlich, daß sehr viele der frühen Leser von "Dianetic" Hubbard wirklich für qualifiziert hielten, sich über Seele und Geist zu äußern. Doch dem hielt er unbekümmert entgegen: "Na schön, und wer sonst ist kompetent?" Er war wirklich talentiert, sogar brillant in einer gewissen Weise. Daher die Folgerung: Vielleicht war doch etwas an ihm dran. Und es wäre der sprichwörtliche Triumph des kleinen Mannes gewesen, wenn dieser amerikanische Selfmademan als der Entdecker des Geheimnisses der Seele und ihrer Gesetzmäßigkeiten anerkannt worden wäre. Das Endresultat seiner Methode (falls sie funktionierte) war unwahrscheinlich verlockend: nicht die undefinierbare "Heilung" durch den Psychiater, die im günstigsten Fall einen gut angepaßten Neurotiker produziert, sondern der Mensch im Zustand des "Clear" - ein gigantischer Fortschritt in Richtung zum Obermenschen. Und es schien sogar recht billig zu sein, ein Clear zu werden. Man brauchte nur das Buch zu kaufen.
So oder so - es machte einfach Spaß, Hubbard zu lesen. Ich jedenfalls genoß die Lektüre von "Dianetic", und Tausende von Lesern waren neugierig genug, um das Buch zu einem gewaltigen Bestseller zu machen. Während der frühen fünfziger Jahre kam die Dianetic geradezu in Mode, sie faszinierte nicht nur die weniger Gebildeten. Viele, die sich zum Beispiel niemals für Wunderheilungen durch Handauflegen interessiert hätten, waren von der Dianetic so angetan, daß sie Lust hatten, die Sache auszuprobieren.
Ich war einer von ihnen. Auch ich probierte die Dianetic mit einem Freund aus, der gern einverstanden war, daß wir uns gegenseitig auditierten. Vielleicht, so meinte er, war es ein Engramm, das drohte, seine Ehe scheitern zu lassen. Die Prozedur stellte sich als ziemlich zeitraubend heraus. Einen Menschen bis zum Zustand des Clear zu auditieren, könne Hunderte von Stunden erfordern, hieß es in dem Buch, in dem außerdem nichts darüber stand, woran man erkennt, ob man es tatsächlich geschafft hat. Darüber hinaus bestand die Gefahr, daß man bei Engrammen schwerwiegender Vorfälle die Kontrolle verlor.
In einer Sitzung ließ ich den Anweisungen entsprechend meinen Partner sich hinlegen. Nach kurzem Vorspiel geriet er in einen Autounfall, den er vor einigen Jahren erlebt hatte. Er erinnerte sich an die Worte, die während dieses Vorfalls gefallen waren, und machte noch einmal die Schmerzen durch, die er damals erlitten hatte, als er durch die Windschutzscheibe geschleudert worden war. Ich ließ ihn das ganze mehrfach wiederholen und holte ihn dann in die Gegenwart zurück. Er war ganz durcheinander. Ich hätte das Auditieren dieses Unfalls zu schnell abgebrochen, beschwerte er sich, und damit Hubbards wichtigste Vorschrift verletzt: lasse niemals einen Patienten mitten in einem Engramm allein.
Während der nächsten zehn, zwölf Jahre hörte ich wenig von Hubbard. Er reiste viel herum und sammelte hier und dort Gruppen von Jüngern. Wie es schien, mußte er dauernd versuchen, den Behörden um eine Nasenlänge voraus zu sein; ständig hatte er Schwierigkeiten mit ihnen. Ich las eins seiner neuen Bücher und fand, daß es weit weniger überzeugend war, als sein Erstlingswerk. Es entsprach vielmehr der Science Fiction, die Hubbard früher geschrieben hatte. Es enthielt eine neue, noch verworrenere Terminologie. Da gibt es MEST, eine Abkürzung für Materie, Energie, Raum und Zeit (= matter, energy, space und time): das physische Universum; ferner enMEST, das ist MEST im Zustand der Turbulenz. Dann Theta, der Bereich des Geistigen oder Nicht-Physischen und enTheta (Theta in der Turbulenz, der Unruhe). Die Folgen der Jagd nach Engrammen versetzen Patienten in einen tiefen Abkühlungsschlaf, eine Periode der Erschöpfung oder sogar der Bewußtlosigkeit, die bis zu dreißig Stunden dauert. Ich fragte mich, warum Hubbard diese änderungen für nötig hielt, obwohl er eben erst die ursprüngliche Dianetic als unweigerlich erfolgreich bezeichnet hatte. Eine Werbeschrift, die zusammen mit dem späteren Buch herauskam, enthielt die Mitteilung, daß in Wichita, Kansas, eine "Stiftung zur Erforschung der Dianetic" errichtet worden sei, wo man sich gegen Bezahlung auditieren lassen könne. Daraus konnte man schließen, daß Hubbard irgendwann nach der Veröffentlichung von "Dianetic" auf die Idee gekommen war, daß sich "Laien" nicht gegenseitig auditieren könnten. Ich war enttäuscht zu erfahren, daß die häufige Lektüre von Dianetic und die sorgfältig ausgeführten Auditions-Sitzungen mit meinem Freund eine noch größere Zeitverschwendung gewesen waren, als wir beide angenommen hatten. Jetzt sah es so aus, als ob L. Ron Hubbard selbst nie so ganz an die Dianetic geglaubt hatte, ganz im Gegensatz zu seinen Behauptungen. Die Werbebroschüre verriet außerdem die Tendenz zum Geldmachen zu offen, als daß man darüber hätte hinwegsehen können.
Kaum nötig zu sagen, daß Hubbards Bücher über Seele und Geist von den Kritikern zerfetzt wurden; sie bezeichneten seine Theorien als wissenschaftlich völlig unbegründet. In seinem Buch "Fads and Fallacies in the Name of Science" (etwa "Lug und Trug im Namen der Wissenschaft") ging Martin Gardner mit der Dianetic ins Gericht. Mehr als eine Satire wurde veröffentlicht. Hubbards überzogene Behauptungen, sein arrogantes Vokabular boten perfekte Zielscheiben. Es ging bergab mit ihm. Ein Magazin brachte das Gerücht, Hubbard sei in ein Hospital für Geisteskranke eingeliefert worden. Ich selbst dachte kaum noch an L. Ron Hubbard und an die Dianetic.
 



Robert Kaufman: Übermenschen unter uns, 1972  Seite 14


 
 

Übermenschen unter uns

(Inside Scientology)

Das unbeirrbare Streben nach Gewißheit ist nicht der Ausdruck wahren Glaubens sondern wurzelt in der Notwendigkeit, den unerträglichen Zweifel zu besiegen.
ERICH FROMM

Teil 1 - Die Agentur

... wir gehen bei jedem Patienten genau auf das Problem ein, das ihn zu uns gebracht hat, damit wir ihn nie durch eine änderung unserer Taktik erschrecken. Dann wecken wir sein Interesse, clear zu werden...
L. RON HUBBARD
18
 
 
 

Umworben

Mitte der sechziger Jahre hörte ich durch zwei Freunde - unabhängig von einander - zum erstenmal etwas über Scientology. Diesen Begriff hielt ich damals für einen Sammelnamen für alles, was L. Ron Hubbard seit 1950 hervorgebracht hatte. Meine Freunde zogen es vor, von einer Erweiterung der Dianetic zu sprechen; das Ganze schien jedenfalls noch mehr ausgeschmückt zu sein als das Buch, das ich in der Zwischenzeit gelesen hatte. Engramme oder den Vorgang des Clear-Werdens erwähnten sie nicht. Statt dessen sprachen sie vom "Thetan", der reinen, ursprünglichen, unsterblichen Seele, und dem Ziel sie zu befreien. Sie waren nicht in der Lage, genau zu sagen, wovon der Thetan befreit werden mußte. Aber was immer es war, es betraf nicht nur sein jetziges Leben, wie die Engramme, sondern es führte den Patienten in frühere Existenzen zurück. Diese Befreiung des Thetan wurde erreicht durch eine Serie von "Beichten", bei denen der Patient oder PC (von preclear: einer, der noch nicht clear ist) einige ziemlich persönliche Fragen beantworten mußte. Diese Tests wurden "Prozesse" genannt und umfaßten fünf Grade, jeder mit einem unterschiedlichen Ziel, wie "Die Stärkung der Kommunikationsfähigkeit des PC" oder "Die Stärkung seiner Fähigkeit Probleme zu lösen". Wollte man die einzelnen Stufen durchlaufen, mußte man verschiedene Reisen zur nächstgelegenen Zweigstelle der Scientology-Organisation unternehmen, der "Org", wie der Fachausdruck lautete, und über 700 Dollar zahlen.
Durch die folgenden Seiten wird der Leser so vertraut mit diesen Begriffen werden, als handele es sich um Worte auf seiner Einkaufsliste. Meine Freunde gaben mir den Eindruck, das wichtigste bei der Scientology seien nicht die Thetanen oder Prozesse, sondern eine Maschine: Während jeder Auditionssitzung umklammerte der Preclear zwei leere Konservenbüchsen, die durch Drähte mit einem "E-Meter" genannten elektrischen Gerät verbunden sind. Der E-Meter schickt ständig eine leichte elektrische Ladung durch den Körper des Patienten und registriert auf einer Skala dessen "Widerstand" gegen gewisse Fragen. Der Auditor kann die Antworten des Preclear überwachen, indem er die Skala beobachtet. Dadurch weiß er, wie bei der Befragung vorzugehen ist. Der E-Meter spürt jede Spannung sofort auf. Er verrät dem Auditor, ob der PC nervös ist, etwas zu verbergen versucht - oder überhaupt etwas denkt!
Meine Freunde lobten die wunderbaren Kräfte dieses Apparates, als wäre es nicht eine Art von kleinem, tragbarem Lügendetektor, sondern

eine magische Wünschelrute. Das galt besonders für einen von ihnen (ich möchte ihn Morton Morvis nennen). Er fand, daß er bei der Befragung mit dem E-Meter seine innersten Gedanken offenbaren mußte, gleichgültig, wie riskant oder selbstanklägerisch sie waren. Er schien dies zu genießen, vor allem wenn der Auditor eine üppige junge Frau war.
Morton liebte es, mich mit Geschichten aus der New York Org zu unterhalten, wo er an einem Kurs als künftiger Auditor teilnahm. Zu den wichtigsten Dingen, die er lernen mußte, gehörte es, beim Auditieren eines Preclear die Fakten nicht durcheinander zu bringen. Er mußte genügend Selbstkontrolle haben, um selbst vor dem extremsten Unsinn aus dem reaktiven Geist des PC nicht zurückzuschrecken, aus dem Teil seiner Psyche, der die Engramme und anderen Verwirrungen beherbergte. Um dem Schüler zu helfen, sich diese Fähigkeit anzueignen, spielte ein Ausbilder die Rolle eines PC, der - voll reaktiven Geistes - nichts anderes im Sinn hatte, als den Auditor in jeder denkbaren Weise durcheinander zu bringen. Dieser Drill war als "Stier-Hetze" bekannt.
Die meisten Ausbilder versuchten, den künftigen Auditor zum Lachen zu bringen. Morton beschrieb mir eine derartige Sitzung. Er und sein Ausbilder saßen sich auf zwei Sesseln gegenüber, der Ausbilder ganz dicht vor ihm, so daß er Mortons Knie mit seinen festhalten konnte. Der Ausbilder machte sich dann daran, Mortons schwache Punkte herauszufinden, die ihn bei der zum Auditieren notwendigen Konzentration stören konnten. Mit Erfolg. Sechs Stunden dauerte es, bis Morton nicht mehr mit hilflosem Gelächter auf die Attacken des Ausbilders und anderer Scientologen antwortete, die ihn mit Juden-Witzen (Morton selbst war Jude) und Imitationen jüdischer Gesänge aufs Glatteis führten.
Die sexuelle Seite des Lebens ergab natürlich die beste Gelegenheit, den Auditor abzulenken. Das gab Morton eine Chance, sich an der Frau zu rächen, die ihn vorher traktiert hatte. Tatsächlich gelang es ihr nicht, ein ernstes Gesicht zu behalten, als er sagte: "Ich habe Lust, mit meiner Zunge zwischen Ihren Beinen zu spielen", wobei er die Bewegungen des Leckens drastisch vorführte. Doch sie behielt das letzte Wort, als sie an der Reihe war, den aktiven Part bei der Stierhetze zu spielen. Sie stellte einen weiteren Schwächepunkt bei ihm fest - Blähungen - und brachte ihn erneut zu Lachkrämpfen, indem sie ihm die entsprechenden Geräusche mit großem Erfindungsreichtum vorführte.
Eine andere Freundin, Hildegard Sonderstrom, beschäftigte sich sehr viel ernsthafter mit der Scientology als Morton, dem es vor allem der Spaß und das spielerische Element in der Org angetan hatten. Sie verbrachte ihre ganze freie Zeit in der Org und drängte mich, ebenfalls hinzugehen, um mich auditieren zu lassen. Hildegard erzählte mir von den Erfolgen des Auditierens, die ihr Leben verändert hätten.
"Vorher konnte ich mich nicht mitteilen", beteuerte sie. "Ich war abgeschlossen, verriegelt, lebte in einem Nebel, bis ich mich auditieren ließ und der ganze Seelenmüll ausgeräumt wurde. Früher erlegte ich mir bei Dingen, die ich tun wollte, die verrücktesten Beschränkungen auf. Das sind "Considerationen", in der Scientologie-Sprache: falsche Betrachtungsweisen; während eines scientologischen Prozesses verhindern sie die Befreiung vom reaktiven Geist. Es ist solch ein Glücksgefühl, wenn man seine Considerationen aufgeben kann. Sie wehen einfach fort! Es ist eine Offenbarung!"
"Aber Hildie, brauchen Offenbarungen nicht etwas Zeit?"
"Nicht mit dem E-Meter. Das ist keine Psychoanalyse oder Positives Denken oder so etwas. Der Meter ist ein wissenschaftliches Präzisionsinstrument. Er hat dazu geführt, daß Scientology so viel schneller ist als Dianetic ... Es ist Hubbards Durchbruch!"
Der einzige Durchbruch, von dem hier die Rede sein kann, dachte ich damals, ist die Tatsache, daß das Wort Absurdität eine neue Dimension gewonnen hat. Doch ich ließ sie weiterreden.
Durch Hildegard lernte ich Felicia Lancia kennen, eine professionelle Auditorin. Hildegard nahm mich eines Abends in ihr Appartement mit, nachdem sie betont hatte, sie führe nichts Böses im Schilde. Felicia Lancia war eine schlanke und hübsche junge Frau mit unwiderstehlichen Augen. Sie und ihr Mann Umberto waren Musiker wie ich, und wir wurden schnell Freunde. Das Paar beeindruckte mich. Sie waren beide keine Fanatiker. Umberto war nicht annähernd so fest von der Scientology überzeugt wie die anderen. Er interessierte sich mehr für seine Kompositionen als für seine Ausbildung zum Auditor. Die Lancias schienen harmonisch zusammen zu leben, obgleich sie Felicias Beruf unterschiedlich wichtig nahmen.
Wie Hildegard versprochen hatte, wurde kein Druck auf mich ausgeübt, mich der Scientology anzuschließen. Selbstverständlich versuchte Felicia nicht die Tatsache zu verbergen, daß sie mich sehr gern auditiert hätte. Als ich auf ihrem Klavier spielte, deutete sie mein Spiel scientologisch und sprach von meinem "Fluß" und meiner "Aura". Hildegard machte mich auf das üppige Wachstum der Pflanzen überall in der Wohnung aufmerksam. "Pflanzen brauchen ebenso Bestätigung wie Menschen", sagte sie. "Wenn man mit ihnen verbunden ist, ihnen - wie wir es nennen - ARC gibt und ihnen Ist-heit verleiht, dann gedeihen sie auch. Ich begrüße meine Pflanzen immer. Ich mache ihnen Komplimente und ich streichele sie."

Felicia ließ mich ein Spiel ausprobieren, bei dem ich Bewegungen ihrer Hände nachahmen mußte. Sie forderte mich auch auf, Hildegard durch den Raum zu schicken und dabei die Wände und einzelne Gegenstände berühren zu lassen. Ich sollte ihren Gehorsam bei der Ausführung der einzelnen Kommandos mit einem "Dankeschön" bestätigen. Ich fand das bald monoton. Die beiden jungen Frauen meinten, ich stelle mich bei diesen Übungen recht gut an und könne eines Tages ein guter Scientologe werden.
Etwa eine Woche später lud mich Felicia in die New York Org ein. Sobald ich ankam, wurde ich zum Empfang gebracht. Dort saß eine aufregende Blondine. Sie hatte die Aufgabe, die Leute zu überreden, sich zum Auditieren und für neue Kurse einzuschreiben. Mir schlug sie vor, sofort mit den unteren Graden zu beginnen und im voraus zu bezahlen. Während sie mir unverwandt in die Augen starrte, wurde mir unbehaglich. Ich versuchte, mich von ihrem Blick zu lösen. Ich antwortete ihr, ich wolle noch ein wenig warten, um die Angelegenheit zu bedenken. Daraufhin ging sie sofort in die Offensive: Offensichtlich habe ich Probleme, meinte sie, Scientology sei der einzige Weg zur totalen Freiheit. Darum würde ich eine Sünde gegen mich selbst begehen, wenn ich länger abwarte.
Ihre Plumpheit stieß mich ab. Ich befreite mich endgültig von ihrem durchdringenden Blick. Später saß ich mit Felicia in einem Cafe. "Ich hätte dich gar nicht hinbringen sollen", sagte sie mit mitfühlendem Lächeln. "Du bist zu sehr Individualist für sie. Du darfst die Empfangsdame nicht tadeln - sie bekommt eine Prämie, wenn sie jemanden wirbt. Aber selbst ich finde sie mitunter ziemlich anstrengend. Ich werde dich privat auditieren, in unserer Wohnung. Auf diese Weise kommst du mit den Fanatikern gar nicht mehr zusammen."
Ich nahm ihr Angebot nicht an. So sehr ich Felicia mochte, so wenig konnte ich einsehen, wie eine Serie von Fragen und eine Maschine mein Leben irgendwie verbessern konnten. Meinen Freunden war es nie gelungen, mir klar zu machen, was genau die Scientology war, und vor allem, wie sie bewirkte, was sie bewirken sollte. Ich hielt die Scientology einfach nur für den privaten Glauben einiger meiner Freunde. Wenn sie ihnen half - um so besser. Es machte mir keine Mühe, ihrer Begeisterung Toleranz entgegenzubringen. Ich hatte einen großen Bekanntenkreis innerhalb und außerhalb der Musikbranche. In jenen Tagen suchten die meisten von uns auf den verschiedensten Wegen nach der Wahrheit. Ich selbst las Bücher über den Zen-Buddhismus, einige meiner Freunde praktizierten Yoga, andere begannen, sich auf Drogen einzulassen. Alle waren zufrieden, solange niemand versuchte, einem anderen seine Wahrheit aufzudrängen. Die Lancias belästigten mich mit ihrer Scientology nicht, darum gewöhnte ich mich daran, sie hin und wieder zu besuchen.
Eine Veränderung trat bald nach meiner Rückkehr nach New York ein. Ich hatte eine sechsmonatige Tournee mit einer Musicalproduktion hinter mir, eine Arbeit, die mir nicht sehr gefiel. Diese lange andauernde Verdrossenheit ließ mich erkennen, wie sehr es mir seit Jahren an Kreativität gefehlt hatte, während ich für minimale Gagen arbeitete und bescheiden in möblierten Zimmern wohnte, in der einzigen Hoffnung, genug Geld zu sparen, um einen großen Gewinn an der Börse zu machen. Genau zu dieser Zeit machte mir Felicia ein Sonderangebot: Ich konnte mich zum ersten Grad auditieren lassen und brauchte nur dann weiter zu machen, wenn ich einen Nutzen davon spürte. Das war in der Tat günstig. Denn in der Org hätte ich sofort für alle fünf Grade unterschreiben müssen, mit dem zusätzlichen Nachteil, ständig aufgefordert zu werden, eine Anzahlung auf gesonderte Trainingskurse zu leisten. Daß Felicia mir Entscheidungsfreiheit ließ, erweckte sofort mein Interesse. Wenigstens hatte ich die freie Wahl. Ich konnte mich von den Fanatikern fernhalten und zugleich meine Neugier befriedigen. Wenn ich schon keine Ahnung hatte, worum es in der Scientology eigentlich ging, mochte es doch eine angenehme Beschäftigung sein, eben das herauszufinden. Wenn ich mich ein paar Stunden von einer hübschen jungen Frau auditieren ließe, überlegte ich mir, würde mich das schon nicht gleich zu einem Jünger machen. Der Spaß des Frage- und Antworte-Spiels und der Reiz, den E-Meter in Aktion zu sehen, würden allein die Kosten von 125 Dollar für den ersten Grad lohnen.
Was war der wahre Grund, weshalb ich mich auf das Auditieren, oder den "Prozeß", wie es auch genannt wird, einließ? Ich habe viele Stunden damit verbracht, mir das zu überlegen. Es liegt auf der Hand, daß mein ganzes Leben zu jener Zeit die Antwort darstellt. Ich möchte den Leser nicht mit einer Nabelschau langweilen. Ich will daher nur sagen, daß ich äußerst neugierig war, beeinflußbar und bereit, zweifelhafte und vielleicht sogar selbstzerstörerische Risiken ohne große Bedenken einzugehen; daß mein Sinn für soziale Verantwortung unterentwickelt war; und daß ich seit langem persönliche Probleme hatte, ohne sie direkt anzugehen. Ich wollte herausbekommen, was das Auditieren bewirkte, und ich wollte kein Spielverderber sein.
Es war im April 1967, volle zwei Jahre, nachdem ich erstmals über die Scientology hatte sprechen hören, als ich mich bereit erklärte, daß Felicia mich auditierte. Dies lange Zögern machte mich, wie ich meinte, zu einem Sonderfall gegenüber den vielen, die schnell und total in die Gruppe eingetaucht waren.

23
 

Preclear

Felicia setzte mich ihr gegenüber an einen Tisch. Der E-Meter, ungefähr so groß wie eine Zigarrenkiste, war in einem Winkel von 45 Grad auf dem Tisch aufgebaut. Nur der Auditor konnte die Bewegungen der Nadel auf der Skala beobachten. Zwei Konservenbüchsen, die früher vielleicht einmal die Etiketten von Campbell's Suppe getragen hatten, standen in meiner Reichweite.
Felicia drehte an verschiedenen kleinen Knöpfen an dem Meter. Dann sagte sie mit fester Stimme: "Bitte nimm die Büchsen. Danke. Beginn der Sitzung." Sie schaute mir direkt in die Augen.
"Dies ist der Prozeß. Worüber willst du mit mir sprechen?"
"Musik", antwortete ich.
"Danke, Was willst du mir darüber sagen?"
"Alles, was ich weiß."
"Gut. Worüber willst du mit mir sprechen?"
"Über viele Dinge."
"Fein. Was willst du mir über sie sagen?"
"Was immer ich kann."
"Danke. Worüber willst du mit mir sprechen?"
Ich zögerte. Da war noch etwas. Ich zuckte zusammen, als mir schlagartig der Gedanke ins Bewußtsein schoß, der mir bei ihrer Frage gekommen war und in meinem Hirn aufblitzte wie eine Leuchtkugel.
"Ich werde die Auditionsfrage wiederholen. Worüber willst du mit mir sprechen?"
Der E-Meter hatte es entdeckt. Ich zögerte.
"Die Nadel reagiert hier auf etwas. Was, meinst du, könnte das sein? Da, da!" rief sie, als sie weitere Reaktionen feststellte. Während ich dasaß und die Konservenbüchsen umklammerte, hatte ich das plötzliche Bedürfnis zu sprechen, ihr alles zu sagen.
"Ich möchte mit dem Po eines Mädchens spielen."
"Danke. Was willst du mir darüber sagen?"
"Dauernd verfolgt mich der Wunsch, Mädchenpopos zu befummeln."
"Danke. Was willst du mir darüber erzählen?"
"Es verfolgt mich ständig."
"Gut. Und was willst du mir darüber erzählen!"
"Das ist alles.... Ich weiß nicht... Ich habe es getan ... Ich meine, ich habe hineingeschaut... verschiedentlich. Ich weiß einfach nicht, wonach ich schaue oder warum. Es ist so dumm."
"Fein. Falls du hineinschaust, was willst du mir darüber erzählen? Nenne einfach ein paar Dinge, die du sehen könntest." "Ein Loch ... ein Rektum ... einen Tunnel."

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"Danke. Noch etwas?"
"Glasierte Kastanien ... eine Orangensaft-Presse ... ein grünes Luftschiff", sagte ich. Allmählich kam ich in Fahrt.
"Gut. Wir wollen das etwas näher betrachten. Wir machen eine Liste aller Dinge, die du sehen könntest."
Ich kam mir etwas komisch vor, während ich meine Phantasie schweifen ließ und der Liste hinzufügte, was immer ich "sah". Jedes einzelne Wort wurde von Felicia genau in ihren Auditor-Report eingetragen. Ich gab ihr eine umfassende Sammlung, von "Schuhen und Schiffen" bis zu "Siegelwachs". Einen Augenblick lang hatte ich das Gefühl, ganz dicht an der Grenze einer Einsicht zu stehen. Aber dann ließ ich nach, meine Kraft schwand, als ob sie sich an verborgenen Widerständen verzehrt hätte. Sofort verstärkte Felicia ihren Druck, um die Liste der Dinge, die ich sehen würde, weiter zu vervollständigen.
Als ich das Wort "Schornstein" aussprach, hatte ich das Gefühl, näher an den Kern des Geheimnisses herangekommen zu sein. Ein erregendes Gefühl begann sich>


Übertragung unterbrochen

überwältigenden Vertrautheit einer seit langem vergessenen Freude. Wie in einer Vision schaute ich in einen Strudel hinab. Ich beschrieb ihn Felicia, und dabei verwandelte er sich in ein Füllhorn, das sich mitten durch meinen Kopf wand und verlorene Empfindungen wieder erschloß ...
"Danke. Mach weiter"
"Jetzt wird es schwächer."
"Gut. Noch mehr?"
"Es ist vorbei."
Als ich später heimging, fragte ich mich, was wohl die angenehmen Empfindungen ausgelöst haben mochte und warum Felicia die Sitzung so beendet hatte, wie sie es tat. Nach zwei Stunden hatte sie lächelnd gesagt: "Danke. Soviel für heute. Welche Fortschritte hattest du bei dieser Sitzung?"
Ich war verblüfft. Ich hatte kaum Zeit gehabt, mir darüber Gedanken zu machen.
Unser letzter Wortwechsel war gewesen: "Fein. Ich überprüfe die Prozeß-Frage. Worüber willst du mit mir sprechen?"
"Über alles."
"Danke. Was willst du mir darüber sagen?"
"Was immer du wissen willst."
Noch etwas hatte sich während der Sitzung ereignet, was ich mir nicht erklären konnte. Wenn ich daran zurückdenke, möchte ich bezweifeln, ob Felicia es bemerkt hatte, obwohl es ihr mit ihrem ersten Auditor ebenso ergangen war, Jahre bevor sie mich auditierte. Denn, wenn

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man genau nach den Stufen vorgeht, die den Preclear von verschiedenen Problemen befreien sollen, scheint es eine Anzahl verborgener Stufen oder Stationen zu geben, die ihn Schritt für Schritt in eine völlig andere Richtung lenken.
Während dieser ersten Sitzung hatte ich meinen eigenen Weg durch diese geheimen Stufen begonnen.

Wir trafen uns zwei Tage später. Als erstes fragte sie:
"Welchen Gewinn hattest du von der vorigen Sitzung?" Ich sagte ihr, daß sich bis jetzt noch keiner eingestellt hätte. Sie begann wieder ihre Fragen zu stellen.
"Wenn du mit einem Polizisten sprechen könntest, worüber würdest du mit ihm reden?"
"Über alles, worüber er sprechen wollte."
"Fein. Wenn du mit einem Polizisten über etwas, worüber er sprechen wollte, reden würdest, was würdest du dann genau sagen?"
"Irgendetwas, das mir keine Schwierigkeiten einbringt."
"Danke. Wenn du mit Vater oder Mutter sprechen könntest, über was würdest du sprechen?"
"... meine Mutter starb vor einigen Jahren."
"Gut. Was sind deine Überlegungen zum Thema Kommunikation?"
"Sie ist nicht in Frieden gestorben."
"O.k. Wenn du mit ihr reden würdest, worüber würdest du mit ihr sprechen?"
"Ich würde ihr sagen, daß es mir leid tut."
"Danke. Wenn du ihr sagen würdest, daß es dir leid tut, was würdest du genau sagen?"
"Wie meinst du das?"
Sie ließ mich die Büchsen für einen Moment hinstellen, während sie erklärte, ich könne so tun, als ob meine Mutter anwesend wäre. Ich griff wieder nach den Büchsen und sagte meiner Mutter, daß ich wünschte, ich wäre freundlicher zu ihr gewesen, als sie noch lebte. Am Ende der Sitzung wollte Felicia wissen, welche Fortschritte ich gemacht hätte. Ich konnte ihr keine genaue Antwort geben. Etwa eine Stunde nach dem Beginn der dritten Sitzung richtete sich Felicia in ihrem Stuhl kerzengerade auf, sie hatte den abwesenden Blick eines Hundes, der in den Wind schnüffelt. Meine Antworten kamen jetzt schneller, und ihre Augen glänzten, als ob gleich etwas Wunderbares passieren müßte.
"Ich überprüfe folgende Frage: Wenn du mit einem Richter ein Gespräch führtest, worüber möchtest du mit ihm reden?"
"Über alles."

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"Fein. Wenn du dich einem Publikum von mehreren tausend Menschen mitteilen könntest, worüber möchtest du dann sprechen?"
"Über alles."
"Gut. Und wenn du mit irgendjemand sprechen könntest, worüber möchtest du dann reden?"
"Über alles. Über alles in der Welt."
So erreichten wir den ersten wichtigen Markstein, den sie schon während der ersten Sitzung im Auge gehabt hatte. Felicia nahm auf dem E-Meter genau die Anzeige wahr, auf die sie schon gewartet hatte und kündigte das Ende des Prozesses an: "Danke, 0.K.! Das wär's!" Sie ließ mich die Konservenbüchsen abstellen. "Herzliche Glückwünsche, du bist ein 'Release', ein Befreiter, Grad 0 - Kommunikation."
Als sie mich wie beim Beginn und am Ende jeder vorhergehenden Sitzung nach meinen Gewinnen fragte, war ich leicht irritiert. Diese Fragen suggerierten geradezu, daß ich Gewinne erzielt hätte. Nun wurde mir also gesagt, was ich war - ein Release - durch den Auditor und durch die Maschine. Ich hatte bares Geld bezahlt, um diesen so erstrebenswerten Titel zu erhalten, aber das war ein Status, den ich schon vorher besessen hatte. Ich hatte mich schon immer leicht mitteilen können. Jetzt wurde mir unterstellt, daß ich nicht so kommunikativ gewesen sei, wie ich geglaubt hatte. Das war schwer zu verstehen. Offensichtlich war es für Felicia wichtig, daß ich Gewinne machte und befreit wurde, ob ich wollte oder nicht; auch wenn - soviel mir bewußt war - nichts passiert war. Einen Augenblick lang hatte ich den Verdacht, daß ich für verborgene Zwecke ausgenutzt wurde, daß man mich für ein unbekanntes Ziel präparieren wollte. Ich hatte keine Gewinne zu melden.
Ich teilte Felicia mit, ich würde ihr in einer Woche sagen, ob ich die Sitzungen fortsetzen wollte. Trotz meines Unbehagens gab es doch Dinge, die mir am Auditieren gefielen; die Sache hatte etwas für sich. Obwohl es mich manchmal langweilte, verwirrte, ärgerte oder mich benommen machte, fühlte ich mich doch herausgefordert. Auf seine Weise war der Prozeß faszinierend, und er hatte geheimnisvolle Saiten in meiner Psyche angeschlagen. An erster Stelle, so glaube ich, war es Felicias Werk: ich wollte mich ihrer Hoffnung würdig erweisen. Während jeder Sitzung hatten ihre Augen die meinen nur losgelassen, wenn sie schnell auf den E-Meter schaute, an seinen Knöpfen drehte oder meine Antworten in ihren Bericht eintrug. Ihr Blick war munter und wachsam, als ob sie meine Antworten aus mir herausholen wollte, die sie jedesmal bestätigte. Ihr "Danke!" klang aufrichtig und wurde jedesmal von einem direkten Blick begleitet und einem ermutigenden Lächeln, als ob sie sagen wollte: "Schon gut, ich habe deinen Gedanken

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erfaßt, und es ist gut, daß du ihn hattest und ihn mir mitgeteilt hast." Diese konzentrierte Aufmerksamkeit und das bemerkenswerte Tempo, mit dem wir intime Phänomene ausgelotet hatten, brachten mich zu der Überzeugung, daß der Prozeß des Auditierens mich vielleicht mehr berührte, als alles, was ich vorher getan hatte. Dabei hatte ich immer noch keine Ahnung, wohin das alles führte. Mir scheint, daß Felicia eine Menge Einfühlungsvermögen hatte, aber in ganz anderer Weise, als mir je begegnet war. Es war ein Hauch von Erotik dabei - wenn auch anders als üblich - oder machte ich mir etwas vor? Ich wußte, daß Felicia eine Freundin war, daß sie mich respektierte, ganz gleich, wie ich auf eine Auditionsfrage antwortete; und daß sie etwas von mir wollte, das ich ihr nicht verweigern mochte.
Eine Woche später bezahlte ich und nahm die nächste Serie von Sitzungen auf: "Grad I: Probleme."

Umberto Lancia hielt die Scientology für heilsam, meinte aber, daß man sich nicht von ihr beherrschen lassen solle. Er freute sich auf unsere gemeinsamen musikalischen Abende und auf unsere langen Spaziergänge im Park, weil er dadurch der dauernden Fachsimpelei seiner Frau und ihres Kreises entgehen konnte. Vor allem Hildegard Sonderstrom war es, die ihn mit ihrer Angewohnheit, Luftschlösser auf Hubbards Ideen aufzubauen, in Wut versetzte. Sie lebte praktisch in seiner Wohnung, wenn sie sich nicht in der Org aufhielt. Ein anderer häufiger Besucher war Maurice Moussorgsky. Er war schon seit langem Scientologe und einer von Felicias ersten Auditoren. Er war bekannt dafür, daß er Preclears mit seinen anerkanntermaßen unorthodoxen Methoden schnell zum Release brachte. Er war kräftig gebaut, blauäugig und pockennarbig, mit einem groben, doch ebenmäßigen Gesicht und einem Vollbart. Umberto fand ihn unerträglich.
An dem Abend, an dem ich Maurice kennenlernte, führten Hildegard und ich ein Streitgespräch über die Frage, wie man ein Musikstück einstudieren mußte. Immer wenn wir darüber sprachen, ertappte ich mich zu meinem ärger dabei, daß ich mit ihr wie ein Student im zweiten Semester sprach. So äußerte ich mich über den "Schmerz, den manche Leute durch das Üben zu erleiden fürchten". Maurice, der den Anschein erweckt hatte, in ein anderes Gespräch verwickelt zu sein, brüllte mir durch das ganze Zimmer zu:
"Und was bringt Sie auf die Idee, Sie wüßten etwas von Schmerz oder Freude? Sie sollten diese Dinge selbst erfahren, bevor Sie darüber reden!"
Hildegard und ich besprachen den Vorfall später, als ich sie nach Hause brachte.

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"Maurice hat immer einen guten Grund für alles, was er tut, und er hat schon schrecklich vielen Leuten geholfen", sagte sie. Sie konnte aber weder den "guten Grund" noch die Hilfe für mich erklären. Der Zusammenprall mit Maurice, praktisch zwanzig Minuten, nachdem wir uns zum erstenmal die Hand gegeben hatten, machte es mir schwer zu verstehen, warum Hildegard und Felicia so große Stücke auf ihn hielten.
An einem der nächsten Abende teilte mir Felicia mit, sie werde in einigen Wochen nach England aufbrechen, um sich dem Clear-Prozeß zu unterziehen. Wegen der ziemlich hohen Kosten werde Umberto den Prozeß nur bis zu Grad V: "Power Release" (= Befreiung der Energie) mitvollziehen. Maurice war in der gleichen Sache schon drüben gewesen, durfte uns aber nicht viel darüber sagen. Alle Grade über IV, also auch Stufe VII: Clear, waren geheim. Man konnte sie nur in England machen, im sogenannten "Hill", Saint Hill Manor, in der Nähe der Stadt East Grinstead in Sussex, wo die Scientology-Organisation ihr Hauptquartier und eine Schule besaß. Damit war ein neues Element eingeführt: Geheimhaltung.

Du als ein Theta-Wesen magst vielleicht Griechenland oder Rom gesehen haben - oder auch nicht.
L. RON HUBBARD
"Dies ist der Prozeß. Sag mir ein Probleme
"Manchmal kann das Leben ein Problem werden."
"Fein. Wie würdest du es lösen?"
"Ich weiß nicht."
"Ich wiederhole die Auditionsfrage: Wie würdest du es lösen?"
"Wahrscheinlich gibt es mehrere Wege."
"Fein. Worin könnten sie deiner Meinung nach bestehen?"
"Aktiv sein...passiv sein...kämpfen...fliehen...wie verrückt arbeiten...gammeln..."
"Gut. Sag mir alle möglichen Lösungen"
"Dinge tun. Ich könnte bessere Arbeit suchen, eine Wohnung mieten, mich verlieben, heiraten, etwas studieren."
"Danke. Noch andere Lösungen?"
"Sport treiben. Nicht mehr rauchen, vernünftig essen, meditieren, lesen, alle Dinge tun, die ich mir vorgenommen hatte."
"Danke. Wie würdest du es lösen?"
"Klavier üben, eine Vorstellung geben, ein Buch schreiben, alle meine Pläne ausführen. - Eben fällt mir etwas ein. Aber es hat nichts mit dem zu tun, womit wir uns gerade beschäftigen. Ich habe ein seltsames Gefühl."

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"Gut. Was, meinst du, könnte das sein?"
""Ich sehe mich in Afghanistan, in einem Zelt. Draußen sind grüne Felder, Fahnen, Pferde."
"Fein. Wann ist das?"
"Mein erster Gedanke ist das fünfzehnte Jahrhundert..."
"Gut. Ist das die Zeit?"
"Ja, das glaube ich."
"Gut, danke. Ist sonst noch etwas auf diesem Bild?"
"Ja, ich war einmal auf einer Konzertreise in Afghanistan. Das ist komisch: ich sah ähnliche Felder und Fahnen letzten Sonntag bei einer Versammlung im Central Park."
"Danke. Noch etwas?"
"... aber jetzt ist es anders. Ich glaube, Flammen zu sehen, oder Fackeln, Rauchwolken. Es ist seltsam, ich kann es nicht glauben, aber mir ist, als ob ich schon vorher dort gewesen wäre."
"Danke. Was sind deine Überlegungen zum Thema Realität?"
"Ich weiß einfach nicht, ob dies wirklich passiert, oder ob es ein Traum oder ein Phantasie-Gebilde ist. Ich sinke immer tiefer hinein. Es bereitet mir Unbehagen ...ja, ich glaube, ich werde in dem Zelt gefangen gehalten."
"Danke. Noch etwas?"
"Ich möchte da heraus. Tatsächlich bin ich drinnen und bilde mir ein, ich wäre draußen und sähe die Pferde. Es gibt ein Rennen oder so."
"Danke. Wie würdest du es lösen?"
"Ich kann es nicht lösen. Ich stecke fest, ich bin hilflos. Das ist es. Ich bin ein wenige Monate alter Säugling und ich kann überhaupt nichts tun. Ich bin für das, was geschieht, nicht verantwortlich."
"Verstanden! Was sind deine Überlegungen zum Thema Verantwortlichkeit?"
"Das Wort hat eine unangenehme Nebenbedeutung für mich. Ich verbinde damit Schuld, Scham, den Zwang, Dinge zu tun, die man eigentlich nicht tun will - und wenn man sie unterläßt, erntet man Tadel."
"Gut. Stell jetzt die Büchsen auf den Tisch. Hier ist ein Webster Lexikon. Schlag das Wort 'Verantwortlichkeit' auf. 0.K., was bedeutet es also?"
"Ich merke, worauf du hinaus willst, aber ich mag das Wort einfach nicht. Es geht mir gegen den Strich."
"Ich möchte sicher gehen, daß du weißt, was das Wort wirklich bedeutet. Denn es ist eins der Hauptziele des Prozesses, das Verantwortungsgefühl zu stärken. Je mehr einer bereit ist, Verantwortung für seine Vergangenheit zu übernehmen ..."
"War es ein früheres Leben, was ich dir beschrieben habe?"

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"Es ist deine Sache, das zu beurteilen."
"Oder meinst du, ich hätte versucht, alle meine Probleme ins 15. Jahrhundert zurückzuschieben?"
"Auch das kann ich nicht für dich beurteilen. Nimm bitte wieder die Büchsen. Ich möchte es mit dem E-Meter überprüfen. Was bedeutet für dich Verantwortlichkeit?"
"Oh Gott, ich glaube ich habe immer Dinge in das Wort hineingelesen - wahrscheinlich wegen etwas, das in meiner Kindheit passierte."
"Gut. Und was denkst du heute über Verantwortlichkeit?"
"Es passierte nichts. Niemand wollte etwas von mir. Ich muß es irgendwo aufgelesen haben."
"Danke. Noch etwas dazu?"
"Es ist letzten Endes nur ein Wort. Ich werde über die Assoziationen hinwegkommen."
"Gut. Nun überprüfe ich die Frage: Wie würdest du es lösen?"
"Indem ich fähig bin es zu lösen."
"Danke. Sag mir ein Problem."
"Probleme haben ist ein Problem."
"Und wie würdest du es lösen?"
"Indem ich keine Probleme mehr habe."

"... und nun sehe ich ein Baby in blauen Kleidern vor mir. Es ist dasselbe Blau, wie der Deckel des Fotoalbums, in dem meine Mutter die ersten Schnappschüsse von mir aufbewahrte."
"Danke. Noch mehr darüber?"
"Es ist, als betrachte ich mich von außen."
"Gut. Welche Überlegungen hast du dazu?"
"Da ist eine sehr schwache Erinnerung, fast wie ein Traum. Ich wußte, daß nahe Verwandte ein Baby hatten. Es starb kurz vor meiner Geburt. Nun bin ich ihm so nahe, das Baby tut mir leid...ich beweine es...weißt du, ich glaube, das Baby war ich selbst...in einem früheren Leben."
"Danke. Und wenn das ein Problem wäre, wie würdest du es lösen?"
"Indem ich mich dafür verantwortlich fühle."
"Verstanden. Ich möchte die Frage mit dem E-Meter überprüfen: Sag mir ein Problem!"
"Es gibt keine Probleme."

Die hier beschriebenen Auditionssitzungen sind nicht wörtlich dargestellt. Sie haben den Charakter einer Rekonstruktion. Stundenlange Sitzungen sind teilweise in einem Satz zusammengefaßt. Aber der Bericht zeigt genau, was in den Sitzungen passiert, oder zumindest pas-

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sieren kann.
Was die Fragen selbst betrifft, sie sind selbstverständlich so angelegt, daß sie den Preclear anfangs etwas unbehaglich machen. Das ist nötig, damit er später Erleichterung spüren kann. In der Sprache der Scientologen: "Sein reaktiver Geist wird absichtlich restimuliert (= wieder angeregt), damit er destimuliert (= abgeregt, beruhigt) werden kann." (Abgekürzt: "Restim zum Zweck des Destim".)
Eine sehr allgemeine Frage wird in dem Prozeß ständig wiederholt. Zuerst sieht der Preclear keine Möglichkeit, hieb- und stichfest zu antworten. Dennoch wird er versuchen, nach besten Kräften zu antworten, wobei er die Antwort immer auch einschränkt. Bis zu einem gewissen Maße fühlt er sich unter Druck, unter Zwang und in eine Falle gelockt. Seine nächste Reaktion ist der verstärkte Wunsch, die wiederholte Frage zu beantworten, denn jedesmal, wenn er seinen Mund öffnet, erhält er eine kleine Belohnung in Form einer Bestätigung (Fein! Gut! OK! usw.). Schließlich möchte er das Gefühl haben, jede Frage beantworten zu können, so daß er möglichst viele Belohnungen erhält. Und zu diesem Zweck ist er bereit, Antworten zu erfinden. Wenn er zögernd antwortet (das wird "Comm-Unterbrechung", Abkürzung für Kommunikationsunterbrechung, genannt), wird die Frage automatisch wiederholt, damit er schneller antwortet. Nun ist er brav.
Schließlich möchte er ja selbst vorankommen. Nach einiger Zeit ist ihm ganz egal, was er sagt. Sein Verstand wird wie ein Computer behandelt, und was er sagt, ist wie ein Rechenexempel, das auf dem E-Meter registriert wird. Die ständigen Bestätigungen und die Nichtbewertung seiner Antworten durch den Auditor prägen ihm das deutlich ein. Während der Sitzungen wird ihm tatsächlich nie gesagt, was er glauben soll. Aber wenn man ausspricht, was man nie aussprechen wollte, ist es nur noch ein kleiner Schritt, auch zu glauben, was man gesagt hat. Der Preclear möchte sowieso glauben, daß alles, was geschieht, ihm hilft. Die Auditionssitzung ist präzis darauf ausgerichtet, diese Haltung auszunutzen.
Felicia selbst hatte nichts dazu beigetragen, um meine Visionen von einem früheren Leben zu fördern. Sehr gewandt vermied sie jedes eigene Urteil, in genau gleicher Weise bestätigte sie, was ich entweder für trivial oder für bedeutsam hielt. Anscheinend gab sie auf diese Weise ihre Zustimmung zu meinen seelischen Wanderungen -, aber es gab nichts Konkreteres als ihre bloße Bestätigung von allem, was ich als Antwort auf ihre Fragen sagte. Von vornherein hatte ich gewußt, daß ich in diesem Prozeß früher oder später mit meiner früheren Existenz oder mit der Loslösung meiner Seele vom Körper zu tun haben

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würde. Und vielleicht hatte die Tatsache, daß ich für einen weiteren Grad bezahlt hatte, mich dazu veranlaßt, diese Vorstellungen in den Sitzungen auszuprobieren. Ich konnte nichts Falsches in solchen Ideen sehen. Seit Urzeiten hatte sich die Menschheit damit beschäftigt, sie gehörten zu den Grundüberzeugungen vieler Religionen, sie waren anerkanntermaßen Gegenstand wissenschaftlicher Forschung; es wäre vermessen gewesen, sie einfach als Unsinn einzustufen.
Allerdings hatte ich mir einen Hauptirrtum zuschulden kommen lassen (wenn wir für einen Augenblick die Annahme beiseite lassen, daß der Irrtum wahrscheinlich darin bestand, daß ich mich überhaupt auditieren ließ). Der Irrtum bestand in der Überzeugung, daß die scientologische Technik des Auditierens irgendeine Bedeutung hinsichtlich dieser okkulten Dinge hätte.
Hubbard hatte ein Bild des menschlichen Geistes gezeichnet: die Zeitspur. Sie lief durch die unzähligen früheren Existenzen zurück, die durch traumatische Erlebnisse beeinträchtigt waren. Er schenkte uns auch den E-Meter. Nirgends erklärte er genau, was diese Maschine eigentlich registrierte. Man erinnere sich daran, daß Felicia ihr ganzes Material - Antworten auf die Fragen, Träume, Phantasien, eingebildete Erinnerungen und deren Daten - von mir selbst erhalten hatte! Aber das System des Auditierens ließ es so erscheinen, als ob alles, was ich sagte, sich auf dem E-Meter spiegelte. Ich hatte mich von Anfang an selbst in die Irre geführt, indem ich die natürlichen - oder auch die widernatürlichen - Regungen meiner Psyche mit der Atmosphäre und den Wirkungen des Auditierens in einen Topf warf. Ich hatte mich auch über die Länge des Seils getäuscht, das man mir ließ, um mich daran selbst aufzuhängen. Hat man sich einmal auf das Auditieren eingelassen, dann läuft alles seine vorgezeichnete Bahn. Ich war zu sehr bereit, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Was mit mir geschah, war mehr, als ich durchschauen konnte. Und bis jetzt war ja auch noch nicht so viel passiert. Später, vielleicht in der nächsten Sitzung, würde ich herausbekommen, worauf alles hinauslief.
Es dauerte gar nicht mehr lange, bis ich mir einbildete, daß sich durch das Auditieren in meinem Leben etwas änderte. Meistens war mir das Duell, daß zwischen Felicia und mir, zwischen Auditor und Preclear, stattfand, nicht einmal bewußt. Auch sie durchschaute nicht, daß die Kontrolle, die sie während der Sitzungen über meine Seele erlangte, letzten Endes die Qualität einer Falle hatte. Bald wurden Phantasien zu Tatsachen. Ich steckte schon tief im Reich der Phantasie und hatte schon ein gutes Stück der verborgenen Straße ins Land Nirgendwo zurückgelegt.
"Dies ist der Prozeß. Was hast du getan?"

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"Diese Frage beschwert mich sehr. Sie erweckt alle schlechten Dinge, die ich getan habe, zum Leben."
"Ich wiederhole die Auditionsfrage: Was hast du getan?"
"Ich habe manchmal auch Gutes getan. Doch jetzt verbinde ich die Frage mit den bösen Taten, die ich begangen habe. Ich höre die Frage, als ob sie lauten würde: ,Was hast du Böses getan?'"
"Stell die Büchsen einen Moment ab. In der Stufe II haben wir es mit dem 'Verborgenen' und mit dem 'Zurückgehaltenen' zu tun. Ich möchte, daß du selbst diese Begriffe im Scientology-Lexikon hier nachschlägst."
Das "Verborgene" (= "Overt") wird als ein schädlicher oder gegen das Überleben gerichteter Akt definiert; das "Zurückgehaltene" (= "Withhold") als ein verheimlichter Overt.
"In Ordnung. Was hast du getan?"
Ich teilte ihr meine verborgenen Akte mit, soweit ich mich zurückerinnern konnte. Viele waren sexueller Art.
"Danke. Was hast du getan?"
"Ich fühle mich noch immer schuldig gegenüber meiner Mutter."
"Danke. Was sind deine Überlegungen zum Thema Schuld?"
"Sie ist unbegründet. Ich habe nichts Schreckliches getan."
"Fein. Andere Überlegungen?"
"Ich habe nie viel mit ihr gesprochen, aber ich fühle mich vollkommen frei, ihr das jetzt zu sagen, falls sie noch am Leben wäre - wie du es schon von mir verlangt hast."
"Danke. Was hast du nicht gesagt?"
"Das ist lächerlich. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, daß ich mich wegen irgendwelcher Dinge, die ich getan habe, schuldig fühle, es wäre auch sinnlos. Nichts davon war sehr wichtig, und was ich auch getan habe, es entsprach meinem kindlichen Alter. Kann es sein, daß ich diese verborgenen Akte beging, weil ich mich von Anfang an schuldig fühlte? Ich glaube, jetzt sind wir dabei, etwas herauszubekommen."
"Verstanden! Ich überprüfe die Frage: Was hast du nicht gesagt?"
Während der nächsten Sekunden dachte ich an unsere erste Sitzung zurück. Es war noch etwas übrig, was ich noch nicht gesagt hatte, aber was war es? Es existierte nicht einmal - ich jagte Einbildungen nach! Ich wußte schon besser Bescheid und konnte schneller die Möglichkeiten erkennen, die während der Sitzungen im Nu auftauchen konnten. Aber wenn ich auf die Dinge stieß, die ich seit Jahren getan hatte, konnte ich das so schnell aufgeben?
Felicia, die intensiv den E-Meter beobachtete, lächelte. Ich hatte mich so oft selbst gequält - und nun kündigte Felicia schon mein Release, meine Befreiung, an.

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Hildegard, die in der Küche gesessen und gelesen hatte, kam herein und umarmte mich unter Glückwünschen. Früher hätte ich mich darüber amüsiert. Ich hatte nichts weiter getan, als Fragen zu beantworten und hin und wieder einen seelischen Höhenflug anzutreten. Woran es gefehlt hatte, das war meine aktive Teilnahme. Doch jetzt hatte ich mir ihren Beifall dadurch verdient, daß ich die Dinge selbst in die Hand genommen hatte - gerade dadurch hatte ich eine wirkliche Erkenntnis erzielt, einen Erfolg für Felicia und für mich.
Das Auditieren kam mir nun wie selbstverständlich vor. Bestätigungen waren in unserer Gesellschaft so selten zu erlangen, daß ich einige Sitzungen gebraucht hatte, um mich daran zu gewöhnen. Felicias freundlicher aber durchdringender Blick schüchterte mich nicht länger ein. Eine Zeitlang hatte ich meine Augen immer von ihren abgewandt; nun konnte ich mich der Wärme und den guten Absichten öffnen, die ich in ihren Augen lesen konnte. Ich kostete es aus, daß ich jetzt fähig war, einem anderen Menschen in die Augen zu sehen. Wie ausweichend hatte ich mich während meines ganzen Lebens verhalten! Wie sehr waren meine Beziehungen im Vergleich zu dieser eingeengt und flüchtig gewesen! Es war sehr schade, daß Felicia nach England mußte, bevor wir die nächsten beiden Grade erledigen konnten.
Ich fühlte mich nicht mehr unter Druck oder Zwang, wenn ich ständig nach meinen Fortschritten gefragt wurde. Ich versuchte, so zu antworten, daß ein Fortschritt dabei herauskam. Anfangs machte mich das ein wenig verlegen, als ob man noch einmal sprechen lernen müßte. Doch sobald sich mehr Fortschritte einstellen würden, wollte ich mir selbst beibringen, sie noch besser auszudrücken.
 

Maurice

Eine Woche, nachdem die Lancias nach England abgereist waren, begann Maurice Moussorgsky mich anzurufen. Felicia hatte vorgeschlagen, ich sollte die beiden noch ausstehenden unteren Grade III und IV mit seiner Hilfe abschließen. Aber ich war davon zunächst gar nicht begeistert. Maurice lebte bei seinen Eltern in Queens und machte täglich Ausfälle nach Manhattan, wobei er seinen E-Meter in einem Diplomatenköfferchen trug, wie ein Vertreter, der seinen Bezirk mit Warenproben abläuft. Jede erreichbare Wohnung diente ihm als Stützpunkt. Im Apartment der Lancias hatte er geduscht, sich rasiert, sein Hemd gewechselt und den Kühlschrank geplündert. Seltsamerweise

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stand er trotz seiner Schmarotzerei in dem Ruf, als Auditor ein As zu sein; ich war natürlich ein wenig neugierig, den Grund zu erfahren. Eigentlich konnte es nicht schaden, die beiden Grade bei ihm zu absolvieren, solange er sich nicht vollends zum Parasiten entwickelte.
Bei Grad III ging es um Störungen, die durch fremde Personen verursacht worden waren. Unangenehme Begegnungen mit den verschiedensten Leuten wurden bis in meine Kindheit zurück verfolgt. Der Gedanke dabei war, sich von jenen Erlebnissen zu befreien und eine Wiederholung in der Gegenwart auszuschließen. Störungen durch Personen hießen ARC-Brüche (A = Affinität; R = Realität; C = Kommunikation. Zusammengenommen bedeutet ARC: Gegenseitiges Verständnis).
Maurice wirkte wie eine Karikatur mit seinen kalten blauen Augen, seinen Pockennarben und seinen exzentrischen Hemd-Krawatten-Kombinationen. Seine Bestätigungen bestanden aus einem knappen "In Ordnung", danach verzog er seine Oberlippe, so daß ich mich fragte, ob es wirklich "in Ordnung" war. Häufig unterbrach er die Sitzung mit dem Kommando: "O.k., setzen Sie die Büchsen ab." Dann gab er mir Erklärungen, die ich selten verstand. Eine dieser Erklärungen hatte es mit "Ausweichen" zu tun, was Menschen mit einem reaktiven Geist anscheinend dauernd tun (offenbar war auch ich ausgewichen). "Angenommen, Sie sitzen am Klavier und versuchen zu üben, und dabei meinen Sie dauernd, einen Alligator zu sehen. Da ist er wieder, er kommt durch den Fußboden nach oben! Da, da! Manchmal fragen Sie sich dann, was, zum Teufel, los ist. Wenn Sie es sich richtig überlegen, genau so gehen die meisten Leute durch ihr ganzes Leben." Maurice wich so oft von der Hauptlinie des Prozesses ab, daß es oft schien, er improvisiere nur. Während der ersten Sitzung veranstaltete er einen S&D- (= Search and Discovery: Suche und Entdeckung) Prozeß, um die Person aufzuspüren, die mich unterdrückt hatte. Ich mußte jeden Erwachsenen nennen, der mich zurechtgewiesen hatte, als ich noch ein Junge war. Mitten während der zweiten Sitzung entschied er plötzlich, ich müsse "dianetisch" auditiert werden. Gewisse Aspekte davon seien neu für mich, da Hubbard sie erst nach seinem Buch entdeckt habe. Fälle von Verlusten, "Secundarien" genannt, würden vor den Engrammen behandelt, da sie für den Preclear einen bequemeren und leichteren Beginn darstellen. Es werde für unnötig gehalten, ihn alle seine Engramme erneut durchleben zu lassen; die Behandlung einer wichtigen Kette von Vorfällen oder sogar eines einzigen Ereignisses reichten aus, um die "Dianetic Release" herbeizuführen.
Maurice dirigierte mich also durch eine "Secundarie", die sich ereignet hatte, als ich sechs Jahre alt war: damals hatte mich ein älterer Junge

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mit dem Schlitten in einen Hohlweg gefahren. Ferner behandelte er eine Kette von zwei Engrammen, ein verletztes Ohr und eine Brustfellentzündung. Dann erklärte er mich zum "Dianetic Release" und fügte hinzu, für das zusätzliche Auditieren schulde ich ihm 150 Dollar. Ich weigerte mich mit der Begründung, daß vorher von Extra-Kosten keine Rede gewesen sei.
Gegen Ende der Sitzung wurde Maurice wütend auf mich, offensichtlich wegen der Art, in der ich eine seiner Fragen beantwortet hatte.
"Ich werde Sie nicht weiter auditieren!" brüllte er, und begann seinen Meter und die Niederschriften einzupacken. Ich spürte, daß er nicht wirklich zornig war, sondern mir nur etwas vorspielte. An der Tür zögerte er, die Aktentasche in der Hand, und fing an, mir eine weitere Vorlesung zu halten. Ich wäre auch bereit gewesen, auf Felicias Rückkehr im Herbst zu warten, aber er mäßigte seinen Ton, holte seinen E-Meter wieder hervor und nahm die Sitzung auf, als sei nichts geschehen.
Später hörte ich, daß diese Szenen zu seiner Auditionstechnik gehörten. Er provozierte ähnliche Auftritte mit den meisten seiner Schüler: vermutlich, um es zu einem ARC-Bruch kommen zu lassen, den er auditieren konnte.
Grad III wurde ohne weiteres Theater abgeschlossen, indem einige ARC-Brüche aufgespürt und behandelt wurden - den eingeschlossen, den wir beide gerade hatten.
Ich hätte mich ohne weiteres weigern können, Grad IV mit Maurice zu machen, aber es schien mir nicht wichtig. Das Auditieren, so folgerte ich, hatte sein eigenes Gewicht, unabhängig von der Person hinter dem Meter und ihrem Charakter.
Der Zweck von Grad IV ist es, das "Service Facsimile" herauszubekommen. Dieser Begriff wird so definiert: Eine Behauptung, die das Individuum erfindet, um sich selbst ins Recht und andere ins Unrecht zu setzen, um zu herrschen oder sich nicht beherrschen zu lassen, sowie das eigene Überleben zu fördern und der Überlebenschance anderer zu schaden. Das "Service Facsimile" bringt das Individuum dazu, bestimmte Teile seines reaktiven Geistes absichtlich restimuliert zu halten, um damit Mißerfolge in seinem Leben zu erklären. Dieser neurotische Schutzmechanismus kann - sobald er entdeckt ist - im allgemeinen in einem einzigen Satz ausgedrückt werden.
Im Grad IV-Prozeß erhielt ich die Einführung in die Technik des Listen-Aufstellens und Nullens. Sie wurde angewendet, um den Gegenstand mit der größten Spannung auf einer Liste festzustellen. Unter Spannung wird die Strom-Ladung verstanden, die sich auf der Zeit-Spur (= dem imaginären Filmstreifen über die Vergangenheit eines

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Menschen) angesammelt hat; sie wird so genannt, weil "Gedanken elektrischer Natur" seien. Engramme und Secundarien haben die meiste Spannung, aber Probleme, verborgene und zurückgehaltene Akte ("overts und withholds") sowie ARC-Brüche sind auch "geladen". Ein großer Teil des Auditierens besteht darin, Spannung abzubauen. Felicia hatte das mit ihren Listen erreicht, obwohl sie sich nicht damit aufgehalten hatte, auch das Nullen vorzunehmen, das notwendig ist, um das allerwichtigste Problem festzustellen. Das Nullen geht so vor sich, daß der Auditor die Liste des Preclear laut vorliest und einen Strich (/) hinter jeden Gegenstand einträgt, der auf dem E-Meter eine Nadel-Reaktion verursacht und ein X, wenn der Meter nicht reagiert. Dann wird die Liste erneut vorgelesen, diesmal ohne die mit einem X versehenen Punkte. Dabei hören viele angestrichene Gegenstände auf, den Meter zu beeinflussen. Sie erhalten nun auch ein X, weil auch sie nun "sauber" sind (= ohne Nadel-Reaktion). Bei der dritten oder vierten Wiederholung werden weitere Punkte "sauber" und es gibt mehr Xe. Schließlich sind alle Punkte bis auf einen ausgenullt, und das ist dann der Punkt mit der größten Spannung. Schon das Auffinden dieses Punktes, so heißt es, baut genügend Spannung ab, um den Preclear hinsichtlich des fraglichen Gegenstandes zu erleichtern.
Maurice ließ mich, wiederum aus unerfindlichen Gründen, eine Liste der Dinge anfertigen, die ich nach der Sitzung tun möchte: ein Steak essen, einen Mädchenpopo streicheln, ins Kino gehen - das waren einige der Punkte auf der Liste. Als mir nichts mehr einfiel, las Maurice mir die Liste vor, seine Stimme klang monoton. Ich konnte sehen, wie er die Xe und Striche notierte, während sein Kugelschreiber die Liste entlang ging. Gewisse Punkte nullte er aus, andere wiederholte er ebenso monoton:
Steak-Essen //X
Mädchenpo streicheln ///
ins Kino gehen ///
"Einen Mädchenpopo streicheln. Das war unentschieden. Ich wiederhole":
Einen Mädchenpopo streicheln /// X
im Kino gehen ////
Ich weiß nicht mehr, welcher Punkt schließlich übrig blieb, und warum Maurice gerade diese Liste nullen wollte. Nach der Sitzung gingen wir jedenfalls ein Steak essen.
Eine andere Liste bestand aus den "Mädchen, die mir gefallen hatten". Sie begann mit einem Baby-Sitter, setzte sich in chronologischer Reihenfolge bis zu gegenwärtigen Bekanntschaften fort und umfaßte

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schließlich mehrere Dutzend Eintragungen - Filmstars, Romanheldinnen und Schulfreundinnen. Zu meinem Erstaunen war die Eintragung mit der größten Spannung der Name von Betty Grable. Der Sinn auch dieser Liste blieb mir verborgen.
Maurice kam schließlich zu der Prozeß-Frage: "Welche Methode haben Sie in Ihrem Leben gebraucht, um andere ins Unrecht zu setzen?" Nach einer Stunde des Listen-Aufstellens und Nullens kamen wir zu meinem "Service-Facsimile". Es war der Satz: "Ich wurde ausgeschlossen und daran ist nichts zu ändern."
Das waren also die verborgenen Worte, die mein ganzes Verhalten erklärten, Worte, die ich durchs Leben getragen hatte, wie eine überflüssige Rüstung. Ich hatte sie gebraucht, um meine Schwächen zu rechtfertigen und mein Versagen zu entschuldigen. Als ich sie schließlich aussprach, kamen sie mir unangenehm bekannt vor. Ich war sehr glücklich über diese Enthüllung und wartete ungeduldig auf die Fortschritte, die mir Grad IV einbringen würde.
 
 
 

Considerationen

... ein Individuum in so gründliche Kommunikation mit dem physikalischen Universum zu bringen, daß es die Macht und die Fähigkeit der Selbstbestimmung wieder erlangen kann.
L. RON HUBBARD
Mit dem "Service Facsimile"-Konzept traf ich etwas neues in der Scientology an, etwas, das für mein Denken verstehbar war. Mindestens ein Zweig der modernen Psychotherapie behauptet, daß die Neurosen und viele physische Krankheiten in erster Linie durch Worte und Sätze verursacht sind, die sich in der Jugend unbewußt eingeprägt haben, und zwar auf der Basis fehlerhafter Beweise. Nach dieser Theorie besteht das Heilmittel darin, die falschen Schlüsse ans Licht zu bringen und gegen sie anzukämpfen. Daß zwischen Psychiatrie und Scientology eine solche Brücke bestand, kitzelte meinen Intellekt. Allerdings entging mir, daß es einen entscheidenden Unterschied gibt: In der Psychotherapie erfordert es heftige Anstrengungen, um diese Erkenntnisse zu erlangen, und dann muß man ein gutes Stück Arbeit leisten, damit sie wirksam werden...
Der große äußere Unterschied zwischen dem Verhalten von Maurice und dem von Felicia beim Auditieren verdunkelte meine Kenntnis

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davon, wie eine Release zustande kam. Ich war sicher, daß der Auditionsprozeß Vorteile bot und daß er von den ausübenden Personen nicht abhängig war. Mir war alles egal, wenn nur eine Release erfolgte. Denn Inzwischen war ich fest überzeugt, daß es eine Release gab, die von der Nadel des E-Meters auf der Skala angezeigt wurde. Ich war entschlossen herauszufinden, warum der Scientology-Prozeß funktionierte.
Die sogenannten "Considerationen" waren der entscheidende Faktor; das waren die Vorurteile und selbstauferlegten Beschränkungen, die man aufgeben mußte, bevor der Meter die Release im Hinblick auf die jeweilige Prozeßfrage anzeigte. Die Considerationen hielten die Spannung aufrecht. Der Preclear wurde häufig gefragt, was seine Betrachtungsweisen, seine Considerationen waren; es ging nicht darum, sie erneut zu durchleben, wie bei den Engrammen, noch viel weniger sollten sie analysiert werden. Es war nichts weiter nötig, als sie dem Auditor mitzuteilen. Wie Hildegard es einmal beschrieben hatte, zeigte der Meter dann an, wie die Spannung sofort abfiel, während sich die Considerationen in dünner Luft auflösten. Der Auditor mußte vor allem den E-Meter richtig ablesen können. Dadurch funktionierte der Prozeß. Selbst mit einem Tölpel wie Maurice an der Skala.
Es gab viele Considerationen, die man loswerden mußte. Durch Erziehung oder Vererbung wuchs jeder Mensch mit den verschiedensten trügerischen Ansichten auf, dafür war das "Service Facsimile" ein sehr gutes Beispiel. Außerdem war es möglich, daß man schon in früheren Existenzen zu den Considerationen gekommen war. Aber die Considerationen, die das Auditieren am meisten aufhielten, waren solche über Scientology selbst. Vermutlich jedermann hatte feste Ansichten über den Wert von Zeit und Geld. Eine Zeitlang war ich darüber verärgert, wie schnell man die einzelnen Prozesse absolvieren konnte. Ich hatte versucht, jede Sitzung in die Länge zu ziehen, um den richtigen Gegenwert für mein Geld zu bekommen. Eine weitere Consideration war, daß jeder wirkliche Erfolg große Anstrengungen über einen langen Zeitraum notwendig machte. Derartige vorschnelle Urteile, so glaubte ich jetzt, hatten mich bisher daran gehindert, alle Möglichkeiten in meinem Leben voll auszuschöpfen. Kein Wunder, daß ich immer das Gefühl hatte, irgend etwas mit mir müsse nicht ganz in Ordnung sein! Ich hatte den Druck des Auditiert-Werdens nötig, um meine Wahl zu treffen: ob ich krank oder gesund sein wollte. Die ständig sich wiederholenden Fragen hatten dieses Kernproblem von allem Beiwerk entkleidet. Irgendwann war mir klar geworden, daß ich gesund werden wollte. Von da an war ich willens, all diese falschen Meinungen aufzugeben, an denen ich mich mein Leben lang festgeklammert hatte. Durch

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diese änderung meiner Haltung war ich nun fähig, die beim Auditieren erzielten Fortschritte auch zu spüren. Ich wußte noch nicht ganz genau, worin sie bestanden, aber ich hoffte, daß sie vor mir lagen, irgendwo in der nächsten Zukunft.
Weiter wollte ich damals meine Überlegungen nicht treiben. Noch mehr Rückfragen interessierten mich nicht. Etwa, warum ich ein mystisches Erlebnis gleich bei meiner ersten Sitzung hatte. Oder warum es Spannung, die ich allerdings nie bemerkt hatte, ausgerechnet in bezug auf Betty Grable gab. Eine allzu genaue und kritische Natur konnte leicht alle Fortschritte im Keim ersticken. Oder - man konnte es auch so ausdrücken - der Glauben war das Maß für künftige Fortschritte. Der Glaube war das wichtigste. Ich entschied mich ganz aus freien Stücken. Ich mußte frei werden, zur wirklichen Selbstbestimmung kommen, meine eigenen "Postulate" aufstellen. Postulate unterschieden sich von Considerationen: Considerationen gehörten zum alten, Postulate zum neuen Menschen; der neue war gut, der alte schlecht: am Ende war es eine Frage der freien Entscheidung.
 
 
 
 

Die New York Org

Indien mit seinem "Eingehen ins Nirwana" hat uns 'Techniken' gegeben, DIE UNTER GARANTIE EINEN THETAN SO ENG MIT EINEM KÖRPER VERBINDEN, ALS WäRE ER ANGENIETET ODER MIT EISEN-BäNDERN FESTGEBUNDEN.
L. RON HUBBARD
Maurice bereitete alles vor, damit ich zur Org gehen konnte, um meine Grade überprüfen zu lassen und ein Zertifikat zu bekommen, das mich als Grad IV Release auswies.
Die New York Org war kürzlich erweitert worden und nahm nun den zweiten Stock eines Vorstadt-Hotels ein. Die Rezeption war eine große Halle, die von einem Buchkiosk und einem riesigen Porträt von L. Ron Hubbard beherrscht wurde. Sein gottgleiches Gesicht, visionär zum Horizont gereckt, sah aufgedunsen und roh aus. Die Halle wirkte ein wenig wie ein Irrenhaus; Scharen junger Leute in den Geburtswehen des Nirwana wirbelten durcheinander und berichteten sich gegenseitig von ihren Fortschritten.
Ein junger Auditor trat an mich heran und brachte mich in eine Zelle. Dort begann er mit der Überprüfung meiner Stufen, indem er mir eine

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oder zwei Fragen zu jedem Auditions-Prozeß stellte. Die Absicht war, daß ich jeweils den Moment der Release erneut erlebte, wobei er mich mit dem E-Meter kontrollierte.
Die maschinengleiche und herablassende Freundlichkeit des Auditors machte mich nervös. Er gebrauchte ständig die gleiche Bestätigungsformel: ein zuckersüßes, öliges "Danke", das er mit leicht nasaler Stimme anbrachte. Jedes "Danke" war eine perfekte Wiederholung des vorhergehenden. Während ich ihm in der engen Auditionszelle gegenüber saß, hatte ich Mühe, mich an irgend etwas aus meinen früheren Sitzungen zu erinnern. Der Meter reagierte nur stockend, dauernd unterbrach er die Überprüfung und versuchte, in verschiedenen Nebenprozessen Spannung abzuleiten. Ich hatte sowieso keine Lust gehabt, die Org aufzusuchen, und genau dies schien der Meter anzuzeigen. Nach zwanzig unbehaglichen Minuten führte mich der Auditor in ein kleines Zimmer, kaum größer als die Auditionszelle. Auf dem Schild über der Tür stand: ETHIK. Ein Mädchen mit Rattenschwänzen saß in würdevoller Haltung an einem Schreibtisch und spielte an einem E-Meter herum. "Nehmen Sie die Büchsen", sagte sie brüsk. Offenbar hatte ich etwas falsch gemacht.
"Stehen Sie mit einer suppressiven (d. h. die Scientology ablehnenden) Person in Verbindung?"
"Nein", antwortete ich. Diesen Prozeß hatte ich bereits mit Maurice absolviert.
"Danke. Ich überprüfe das mit dem Meter. Jetzt brauchen Sie nicht zu antworten: 'Stehen Sie mit einer suppressiven Person in Verbindung?' Das ist sauber. .Stehen Sie mit einer suppressiven Gruppe in Verbindung?"'
Ich verstand das als Frage nach einer Gruppe, die meine Loyalität zur Scientology in Frage gestellt hätte. Während der letzten Jahre hatte ich mit den verschiedensten Gruppen zu tun, aber ich hielt sie nicht für suppressiv.
"Nein."
"Danke. Ich überprüfe das mit dem Meter. 'Stehen Sie mit einer suppressiven Gruppe in Verbindung?' Da ist eine Reaktion. Was meinen Sie, könnte das sein?"
Ich konnte mir nicht vorstellen, weshalb die Nadel ausschlug. Aber ich hatte nicht die Absicht, die "Ethik" einzuwickeln. Ich zerbrach mir also den Kopf, um eine Antwort zu finden.
"Ich war zum Meditieren in einem Zen-Zentrum."
"Danke. Ist das die suppressive Gruppe?"
"Hin und wieder mache ich Yoga-Übungen."
"O.K.", sagte sie, "solange sie auditiert werden, müssen Sie damit

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aufhören."
"Warum? Ich mache es sowieso nicht oft. Weshalb kann das schaden?"
"Wenn Sie hier fertig sind, können Sie tun, was Sie wollen - Sie können sich auf den Kopf stellen, wenn Sie Lust dazu haben. Aber nicht, während Sie auditiert werden. Ich möchte nicht, daß Sie schließlich nicht mehr wissen, was Ihnen die Fortschritte gegeben hat. Bei dieser Meditation versuchen Sie doch, in Ihre Seele zu schauen, nicht wahr?" "Nicht in dem Stadium, in dem ich bin. Meditation ist nur ein Name. Es ist eine Art von Konzentrationsübung."
"Jedenfalls müssen Sie versprechen, alle Übungen aufzugeben, solange Sie auditiert werden."
"Einen Augenblick! Was verstehen Sie überhaupt unter Übungen? Sie meinen doch alles, was die Leute tun, um sich zu beruhigen oder besser nachdenken zu können, nicht wahr? Dann dürfte ich nicht mehr Klavier spielen. Aber der Teufel soll mich holen, wenn ich Ihnen folge, wo ich doch nächsten Monat ein Konzert habe. Wenn ich Ihnen gehorchen wollte, müßte ich den ganzen Tag über, von Minute zu Minute, überlegen, was man als Üben verstehen könnte. Ich wette, da käme einiges zusammen. Ich bin gern bereit, darüber mit Ihnen zu diskutieren. Wir werden sehr viel Zeit brauchen, um auszusortieren, was ich tun darf, und was nicht."
"Sagen Sie nur, ob Sie es nun aufgeben wollen oder nicht."
"Ich versuche nur ehrlich zu Ihnen zu sein. Ohne einen guten Grund gebe ich gar nichts auf."
"Gut, dann müssen wir es eben fallen lassen."
"Wunderbar", sagte ich. Ich stand auf, um hinauszugehen.
"Zu schade, daß Sie auf die vollkommene Freiheit verzichten wollen", sagte die Ethik-Auditorin, als ich zur Tür ging.
Später rief Maurice mich an, um zu erfahren, wie es gelaufen war. Als ich ihm von der Katastrophe berichtete, bat er mich, alles aufzuschreiben, damit er eine Untersuchung gegen die Ethik-Auditorin in die Wege leiten konnte. Ich sandte ihm einen vollständigen Bericht. Darin stand unter anderem:
"Gewisse Leute innerhalb der Organisation mißbrauchen die Scientology, und sie bedienen sich der Scientology, um andere zu mißbrauchen."
Danach hörte ich nichts mehr von meinem Besuch bei der New York Org.

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Saint Hill

Umberto Lancia kam ohne seine Frau in die Staaten zurück. Felicia hatte den "Clear-Kurs" noch nicht absolviert. Um ein Clear zu werden, mußte man sich selbst auditieren, wobei man eine besondere Büchse in der Hand hielt, die andere hatte man frei, um den E-Meter zu bedienen und die Auditionsberichte auszufüllen. Felicia war nun schon seit vielen Wochen damit beschäftigt, offensichtlich hatte sie Schwierigkeiten, den Status eines Clear zu erreichen. Der Prozeß selbst war ein streng gehütetes Geheimnis. Felicia hatte ihrem Mann angedeutet, daß es etwas mit "Goals" (Zielen) zu tun hatte (gemeint war offenbar, was man im Leben erreichen wollte). Die viele Zeit, die sie bei dem Prozeß brauchte, außerdem die Tatsache, daß sie sich selbst auditieren mußte, statt von einem Auditor geführt zu werden, das alles ließ mich vermuten, daß das Clearen nicht ohne innere Kämpfe abging.
Die Lancias hatten in England in der Nähe des Hubbard College in einem alten Schloß namens Fyfield gewohnt. Umberto schwärmte mir von der Schönheit und dem Frieden an diesem Ort vor. Er hatte den "Power-Prozeß" (Grad V) schnell absolviert. Während Felicia im Saint Hill Grad VI machte (den Kurs, in dem sie lernte, sich selbst zu auditieren) und sich in ihrem Zimmer eingeschlossen hatte, hatte er alle Muße gehabt, im Schloß zu lesen oder zu komponieren, und im nahen Ashdon-Wald ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen.
Das Hubbard College lag inmitten einer herrlichen englischen Landschaft. Ein Prospekt zeigte Fotos von einem vornehmen Park, ebenfalls mit einem Schloß, und mit den Bungalows, in denen sich die Klassenräume befanden. Auf den Bildern bewegten sich glückliche und sorgenlose Menschen auf der Straße zum Status eines "Clear". Der Prospekt enthielt höchstes Lob für die verschiedenen Kurse und Stufen. Fast im Ton eines Kommandos rief er dazu auf, zum Saint Hill zu kommen, um den "Sicheren und gewissen Weg zur vollkommenen Freiheit" nicht zu versäumen.
Der Prospekt enthielt eine weitere, ebenso verlockende Ankündigung: Jenseits des Clear-Status gab es neue Stufen. Ein "Clear" war, nachdem er vom üblen Einfluß des reaktiven Geistes befreit worden war, wie ein neugeborenes Kind. Und nun waren weitere Prozesse nötig, um ihn zu stabilisieren, ihm neue Orientierung zu geben und die eben entstandene Leere wieder aufzufüllen. Die oberen Stufen trugen die Bezeichnung OT (Operating Thetan - ein in jeder Beziehung voll wirksamer, aktiver Thetan). Im Prospekt war das Bild einer achtsprossigen Leiter zu sehen. Neben jeder Sprosse schwebte ein gütig

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aussehender kleiner Geist. Es gab keine Andeutung, worin diese höheren Stufen tatsächlich bestanden. Wenn der "Clear-Status" schon mehr als phantastische Fortschritte ermöglichte, wie konnte das durch die OT-Stufen noch übertroffen werden?
Umberto hielt für möglich, daß man, wenn man ein "Operating Thetan" geworden war, auf Scientology vielleicht nur noch zurückblickte, wie auf ein Werkzeug, das dazu beigetragen hatte, damit man sich seinen höchsten Zielen voll widmen könnte: den schönen Künsten, der Philosophie, der ästhetik und ähnlichem. Möglich. Umberto hatte im Saint Hill sogar einige Leute getroffen, die freundschaftlich mit Nicht-Scientologen verkehrten, die unterschiedliche Ansichten respektierten und die sich zuerst als Menschen und erst in zweiter Linie als Scientologen fühlten. Unglücklicherweise waren diese Leute in der Minderheit. Die meisten Scientologen waren in kulturellen Dingen unbewandert und interessierten sich nur für Hubbards äußerungen. Viele waren reaktionär, fast faschistisch in ihren politischen Ansichten. Sie waren der Überzeugung, daß die Armen und Unterdrückten auf der Welt, die Bewohner von Ghettos und Obdachlosensiedlungen selbst für ihre Lage verantwortlich seien: sie ließen sich von ihrem reaktiven Geist beherrschen und bekämen genau, was sie verdienten. Scientologen aus Südafrika unterstützten fast einstimmig die Apartheidspolitik.
Ihre besessenen Anstrengungen, das Evangelium von Hubbard zu verkünden, hatten dazu geführt, daß Umberto einen Bogen um Saint Hill machte, sobald er Grad V absolviert hatte. "Sie füttern dich damit", sagte er. "Im College sind sie so unvernünftig in ihrem Eifer, für das Auditieren und für die verschiedenen Kurse zu werben, daß es schon bedrohlich wirkt. Sie behaupten, Scientology nütze jedem ohne Ausnahme, und gehen so weit zu sagen, daß sonst nichts auf der Welt etwas tauge. Wenn du nicht mitmachst, erklären sie dich für 'suppressiv'. Sie haben es fertig gebracht, sich völlig von der benachbarten Stadt East Grinstead abzukapseln, indem sie verschiedene Buchhändler, die Hubbards Schriften nicht verkaufen wollten, schlecht machten. Wenn man nur das geringste Interesse an Scientology zeigt, dann lassen sie einen nicht mehr in Ruhe, sie bombardieren einen geradezu. In der New York Org hast du es ja selbst erlebt - sie sind ein Haufen von Blutsaugern!"
Umberto war noch aus einem anderen Grund verärgert. Sein Grad V, der ihn 1200 Dollar gekostet hatte, war innerhalb von zwanzig Minuten vollständig absolviert. Danach hatte er einen guten Teil des verbleibenden Abends damit verbracht, sich auf der Terrasse von Fyfield Manor, in Sussex, England, zu übergeben.

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Der OT II

Ein Preclear ist in besserem 'Zustand und läßt sich leichter auditieren, wenn er außer sich ist, und nicht "in seinem Kopf."
L. RON HUBBARD
Umbertos Beschreibung von Saint Hill und den Scientologen überraschte mich nicht mehr. Bei meinen beiden Besuchen in der New York Org hatte ich Vorahnungen, daß ich dabei war, mich von einer komplizierten Maschine einfangen zu lassen, die von Leuten bedient wurde, die kaum menschliche Züge aufwiesen. Ich zerbrach mir den Kopf darüber, welch unterschiedliche Elemente zu der Gruppe gehörten. Einige von ihnen schätzte ich sehr, andere waren mir zuwider, eine dritte Gruppe betrachtete ich mit gemischten Gefühlen. Die Ziele der Org waren sicher nicht identisch mit denen von Felicia, oder selbst von Maurice, der - auch wenn er nicht gerade charmant zu mir war - mir nach meinem Krach mit der Ethik-Auditorin genügend moralische Unterstützung geliehen hatte, um mir zu beweisen, daß er letztlich auf meiner Seite stand. Aber manchmal war es schwer, die eine Gruppe von der anderen zu unterscheiden, in dem großen Gemälde Einzelheiten zu erkennen. Irgendwie kam ich über meine Verwirrung hinweg, zumindest ließ ich die Angelegenheit ruhen, bis ich mit Felicia darüber sprechen konnte. Immerhin hatte der Fanatismus innerhalb der Bewegung sie nicht davon abgehalten, im Saint Hill zu bleiben, um den "Clear-Prozeß" fortzusetzen. Vielleicht waren alle meine Einwände letzten Endes doch nur "Considerationen".
Umberto erhielt ein Telegramm von Felicia. Es lautete: "Clear!!!" Bald darauf kam ein Brief an, in dem sie ihm schrieb, sie werde noch einige Wochen in Europa bleiben, um sich von den Anstrengungen zu erholen. Umberto war nervös und schweigsam: er wußte, daß sie kein Geld für einen Urlaub hatte.
Nach Felicias Rückkehr wurde ich sofort eingeladen, um einen ersten Blick auf den neuen Clear zu werfen. Sie schien sich verändert zu haben: noch wissender als vorher. Sie gab sich als privilegierter Inhaber eines wunderbaren Geheimnisses, das wir alle eines Tages mit ihr teilen sollten.
Felicia hatte von England Gerald Tiber mitgebracht, einen OT II Auditor Klasse VII. Ein OT II (Operating Thetan) hatte also die zweite Stufe oberhalb von Clear inne, und zur Klasse VII gehörten die kenntnisreichsten und erfahrensten Auditoren. Um sich für den

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zweiten Titel zu klassifizieren, hatte Gerald zwei Jahre lang als Interner im Saint Hill gearbeitet. Voller Stolz bezeichnete er sich als den einzigen OT II der Klasse VII außerhalb von England.
Im äußeren von Gerald gab es nichts Ungewöhnliches, abgesehen davon, daß er eher rundlich war; und da er immer vergnügt war, hatte er so tiefe Lachfalten, daß er weniger einem Weisen als einem begeisterten Säugling glich.
Er neigte zu einem Sprechstil mit vielen Wiederholungen und zu einer pedantischen Höflichkeit, die etwas steif wirkte. Ich fand sein höfliches Wesen schmeichelhaft und angenehm. Mit seinem freundlichen Spott schien er jeden im Raum wie einen Mitverschwörer zu behandeln. Als er seine Erlebnisse bei der Rückreise zum Besten gab, fiel mir auf, wie beherrscht er war, wie sehr er über den Dingen stand. Selbst Schwierigkeiten beim Zoll hatten ihn nicht aus der Ruhe gebracht.
Gerald war nach Amerika gekommen, um hier eine eigene Scientology-Niederlassung zu eröffnen. Felicia sollte seine Partnerin werden. Das bestätigte, daß er in der Welt der Scientologen zur Elite gehörte, wenn schon nicht als Scientologe, so doch als Individualist. Jeder, der Grad V (Power Release) erreicht hatte, einen Übungskurs absolvierte und eine schriftliche Erlaubnis vom Saint Hill erhielt, konnte sich als Auditor etablieren, solange er die Regeln beim Auditieren und in seinem Geschäftsgebaren einhielt und eine Lizenzabgabe von zehn Prozent seiner Bruttoeinnahmen an Hubbard überwies. Das taten allerdings nur wenige; nur die Unternehmungslustigsten wollten neben ihrem geistigen Gewinn durch Scientology auch noch finanziellen Vorteil daraus ziehen. Die meisten waren zufrieden, ihren Lebensunterhalt außerhalb der Bewegung zu verdienen, oder sie arbeiteten gegen geringen Lohn in der Org. Ohne es direkt auszusprechen vermittelte Gerald Tiber doch den Eindruck, daß er die Org-Mitglieder für schlechte Geschäftsleute mit leicht masochistischen Neigungen hielt.
Gerald sollte, während er eine passende Wohnung für seine Agentur suchte, auf einem Sofa im Wohnzimmer der Lancias schlafen. Mir kam das seltsam vor. Hatte sich Felicia mit dem Mann eingelassen und ihn deshalb bei sich aufgenommen? Aber selbst wenn es so war, zögerte ich, das Betragen von Clears und OTs in Frage zu stellen. Ich war von Gerald enorm beeindruckt; seine unbekümmerte Art und sein lautes, herzliches Lachen verrieten unerschütterliches Selbstvertrauen. Er machte sich daran, in einem fremden Land ein neues Geschäft aufzuziehen, als sei er nur mit kleinem Gepäck zu Besuch gekommen, und sei seiner Sache so sicher wie ein Mann in weißer

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Schürze, der sein Geld in ein Pizza-Restaurant steckt.
Als ich die Lancias am nächsten Tag besuchte, war Umberto nicht zuhause. Felicia teilte mir mit, daß sie unmittelbar vor der Scheidung stünden. Ich antwortete, daß ich mir schon so etwas gedacht hätte. Ich hatte meine Einstellung dazu schon im voraus festgelegt: da sie ein Clear war, nicht mehr länger im Besitz eines reaktiven Geistes, war sie jetzt sozusagen unfehlbar, völlig frei, ihr Leben so zu gestalten, wie es vorher unmöglich war. Sie war stark genug zu tun, was sie wirklich wollte.
Als ich später mit Umberto sprach, zeigte sich, daß auch er für die Trennung war. Sie sei unvermeidlich, sagte er. Ihre Beziehung war nach wie vor freundlich, vielleicht noch freundlicher als vorher. Und für den Fall, daß nach fünf stürmischen Ehejahren eine verborgene Verbitterung übrig geblieben war, hatte Gerald Tiber mit ihm vereinbart, ihm kostenlos eine "Review-Sitzung" (= Revisions-Sitzung: zusätzliche Hilfe) zu gewähren, um etwaige Spannungsrückstände von seiner Zeit-Spur zu löschen. Auch ich wollte ihn eine Review-Sitzung mit mir machen lassen. Es mußte eine lohnende Erfahrung sein, sich von einem OT II der Klasse VII auditieren zu lassen, und sicher waren bei den fragwürdigen Methoden von Maurice noch Spannungen zurückgeblieben.
Gerald erklärte sich bereit, mir für 25 Dollar pro Stunde "Review" zu erteilen.
Er war tatsächlich ein bemerkenswerter Auditor: er kam rasch vorwärts, ohne etwas in der Schwebe zu lassen. Seine Bestätigungen variierten und klangen ebenso natürlich und höflich, wie außerhalb der Sitzungen. Er hielt sich an jedem Punkt genau so lange auf, bis ich vollständig zufriedengestellt war. Im Vergleich mit ihm hatte Felicia fast wie ein Amateur auditiert.
Unser erstes Thema war Maurice, der sich in einem weiteren Aufspür- und Zerstörungs-Prozeß als für mich suppressiv herausstellte. Nach meiner Grad IV Release hatte er mich zu zwei improvisierten Sitzungen mit dem E-Meter verleitet. Solche überflüssigen Sitzungen weichen radikal vom Standard ab und sind von Hubbard streng untersagt, hörte ich später von Umberto.
Maurice hatte die erste Sitzung zum Abbau der Spannung vorgeschlagen, die durch eins meiner Konzerte verursacht worden war. Die Spannung war hauptsächlich dadurch entstanden, daß in einer Zeitung am nächsten Tag eine sehr herablassende Kritik erschienen war. An jenem Tag hatte ich außerdem erfahren, daß Maurice herumging und den Leuten erzählte, für den Erfolg meines Konzertes seien er und die Gruppe, zu der er gehöre, verantwortlich. Daraufhin

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stellte ich ihn zur Rede. Die daraus resultierende Auseinandersetzung ließ noch mehr Spannung entstehen, die Maurice in einer weiteren Sitzung abbauen konnte. Er war wenigstens vernünftig genug gewesen, dafür nicht auch noch kassieren zu wollen. Jetzt teilte ich Gerald das alles mit.
Die Sitzung brachte einen weiteren suppressiven Menschen ans Tageslicht, einen Arzt. Vermutlich war es der gleiche, der mich zur Welt gebracht hatte. Während des S&D-Prozesses sah ich Kontraste zwischen hell und dunkel. Dann erinnerte ich mich an eine Zeit, als ich "außerhalb meines Körpers" war. Ich war in einen Raum geschwebt und über einem Sofa stehen geblieben.
"Er drückt sie", sagte ich.
"Fein", sagte Gerald. "Gehen Sie den Vorfall durch."
"Das ist alles. Ich sehe einen Mann und eine Frau, die sich auf dem Sofa drücken."
"In Ordnung. Noch mehr davon?"
"Ich weiß nicht, wer sie sind, aber der Vorfall wirkt auf mich suppressiv, ich fühle mich unterdrückt."
"Danke. Ich darf Ihnen sagen, daß der E-Meter Ihre Erklärung bestätigt hat: der Vorfall ist wirklich suppressiv."
Gerald wiederholte meine Grade. Er begann mit den dianetischen Auditionen, die Maurice mir gegeben hatte, und ging dann weiter zu den Graden 0, I, II, III und IV.
"Ich möchte bestätigen, daß 'Ich wurde ausgeschlossen und daran ist nichts zu ändern' tatsächlich Ihr Service Facsimile ist", schloß er.
"In Ordnung, Sir, Sie haben eine wundervoll saubere Nadel! Das wär's."
Wir hatten vier Stunden gebraucht. Und wieder schien es nicht sehr viel auszumachen, ob ich wirklich "außerhalb meines Körpers" gewesen war, und ob das meine häufigen Träume von körperlosen Wanderungen zufriedenstellend erklärte. Inzwischen war das alles schon Routine, und ich war völlig bereit, meine Fragen zu unterdrücken, um das Tempo der Sitzung nicht zu behindern. Als Gerald fragte: "Welche Fortschritte, Euer Ehren?" konnte ich ehrlichen Herzens sagen, daß ich mich leichter und freier fühlte.
 
 
 

Die Dianetic-Klasse

Felicia und Gerald mieteten ein Penthouse auf der West Side von New York und begannen sofort einen Dianetic-Kurs. Umberto, zwei

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Damen und ich waren die ersten Schüler. Die Stellung der Dianetic in der Hierarchie der Scientology war zu jener Zeit unentschieden, aber sie wurde zu Trainingszwecken angewandt. Wir sollten zwei- oder dreimal die Woche abends zusammenkommen, und der Kurs sollte eher einige Monate dauern als die wenigen Wochen intensiver Arbeit wie in der Org üblich. Gerald betonte die ungezwungene Atmosphäre in seiner Zweigstelle, die der übermäßigen Aktivität in der Org entgegengesetzt war. Wir wurden darüber informiert, daß die Absolvierung des Dianetic-Kurses eine Vorbedingung für die Reise zum Saint Hill in England war. Der Kurs kostete 500 Dollar. Gerald und Felicia gingen davon aus, daß jeder Schüler anschließend nach England gehen würde. Ich fand es ganz natürlich, mich einzuschreiben, obwohl ich mich noch nicht bewußt entschieden hatte, auch den Status eines Clear anzustreben.
Bevor ich allerdings die Zahlung für den Kurs leistete, glaubte ich Gerald sagen zu müssen, daß der gute Effekt der Review wieder vergangen war. Seine Auditionskünste hatten nicht verhindert, daß ich mich ärgerte, weil ich ihm weitere 100 Dollar dafür bezahlen mußte, damit er Maurices Behandlungsfehler korrigierte.
"Sie haben sogar ein Geschäft gemacht, lieber Freund", sagte Gerald. "Im Saint Hill hätte ein S&D (das Aufspüren der suppressiven Personen) allein soviel gekostet. Wir sollten das auf der Stelle in Ordnung bringen. Wir können in einen Nebenraum gehen und eine weitere Review machen."
"Sie machen wohl Witze", sagte ich. "Wir haben schon vier Stunden hinter uns. Was soll ich denn noch sagen?"
Drei Minuten später saß ich am Auditier-Tisch, die Büchsen in der Hand.
"Etwas beschäftigt mich", sagte ich, "ich bin noch immer an Frauenpopos fixiert."
"Danke. Was sind Ihre Considerationen zum Thema Frauenpopos?"
"Jedesmal, wenn ich eine Frau sehe, ist es das erste, das allererste, ihren Hintern anzugaffen."
"Danke. Wir beginnen jetzt einen Prozeß zu diesem Thema: ,Was bedeutet Hintern jetzt für Sie?'"
"ärger."
"Danke. ,Was bedeutet Hintern jetzt für Sie?'"
"ärger. ärger über Geld." Wieder begann die Aufstellung einer Liste. Die Prozeß-Frage wurde fast eine halbe Stunde lang wiederholt...
"Gut. Und was bedeutet Po jetzt für Sie?"
"Ich denke an einen Burschen, den ich kannte. Er war von South-Carolina. Er sagte immer: ,Heute habe ich ein Mädchen gesehen,

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Mann, das hätte dir Spaß gemacht, ihren süßen Po zu tätscheln!"
"Danke. Wiederholen Sie den Satz!"
"Mann, du hättest den Po getätschelt!"
"Fein, Nochmal."
"Mann, du hättest den Po getätschelt!"
"In Ordnung, nochmal."
"Es hätte dir wirklich Spaß gemacht, ihren süßen Po zu tätscheln."
"Gut. Und was bedeutet Po jetzt für Sie?"
"...gestern abend habe ich eine Prostituierte mit nach Hause genommen. Heute morgen fühlte ich mich seit Monaten zum erstenmal schuldig."
"Danke. Welche Considerationen haben Sie dazu?" "Ich fühle mich schuldig, nicht weil ich sie aufgelesen habe, sondern weil es mir keinen Spaß machte. Sie hat mir nicht gefallen. Aber ich habe die nicht gefunden, die ich suchte. Schon daß mir das jetzt klar geworden ist, bringt mir große Erleichterung."
Es waren noch 45 Minuten von der vierten Stunde übrig. Gerald begann deshalb gleich noch den "Geld-Prozeß", er war dazu bestimmt, alle Considerationen (= falsche Meinungen) über Geld aufzulösen. Manche Scientologen behaupteten laut Gerald, das Geld fließe ihnen in die Taschen, nachdem sie diesen Prozeß absolviert hatten. Die Prozeß-Frage lautete: "Wie könnte man Geld verschwenden?" Ich gab viele Antworten und kam zu der Erkenntnis: man verschwendete kein Geld, so etwas gibt es überhaupt nicht. Verschwenden kann man nur sich selbst; hauptsächlich, indem man irgend etwas bereute. Gerald teilte mir mit, jetzt habe ich eine "schwebende Nadel", das Zeichen auf dem E-Meter für eine Release. Er dankte und die Review war vorüber. Ich hatte eine Fülle neuer Erkenntnisse. Ich fühlte mich wohl, die 200 Dollar waren gut angelegt. Wenn Gerald mich verließ, hatte ich immer ein Hochgefühl.

Die Dianetic-Klasse wurde wirklich ungezwungen geleitet. Es gab keinerlei Druck auf die Schüler. Wir konnten spät kommen, früh gehen und sogar einfach fortbleiben.
Es war unsere erste Aufgabe, zwölf Tonbänder über Dianetic und Scientology abzuhören. Allein damit verbrachten wir mehrere Wochen, weil wir uns nur unregelmäßig trafen. Die Abende verliefen so, daß Gerald ein anderthalbstündiges Tonband startete, und sich dann in eins der Schlafzimmer zurückzog, um einen Preclear zu auditieren. Felicia tat das gleiche im anderen Schlafzimmer. Später kam Gerald zurück, um uns eine eigene Vorlesung zu halten - sein besonderes Angebot in diesem Kurs. Die Akustik im Wohnzimmer war fürchter-

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lich, so daß man zeitweilig die Worte auf dem Tonband nicht verstehen konnte. Die Stimme, die aus dem Lautsprecher kam, war freundlich, volkstümlich, Vertrauen erweckend und schwungvoll. Sie gehörte L. Ron Hubbard, den die Scientologen einfach Ron nannten.

Die Fähigkeiten des Theta-Wesens können derzeit noch nicht mit allen Daten dargelegt werden...es wäre gegenüber der Zukunft unfair, wollte man sie in allen Einzelheiten schriftlich festlegen.
L. RON HUBBARD
Das Theta-Wesen, oder der Thetan, wird durch den griechischen Buchstaben Theta bezeichnet. Es ist reiner Geist und hat weder Masse, Energie, Zeit, Raum oder Wellenlänge, außer wenn es sie 'postuliert' (= sich entschließt, sie zu haben). So ist der Thetan nicht ein Ding, sondern ein Schöpfer von Dingen, ein 'Static' (= bewegungsloses Wesen), das durch seine eigenen 'Postulate' das physikalische Universum aus Materie (= Matter), Energie (= Energy), Raum (= Space) und Zeit (= Time)- also MEST erschafft.
Der Thetan kann zur gleichen Zeit innerhalb und außerhalb eines MEST-Körpers sein. Sein idealer Aufenthaltsort ist die Nähe eines Körpers, ihn kontrollierend. Ein Thetan stirbt nicht. Ein Thetan hat telepathische Kräfte, er kann Gegenstände bewegen, ohne sie mit MEST zu berühren. Die Beschränkungen des MEST gelten für ihn nicht. Theta-Wesen sind gesellig, haben sehr viel Sinn für Gerechtigkeit und sind vor allem an ästhetischen Dingen interessiert.
Du bist ein Thetan. Du bist nicht dein Geist, dein Körper oder dein Name. Du bist du. In deinem ursprünglichen Zustand warst du deiner als eines unsterblichen geistigen Wesens vollkommen bewußt. Du warst im Besitz der Fähigkeit, dein eigenes Universum, deine eigene Welt und deinen eigenen Körper zu erschaffen.
Die Schwierigkeit mit dem Thetan besteht darin, daß er in einen niedrigen Status absinken kann. In seinem statischen Zustand fängt er an, MEST zu erschaffen - alles, was er selbst nicht ist - vielleicht zum Spaß, vielleicht aus purer Langeweile. Fein! Doch was läßt ihn die Skala hinabsausen, bis er ins Bodenlose stürzt? Natürlich, er vergißt, daß er das selbst erschaffen hat! Er leugnet jede Verantwortlichkeit - und dabei helfen ihm viele andere Wesen im Universum - und schließlich wird er mehr zum Ergebnis als zur Ursache der Dinge. Wenn er seine geistige Identität erst einmal vergessen hat, dann gerät der Thetan in die Falle, wird bis zur vollkommenen Bewußtlosigkeit hypnotisiert und versklavt.
Einem Thetan kann wieder beigebracht werden, ein "verursachendes Wesen" zu sein. Wir sind jetzt im Besitz der einzigen funktionsfähigen Technik, die dich wieder in deinen früheren stolzen Status versetzen kann. Diese Technik heißt "Scientology-Prozeß". Dieser Prozeß ist so schnell und so gründlich, daß du die Stufen zu den höheren Rängen in wenigen Stunden hochsteigen kannst. Dann besitzt du die Fähigkeit, deinen gegenwärtigen MEST-Körper zu ändern, sein Gewicht, sein äußeres, selbst die Größe, was aber nicht der eigentliche Zweck der Scientology ist. Scientology ist das Studium des Wissens im eigentlichsten Sinne des Wortes. Scientology ist nicht eine Heilkunst wie die Dianetic. Dianetic behandelt nur Körper und Verstand, Scientology den Geist. Dianetic heilte die Kranken und die Wahnsinnigen. Scientology befreit die Seelen.
Scientology ist ferner eine Religion. Ihre Kirchen stehen überall auf dem Planeten.

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Sie hat viele Quellen, denn sie ist ein Kompendium östlicher und westlicher Weisheit. Die Weisheit war im Westen lange Zeit kein beherrschendes Thema. Wenn du dir einen Augenblick lang klarmachst, daß es rund 50 000 Bücher über die Weisheit im Osten gibt, dann siehst du ein, warum es mit unserer Weisheit nicht weit her ist. Ist es weise, viele tausend Gegenstände zu bedenken, wenn uns nur einer wirklich not tut? Und man geht wegen jeder Krankheit zu einem anderen Spezialisten. Wie unnötig! Die 'Wissenschaftler', die sogenannten 'großen Autoritäten', haben nichts getan, um den beklagenswerten Zustand der Welt zu verändern. Im Gegenteil. Ihr Bestreben geht nur dahin, die Thetanen hypnotisiert zu halten. Dafür haben sie die verschiedensten Methoden, sie gebrauchen vor allem die Elektrizität, um die Thetanen folgsam zu machen. Damit dramatisieren sie, was sie auf ihren eigenen Zeit-Spuren nicht ertragen können. Im Augenblick halten sie die Bewohner der Erde in einem hypnotisierten Zustand. Darum können die ärzte weitermachen, wie in den Jahrhunderten zuvor; sie hacken und stochern, sie sägen den Schädel auf, sie lassen Elektrizität auf die Wahnsinnigen los, sie pumpen die Kranken mit Drogen voll. Es ist einfach Unwissenheit. Aber diese Unwissenheit hat die Menschheit in einen Wettlauf zwischen Vernichtung und Überleben geführt. Ich gebe euch das Werkzeug, euch und die Menschheit zu bessern, den Wettlauf zu gewinnen. Um Himmels willen, geht ans Werk und bessert die Welt!

Margo Zumbrich, eine der Schülerinnen, hielt sich wahrend der Tonbandvorführungen oft in einem anderen Raum auf und hatte dort Review-Sitzungen. Gerald hatte sie kürzlich zur Grad IV Release auditiert. Aber dieser neue Status war schmerzhaft für sie. Zum erstenmal konnte sie ihre Vergangenheit und ihr gegenwärtiges Leben klar sehen, ebenso die Menschen in ihrem Leben, ihre Familie und deren kranke, negative Seiten. Die zahlreichen Sitzungen mit Gerald gaben ihr nur zeitweilig Erleichterung. Er hatte sie ohnehin nur ungern auditiert. Nach schrecklichen Erlebnissen in Europa während des zweiten Weltkrieges war sie mit Elektro-Schocks behandelt worden, und solche Fälle wurden in der Regel als "nicht auditierbar" klassifiziert.
Auch Umberto Lancia nahm viele Review-Sitzungen. Auch er machte rauhe Zeiten durch, nur selten nahm er an den Stunden in der Klasse teil. Gerald sagte mir, er habe ihn sogar kostenlos behandelt, aber jedesmal, wenn ihm eine Sitzung genutzt habe, sei er beim nächstenmal nicht erschienen. Fast schien es, als ob Umberto absichtlich im Zustand der Apathie verblieb.
Empress Green, eine große, gut gebaute Frau, war außer mir der einzige Schüler, der regelmäßig an den Klassenstunden teilnahm. Manchmal machten wir spitze Bemerkungen und bekamen Lachanfälle, während wir die Bänder abhörten. Unsere Witzeleien waren nicht unbegründet: wir fanden es einfach ärgerlich, daß unsere Köpfe ständig mit Worten bombardiert wurden, die wir nicht richtig verstehen konnten. Wir mußten uns als Individuen behaupten, um nicht

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wie Flugsand von dieser hämmernden Stimme durch den halbdunklen Raum getrieben zu werden. Empress und ich saßen nebeneinander auf dem Sofa. Wir mühten uns ab, Rons Botschaft mitzubekommen. Wenn das Tonband besonders schwer zu verstehen war, nickten wir zusammen ein. Einmal wachten wir erst auf, als Gerald eintrat, um seine Vorlesung zu halten.
Gerald war immer überschwenglich und auf dem Sprung, ob er nun vor zwei Menschen sprach oder vor zwanzig. Zu Beginn der Klassenstunden trug er weder Schlips noch Jacke, doch wenn das Tonband abgelaufen war, trug er einen Schlips und den blauen Blazer, was Felicia liebevoll sein "Vorlesungskostüm" nannte.
"Ihr seht blendend aus, Königliche Hoheiten", so pflegte er etwa zu beginnen, wobei er jeden Zuhörer lächelnd anschaute. Er hatte eine wohlklingende Stimme. Beim Sprechen ging er auf und ab.
Wenn man nicht genügend aufpaßte, blieb er stehen und wandte sich mit vergnügtem Augenblinzeln an den Missetäter: "Wo haben Sie denn Ihre Gedanken?" Geralds Vorlesungen waren lebhaft und unterhaltsam. Er hatte eine plastische Art, den reaktiven Geist, oder das "Unterbewußte", wie er es betonte, zu beschreiben. Verschiedentlich bat ich ihn um Wiederholungen, wie ein Kind seine Mutter um ein Kinderlied. Er verglich den reaktiven Geist mit einem Tiger, der durch den Scientology-Prozeß systematisch vernichtet wurde. Auf der Dianetic-Ebene wurde der Tiger in einen Käfig gesperrt, wo wir ihn aus sicherer Entfernung beobachten konnten. Im Scientology-Grad 0 konnten wir näher herangehen und seine linken Vorderkrallen ausreißen, bei Grad I die rechten, und so fort bis zu Grad IV, wo die hinteren Krallen ausgerissen wurden, und Grad V und VI nahmen dem Tier Zähne und Schwanz. Nun waren wir für den Clear-Prozeß bereit, für die vollständige Vernichtung des Tigers. Besonders begeisterte es mich, als Gerald gegen Ende seiner Demonstration in großen Sprüngen durch das Zimmer hetzte, mit schwabbelndem Bauch, wobei er mit einer imaginären Machete auf das hilflose Tier einhackte.
Eine von Geralds Ansprachen fand ich besonders unterhaltsam. Ihr Thema war ein Mechanismus des reaktiven Geistes, der "missed withhold" (= übersehener zurückgehaltener Akt) hieß.
"Ein Withhold kommt nach einem Overt (= verborgener Akt)", erklärte er, "es ist der Versuch, etwas zu verschleiern. Wenn man etwas Verborgenes getan hat, versucht man natürlicherweise, es nie gegenüber jemandem zu erwähnen. Das ist ein Withhold."
Der Missed Withhold ereignet sich, wenn man denkt, jemand habe etwas über unseren Withhold, besser gesagt, über den Overt er-

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fahren. Irgendetwas in seinem Verhalten veranlaßt uns zu der Befürchtung, er habe uns durchschaut. Aber man weiß es nicht genau; und man wird schließlich fast verrückt, weil man nicht sagen kann, ob er es nun wirklich weiß, oder nicht. Zum Beispiel, du kommst spät am Abend nach Hause, du hast deine Frau betrogen. Du gehst durch die Küche, und der Hund blickt dich seltsam an. Er wedelt zwar mit dem Schwanz, aber er hat einen komischen Augenausdruck - du trittst nach ihm. Das ist ein Missed Withhold. Solche Vorgänge verursachen viel ärger.
"Und jetzt, versammelte Hoheiten", fügte er mit einem Lächeln hinzu, "werde ich euch eins der innersten Geheimnisse des menschlichen Wesens verraten. Wenn ihr das durchschaut habt, kennt ihr die Menschen besser. Wenn jemand euch ein wenig zu heftig kritisiert, ohne daß er einen offensichtlichen Grund hat, dann gibt es nur eine Erklärung: Er hat euch etwas angetan. Er hat an euch einen Overt begangen, etwas ganz Bestimmtes. Vielleicht trägt er gar keine Schuld, aber er fühlt sich schuldig - er hat euch gegenüber einen Withhold, sogar einen Missed Withhold; er weiß ja nicht, ob ihr ihn durchschaut. Deshalb greift er euch an. Laßt euch das nicht entgehen: Laßt ihn sich hinsetzen und euch ansehen, dann fragt ihn: ,Was hast du mir angetan?'"
"Einfach so?" fragte Empress.
"Einfach so. Ihr dürft ihn nicht ausweichen lassen. Sagt ihm: ,Nun komm schon, sei ehrlich, sag mir, was du mir getan hast!' Dabei müßt ihr ihm voll in die Augen sehen. Laßt euch nicht abschütteln, bevor er es zugegeben hat. Dann ist ihm wieder wohl und ihr seid wieder Freunde. Wahrscheinlich ist er euch sein Leben lang dafür dankbar, was ihr für ihn getan habt."
"Wie wahr", dachte ich, "wie tiefsinnig. Das erklärt so vieles."
Auch außerhalb des Unterrichts wandte ich dieses Prinzip in meinem alltäglichen Denken an. Ich hatte das Gefühl, daß ich damit viel von dem besser verstand, was um mich vorging. Leider wollte mich in dieser Woche niemand kritisieren. Darum konnte ich meine neue Erkenntnis nicht voll ausnutzen. Ich versuchte, eine Begegnung mit einem Mädchen zu erzwingen, das seit einem Streit vor mehreren Jahren nichts mehr von mir wissen wollte. Falls ich mich mit ihr verabreden konnte, wollte ich sie in ein Café einladen; dabei wollte ich ihr dann fest in die Augen blicken und sie fragen: "Also: Was hast du mir vor ein paar Jahren getan?" Leider lehnte sie die Verabredung ab; deshalb konnte ich nicht feststellen, ob Geralds Methode in jedem Fall funktionierte.
An einem anderen Abend sprach Gerald über abstraktere Themen:

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"Der Thetan als ein Static, At Cause über das MEST (= der Thetan als ein statisches, Materie, Energie, Raum und Zeit erschaffendes Wesen)." Ich versuchte, mich in der Rolle des statischen Wesens zu sehen, das MEST erschuf. Es war schwer, diese Vorstellungen zu verstehen, und ich war keineswegs sicher, ob sie sich mit meinen eigenen, vage mystischen Gedanken trafen. Ich hätte sehr gern einen Ausweg gefunden, obwohl ich mich zu jener Zeit kaum noch daran erinnern konnte, was ich früher für wahrscheinlich gehalten hatte.
"Gerald", sagte ich, bemüht ihm zu glauben, obwohl es mir irgendwie widerstrebte, "willst du vielleicht ein kosmisches Bewußtsein beschreiben, das alle Gegensätze als Teil einer ineinanderfließenden Totalität umfaßt?"
"Ganz und gar nicht, euer Ehren...mit einer ineinanderfließenden Totalität hat es nichts zu tun."
Gerald neigte dazu, sehr lyrische Vokabeln (die Umberto jedesmal erschreckten) zu gebrauchen, um die hochfliegenden Gedanken eines oberen Scientologen zu beschreiben.
"Vergeßt nie, daß ihr wundervolle Wesen seid - Ihr seid wunderbar. Und sucht bei anderen immer nach dieser Schönheit. Die Menschen sind im Grunde gut und wundervoll: seid immer bereit, ihnen wahre Existenz zuzubilligen. Pflegt die Rosen und nicht die Dornen...und ihr schreitet aus der schwarzen Nacht der Pein auf die grünen Auen und in den blauen Himmel der Heiterkeit..."
Sonntagabends gab Gerald kostenlose Einführungsreferate, um für seine Agentur zu werben. Es gab Erfrischungen, Fragen waren zugelassen, die in der Regel zu Diskussionen führten. Ich schleppte so viele meiner Freunde herbei, wie ich nur konnte. Bei diesen Gelegenheiten begann Gerald mit Ausführungen über die Begründung der Scientology in der östlichen Weisheit und kam dann zu seiner Standard-Ansprache: über die Fortschritte, die man vom Auditieren erwarten durfte.
"Unser endgültiges Ziel ist es, dies Ding, das wir reaktiven Geist nennen, völlig auszuradieren. Mit anderen Worten, wir werden unser Unterbewußtsein los. Es gibt fünf wichtige Schritte zu diesem Ziel: die unteren Grade, die Sie hier im Haus absolvieren können. Zuerst erreichen Sie die Kommunikation-Release, wodurch Sie mit jedermann über alles zu jeder Zeit reden können. Dann werden Sie ein Problem-Release, fortan können Sie ein Problem sofort durchschauen. Sie erkennen darin zwei widersprüchliche Behauptungen, wovon eine eine Lüge ist. Nun können Sie die Lüge entdecken, und in der Regel löst das das Problem. Die Overt-Release befreit Sie von Schuld aus Ihrer Vergangenheit, und die nächste Stufe, ARC-Brüche,
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beseitigt alle Störungen, die Ihnen durch dritte Personen entstanden sind. Grad IV, der Ihr Service Facsimile offenlegt, heißt Fähigkeiten-Release, denn es macht Sie so sehr frei von Ihrem reaktiven Geist, daß Sie Ihr Talent voll entwickeln können. Es ist kein Zufall, daß so viele Preclears einen künstlerischen Beruf haben. Der Scientology-Prozeß kann Ihnen viel dabei nützen! Sie werden in der Lage sein, zurückzuschauen und zu erkennen, warum so viele Dinge in Ihrem Leben nicht erfolgreich waren. Falls Sie sich für den Dianetic-Kurs einschreiben wollen, werden Sie Ihren Geist verstehen lernen, und Sie werden wissen, wie Sie sich gegenüber dem reaktiven Geist bei anderen verhalten müssen."
Den Gästen wurde dann ein großes Schaubild gezeigt, das eine Übersicht der verschiedenen Klassifizierungen, Stufen, Erkenntnisse, Ränge und Zeugnisse enthielt. Im wesentlichen enthielt es eine mehr ins einzelne gehende Wiedergabe von Geralds Vorlesung über die Stufen. Das Dokument war in zwei etwa gleich große Hälften geteilt: "Scientology-Training" und "Scientology-Prozesse". Es wirkte wie eine Bienenwabe aus Zahlenkolonnen, Kästchen, Linien, Scientology-Ausdrücken - viele davon unverständlich - und nach oben zeigenden Pfeilen. Das alles mußte auf Uneingeweihte wirken, wie ein Computer-Programm, das in einer der neuen symbolischen Sprachen geschrieben war. Mir schien das ein ziemlich unwirksamer Weg zu sein, neue Mitglieder für die Bewegung zu werben, es sei denn, daß sich manche Leute durch die komplizierte Darstellung beeindrucken ließen.
Gerald bat mich oft, noch mehr Gäste zu diesen Sonntagsveranstaltungen mitzubringen. Er fragte außerdem nach einer Liste mit den Telefonnummern meiner Freunde. Das störte mich. Ich war nicht der Ansicht, daß er auf jeden einen guten Eindruck machte: Seine historischen Kenntnisse waren fragwürdig, orientalische Worte sprach er falsch aus, und er wiederholte sich ständig, um seine Ansichten klar zu machen, als ob er Kretins oder Roboter vor sich hätte. Nach einigen Sonntagabenden wußte ich schon im voraus, was er sagen würde, und ging nicht mehr hin.
Trotzdem hatten die zusätzlichen Vorlesungen ihre Wirkung erzielt. Ich hatte mich nie sehr um den spezifischen Wert der einzelnen Grade gekümmert, Grad IV ausgenommen. Aber nachdem ich alle Einzelheiten so oft angehört hatte, fing ich an, mich tatsächlich als ein Kommunikation-Release, als ein Problem-Release und so weiter zu fühlen. Das ging so weit, daß ich bei Geralds Referaten ins Schwelgen kam. Er berichtete von meinen Fortschritten, er beschrieb mich als Grad IV Release. Ich dachte an meinen Konzertabend vor

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ein paar Monaten zurück: Die Initiative, die Town Hall zu mieten, den ganzen Sommer zu üben und zum erstenmal allein aufzutreten, wie ich es seit Jahren vorgehabt hatte, die Fähigkeit, mit einem großen Publikum in Kommunikation zu kommen - jetzt war mir völlig klar, daß alles, was mit dem Konzert zusammenhing, letzten Endes doch ein Erfolg des Auditierens war. Ich verdankte es der Scientology, auch wenn ich mich anfangs geärgert hatte, als Maurice den Leuten genau das gesagt hatte. Ich war froh, daß ich den Kurs genommen hatte, daß ich auch zu den Sonntagsvorlesungen gegangen war. Erst nachdem Gerald die lange Reihe meiner Fortschritte aufgezählt hatte, wurden sie für mich auch Wirklichkeit.
 
 
 

Die Bulletins

Scientologisches Wissen heißt R-Faktor (R steht hier für Realität). Und wenn man einem Preclear eine Erklärung für einen Begriff oder einen Prozeß gibt, dann wird ihm ein R-Faktor vermittelt. Ein Preclear macht die besten Fortschritte, wenn er einen guten R-Faktor hat. Scientology-Training ist der wirkungsvollste aller R-Faktoren.

Als die meisten Tonbänder abgespielt waren, erhielten wir einen Packen von Bulletins (= Hubbards Bekanntmachungen), die wir zuhause studieren sollten, ferner ein Kontrollformular, in dem wir die abgehörten Bänder anstreichen sollten, ebenso die Bücher und Bulletins, die wir lasen, und später die praktischen Übungen. Als Höhepunkt des ganzen Kurses sollten wir die Erfahrung machen, Preclears mit Hilfe der Dianetic-Stufen zu auditieren. Im Dianetic-Paket gab es etwa dreißig Bulletins, sie waren alle in rot oder grün gedruckt, mit Ausnahme von zwei blauen, die nicht von Hubbard verfaßt waren. Die Bulletins bestanden entweder aus einem einzigen Absatz oder aus drei oder vier Seiten. Jedes Bulletin hatte einen besonderen Titel, es enthielt ferner Anweisungen, wo es verteilt werden durfte. Sie datierten alle aus den Jahren 1962 bis 1967. Das ganze Paket mit seinen zusammengehefteten Vervielfältigungen wirkte, als ob Hubbard im Laufe der Jahre Dutzende von Bulletins herausgegeben und dann einen Teil davon unorganisch zusammengestellt hatte, als er es für notwendig hielt, diesen Kurs einzurichten. Die für besonders wichtig gehaltenen Bulletins waren auf dem Kontrollformular mit einem Stern versehen. Über sie mußten die Schüler bei einem Instruktor Prüfungen ablegen. Es gab ferner eine Liste mit 174 Abkürzungen.
Die meisten Bulletins überflog ich nur, nur die mit einem Stern ver-

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sehenen mußte man auswendig lernen. Das Bulletin zum Thema "Heilung, Wahnsinn und die Quellen von Beschwernissen" ließ erkennen, daß die Position der Scientology in diesem Bereich unter juristischen Gesichtspunkten dürftig war. Es betonte, daß "Heilung" sich nur auf "die Auflösung von Schwierigkeiten, die aus geistigen oder seelischen Gründen entstehen" beziehe. Ein Preclear, der physisch krank sei, solle, so hieß es weiter, zu einem Arzt geschickt werden. Wenn sich die Krankheit weder als rein physisch noch als vorhersagbar heilbar erweise und der Arzt das bestätige, dann solle ein geistiger oder seelischer Ursprung dieser Krankheit angenommen werden. In diesem Falle könne ein Kranker auditiert werden. Das gab dem Auditor viel Spielraum; denn viele Krankheiten können nicht als "ausschließlich physisch" bedingt angesehen werden; andere wiederum, wie Krebs, können nicht als "unbedingt heilbar" bezeichnet werden.
Eine ähnliche Klausel sorgte für Preclears, die erwiesenermaßen geisteskrank sind. Sie dürften auditiert werden, solange sie nicht in einer Heilanstalt waren.
Es folgt eine Liste von Eigenschaften, die einen Menschen als "mögliche Quelle von Schwierigkeiten" vom Auditieren strikt ausschließen:

Alle, die einem Menschen nahestehen, der ein Gegner der Scientologie ist (Suppressive Personen);
alle, die gedroht haben, die Scientology-Bewegung zu verklagen oder sie sonst zu behindern;
alle, die nur neugierig sind, also nur sehen wollen, wie die Scientologie funktioniert;
alle, die Informationen für die Presse sammeln;
alle, die sich ein Urteil über Scientology verschaffen wollen;
alle Kriminellen.

Ich mußte über die Klausel lächeln, die Neugierige betraf. Ich war also selbst eine "mögliche Quelle von Schwierigkeiten", doch niemand hatte es bemerkt.
Ein anderes Bulletin enthält die Eigenschaften des SP (der suppressiven Person), die auch als Anti-Scientologen oder als "unsoziale Personen" bekannt sind. SP sind:

alle, die häufig Verallgemeinerungen gebrauchen, z. B. "es wird behauptet";
alle, die ständig schlechte Nachrichten verbreiten - ein SP läßt jede Nachricht schlechter erscheinen, als sie ist;
alle, die nicht glauben, daß man auf dieser Welt jemandem helfen kann;
alle, die immer die falschen Ziele bekämpfen (wenn sein Wagen eine Panne hat, ohrfeigt er seine Frau);
alle, die nicht auf das Auditieren eingehen, nicht reagieren;
alle, die sich vor anderen Menschen übertrieben fürchten. Ein SP kann völlig normal erscheinen, trotzdem bewirkt er, daß jeder in seinem Umkreis krank, erfolglos und unsicher wird. Ein Preclear, der in Verbindung zu einem SP steht, macht beim Auditieren keinerlei Fortschritte. Dadurch wird er selbst

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zur "möglichen Quelle von Schwierigkeiten". Es ist Sache des Auditors herauszubekommen, wer ihn zu Boden zieht, zuhause, an der Arbeitsstelle, oder von einem viele tausend Meilen entfernten Ort aus. Dies geschieht in einer S&D-Sitzung. Wenn der SP gefunden ist, schreibt ihm der Preclear einen Scheidebrief. Glücklicherweise sind nur zwanzig Prozent der Bevölkerung SP, und davon wiederum sind nur zweieinhalb Prozent wirklich gefährlich.

Ich nahm diese Bulletins nicht allzu ernst. Gerald und Maurice hatten mit mir S&D-Sitzungen absolviert, aber sie hatten keine Scheide-Briefe von mir verlangt. Obwohl in den Organisationen und Agenturen die Anweisungen im Hinblick auf Heilungen und Geisteskrankheiten befolgt werden mußten, um legale Schwierigkeiten zu vermeiden, war doch ganz offensichtlich, daß alle, die dorthin kamen, in irgendeiner Form Heilung suchten. Was sollte daran falsch sein? Ich neigte ohnehin dazu, mit allem zu sympathisieren, was ärzte und Psychiater umging. Wenn die Scientology Erfolg hatte, um so besser. Und wenn sie moralisch bedenklich war, was war dann mit den ärzten, ihren Tranquillizern, unnötigen Operationen und den Patienten, die ohne erkennbaren Grund in Heilanstalten saßen?
Was die "Quellen von Schwierigkeiten" und SP-Personen anging, war Hubbards Stil manchmal prägnant, häufiger langweilig dozierend; vollends verrückt aber wurde es, wenn er sich mit den Feinden der Scientology beschäftigte. Ich wußte, daß die Org-Mitglieder die Bulletins buchstabengetreu befolgten, aber das hieß nicht, daß ich das Gleiche tun mußte. Außerdem glaubte ich, keine SPs zu kennen. Felicia und Gerald nahmen die Sache auch nicht ernst. Sie behandelten das Ganze pragmatisch und beschäftigten sich hauptsächlich damit, was für den Kurs wesentlich war: die Unterrichtung in den Dingen, die man wissen mußte, um Preclears über die Dianetic-Grade zu auditieren, was unser Ziel war. Sie überprüften mich oberflächlich hinsichtlich der SPs und der "Quellen von Schwierigkeiten", wonach ich sofort alles wieder vergaß, was ich gelernt hatte.
Am schwersten war es, das Bulletin zu lernen, das über die Tone Scale (= Stimmungsskala) informierte, eine Tabelle, auf der die verschiedenen Stadien des Befindens oder der Gefühle in eine Reihenfolge gebracht waren, von den negativen zu den positiven. Auf der Liste stand unter anderem: Apathie, verborgene Feindseligkeit, Sorge, Furcht, Antagonismus, Langeweile, Enthusiasmus und Heiterkeit. Jeder Punkt hatte eine Nummer, von 0 bis 20, dies höchste Stadium war die "Heiterkeit des Seins". Eines der Ziele des Auditierens war selbstredend, die Stimmungslage des Preclear zu heben.
Verschiedene Stadien unter 0, zum Beispiel "Sich Verstecken" oder "Einen Körper Brauchen", hatten Minus-Nummern. Ich bat Gerald,

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das zu erklären, worauf er in seiner nächsten Vorlesung auf die Stimmungsskala einging.
"Die Skala über 0 gibt die Tonleiter der Gefühle wieder. Man kann sie in Sekunden durchmessen, wobei allerdings nie auch nur ein Punkt ausgelassen wird. Man kann zum Beispiel so schnell von Apathie zum Enthusiasmus aufsteigen, daß man die Zwischenstadien nicht bemerkt - es gibt Hunderte, die nicht auf der Tabelle sind. Die Punkte, die sich auf der Skala unter 0 befinden, betreffen die geistige Situation des Thetan; ihr Umfang ist noch viel größer."
"Der Tod des physischen Körpers bedeutet nicht die Vernichtung des Thetan. Andererseits sind viele Leute, die angeblich lebendig sind, ziemlich im unteren Teil der Tabelle angesiedelt, wenn es um das Wissen über ihr eigenes Wissen geht. Sie sind eigentlich schon mehr als tot."

Ich würde euch diese Daten nicht geben, wenn sie nicht mit Leichtigkeit an jedem Preclear demonstriert werden könnten. Und ich würde sie euch nicht geben, wenn ihr sie nicht nötig hättet. Hier sind sie.
L. RON HUBBARD
Die Mitteilungen über die Dianetic waren der Kern des Bulletin-Pakets in unserem Kurs. Obwohl ein Teil des Materials eher technischer Natur war, konnte man doch erkennen, daß Dianetic-Auditieren heute einfacher war als 1950. Jetzt besaßen wir den E-Meter, um Spannungen sofort aufzuspüren und abzubauen. Statt jedes einzelne Engramm des Preclear zu behandeln, brauchte der Auditor einfach nur die Nadel auf der Skala des Meters zu beobachten. Es war ein Kinderspiel, den Augenblick der Dianetic-Release zu erkennen. Es genügte, wenn man eine "schwebende Nadel" erkennen konnte: wenn die Nadel auf der größeren der beiden Skalen träge hin und her schwankte, als ob sie durch nichts gestützt wurde, dann war der Preclear von den Engrammen befreit.
Jetzt gab es als Vorbereitung für die Behandlung der Engramme zwei neue Prozesse: "Direkter Draht zum ARC" und "Secondarien". Der "direkte Draht" sollte das Gedächtnis des Preclear schärfen. Er bestand aus drei Kommandos:
"Erinnern Sie sich an eine Kommunikation, worin bestand sie?"
"Erinnern Sie sich an etwas Tatsächliches, was war es?"
"Erinnern Sie sich an ein Gefühl, was war es?"
Diese Fragen wurden so lange wiederholt, bis die Nadel "schwebte". Der PC hatte dann höchstwahrscheinlich eine Erkenntnis, zum Bei-

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spiel: "Aha, mein Gedächtnis ist besser, als ich glaubte!" Zur gleichen Zeit hob sich seine Gemütslage spürbar bis zum Enthusiasmus, Punkt 4.0 auf der Stimmungsskala, was einen positiven Effekt anzeigt: "Der PC ist fröhlich!" Beim ersten Anzeichen einer schwebenden Nadel mußte der Auditor mit ruhiger Stimme sagen: "Erledigt", und den PC veranlassen, die Konservenbüchsen abzustellen. Ein Aufseher mußte dann das "Release" auf dem Meter nachprüfen.
"Secondarien" wurden jetzt als notwendige Vorbereitung auf die Engramme (die ziemlich schrecklich verlaufen konnten) angesehen. Der Auditor gab zunächst einen R-Faktor, indem er erklärte, einige Verlust-Erlebnisse sollten festgestellt und dann mehrfach durchgenommen werden. Es sei am besten, mit einem leichten Verlust zu beginnen, zum Beispiel einem verlorenen Gegenstand. Sowie sich der PC an etwas Derartiges erinnerte, wurde er vom Auditor gebeten, an den Anfang des Erlebnisses zurückzugehen und dann alles der Reihe nach zu berichten. Der Auditor sollte dann "bestätigen", d. h. dem PC danken und ihn danach auffordern, das ganze Erlebnis nochmals durchzugehen. Nachdem der leichte Verlust ein, zweimal behandelt war, wurde der PC aufgefordert, zu einem früheren Verlust zurückzugehen. Früher oder später würde er so bei einem großen Verlust ankommen, etwa bei dem Tod eines lieben Menschen. Die ganze Prozedur wurde dann mehrfach wiederholt, bis es wieder zur schwebenden Nadel bei gleichzeitig gutem Ergebnis auf der Stimmungsskala kam. Wiederum überprüfte ein Aufseher die Release.
Bei den Engrammen wurde die gleiche Methode angewandt: Augenblicke des Schmerzes, der Bewußtlosigkeit, des Schocks oder extremen seelischen Unbehagens wurden von dem Preclear noch einmal durchlebt. Auch hier begann man mit einem einfachen Vorgang, zum Beispiel einem aufgeschnittenen Finger. Dann ging man zu früheren Vorfällen zurück, bis das Ende der Kette erreicht war. Das konnte bis zu früheren Existenzen des PC gehen. Vielleicht kam es jetzt zur schwebenden Nadel. Falls nicht, wurde eine weitere Kette von Vorfällen behandelt, notfalls noch eine und immer noch eine, bis die schwebende Nadel erreicht war, falls auch die Stimmungslage ein gutes Ergebnis anzeigte, war damit die Sitzung beendet. Nach der Überprüfung wurde der Preclear zum Dianetic Release erklärt.
Beim Studium dieser Bulletins, dem theoretischen Teil des Kurses, mußten die Teilnehmer "Demos" (Demonstrationsobjekte) anfertigen. Mit Hilfe von Büroklammern, Bleistiften und anderen kleinen Gegenständen illustrierten sie Begriffe der Scientology. Aus Radiergummis ließen sich Engramme machen, und die Zeit-Spur ließ sich gut durch einen Bleistift oder ein Stück Bindfaden darstellen...

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Dianetic Training

Dies ist nützliches Wissen. Damit sehen die Blinden wieder, die Lahmen gehen, die Kranken werden gesund, die Unvernünftigen werden vernünftig und die Gesunden werden noch gesünder.
L. RON HUBBARD
ARC hat beim Auditieren sehr große Bedeutung. Das A bedeutet Affinität (= hier: enge Verbindung, Wahlverwandtschaft), das R Realität und das C Kommunikation. Zusammengenommen bedeutet ARC das aus einer starken und realen inneren Verbindung erwachsende "Verständnis". Ganz offensichtlich meint dieser Gedanke einfach die Qualität einer warmen persönlichen Beziehung. Aber für einen Scientologen ist ARC mit einem intensiven, geradezu mystischen Sinn ausgestattet. ARC steht in engem Zusammenhang mit der Auditionssitzung bis hin zum "Bestätigen" (= dem formellen 'Danke' nach jeder Antwort), wobei man dem Preclear tief in die Augen schaut. Ein Auditor tut alles Erdenkliche, um einen ARC-Bruch zu vermeiden, einen plötzlichen Verlust von Affinität, Realität oder Kommunikation. Die Schüler wenden viel Zeit auf, um gewisse Trainingsmethoden - "TRs" - zu erlernen, die beim Auditieren wesentlich sind: wie man dem Preclear entgegentritt, die Auditionskommandos erteilt und bestätigt, und bei alledem ARC aufrecht erhält. Die TRs werden für so bedeutsam gehalten, daß ihre Bezeichnungen - TR l, TR 2 usw. - zu Attributen der Schüler werden. Sie lernen die TRs nicht nur, sie haben sie; zum Beispiel: "Er hat einen wundervollen TR 3." Die TRs machen mehr Spaß als die Tonbänder und Bulletins, da sie den Schüler zunehmend in Situationen bringen, die dem Auditieren entsprechen.
Wir wurden von den Instruktoren ermutigt, indem sie uns das Gefühl gaben, daß wir bei den TRs gute Fortschritte machten. Margo Zumbrich war meine Trainingspartnerin. In der Abgeschiedenheit von Geralds Schlafzimmer begannen wir mit TR 0. Hier ging es um die Fähigkeit, einfach dazusitzen, einander aus kurzer Distanz in die Augen zu sehen und schlicht nur da zu sein. Wenn man das Gesicht verzog, den Körper bewegte, zuviel mit den Augen blinzelte oder unaufmerksam vor sich hin träumte, sagte der Partner, der den Trainer spielte: "Falsch!" Wir mußten lernen, zwei Stunden lang bewegungslos, aber nicht starr, da zu sitzen.
Schon nach wenigen Minuten tränten unsere Augen. Krampfhaft versuchten wir, nicht zu blinzeln, und konnten es wenig später doch nicht sein lassen. Der Versuch, uns ständig in die Augen zu blicken, machte

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uns todmüde. Das Gefühl, unbedingt schlucken zu müssen, das es zu unterdrücken galt, ließ unsere Gesichter starr werden, und der Versuch, das zu ändern, führte erneut zum Kommando: "Fehler - Neu anfangen!"
Margo und ich brauchten lange, bis wir TR 0 lernten. Gerald kam gelegentlich in das Zimmer und machte uns auf besonders kritische Punkte aufmerksam.
"Sie hat einen Fehler gemacht, Bob. Sehen Sie nicht, daß ihr Hals links steif wird?" sagte er zum Beispiel; oder: "Margo, er macht einen Fehler. Er macht ein trauriges Gesicht. Er hat höchstens noch 0,5 auf der Stimmungsskala!"
Wir brauchten einen ganzen Abend und den größten Teil eines zweiten, um TR 0 zu lernen, bevor Gerald mit uns zufrieden war. Am zweiten Abend fanden wir es schon angenehm, uns ständig in die Augen zu schauen.
Als nächstes war der "Stierkampf" an der Reihe. Um meinen schwachen Punkt zu finden, konzentrierte sich Margo auf die Frage "Warum hat ein netter junger Mann wie du noch keine Frau gefunden?" Sie spielte mir eine Nymphomanin vor, die mich verführen wollte. Gerald kam herein und forderte uns auf, die Rollen zu tauschen. Ich brachte Margo zum Lachen, indem ich auf der Bettvorlage herumhüpfte wie ein Affe.
Gerald flüsterte mir ins Ohr: "Es gibt noch viel mehr, als sie nur zum Lachen zu bringen. Versuchen Sie es mal mit dem Schwächepunkt 'Nicht-Existenz,! Sie werden schon sehen. Sagen Sie ihr: 'Du bist nicht da," Ich wiederholte den Satz immer wieder und schmückte ihn aus: "Margo, du hältst es nicht aus! Heimlich würdest du viel darum geben, wenn du verschwinden könntest! Du bist nicht da!"
Sie machte ein ängstliches Gesicht. Gerald fiel ein: "Gut. Weiter so. Sie vollführt Bocksprünge auf der Stimmungsskala. Jetzt ist sie hellwach. Wenn man die TRs macht, verbessert sich die Stimmungslage."
Allmählich arbeiteten wir uns zu TR 4 vor. Das war eine Kombination aller vorhergehenden TRs und kam fast dem richtigen Auditieren gleich. Der Schüler mußte versuchen, auf seine Fragen Antworten zu bekommen, obgleich der Trainer versuchte, ihn aus der Fassung zu bringen. Waren die äußerungen des Trainers aber ernst gemeint, mußte der Schüler sie "bestätigen". Auf diese Weise lernte der Schüler, sicher zu beurteilen, wie die Reaktionen eines Preclear zu bewerten waren. Zum Beispiel:
"Können Vögel fliegen?"
"Welche Vögel?" (Der Trainer antwortet ausweichend.)
"Ich wiederhole die Auditionsfrage: .'Können Vögel fliegen?'"

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Der Trainer bewegte seine Arme auf und nieder. Er will den Schüler aus der Fassung bringen.
"Ich wiederhole die Auditionsfrage: .'Können Vögel fliegen?'"
"Nein." (Immerhin eine Antwort.)
"Danke. Können Vögel fliegen?"
"Gestern abend hatte ich ein interessantes Erlebnis ... usw., usw."
(Der Auditor hört ruhig zu.) Dann: "Fein. Können Vögel fliegen?"

Wenn Frau Honigkuchen zu uns kommt, um zu lernen, dann verwandle den unbestimmten Zweifel in ihrem Auge in eine feste Überzeugung. Dadurch wird sie Gewinn haben - wie wir alle. Aber wenn du ihren Zweifeln nachgibst, dann verlieren wir alle.
L. RON HUBBARD
Ron Hubbard behauptete, die Verbreitung der Scientology sei leicht. Alle, die es nicht schafften oder die Bemühungen anderer kritisierten, hatten etwas zu verbergen, vielleicht suppressive Tendenzen. Wenn man sich diesem Thema hinreichend widmete, konnte man sicher gehen, daß der Werber den nötigen Fleiß zeigte. Bei einer korrekten Werbung waren vier Punkte zu beachten:

Kontakt:

1.einen Preclear finden und ihn ansprechen.
2. Beeinflussung: seine Einwände gegen die Scientology entkräften.
3. Ködern: die Schwäche des Preclear herausbekommen, seine Probleme.
4. Einverständnis: ihn überzeugen, daß Scientology seine Probleme lösen kann und ihn zum Auditieren überreden.
Ich mußte bei Gerald fast Brachialgewalt anwenden, um von ihm das Werbe-Training als "Bestanden" attestiert zu bekommen. Während ich versuchte, ihn zu "beeinflussen" und zu "ködern", spielte er einen betrunkenen Homosexuellen, der versuchte, mich mit Getränken voll zu schütten und ins Schlafzimmer zu zerren. Zu seiner Zeit hatte sich Gerald als kühner und unwiderstehlicher Werber hervorgetan, nicht wie diese schüchternen Knaben, die auf der Straße Broschüren verteilten, sondern in einer originellen Art, die seinem Stil entsprach. In London hatte er einmal einen Mann mitten auf der Straße am Arm gepackt, ihm ins Ohr gebrüllt: "Du wirst es schaffen", und ihn in die nahegelegene Org geschleppt.
Um deutlich zu sein: Das Auditieren kann ohne einen Elektro-Psycho-Meter nicht optimal sein. Ein Auditor ohne seinen E-Meter erinnert mich an einen Jäger, der in stock-
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dunkler Nacht Enten jagen will, indem er blindlings um sich schießt.
L. RON HUBBARD
Eine dünne Glasscheibe bedeckt die Oberfläche des Meters. Am auffälligsten ist die leicht gebogene Nadel-Skala, die etwa zwei Drittel der Oberfläche einnimmt. Der elektrische Strom, den der Meter ständig in die Hände des Preclear schickt, bildet einen Stromkreis. Die Bewegungen der Nadel sind angeblich von der sich ändernden Energie und Masse der Gedanken des Preclear verursacht, die an der Grenze zwischen dem Unterbewußtsein und dem Bewußtsein entstehen und elektrische Ladung in den Meter zurückleiten.
Die Bedienung des E-Meters ist genau vorgeschrieben und muß bei jedem Gebrauch der Maschine in immer gleicher Weise ausgeführt werden.
Es gibt Übungen für das Aufstellen des Meters, für das Ein- und Ausschalten und für das Zentrieren der Nadel. Neben der Skala befindet sich ein runder Knopf, der Abstimm-Knopf. Mit ihm kann die Nadel zentriert werden. Der Abstimm-Knopf hat eine eigene kleine Skala, die in sieben gleich große Segmente aufgeteilt ist. Die entsprechenden sieben Ziffern zeigen an, in welchem Zustand der Preclear während der Sitzung ist. Sie entsprechen zwar nicht den Ziffern auf der Stimmungsskala, auf der die gefühlsmäßigen und geistigen Stimmungslagen tabellisiert sind; dennoch zeigen extreme Bewegungen auf dieser Skala an, ob der Preclear entspannt oder gespannt ist. Es gilt als ideal, wenn der Abstimmknopf auf die Mitte der Skala zeigt; zum Beispiel muß er zwischen zwei und drei stehen, damit eine "schwebende Nadel" anerkannt werden kann. Der Auditor hält die Nadel zentriert, indem er den Abstimmknopf leicht mit seinem Daumen bewegt; so kann man leicht erkennen, ob die Nadel schweben will. Wenn der Preclear aufgefordert wird, die Büchsen in die Hand zu nehmen, kann der Auditor auf diese Weise feststellen, ob der PC sie zu fest umklammert oder ob er sie zu lose hält; denn das würde erneutes Zentrieren erforderlich machen. Die Nadel reagiert, je nachdem, wie fest der auf die Büchsen ausgeübte Druck ist. Der Preclear darf keine Ringe tragen, weil sie den Stromkreis beeinflussen.
Die Bulletins enthalten zahlreiche Einzelheiten über die Beurteilung der verschiedenen Weisen, wie sich die Nadel bewegt. Zunächst durften wir uns nur mit der "schwebenden Nadel" befassen. Was im einzelnen die Nadel reagieren läßt und wieso der Auditor durch die Beobachtung des Meters so viel erfährt: um diese Fragen beantworten zu können, mußte der Schüler auf einen Kurs für Fortgeschrittene warten.

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Gewisse Methoden tragen zu raschen Fortschritten im Verlauf der Sitzung bei. Der "R-Faktor", der vor den einzelnen Prozessen vermittelt wird, indem man den nächsten Schritt erklärt, soll dem Preclear jede Nervosität nehmen. Diese Auskünfte verringern den Eindruck des Geheimnisvollen, der den Prozeß und den Meter umgibt, sie tragen auch zum Verständnis der jeweiligen Fachausdrücke bei. Hubbard legt besonderen Nachdruck auf den "Auditor-Kodex", die Maßregeln für das Verhalten des Auditors gegenüber dem Preclear innerhalb und außerhalb der Sitzungen. Ihr Zweck ist es, ARC aufrecht zu erhalten.

Diese und fünfzehn weitere Gebote mußte man auswendig lernen. Gerald verriet mir andere nützliche Vorbereitungen. Falls der Preclear besorgt wirkte, war anzunehmen, daß er ein PTP hatte, ein "Present Time Problem" (= aktuelles Problem). In einem solchen Falle war es geboten, vor dem Auditieren darüber mit ihm zu sprechen, um im voraus etwas Spannung abzulassen. Wenn der Preclear verärgert oder wortkarg war, hatte er vermutlich einen ARC-Bruch, und bevor der bereinigt war, galt jedes Auditieren als Zeitverschwendung. Wer die Scientology kritisierte, galt als Querulant. Ein solcher Preclear mußte "Considerationen" haben, die im Gespräch auszuräumen waren, indem der Auditor alles "bestätigte", was er sagte. Eine andere Störung, die den Preclear unauditierbar machte, war ein "Overt", d. h. der PC hatte kürzlich etwas getan, weshalb er sich schuldig fühlte. Wenn man ihn dazu brachte, darüber zu sprechen und dabei alles "bestätigte", konnte man ihn zufriedener stimmen. Gerald erklärte das alles so, daß man es für völlig vernünftig hielt.
Zum Thema "unauditierbare PCs" hatte Gerald, der auf seine Fähigkeit stolz war, jede Nuß zu knacken, eine besondere Geschichte: "Als ich als Interner im Saint Hill anfing, mußte ich einen Preclear auditieren, der zu den größten Fanatikern gehörte, aber gegenüber jeder Kur völlig resistent war. Er war zu keiner Zusammenarbeit bereit. Er blieb nur dabei, weil er - wie er sagte - L. Ron Hubbard absolut vertraute. Das Personal zerbrach sich wochenlang den Kopf. Da ich im Hill als ein As galt, dauerte es gar nicht lange, bis sie den Fall auf mich abwälzten. Ich auditierte ihn dreißig Stunden lang. Ich muß gestehen, daß ich am Ende meines Lateins war. Schließlich sagte ich ihm: ,Ich habe gerade eine Botschaft von Ron bekommen.' Dabei zeigte ich ihm ein leeres Blatt Papier. Ich ,las' es ihm vor: ,Ich, L. Ron Hubbard, bekenne hiermit, daß die Scientology nur ein Scherz ist. Ich habe diese

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Posse nur zu meinem Vergnügen aufgezogen. Es ist der größte Betrug des 20. Jahrhunderts.' Gleichzeitig beobachtete ich die Nadel aus den Augenwinkeln. Das erste Anzeichen, daß überhaupt etwas passierte, war, daß die Anzeige der Abstimm-Skala um eineinhalb Punkte abfiel. Plötzlich änderte sich sein Verhalten. 'Ich wußte es', schrie er, 'ich wußte es die ganze Zeit. Deshalb war ich so fanatisch - tief im Innern wußte ich es und ich hatte nicht den Mut zuzugeben, daß alles Quatsch ist. Jetzt bin ich frei!' Während dieser Worte bekam er eine schwebende Nadel, und ich hatte einen weiteren unlösbaren Fall gelöst."
 
 
 

Umberto

Außerhalb der Klassenstunden stellte ich Listen der Leute auf, die bereit waren, sich zeitweilig als Preclears zur Verfügung zu stellen und sich gratis auditieren zu lassen. Meine Freunde waren hilfsbereit, obwohl die meisten nichts mit Scientologie im Sinn hatten. Sie hatten nichts dagegen, mir zu helfen, damit ich die zwanzig Stunden für neue PCs zusammenbekam, die ich nötig hatte, um den Kurs attestiert zu bekommen. Bevor ich einen von ihnen zur Dianetic-Release auditierte, absolvierte ich, sozusagen als Testflug, mit Margo eine Secondarie, wobei Gerald mich beaufsichtigte. Während der TRs und der E-Meter-Übungen hatte Margo so große Fortschritte gemacht, daß Gerald mich beiseite nahm und mir sagte, sie habe auf der Stimmungsskala den Weg nach oben beschritten und sei dabei, sich ihrer Fortschritte bewußt zu werden. Es gab nichts, was den Fortschritt so beschleunigte, als die Möglichkeit, andere zu auditieren. Allein die Aussicht darauf bewirkte Wunder.
Umberto Lancia hatte nicht dieses Glück. Er war immer noch deprimiert und erschien nicht mehr in der Wohnung von Gerald und Felicia. Ich hielt ihm vor, er solle sich auf die guten Seiten konzentrieren und seine Sitzungen mit Gerald wieder aufnehmen. Darauf hielt er mir einen zornigen Monolog:
"Ich kann ihr ständiges Dankes-Gemurmel nicht mehr aushalten. Es macht mich verrückt! Auch wenn du ein kümmerlicher Preclear bist, klopfen sie dir lobend auf die Schultern. Es ist für sie eine Sünde zu sagen, die Scientologie sei wirkungslos. Sie wollen einfach nicht zur Kenntnis nehmen, daß es auf der Welt Probleme gibt, die sie nicht lösen können. Sie leben in einer Scheinwelt. Erst glaubte ich, nur in der Org sei es so. Dann hingen Hildegard und Maurice ständig bei uns zuhause herum. Und Felicia ließ sich von ihnen beeinflussen.

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Das hat unsere Ehe zerstört. Wie konnte sie Achtung vor einem Kerl wie Maurice haben? Er tut, was ihm gerade einfällt, ganz egal, ob er andere damit beleidigt. Er ist in jeder Beziehung pervers. Erst macht er dich fertig, dann mußt du noch mehr Geld anlegen, damit er den Schaden repariert. Denk an die Sitzungen mit Gerald, die du brauchtest, weil Maurice illegale Sitzungen mit dir gemacht hat. Es gibt nichts, was er nicht tun würde. Habe ich dir erzählt, daß er mich eines Tages sogar telefonisch auditiert hat? Eines Abends rief er mich an. Ich beschwerte mich, weil ich Kopfschmerzen hatte. Er sagte: '0.k., fangen wir gleich mit der Sitzung an'. Ich wollte widersprechen. Er brüllte: 'Mund halten. Tu, was ich dir sage! Was hast du schon zu verlieren. Sag mir als Antwort, was dir als erstes einfällt. Welches Jahr ist es?' - '1845', schätzte ich. 'In Ordnung. Und was passiert?' 'Eine Hinrichtung. Ich bin es, - ich werde aufgehängt...' - Er ging das mehrfach mit mir durch. Mitten drin hing er auf. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, meinte ich, mein Kopf würde zerspringen."
"Er meint es gut", sagte ich.
"Wirklich? Wie findest du aber das: Du kennst Empress Green vom Kurs. Weißt du, wie sie mit ihm bekannt wurde? Er beschaffte sich ihre Telefonnummer, rief sie aus heiterem Himmel an und überredete sie, sich von ihm draußen in Queens auditieren zu lassen. Als sie bei ihm ankam, machte er seine Tür in einem purpurroten Bademantel auf. Ein unglaublicher Gestank stieg ihr in die Nase. Den Grund dafür hörte sie von Maurice selbst. Er hatte sich die Unterhosen schmutzig gemacht, als er eilig zur U-Bahn rannte, und hatte es nicht für nötig befunden, sich zu säubern."
Umberto war entmutigt, was seinen eigenen Fall anging: "Ich bin ziemlich sicher, daß sie mich im Saint Hill nicht richtig auditiert haben. Ich wurde auffällig schnell zum Release erklärt. Selbst nach den Scientology-Regeln war es zu schnell. Zusätzlich zu den 1200 Dollar für Grad V Power mußte ich weitere Hunderter hinblättern, um Review-Sitzungen zu absolvieren. Und nun muß ich nach England zurück, wenn ich mich in Ordnung bringen lassen will. Gerald sagt, er könnte es auch tun, aber nur im Saint Hill hätten sie das Recht, die Power-Release zu wiederholen."
Ich sprach mit Gerald darüber und er stimmte mir zu, daß Umbertos Power-Prozeß durch einen Rückfall aufgehoben war.
"Aber ich glaube nicht, daß er schon wieder nach England reisen kann", sagte ich.
"Gut, Euer Ehren. Ich werde ans Hill schreiben und fragen, ob sie mir erlauben, daß ich ihm helfe. Ich habe ja selbst dort zwei Jahre

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lang zum Grad V auditiert. Inzwischen versuchen Sie doch, ihn ein wenig aufzuheitern."
Später vertraute mir Umberto an, was mit seiner Ehe los war. Seine ersten Review-Sitzungen mit Gerald waren hilfreich gewesen. Aber er ärgerte sich, weil er zu immer neuen Kursen in die Agentur kommen mußte. Den Ehebruch seiner Frau, der zweifellos schon in England begonnen hatte, akzeptierte er. Ebenso war er mit der Scheidung einverstanden. Aber es störte ihn, daß sie sich Gerald zugewandt hatte. Der Besucher aus England hatte Umberto nie sehr imponiert. Doch Gerald war da, und ständig bot er ihm an, ihn gratis zu auditieren. Umberto wurde immer deutlicher, wie lächerlich die Situation war. Er konnte seine Bitterkeit nicht mehr länger verheimlichen.
Umberto war groß und aristokratisch schlank. Der rundliche Auditor Klasse VII war zwar auch nicht häßlich, aber neben dem blendenden MEST-Körper von Felicia wirkte er irgendwie unpassend.
Ich selbst nahm die kaum verhüllte Affäre zwischen den beiden hin. Vermutlich war es unter Scientologen ganz normal. Jedes andere Verhalten wäre eine Consideration gewesen. Und ich hatte angenommen, daß Umberto ähnlich dachte.
Aber jetzt begann ich, Umberto nicht ohne Mißtrauen anzusehen. Er war ein Grad V Power Release, und doch behauptete er, die Scientologie habe ihm nicht geholfen. Er hatte sich selbst geschadet, nur weil er sich über seine Frau und ihren Liebhaber ärgerte, obwohl er die ganze Zeit so tat, als sei ihm egal, was sie taten. Und darüber hinaus hatte er die Gratis-Sitzungen ausgeschlagen. Irgend etwas an ihm mußte von Grund auf falsch sein.
Vielleicht waren Rons Bulletins doch mehr als nur heiße Luft; vielleicht beschrieben sie die Tatsachen des Lebens. Gerald hatte mit Umberto schon einen S&D-Prozeß absolviert (= die Suche nach einer suppressiven Person in seiner Bekanntschaft); er konnte also keine "mögliche Quelle von Schwierigkeiten" sein. Doch wenn er selbst SP war? Umberto mochte wohl eine suppressive Person sein. Ich wollte nicht dogmatisch sein, aber ich mußte aufpassen - oder er würde mich verführen, ebenso negativ zu denken.
Aber Gerald hatte in seiner Vorlesung doch gesagt, daß die Menschen im Grunde gut seien. Umberto hatte nie versucht, mir auszureden, zum Saint Hill zu gehen, wie immer er selbst darüber urteilte. Vielleicht hatte er doch noch einen Rest von Glauben an die Scientology. Er hatte sich immer mit mir über meine Fortschritte gefreut, und - seltsamerweise - hatte er mehr als andere dazu beigetragen, daß ich mich der Bewegung angeschlossen hatte. Vor meiner ersten Sit-

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zung hatten seine vernünftigen und zuweilen pointierten äußerungen über die Scientology meinen ersten Eindruck korrigiert, alle Scientologen seien nur beschränkte Anhänger eines verrückten Kultes. Nein, Umberto war im Grunde gut. Er war mein Freund; und ich wollte seine augenblicklichen Schwierigkeiten einem ausgeprägt melancholischen Zug seines Wesens zuschreiben. Es gab immer noch Hoffnung für ihn, wenn er sich überreden ließ, die Vergangenheit zu vergessen und seine Sitzungen mit Gerald wieder aufzunehmen. - Allerdings: für eine vollkommene Heilung würde er wohl doch nach England zurück müssen.
 
 
 

Ich auditiere

Der Dianetic Clear verhält sich zum gewöhnlichen normalen Individuum, wie der gewöhnliche Normale zum Geisteskranken.
L. RON HUBBARD
Mein erster Preclear war ein alter Freund, der in dem Ruf stand, eine glückliche Ehe zu führen. Während ich den E-Meter aufstellte und die Formulare für den Prozeß "Direkter Draht zum ARC" vorbereitete, beichtete er mir, daß er seit einem Jahr eine Geliebte habe. Gegenwärtig versuche er, unter mehreren komplizierten Plänen einen auszuwählen, um seine Frau zu einer Scheidung zu überreden. Gerald hatte erwähnt, es könne unter Umständen großer Überredungskünste bedürfen, um einen PC dazu zu bringen, über gewisse Dinge zu sprechen. Dieser hier hatte seine Information freiwillig gegeben. Offenbar versetzte schon die Atmosphäre der Sitzung manche Preclears in Beichtstimmung.
Nachdem mir mein Freund sein Herz ausgeschüttet hatte, ging das Auditieren gut voran, und schon nach zwei Stunden hatte ich die drei schwebenden Nadeln. Ich bat Gerald herein, damit er den PC über Direkten Draht, Secondarien und Engramme prüfen konnte, was er tat, indem er ihn fragte, ob er in allen drei Punkten eine Release gehabt habe, wobei er auf den Meter schaute, um die Bestätigung zu erhalten.
Es gab auch weniger dankbare Typen. Ich verlor zwei verheiratete Frauen, weil sie sexuelle PTPs (aktuelle Probleme) hatten, über die sie sich nicht äußern mochten; außerdem ein Mädchen, das sich nicht von seinen Tranquillizern trennen wollte (PCs dürfen 48 Stunden

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vor einer Sitzung keine Drogen einnehmen, weil sich dadurch die Nadel festsetzt). Ein junger Mann, der innerhalb von 90 Minuten ein wichtiges Engramm erreicht hatte, sagte mir später, daß er vom vorhergehenden Abend noch völlig betrunken sei. Aber da sich seine Nadel völlig frei auf der Skala bewegt hatte, wertete ich ihn als Glücksfall und Dianetic Release. Ein anderer junger Mann zerbrach eine Lampe in Geralds Wohnung, kurz bevor die Sitzung begann; er hatte einen solchen ARC-Bruch entweder mit sich oder mit der Lampe, daß ich ihn nicht auditieren konnte.
Von diesen Ausnahmen abgesehen, war mein Auditieren erfolgreich, und ich genoß es sehr. Der letzte PC - eine Frau - war mein Meisterstück. Gerald hatte sie schon stundenlang bearbeitet. Aber ihre Stimmungslage war nicht gut, sie war deprimiert, sehr weit unten auf der Stimmungsskala. Er übergab sie mir, was ich als großes Kompliment empfand.
Sie war gerade dabei, ihren Mann zu verlassen. Obwohl sie ihre persönlichen Probleme nicht verschwieg, hatte sie erfolgreich vermieden, die wirkliche Quelle ihrer Sorgen anzugeben, ihre mit starker Spannung aufgeladenen Secondarien und Engramme. Gerald hatte vorausgesagt, sie würde eine schwer zu knackende Nuß sein. Ich solle sie nicht vom Haken lassen, auch wenn sie sich eine ganze Woche lang drehen und wenden würde. Sie hatte fast ständig eine nahezu schwebende Nadel, die allerdings schneller schwankte als sie sollte. Die Abstimmskala zeigte auf weniger als 2.0. Nach Geralds Worten bedeutete das, daß sie an mangelndem Verantwortungsbewußtsein litt. Ich sollte mich von der schwebenden Nadel nicht täuschen lassen und sie weiter auditieren, bis der Abstimm-Knopf eine bessere Stimmungslage anzeigte.
Ich behandelte mit ihr eine Kette von ehelichen Secondarien. Sie sprach über weiter zurückliegende Vorfälle in ihrem Leben, um die gefährliche Spannung auf der Zeit-Spur ihres gegenwärtigen Lebens nicht berühren zu müssen. Ich brachte sie dazu, sich mit dem letzten heftigen Streit mit ihrem Mann zu beschäftigen, und behandelte diesen Vorfall immer wieder von neuem. Sie versicherte mir, sie habe kein wichtiges sexuelles Detail ausgelassen. Während ich im Verlauf des Prozesses auf sie einhämmerte, verlief ihre Stimmungskurve in weiten Abständen nach oben und nach unten. Wenn sie im unteren Bereich der Skala war, weinte sie.
Endlich - ein großer Teil des dritten Abends war schon vorbei - konnten wir ihren Widerstand brechen. Wir stießen zu einem Grund-Engramm durch. Es handelte sich um ein Ereignis, als sie noch ein Säugling war. In einer Klinik lag sie im Bett neben ihrer

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Mutter, die vor Schmerzen schrie. Nach mehrfachen Wiederholungen hatte sie eine gute Anzeige und ich eine weitere Dianetic-Release. Gerald überprüfte sie. Innerhalb der letzten Sitzung war ihre Ablese von unter zwei auf vier angestiegen und verweilte jetzt zwischen zwei und drei. Er gratulierte mir und nannte mich einen großen Auditor. Ich war stolz und froh.
Die Tonbänder, die Bulletins, Geralds Vorlesungen, sogar selbst auditiert zu werden - das alles war nichts im Vergleich zu der Erfahrung, selbst richtige PCs zu auditieren. Es hatte mir ein Gefühl der Güte und der Macht gegeben, wenn ich einem Preclear meine Fragen stellen durfte, wenn ich seine innersten Geheimnisse anhörte und die Vorgänge auf dem Meter kontrollierte. Vor allem mein letzter Fall. Das Mädchen hatte mir zugetraut, daß ich sie über die Klippen ihrer Gefühle hinwegführen könnte. Dabei hatte ich selbst doch kaum das Nötigste gelernt, um sie zu auditieren.
Die ganze Situation war einfach unwiderstehlich!
Gerald hatte gesagt, was wirkliches Wissen betreffe, seien die meisten Leute mehr als tot. Wie wahr! Indem ich andere Menschen auditierte, hatte ich das Leben aus einer neuen Perspektive kennengelernt. Die Stimmung in der Agentur war fröhlich und pulsierend, die Welt draußen voller Hoffnungslosigkeit: Was hatten die meisten Menschen schon, das ihnen Hoffnung machen konnte?
 
 
 

Eine Party unter Scientologen

Auch nachdem ich den Kurs bestanden hatte, war ich bei Felicia und Gerald willkommen. Abends besuchte ich sie oft, um mit ihnen zu plaudern, und wenn die Kurse stattfanden, blieb ich, bis die Schüler gegangen waren. Die beiden schienen sich über meine Gesellschaft genau so zu freuen, wie über meine Fortschritte im Kurs. Gerald hörte mir gern beim Klavierspielen zu, er ließ mich nie aus dem Haus, ohne daß ich ihm einige seiner Lieblingsstücke vorgespielt hatte - und zwar zweimal. Ich hatte nie den Eindruck, daß diese Zuneigung nur auf meiner Mitgliedschaft in der Scientology-Bewegung beruhte.
Da ich der erste Schüler ihrer Agentur gewesen war, der den Kurs abgeschlossen hatte, gab Gerald mir zu Ehren eine Party, woran etwa dreißig Leute teilnahmen. Nachdem alle mit Essen und Trinken versorgt waren, verkündete Gerald, daß ich bestanden hatte, und überreichte mir eine eindrucksvolle blaue Urkunde. Dann wurde -

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wie man mir vorher gesagt hatte - von mir erwartet, daß ich eine kurze Rede hielt, in der ich den Kurs und meine Fortschritte preisen sollte. Es waren auch einige Leute von der New York Org anwesend, und da gewisse Spannungen zwischen Org und Zweigstelle bestanden, hatte ich das Gefühl, unter genauer Beobachtung zu stehen.
Die Scientologen von der Org trugen ihre TRs überall mit sich herum wie Waffen. Das machte das Gespräch mit ihnen mühsam: Ihre Augen wichen nie von denen ihres Gesprächspartners, und sie "bestätigten" alles, was man ihnen sagte, mit einem abrupten "Danke" oder "Fein", das sie einem ins Gesicht klatschten wie eine nasse Makrele. Einer von ihnen, der eine Lederjacke trug, war mir besonders zuwider. Geradezu strotzend vor TRs fragte er mich, wann ich nach England fahren würde. Sobald ich das Geld hätte, antwortete ich. "Sie müssen das Geld nur postulieren, und Sie reisen früher als Sie denken", sagte er, womit er mir eine starke Dosis TR 0 verabreichte; denn nicht genug Geld für das Auditieren zu haben, galt als besonders schwerwiegender Fehler.
Von der Angewohnheit abgesehen, einem dauernd in die Augen zu starren, fiel an den Org-Mitgliedern am meisten auf, wie sie sprachen. Genau genommen hatten sie einen eigenen Dialekt, der immer dann, wenn er für sie besonders bedeutsam klang, auf Nicht-Eingeweihte wie purer Schwachsinn wirkte. Natürlich würzten sie ihre Sprache großzügig mit Hubbards Terminologie, die mit der Ausnahme weniger Begriffe aus Kunstwörtern bestand. Diese Wörter bezogen sich dann auf das Auditieren, den reaktiven Geist usw. Andere, nicht technisch gebrauchte Vokabeln waren mit mystischem Tiefsinn befrachtet: ganz alltägliche Wörter wie "handhaben", "Absicht", "fließen". Verben wurden zu Substantiven gemacht und umgekehrt, Adjektive in Verben oder Substantive verwandelt, zum Beispiel "clear", das in jeder dieser drei Wortarten gebraucht wurde. In diesem Idiom wurde auch den Präpositionen übel mitgespielt, besonders "in" und "out": die Rangstufen, die Ethik, die Postulate eines Scientologen waren entweder "in" oder "out" (= je nachdem, ob sie in Ordnung waren oder nicht). Dieser Sprachgebrauch, zusammen mit Dutzenden von Abkürzungen (ARC, TR, SP etc) führten zu einer Hubbardisierung der englischen Sprache. Außerdem gab es gelegentlich Spuren der Jazz-Musiker-Sprache, der Idiome von der Madison Avenue und aus Gebetsversammlungen, Armee-Slang und Geschäftsjargon, je nachdem, welchen Hintergrund der Einzelne hatte. Insgesamt klang Scientologisch wie ein eigener Dialekt. Wie die Papageien plapperten die Org-Mitglieder nach, was sie von Hubbards Bulletins und Tonbändern gelernt hatten.

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Die Leute, die ich an jenem Abend in der Agentur traf, waren nicht unbedingt humorlos, obwohl selbst ihre Scherze einen Hintersinn hatten. Sie zogen sich ständig gegenseitig auf, vermutlich, um die überspannte Atmosphäre in der Org auszugleichen. Zuweilen war ihr Lachen geradezu hysterisch, vor allem bei Wortspielen mit Scientology-Begriffen.
Nachdem ich sie eine Weile beobachtet hatte, suchte ich in Geralds Gesellschaft Zuflucht. Während die Party weiterging, standen wir draußen auf der Terrasse und philosophierten.
"Weißt du, Euer Ehren" - er sagte Du zu mir - "ein Clear und ein OT zu sein ist nicht immer leicht. Zuweilen ist mir, als hätte ich kaum Freunde. Dann komme ich mir sehr einsam vor. Bei meiner Erfahrung im Trainieren und Auditieren durchschaue ich die Menschen sofort. Ich habe niemanden, mit dem ich die Sublimitäten des wahren Seins oder die Schönheit ästhetischer Vibrationen diskutieren könnte."
Ich bemitleidete ihn ein wenig. Auch fragte ich mich, ob dies das Wissen und die Erleuchtung war, die ich suchte. "Sei unbesorgt", antwortete ich, "wenn ich aus England zurückkomme, als Clear oder als OT, dann sind wir schon zu zweit!"
Der Entschluß war gefallen.
 
 
 

Im inneren Kreis

Um dem Leser das Verständnis zu erleichtern, will ich jetzt versuchen, möglichst logisch darzustellen, wie unlogisch sich meine Gedanken damals entwickelten. Allerdings kann ich nicht mehr rekonstruieren, wann genau ich mich entschlossen habe, nach England zu gehen, um ein Clear zu werden.
Dieser Entschluß war im Wesentlichen von meiner Überzeugung beeinflußt, es gebe eine schnelle und leichte Lösung aller Probleme. Deshalb unterdrückte ich alle meine Zweifel, sowohl an den Methoden als auch an den Menschen, die diese Methode anwendeten. Was ich über den Scientology-Kult gesehen und gehört hatte, war mehr als genug, um meine Zweifel zu wecken. Maurice und die Org-Leute waren das Produkt der Scientology; ebenso die gescheiterten Freundschaften und Ehen der Scientologen. Hinzu kamen Umbertos abschreckende Schilderung vom Saint Hill, die irritierenden Bulletins, die seltsamen Behauptungen der Scientologen: das alles vermittelte den Eindruck, daß etwas Unerklärliches vor sich ging, und ließ

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Hubbards Ideen-Gebräu als eine unheimliche Mischung aus unheilvollen und lächerlichen Bestandteilen erscheinen. Doch eine Vielzahl äußerer Einflüsse führte dazu, daß ich diese negativen Eindrücke unterdrückte und zu dem Entschluß kam, Tausende von Dollar aufzuwenden - meine gesamten Ersparnisse -, um den Hauptgewinn zu machen.
Kleinere Zweifelsfragen wurden von Gerald Tiber schnell ausgeräumt. Zu Felicia oder Gerald konnte ich nie Nein sagen. Wenn ich schon einmal Gegenargumente brachte, hatte Gerald meine Ansichten bestätigt, so daß ich bald Auseinandersetzungen vermied; sie waren doch nur Zeitverschwendung. Ich bewunderte Gerald, und in einem wichtigen Punkt wollte ich sein wie er: er machte sich niemals Sorgen. Er hatte mir suggeriert, durch den Clear-Prozeß könne ich werden wie er. Abgesehen davon, daß er Rons Auditier-Methoden gut hieß, war Gerald von der Scientology nicht sonderlich begeistert. Für einen Eingeweihten war seine Haltung ziemlich unkonventionell. Nach seiner Meinung konnte die Erleuchtung ohne große Mühe erreicht werden. Und ihre Frucht bestand im wesentlichen darin, daß man die Freuden des Lebens noch mehr genießen konnte. Außerdem hielt ich ihn für einen mutigen und entschlußkräftigen Mann. Das mußte er sein, wenn er Jahre im Saint Hill verbracht hatte, wenn er von der Scientology bekommen hatte, was er wollte, und das alles unverletzt überstanden hatte. Gerald hatte mich zweifellos am meisten beeinflußt. Seit seiner Ankunft in New York hatten sich mir völlig neue Perspektiven eröffnet.
Doch wenn ich den entscheidenden Augenblick nennen sollte, an dem ich den Entschluß faßte, ein Clear zu werden, dann wäre das genaueste Datum irgendwann im Jahr 1950. Jeder, der damals das Buch über Dianetic gelesen hatte und von der Idee des Clearens genügend angetan war, um Engramme zu absolvieren - so wie ich - der durfte als leichte Beute für Hubbards neuestes Scientology-Schema gelten. Deshalb muß ich zugeben, daß ich bei allen äußeren Einflüssen, bei aller Indoktrination durch Gerald, letzten Endes doch meinen eigenen Entschluß gefaßt habe. Zu gegebener Zeit erstickte ich selbst jeden mir verbliebenen Zweifel.
Seltsamerweise war es nicht ein unerschütterlicher Glaube an die Scientology, der mich dazu befähigte. Irgendwie war es mir gelungen, eine saubere Trennwand zwischen den Aspekten zu errichten, die mich anzogen, und denen, die mich abstießen; zwischen den Auditionsmethoden und den übrigen Dingen, die die Org hervorbrachte. Nicht ein Glaube an den komplexen Gesamtzusammenhang der Scientology leitete mich, sondern allein die Überzeugung vom

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Wert des Auditierens und des Clear-Werdens.
Da ich von der Scientology als ganzem nicht überzeugt war, muß meine Vision des Clear-Status außerordentlich überzeugend gewesen sein. Sie bedeutete die Erfüllung aller Hoffnungen und die Befreiung von allem, dem ich abgeneigt war. Der innere Fortschritt, den ich der Scientology zu verdanken glaubte, beruhte völlig auf diesen Zukunftshoffnungen. Die Abneigungen waren mir zumeist erst durch die Scientology vermittelt worden, vor allem die Furcht, den gewonnenen Fortschritt wieder zu verspielen und in das alte Leben der mich umgebenden Welt zurückzufallen: in die Welt des reaktiven Geistes. So glich meine Vision des Clearens und die Art und Weise, wie sie zustande gekommen war, dem Verhalten des Rauschgiftsüchtigen, der - bewußt oder unbewußt - zuweilen daran zurückdenkt, wie beklagenswert sein Leben war, bevor er Drogen nahm. Ich sah mein früheres Leben völlig vom reaktiven Geist beherrscht. Meine Stimmungen waren von allem möglichen beeinflußt worden: vom Wetter, von der Umgebung und den Leuten. Ein Mensch mit einem reaktiven Geist war wie eine Feder im Wind.
Wovon ich mich sonst an Störendem zu befreien suchte, hing hauptsächlich mit der Scientology selbst zusammen: mit dem, was mich an ihr zweifeln ließ. In einer verqueren Logik wollte ich alles, was mir an ihr widerwärtig war, überwinden, indem ich sie noch mehr praktizierte: Ich mußte ein Clear werden, um meine Lebensprobleme zu lösen, um künftigen Entziehungssymptomen zu entgehen und mich von der Scientology zu befreien. Wenn die unteren Stufen einer Rauschgiftsucht vergleichbar waren, dann war der Clear-Prozeß das endgültige Fixen!
 
 
 

Das Leben draußen

Es war tatsächlich nicht Mangel an Geld, was mich dazu brachte, die Reise nach England aufzuschieben, nachdem ich den Dianetic-Kurs Anfang 1968 abgeschlossen hatte. Vielmehr hatte ich sehr viel Geld in Aktien gesteckt, die im April stark steigen sollten, wodurch sich mein investiertes Geld verdoppelt oder verdreifacht hätte. Wenige Wochen später hieß es, die Hausse käme erst im Sommer. Ich beschloß, die Aktien zu behalten. Der letzte Tip lautete, daß sich ihr Wert um das acht- oder neunfache vermehren konnte, während ich in England war. Ich überlegte mir stundenlang, wie ich Bank-Darlehen zurückzahlen konnte, und welche Manöver ich mit meinen

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anderen Aktien durchführen mußte, von denen viele auf Darlehen gekauft waren. Der "Geld-Prozeß" hatte mich zu einem wahren Finanzgenie gemacht. Schließlich ließ ich meine Investitionen intakt, indem ich mir von meinem Vater Geld borgte. Eine Musical-Produktion bot mir für Juli und August eine Japan-Reise an, doch ich lehnte das Angebot ab und buchte für den 11. Mai 1968 einen Flug nach London.
In den letzten Wochen vor meiner Abreise sprach ich viele Leute an, damit sie sich in der Agentur auditieren ließen. Besonders war ich bemüht, diejenigen unter meinen Freunden zu bekehren, die in psychiatrischer Behandlung waren. Viele ließen sich schon seit Jahren analysieren, was mir als große Verschwendung an Zeit und Geld erschien. Einige, die ich zur Dianetic-Release auditiert hatte, waren interessiert, hatten aber kein Geld. Gerald war ständig hinter mir her, damit ich sie zur Unterschrift überredete. Doch sie kamen nicht - ebenso wie keiner meiner Freunde seinen Psychiater verließ. Das war bedauerlich; denn ich hätte zehn Prozent Kommission auf alle Zahlungen erhalten, die sie an die Agentur geleistet hätten.
Einer meiner Dianetic-Schüler hielt die Scientology für nicht so bedeutend, wie die Philosophie des Fernen Ostens. Ich las ihm Passagen aus Rons Schriften vor, in denen Yoga und andere orientalische Praktiken verdammt wurden. Die Schwäche eines anderen waren seine bisexuellen Neigungen; er hatte den Wunsch, sich dem anderen Geschlecht zuzuwenden. Ich versuchte ihn davon zu überzeugen, daß die Scientology ihm diesen Dienst erweisen könne. Gerald hatte betont, daß solche Erfolge durchaus möglich seien. Tatsächlich seien einige Personen nach dem Clear-Prozeß homosexuell geworden, woran man sehen könne, wie sehr man als Clear zur freien Selbstbestimmung komme.
"Deine Sexualität ist nur eine Erscheinungsform, wenn du sie nicht als dein wahres Selbst postulierst", erklärte ich meinem Freund. In seinem Buch "In Fundamentals of Thought" behandelt Ron die Erscheinungsformen, Bedingungen, die real erscheinen, ohne es zu sein. Zum Beispiel glauben die meisten Leute, daß ein Ding geschaffen wird, einige Zeit besteht und schließlich wieder zerfällt. Das Gegenteil ist wahr! Ron sagt, du erschaffst es, dann erschaffst, erschaffst du es - das entspricht dem zeitweiligen Bestehen - und dann erschaffst du etwas Entgegengesetztes. Das ist doch wirklich ein Gedanke, der sympathischer ist als der Begriff der Zerstörung! "Zerstörung ist nichts als eine Form des Erschaffens - das Wort, so wie es allgemein gebraucht wird, ist nichts als eine Erscheinungsform!"

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Das war einer der wenigen Gedankengänge von Hubbard, die ich noch im Kopf hatte. Ich las nur selten in seinen Büchern. Soweit sie empfohlen wurden, weil sie den Samen der Scientology ausbreiten sollten, gingen sie so weit über meinen Horizont, daß sie mir von einem ganz anderen Thema zu handeln schienen. Das Buch "Scientology 8-8088" enthielt eine Reihe von Fachausdrücken, die ich vorher nie gehört hatte: Grate, Pressoren, Zug-Balken, Implosionen. An einer Stelle wurde eine "Fünfte Invasionsstreitmacht" erwähnt. Ich blätterte das ganze Buch durch, aber der Ausdruck kam nirgends mehr vor.
Manche Leute wollten von der Scientology nichts wissen. Trotzdem konnte ich mich nicht entschließen, sie als suppressiv zu betrachten. Die Streitgespräche mit ihnen machten mir eher Spaß, und ihr Widerstand diente lediglich dazu, meinen Glauben zu stärken. Zu dieser Kategorie gehörte Vreymouth Manteag; er war Mitglied im "Werk-Kreis", einer Gruppe, die in den Lehren von George Gurdjieff, einem transkaukasischen Mystiker, geistige Erleuchtung suchte.
"Ich weiß einiges über die Scientology", sagte er. "Letzten Winter sind einige aus unserem Kreis in ein Haus gegangen, um sich zu informieren; es gehörte einem Mitglied, und die Gastgeberin hatte vier Leute aus der Org eingeladen. Sie waren ziemlich fanatisch. Wir haben ihnen einige direkte Fragen gestellt und mußten feststellen, daß die Leute ständig ausweichen. Sie prahlten mit ihren Fortschritten, konnten uns aber nicht erklären, was sie davon hatten. Die Gastgeberin behauptete, durch das Auditieren habe sie jede Streitsucht verloren, sie könne sich einfach nicht mehr ärgern! Daraufhin ging mein Freund - der die Muskeln eines Kanalarbeiters hat - schnell durch den Raum und schlug ihr zu ihrer Verblüffung fachmännisch die Linke voll ins Gesicht. 'Sind Sie jetzt wütend?' rief er. Ihr Auge tränte, ihr Gesicht war rot angelaufen. 'Ja, ich bin wütend. Aber nur weil ich es sein will, da es der Situation entspricht. In anderen Worten: ich postuliere Wut!'"
Allen Ottoman, einer meiner Freunde, der schon das Dianetic-Training abgelehnt hatte, antwortete sehr direkt. Er ließ sich gerade analysieren, weshalb er Vorurteile hatte. "Könntest du mir bitte erklären, wie du diese Wunder vollbringst", sagte er, "ehrlich gesagt, ich verstehe kein Wort."
"Es gibt Dinge, die du einfach erleben mußt", antwortete ich. "Die Auditionsprozesse helfen dir, die überholten Ansichten loszuwerden, die nicht das Produkt deines eigenen freien Willens sind: Du hast sie infolge von schrecklichen Vorfällen in deinen früheren Existenzen erworben."

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"Frühere Existenzen? Hör mir damit auf. An solchen Kram glaube ich nicht."
"Das macht mir ganz deutlich, daß es in deiner grauen Vergangenheit Dinge gibt, mit denen du nicht konfrontiert werden willst. Auf deiner Zeit-Spur sind mörderische Engramme und selbst 20 Jahre Analyse durch Freud selbst könnten sie nicht ausradieren."
"Radieren? So was gibt es doch nicht!"
"Die Psychiater freuen sich, wenn du so denkst. In Wirklichkeit kann das in wenigen Stunden passieren."
"Das ist der größte Witz, den ich je gehört habe. Die spielen Fußball mit dem Verstand der Leute."
"Siehst du Allen, du willst alles genau wissen. Ron sagt, es sei ebenso wichtig, daß man die Fähigkeit hat, nicht zu wissen. Du gehst zu deinem Psychiater und wälzt dich auf der Couch herum. Dann sind die fünfzig Minuten vorbei und nichts ist gelöst. Er läßt dich weiter am Angelhaken baumeln. Du kannst nach Hause gehen und dich noch ein wenig mehr in deinen Problemen suhlen, bis zum nächsten Besuch beim Psychiater. Der Kerl restimuliert dich nur; er steckt die Drähte um - jetzt bist du ganz in sie eingewickelt." Ich bewegte meine Arme, als sei eine gigantische Anakonda um mich gewickelt.
Es war nicht so, als ob ich Leute wie Allen und Vreymouth nicht verstanden hätte. Auch ich selbst hatte einmal die Scientology infrage gestellt.

Umberto Lancia kam nicht in die Agentur zurück. Gerald hatte vom Saint Hill die Erlaubnis erhalten, den Power-Prozeß zu wiederholen. Das war auch geschehen, wieder ohne Erfolg. Ich machte einen letzten Rettungsversuch, genau nach Werbe-Vorschrift, und legte ihm dar, daß die Scientology wie ein Spiel war. Ihre scheinbaren Schwächen gehörten notwendigerweise dazu, und auf lange Sicht seien sie eine Wohltat für den Spieler - wie im Leben selbst. Seine Antwort bestand in einer wütenden Kritik an seiner Frau: Felicias Clear-Status habe sie nicht verändert, sie habe immer noch Probleme, sie hänge sich an Gerald, wie an eine Vaterfigur, sie sei unfähig, allein mit der Welt fertig zu werden, und verlasse kaum noch die Wohnung.
Dann stürzte er sich in einen neuen Monolog über Gerald, was hinreichend erklärte, warum die Wiederholungssitzungen ohne Ergebnis geblieben waren. Nach seinen Worten war Gerald ein unwissender Scientologe. Er spreche Worte falsch aus, obwohl er den Anschein erwecken wolle, daß er gebildet sei. Er spiele den Engländer aus guter Familie, dabei sei er aus Dublin, seine Eltern stammten aus

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Ost-Europa. Er esse zuviel und sei Kettenraucher. Er rede über ästhetik und geistige Fragen, obwohl er von Kunst und Philosophie nichts verstehe. Seine Manieren seien zwar ölig und einschmeichelnd, aber damit verschleiere er nur seine wahren Absichten: soviel Geld wie möglich in die Hände zu bekommen. Zu guter Letzt setze Gerald gewöhnlich den Doktortitel vor seinen Namen. Wenn er sich als Dr. Tiber vorstelle, nehme jeder an, er habe an einer richtigen Universität promoviert. In Wirklichkeit sei er aber nur ein Doktor der Scientology, und diesen Titel habe er mit einigen Quacksalber-Kursen im Saint Hill erworben. Das war in Umbertos Augen der Gipfel der Lächerlichkeit. Der richtige Titel für Gerald laute "Scharlatan". Zu jener Zeit war ich mir der Rolle kaum bewußt, die Gerald in meinem Leben spielte. Darum verteidigte ich ihn, wobei ich auf Umbertos besonderen Anklagepunkt einging. Ich mußte zugeben, daß er im Prinzip Recht hatte, aber - so hielt ich ihm entgegen - er übersehe die andere, die positivere Seite. Er suche nach den "Dornen statt nach Rosenknospen", wie Gerald selbst es genannt hätte. Ich betrachtete Geralds Maniriertheiten als amüsant und kinderleicht zu durchschauen, deshalb ließ ich sie mir gefallen. Gerald war, von Felicia abgesehen, isoliert. Er brauchte Freunde. Er mußte den ganzen Tag über PCs auditieren, Vorlesungen halten, sich ständig verausgaben. Dadurch hatte er sich eine automatische Etikette zugelegt, ähnlich dem Verhalten eines Arztes gegenüber dem Patienten am Krankenbett. Unter dieser Tünche war er großzügig, angenehm und hilfsbereit. Er hatte viel für mich getan, vielleicht mehr als sonst jemand vorher. Ich sagte zu Umberto, wenn Gerald ein Scharlatan sei, dann nur im besten Sinne des Wortes.
Ich wollte Umberto zu der Einsicht bringen, daß er diese Withholds um seiner selbst willen ausschwitzen müsse. Er müsse die Wiederholungssitzungen wieder aufnehmen, solange wie Gerald sie anordne. Außerdem müsse er wegen Felicia den Realitäten Rechnung tragen. In den Dianetic-Vorlesungen hatte ich gelernt, daß hinter seiner Feindseligkeit seine eigenen Overts lagen. Felicia war nicht allein schuldig. Er mußte auch selbst einiges verschuldet haben. Ich suchte nach den Overts, die er begangen hatte, und denen er sich nicht stellen wollte. Indem er ihr alle Schuld zuschob, wollte er seinem eigenen Versagen ausweichen. Ich fragte ihn geradeheraus nach seinen Overts ("Was hast du getan?") und ließ nicht von ihm ab, weil ich sicher war, auf der richtigen Spur zu sein. Aber er konnte sich nicht überwinden, die Angelegenheit von beiden Seiten zu sehen. Letzten Endes schob er doch Felicia alle Schuld zu.

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Ich aß mit Fives Brooks zu Abend, einem Musiker, mit dem ich auf einer Konzertreise zusammen gewesen war. Er war kürzlich der New York Org beigetreten und kratzte jetzt gerade alles Geld zusammen, um irgendwann nach England zu fliegen. Fives hatte während seiner Einführung in die Scientology starke Krisen durchgemacht, Auseinandersetzungen mit der Ethik-Auditorin und tränenreichen Wanderungen durch den Central Park um vier Uhr in der Nacht unter heftigen Selbstanklagen. Seine Fortschritte hatten die Eigenschaft, so schnell wieder zu verschwinden, wie sie gekommen waren, und es gab einen SP, von dem er sich trennen mußte. Irgendwie hatte er seine unteren Grade geschafft, und er war nun davon überzeugt, daß die Scientology die einzige Hoffnung der Menschheit sei.
Das Abendessen mit Fives war eine ziemlich ungemütliche Affaire. Seine Augen ließen meine nicht aus dem Blick. Ich hatte Schwierigkeiten, anständig zu essen, und spritzte süßsaure Soße auf das Tischtuch. Fives bestätigte jedes meiner Worte mit großem Nachdruck und erwartete von mir das gleiche Verhalten. Wenn er von mir keine Bestätigung erhielt, sagte er: "Ist das O.k.?" oder "Habe ich deine Zustimmung?" Die ganze Zeit starrte er mir in die Augen, wobei er ständig lächelte, was ihn ein wenig verängstigt aussehen ließ. Ich konnte es kaum erwarten, bis wir uns endlich voneinander verabschieden und in entgegengesetzte Richtungen verschwinden konnten.
Leute wie Fives bestätigten nur, was ich ohnehin wußte: daß mich Welten von den Org-Mitgliedern trennten. Sie mußten den Autoritäten folgen und vorgeben, auch den ausgefallensten Unsinn zu glauben! Ich dagegen konnte das Spiel nach meinen Regeln spielen, so wie Gerald. Ich hatte das Geld, das ich brauchte, und notfalls konnte ich Aktien verkaufen, wenn ich mehr brauchte. Aber die armen Trottel in der Org mußten sich immer weiter versklaven. Ihnen blieb nur die Hoffnung, genug Geld zusammenzusparen, um den Clear-Prozeß absolvieren zu können.
Wie verlief mein Leben vom April 1967 bis zum Mai 1968, also in der Zeit, als ich an den Sitzungen teilnahm, den Kurs besuchte, auf Felicias Rückkehr von England wartete, und in den Wochen vor meiner eigenen Abreise?
Offensichtlich war ich glücklich. Glücklich genug, um mich wünschen zu lassen, meine Fortschritte mit anderen zu teilen. In geistiger und physischer Hinsicht fühlte ich mich besser als je zuvor. Ich machte mir nicht die Mühe nach Arbeit zu suchen; denn ich hatte genug Vermögen. Nach meinem Konzertabend übte ich kaum noch auf

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dem Klavier. Die wenigen Konzertagenten, die sich um mich gekümmert hatten, schrien nicht gerade nach weiteren Konzerten mit mir. Später dachte ich mir, es wäre Unsinn und ein Zeichen für reaktiven Geist, mich erneut ihren Launen zu unterwerfen, bevor ich ein Clear war. Meine übrigen geistigen Interessen, wie Zen und andere Meditationsübungen, hatte ich nach dem Anhören der ersten Hubbard-Tonbänder als vorsintflutlich aufgegeben. Sport zu treiben war ebenfalls nicht nötig, während man seine seelischen Kräfte erweiterte. Das Schönste war, ich hatte auch nichts mehr mit meinem früheren, ziemlich beschwerlichen Innenleben zu tun: mich ständig zu analysieren und mein Denken zu überprüfen. Ich war überzeugt, daß die Lektion, die ich so gut gelernt hatte - der Trieb zu denken, zu durchdringen und zu verstehen sei nur ein Mechanismus des reaktiven Geistes - daß diese Lektion mich frei machte und meine wahren Fähigkeiten in wunderbarer Weise ans Tageslicht brachte. Ich begann ein Buch über das Lehren und Lernen des Klavierspielens zu schreiben. Einige meiner Vorschläge darin stammten von Ron - so ARG und die Stimmungsskala. Unbewußt äffte ich seinen Stil nach, wenn ich die altmodischen Methoden geißelte. Ich fühlte, daß ich das Buch Ron verdanke, und hatte die Absicht, es ihm zu widmen.
 
 
 

Ein Abend in der Agentur

Das ist klar: Ein Thetan kann alles, wie ein Zauberer, der auf der Bühne Gegenstände hin und her bewegt.
L. RON HUBBARD
Am Abend vor meiner Abreise unterhielten wir uns stundenlang. Gerald schlug vor, ich solle in seiner Agentur mitarbeiten, wenn ich von England zurückgekehrt sei. Dazu brauche ich nur den speziellen Kurs, in dem man lerne, "worum es in der Scientology insgesamt ging". Der Kurs dauerte sechs Monate und kostete 800 Dollar. Doch dieser Aufwand lohne sich, meinte Gerald, dadurch habe ich neben der Musik noch einen anderen Beruf, auf den ich zurückgreifen könne.
Wir kamen immer mehr ins Schwärmen. Die Möglichkeiten schienen unbegrenzt: wir konnten Zweigstellen in der Schweiz oder im Mittelmeergebiet errichten, oder beides, wir konnten eine griechische Insel kaufen und dort ein "Internationales Kultur-Zentrum" aufbauen. Dazu müßten wir aber einen besseren Namen als "Sciento-

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logy" erfinden.
Wie bei allen Agenturen würde man auch von uns eine zehnprozentige Abgabe an den Saint Hill erwarten. Ich fragte Gerald, was damit und mit den übrigen Einnahmen der Scientology-Bewegung geschehe. Er antwortete, seiner Meinung nach würden mit dem Geld Forschungen finanziert, ferner neue Orgs sowie das umfangreiche Werbe-Material. Alles was dann übrig bleibe, gehe vermutlich an L. Ron Hubbard selbst.
Hubbard lebte auf einer großen Jacht, deren Aufenthaltsort streng geheim war. Sie gehörte zu den beiden Schiffen, die den Anfang einer Scientology-Flotte bildeten. Die Jacht war das Hauptquartier der "See Org", dem Mittelpunkt der gesamten Scientology-Bewegung. Der See Org-Stab sandte seine Mitglieder auf Inspektionsreisen zu den verschiedenen nachgeordneten Organisationen überall auf der Welt. Abgeschirmt auf seinem Schiff, und beschützt von den ihm ergebenen Mitgliedern seiner Mannschaft war Hubbard zu jener Zeit damit beschäftigt, die OT-Stufen VII und VIII zu entwickeln. Sie sollten der Gipfelpunkt der Scientology-Bewegung werden. Die neuen Stufen wurden mit großer Ungeduld erwartet, da sie ihre Inhaber zu totalen OTs machen sollten, denen nichts mehr unmöglich sein würde, die Erschaffung von Materie eingeschlossen.
Wir spekulierten über die geistige Bedeutung der oberen OT-Stufen, da wir über ihren Effekt ein wenig im Zweifel waren. Macht hatte nie zu meinen geistigen Zielen gehört und Gerald sagte, er denke genauso. Felicia warf die Frage auf, ob Ron vielleicht in besonderer Weise machtbesessen wäre.
"Er ist ein Egozentriker, nicht wahr?" fragte ich.
Gerald lächelte gut gelaunt. "Das kann ich bezeugen. Aber im Hinblick auf das, was er für die ganze Welt getan hat, kann er sich das auch erlauben. Übrigens, ich habe schon ein paar Bier mit ihm getrunken, und er ist wirklich ein netter Kerl. Wie auch immer, Hoheit, du wirst als erleuchteter Mann zu uns zurückkommen. Wirst du auch deine alten Freunde nicht vergessen, Sir, wenn du ein Clear bist? Du weißt ja: 'Ein Clear hat das Vermögen, sich an alles zu erinnern!'"
"Werde ich mich auch daran erinnern, wie ich in den gegenwärtigen Status des Nicht-Erleuchtet-Seins verfallen bin?"
"Du wirst erleuchtet sein, was willst du denn sonst noch wissen? Ehe ich zur Scientology kam, trug ich eine Brille mit zentimeterdicken Gläsern (ein Flugzeugpilot hätte ihn jetzt um seine Augen beneidet). Während des Grad V-Prozesses ließ ich mir schwächere verschreiben und zum Schluß konnte ich das blöde Ding weg-

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schmeißen."
"Mir ging es ähnlich", fügte Felicia hinzu. "Die Optiker in East Grinstead sind froh, das Hubbard-College in ihrer Nachbarschaft zu haben; die Schüler brauchen ständig schwächere Brillengläser."
Sie bereiteten mich genügend auf Saint Hill in England vor. Wenn ich schon die New York Org für einen Affenkäfig halte, solle ich erst einmal warten, bis ich den Hill sähe! Er sei nicht nur die Brutstätte für Fanatiker, sondern zugleich die Szene eines Machtkampfes innerhalb der Elite der Scientologen.
Gerald hatte einige bizarre Vorgänge miterlebt. Seine Frau hatte ihn einmal zur suppressiven Person erklärt, weil er zwei Tage lang Verstopfung gehabt hatte. Und eines Tages hatte ihn ihr Liebhaber im Eingang des eigenen Hauses niedergeschlagen. Kurz darauf und wenige Tage, bevor er Felicia kennenlernte, war er tagelang im Keller des Schlosses eingesperrt worden. Es war eine Art Behelfsschloß, das Hubbard hatte errichten lassen, weil die britischen Baugesetze zu jener Zeit (in den fünfziger Jahren) Ausländern nur erlaubten, ein Schloß zu bauen.
"Es geht dort drüben wirklich verrückt zu", fuhr Gerald fort. "Nimm zum Beispiel diesen Brief hier, den ich heute bekam. Er ist von einem meiner besten Freunde, mußt du wissen: 'Ich ordne an, daß du diese Statistik sofort zusammenstellst (Statistiken bedeuten ihnen alles); schick mir einen genauen Bericht über alles, was in dieser Hinsicht unternommen wurde; fang sofort an; du weißt, ich kann dich zu einer Strafe verurteilen.' - Sie haben tatsächlich strenge Strafbestimmungen, Bob, und das gibt ihnen die Möglichkeit, sich aufzuspielen."
Gerald beschwor mich, ich solle mich nicht überreden lassen, Mitglied des Stabes vom Saint Hill zu werden. Die Organisation sei letzten Endes nichts weiter als ein von Ron hastig eingerichtetes Instrument, um möglichst schnell mit seinen Methoden arbeiten zu können. Ich habe das Geld, um nach England zu gehen und das Goldene Vließ zu erobern, ohne mich allzu sehr mit der verrückten Organisation einzulassen. Ich solle dort drüben meine Zunge hüten; der Kampf werde hart aber lohnend sein. Ich solle nichts weiter tun als ihr Spiel zeitweilig mitmachen.
Das war Geralds Version der Fehler, Schwächen und Absurditäten der Organisation im Saint Hill. Er legte mir nahe, daß ich mich zum Schluß "aus der Sache herausreden" müsse. Pflichtschuldig trug ich für September in meinen Terminkalender ein: "Laß dich nicht einfangen."
Felicia erzählte uns eine Scientologen-Anekdote: Es gab einmal einen

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Mann, der als Schrecken aller Auditoren galt. Er reiste durchs Land und ließ sich in den verschiedenen Orgs auditieren. Er machte keinen einzigen Fortschritt. Er war wohlhabend und verbrachte viel Zeit damit. Es machte ihm geradezu Spaß, jeden Versuch, ihn zu heilen zu vereiteln. Schließlich tauchte er auch in der New York Org auf, nachdem er anderswo entmutigte Auditoren reihenweise zurückgelassen hatte. Er wurde sofort an den geschicktesten Auditor verwiesen, den sie hatten. Nach drei mühseligen Tagen stand dieser Auditor auf, streckte ihm die Hand entgegen und sagte: "Ich gratuliere! Sie sind nun ein Grad 0 Communication Release. Sie können jetzt mit jedermann zu jeder Zeit über alles sprechen!"
Worauf der Mann ihn ruhig ansah und sagte: "Leck mich am Arsch!"
 
 
 
 

Die Scientology-Erleuchtung

DINGE sind, weil du denkst, daß sie sind.
L. RON HUBBARD
Ich verließ das Penthouse im Zustand der Euphorie. Im Dunst vor mir lag der Broadway wie ein großes freundliches Dampfbad. Die sanfte Schönheit der Gegend ließ mich daran zurückdenken, wie häßlich sie mir noch vor wenigen Monaten vorgekommen war. Jetzt konnte ich, meiner selbst sicher, Pläne schmieden und träumen; bei einem einsamen nächtlichen Spaziergang war die beste Gelegenheit dazu. Nachdem ich meine inneren Konflikte unterdrückt hatte, sah ich die Welt rosarot. Der Clear-Prozeß würde alles in Ordnung bringen, hoffte ich. Bis jetzt hatte das Auditieren mich noch nicht von meiner Brille, von kleineren Beschwerden und Schmerzen und meinem unverständlichen Hang zum ausschweifenden Leben befreit. Ich erwartete, daß diese weltlichen Schwächen bei Grad V oder VI, spätestens im Clear-Prozeß verschwinden würden.
Die Vorfreude auf das kommende Abenteuer an sich war schon Lebenszweck genug. Der Begriff Clear hatte für mich eine klare und helle Qualität, und die glorreichen Mysterien, die ich als Vorspiel dazu erwartete - die geheimen Offenbarungen im Verlauf des Clear-Prozesses - waren von geradezu sinnlicher Natur. Meine letzte Considerationen (= falsche Meinungen) würden letzten Endes aus meinem Kopf hervorbrechen wie ein Orgasmus, und mir vollkommene Erleichterung bringen. Nachdem ich "den Dampf aus meinem Bewußtsein abgelassen hatte", wie es in den Werbeschriften

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hieß, würde ich nach New York zurückkehren, vollkommen gesund, mit ungehemmter Willenskraft und Lebensfreude ohne Neurosen, mit der geistigen Beweglichkeit um alle Schwierigkeiten zu überwinden. Kurz: ich würde im Besitz aller Qualitäten sein, deren Fehlen bisher die Ausführung meiner Pläne verhindert hatte.
Pläne blubberten in meinem Kopf wie Quellwasser. Ich würde eine Konzert-Karriere beginnen, reich werden, meine Investitionen an der Börse würden mir bis zum nächsten Winter so viele Mittel verschaffen, daß ich im Großen spekulieren könnte. Das und ein System für das Pferdetoto sollten mein Vermögen zu einer sechsstelligen Summe steigern.
Oder ich könnte Auditor werden. Wenn ich den Spezialkurs belegte, konnte ich in einer Woche eine befreundete Familie auditieren und sie zur Release der unteren Grade bringen. In die Staaten zurückgekehrt, konnte ich mit Freunden in verschiedenen Städten ebenso verfahren. Ich würde reisen. Die ganze Welt, all die nie auditierten Seelen warteten nur darauf, meine Beute zu werden. Sie auditieren zu können, würde die letzten offenen Fragen meines Lebens lösen. Dadurch würde mein Wunsch, anderen Menschen zu helfen, sie zu belehren und zur Wahrheit zu führen, befriedigt werden können. Für sie würde ich bald die Autorität sein. Wenn ich bei der Scientology-Bewegung bleiben würde, dann würde ich in einem Monat mehr Anerkennung finden, als in zehn Jahren als Musiker. Ein Clear oder OT war fast gottgleich. Allerdings würde ich in der Gefahr schweben, meine neue Macht auszunutzen, um andere zu beherrschen. Deshalb wäre ich verpflichtet, einen mittleren Kurs zu steuern, weder meinen hohen Rang auszuspielen noch ein falscher Heiliger zu sein - eine angenehme Aufgabe.
In letzter Zeit hatte ich nicht selten Geralds Schmeicheleien, seine ständigen Wiederholungen, seine einstudierte Höflichkeit, nachgeahmt. Ich war mir dessen bewußt; aber es bewirkte, daß sich meine Mitmenschen wohlfühlten, und die Absicht war altruistisch. Außerdem half es mir. Ein Altruist oder ein Opportunist zu sein, das lag ohnehin dicht beieinander. Irgendwie glaubte ich, beides sein zu können. Mir ging es nur um die Möglichkeit, andere zu clearen und zu auditieren, sonst hatte ich mit der Scientology nichts im Sinn. Ich hatte mich für sie als Mittel der Selbstbefreiung nur entschieden, weil das so schnell und leicht zu erreichen war. Ich wollte die Scientology ausnützen, so gut es nur ging. Wie ich es von Gerald vermutete, wollte ich sie meinen eigenen Zwecken dienstbar machen; andere Scientologen verhielten sich nicht anders.
Ich nutzte Gerald und Felicia aus. So schmeichelhaft es für mich war,

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daß Gerald mich eingeladen hatte, mit ihm in der Agentur zu arbeiten, sein Partner zu werden, so hatte ich ihm doch nie verraten, daß ich dort nur auditieren wollte, wenn ich damit genug Geld verdienen konnte und wenn mir Zeit genug für andere Dinge blieb. Ebenso hatte ich verschwiegen, daß ich vielleicht eines Tages beschließen würde, die Scientology ganz zu verlassen.
Selbstverständlich wollten auch sie mich ausnutzen. Bei meinem großen Bekanntenkreis würde ich der Agentur viele Patienten einbringen. Ich war ein Teil ihres eigenen Planes, reich zu werden. Angestellte Auditoren mußten für Kuli-Löhne arbeiten, für zehn Prozent der Einnahmen. Wer die eigentliche Arbeit tat, war nur ein Werkzeug der Org oder der Agentur. Bei mir würden es meine Freunde besser haben, aber um wieviel? Ich wollte zu ihnen nicht unfair sein. "Leute ausnutzen", das war nur falsch, wenn nur eine Seite den Nutzen davon hatte; aber nicht, wenn alle Beteiligten genau das taten, was sie wollten, ohne Schuldgefühle und ohne anderen zu schaden. Es mußte so etwas wie "erleuchteten Egoismus" geben; es war wie ein Spiel.
Mit diesen Gedanken meinte ich, das innere Wesen der Scientology erfaßt zu haben. Ich war zur Vision meiner eigenen Wahrheit durchgestoßen; und in einer blitzartigen Erleuchtung, einer sogenannten scientologischen Erkenntnis, sah ich ihre ganze Schönheit: man erschuf seine eigene Wahrheit - mit ein wenig Hilfe von Ron.
Quälend dicht stand ich vor der äußersten Möglichkeit: selbst ein Schöpfer zu sein. Fast war ich schon soweit, nur wenig fehlte noch. Noch immer hielt mich etwas zurück, so war es immer gewesen: Es war der reaktive Geist. Sobald er besiegt sein würde, könnte ich zurückkommen und alle Dinge tun, die ich mir schon immer gewünscht hatte.

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Teil 2 - Saint Hill

Du brauchst eine solche Versklavung nicht zu befürchten; denn eben jetzt, auf diesen Seiten, erfährst du die Techniken, die das verhindern.
L. RON HUBBARD

Das Schloß

Fyfield Manor war fünfzehn Autominuten vom Saint Hill entfernt. Dort wohnten nur Scientologen. Das Schloß war ein großes, düsteres, dunkel angestrichenes Gebäude, von dichten Baumgruppen umgeben, mit einem Hintergrund bedrohlich wirkender Berge.
Der Mann, der mich an der Tür empfing, war etwa sechzig Jahre alt; sein Gesicht und sein Körper waren rundlich; er hatte eine enorme rote Knollennase, abstehende Ohren und jungenhaft blaue Augen. Er sprach ein australisch gefärbtes Englisch. Er stellte sich als Edward Douglas vor, bat mich herein und begann sofort, mir das Haus zu zeigen.
In diesem ersten Augenblick hatte ich den Vorgeschmack von etwas Ungewöhnlichem. Vielleicht war es die Art, wie Edward mit mir sprach. Seine Worte waren dunkel, aber würdevoll. Vielleicht lag es auch daran, daß er so tat, als übe er einen uralten und unveränderlichen Ritus aus, während er mich in dem alten Gebäude von einem Raum in den anderen führte. Er wohnte in dem Schloß, bewegte sich aber darin, als sei er ein Gespenst, als sei er körperlich nicht anwesend.
Edward hatte die Aura des Außergewöhnlichen, ganz gleich, ob es nun um seine körperliche oder um seine geistige Anwesenheit ging. In einer anderen Umgebung hätte man ihn nur für einen freundlichen, etwas beleibten alten Mann gehalten. Aber während er mir mit seinen durchsichtigen Kinderaugen tief in die Augen blickte, vermittelte er einen ganz anderen Eindruck.
Edward war ein OT I.
Wir verbrachten den restlichen Nachmittag in der Nähe des Kamins. Ein Amerikaner namens Sam Veach saß bei uns, er schien sich gerade von einer Krankheit zu erholen. Die beiden anderen sprachen leise miteinander oder schrieben Briefe. Benommen ließ ich die neue Atmosphäre auf mich einwirken.
Mir fiel auf, wie kalt der Mai in England war. Das Speisezimmer war groß wie ein Hörsaal, sparsam möbliert und schlecht geheizt. Damals entging mir, daß die Atmosphäre in dem Haus kaum in Beziehung zu seiner Umgebung stand. Ich hatte kaum das Gefühl, überhaupt in einem Haus zu sein. Das zugige Gebäude gewährte so wenig Schutz vor der Witterung, daß man sich ebenso auch draußen hätte aufhalten können, in den Bergen, die man durch ein Seitenfenster undeutlich sah. Ein Jet hatte mich in das bezaubernde England transportiert, von dem ich so oft gelesen und geträumt hatte; doch es war kälter und

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feuchter, als ich je gedacht hätte. Mir war noch nicht klar, um wieviel seltsamer die Welt war, auf die ich mich hier eingelassen hatte.
In der Vorhalle war neben dem Speisezimmer ein schwarzes Brett angebracht. Unter anderem war darauf Edwards Clear-Ansprache zu lesen, ein begeisterndes Zeugnis der Freude, Clear und OT I zu sein, wie ich es während meines Aufenthaltes noch häufig lesen sollte. Daneben hing Rons Bulletin, in dem Preclears aufgefordert wurden, täglich Vitamin E einzunehmen. Dies sei nötig, um die Nebenwirkungen abzubauen, die entstünden- wenn "aus dem Speicher (des reaktiven Geistes) Spannung abgelassen" werde. Die Dosis sollte mit einer GUK genannten Mischung anderer Vitamine ergänzt werden.
Das Essen im Schloß war im Gegensatz zu meinen Erwartungen gut. Fünfzehn Menschen nahmen am Abendessen teil; es bestand aus Suppe, Salat, Roast-Beef mit Kartoffeln, Obst und einem fremdartigen Nachtisch. Für den Anfang war ich froh, daß die Konversation sich nicht mit den Tagesnachrichten oder anderen unwichtigen Dingen beschäftigte. Richie Blackburn, ein ziemlich ungehobelter junger Mann aus Australien, sagte mir alles Wissenswerte über Sam Veach, der nicht an der Mahlzeit teilnahm. Sam sei ein PTS 3, damit gehöre er als "Quelle möglicher Schwierigkeiten" zu den schwierigsten und zuweilen gewalttätigen Fällen. In den Staaten sei er mit Elektroschocks behandelt worden, und während des Clear-Prozesses habe er plötzlich einen schweren Rückfall erlitten. Wenn ich einen Tag früher angekommen wäre, hätte ich das Drama miterleben können: Sam habe mitten im Speisezimmer einen Anfall bekommen und mehrere Suppenteller in Scherben geworfen. Jetzt sei er vierundzwanzig Stunden lang unter Bewachung und solle dann zum Saint Hill gebracht werden, wo man durch einen Such- und Entdeckungs-Prozeß herausbekommen wolle, wer seine Suppressive Person sei.
Nach einer Tasse Kaffee gingen wir alle ins Wohnzimmer, um zu singen, zu tanzen und Klavier zu spielen. Die Wogen der Fröhlichkeit gingen ziemlich hoch, weil wir uns warm halten mußten.
Edward und eine Engländerin wirbelten durch den Raum, die anderen schauten ihrem wilden Tanz kichernd zu. Der Trubel in dem eiskalten alten Schloß dauerte bis spät in die Nacht — bis auf eine Pause von zehn Minuten, als der Strom ausfiel.
An jenem Abend gab es keine Spur einer seltsamen anderen Welt. Glücklich und durch das Zusammensein mit den anderen einigermaßen aufgewärmt, ging ich nach oben ins Bett. Der Hausverwalter Ralph Wilkins hatte mich in ein Zimmer mit zwei Brüdern aus Australien gesteckt. Es war so eng, daß ich kaum Platz für meine Sachen fand. Ich zwängte meinen Koffer zwischen zwei Betten und legte Mantel

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und Bademantel darauf. Jacke, Hemd und Hosen hing ich über einen Stuhl. Im Bett war es schrecklich kalt. Nach wenigen Minuten sprang ich heraus und zog meine Sachen, Mantel eingeschlossen, wieder an. Um ein wenig warm zu werden, mußte ich auf der Seite schlafen, mit über der Brust gekreuzten Armen und fest aneinander gepreßten Beinen, die ich wie einen Fötus an den Bauch zog.
 
 
 
 

Der Grad V "Power-Prozeß"

Das schafft man allerdings nicht, indem man den Atem anhält, "richtige" Gedanken denkt, oder die Republikaner wählt...
L. RON HUBBARD
Am nächsten Morgen um acht kam Richie herein und rüttelte an unseren Betten. Es war Zeit, daß ich mich im Hill vorstellte.
Es gab ein reichhaltiges Frühstück. Edward und ich gössen uns gegenseitig zahlreiche Tassen Pulverkaffee ein. Juanita, die hübsche Frau des Hausmeisters, saß neben Sam Veach, streichelte zärtlich seine Hände und schaute ihm tief in die Augen. Ich hatte noch nie erlebt, daß jemand so lieb und beruhigend mit einem Menschen sprach, der Liebe und Zuneigung so verzweifelt brauchte, wie er in diesem Moment. Während ich ihr hübsches dunkles Gesicht betrachtete, spielte ich einen Augenblick mit dem Gedanken, selbst PTS 3 zu werden.
Der Weg zum Saint Hill führte durch herrliche Wälder und Wiesen. Sam eingeschlossen waren wir zu sechst im Wagen. Nachdem wir im College angekommen waren, ging ich sofort zum Empfang, wo ich ein gedrucktes Formular erhielt. Man sagte mir, ich müsse es in die verschiedenen Büros, die ich besuchen sollte, mitnehmen und dort jeweils eine Unterschrift verlangen. Diese Prozedur mußte jedesmal wiederholt werden, wenn ich für einen neuen Grad oder einen weiteren Kurs bereit war.
Vom Empfang aus ging ich zur Buchhaltung und von da zur Kasse. Wegen der kürzlichen Abwertung des Pfundes war die Gebühr für den Power-Prozeß erhöht worden. Ich mußte den Gegenwert von 1200 Dollar bezahlen.
Im Auditionsbüro erhielt ich ein Stück Papier, das ich an meine Jacke heften mußte. Darauf stand: "Ich bin im Power-Prozeß. Ich bitte, keine Fragen an mich zu richten, mich nicht zu auditieren und meinen Fall nicht mit mir zu diskutieren."

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Eine Auditorin führte mich in eine Zelle mit zwei Stühlen, einem Tisch, einem E-Meter, einem Wörterbuch und einem Scientology-Lexikon. Sie ließ mich die Büchsen in die Hand nehmen und begann, mir die Fragen zu stellen, mit denen ich auf die folgenden Power-Kommandos vorbereitet werden sollte.
Es ging nur langsam voran; das bedeutete, daß einige Withholds aufzuklären waren. Gott weiß, daß ich sie hatte! Die sturen Vorschriften für den Weg durch die einzelnen Büros hatten mich aus der Ruhe gebracht. Alles in den College begann und endete mit Schlange stehen. Jeder Schritt war genau vorgeschrieben, die genaue Reihenfolge mußte peinlichst eingehalten werden. Seit meinem ersten Schritt zum Empfang fühlte ich mich irritiert. Mein Spott über die Organisation begann mir im Halse stecken zu bleiben. Ich überlegte, ob ich der Auditorin von den Diskussionen berichten mußte, die ich mit Felicia und Gerald erst vor zwei Tagen geführt hatte.
"Gibt es einen ARC-Bruch mit der Umgebung?"
"Ja, ich bin nervös, weil ich mich an einem fremden Ort befinde. Und letzte Nacht habe ich im Bett gefroren."
Das schien die Nadel für eine Zeit "sauber" zu machen.
"Sind Sie mit heimlichen Wünschen hierher gekommen?"
"Nein."
"Die Nadel reagiert. Was meinen Sie, könnte das sein?"
"Ich kann meine Augen nicht von Frauen-Popos lassen!"
"Danke. Hatten Sie in dieser Sache Fortschritte?"
"Nichts hat sich geändert."
"In Ordnung, Noch mehr dazu?"
Ich fuhr zusammen. Die Nadel ließ mir keine Ruhe. "Ich möchte mein Glied in den Po-Backen reiben und sie mit meinem Sperma vollspritzen."
"Danke. Damit ist diese Frage sauber. — Was müßte passieren, damit Sie denken, daß die Scientology funktioniert?"
"Aber sie funktioniert doch!"
Ich war mir zwar auch noch einer Verärgerung wegen des gerade ausgegebenen Geldes bewußt, aber aus irgendeinem Grund reagierte die Maschine darauf nicht, darum überstand ich auch die übrigen Fragen, ohne es erwähnen zu müssen. Damit ging die Sitzung zuende.
Auf meinen nächsten Auditor mußte ich warten. Inzwischen erhielt ich den Auftrag, in einer kleinen Kantine neben dem Empfang Briefe in Umschläge zu stecken, die mit Reklame für die Scientology an Adressaten in der ganzen Welt gingen. Die Frau, die uns beaufsichtigte, befahl mir, meine Postulate mit jedem Brief mitzuschicken.

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Der Grad V Power-Prozeß besteht aus drei Teilen; hinzu kommt ein aus zwei Teilen bestehender Anhang, der V A genannt wird. Sowohl V als auch V A enthalten im Wesentlichen Auditier-Kommandos. Sie gelten als geheim. Im ersten Teil von V wiederholt der Auditor zwei Fragen abwechselnd, bis der Preclear eine schwebende Nadel hat. Vorher leitete mich meine Auditorin durch eine Prozedur, die "Abklärung der Kommandos" heißt. Dabei mußte ich die einzelnen Worte beider Kommandos definieren und im Wörterbuch nachschlagen, sobald ich im geringsten über ihre Bedeutung unsicher war. Dann mußte ich angeben, was jedes Kommando im ganzen bedeutete. Erst jetzt war die Auditorin davon überzeugt, daß ich sie verstand.
"Das ist der Prozeß", sagte sie. "Nennen Sie mir eine Quelle."
"Der Himmel."
"Danke. Reden Sie darüber"
"Aus ihm regnet es."
"Fein. Nennen Sie mir eine Nicht-Quelle."
"Nichts ist eine Nicht-Quelle."
"Danke. Reden Sie darüber."
"Alles ist eine Quelle."
Obwohl ich die Kommandos abgeklärt hatte, war mir der Begriff "Nicht-Quelle" nicht ganz klar und ich mußte bluffen, indem ich eine Antwort erfand.
"Nennen Sie mir ein Quelle"
"Eine Kuh."
"Danke. Sprechen Sie darüber"
"Sie gibt Milch."
Offensichtlich wurde man im ersten Teil des Power-Prozesses von allen Considerationen über "Quellen" befreit. Kurz bevor die schwebende Nadel kam, fühlte ich mich mächtig und fähig, meine Postulate zu erschaffen. Darum gab ich ihr auf das Kommando "Nennen Sie mir eine Quelle" die Antwort: "Ich selbst."
Die Kommandos für den nächsten Teil wurden abgeklärt. Dann begann der Auditionsprozeß von neuem.
"Nennen Sie mir einen existierenden Zustand."
"Glück."
"Danke. Wie haben Sie darauf reagiert?"
"Ich habe es genossen."
"Gut. Nennen Sie mir einen existierenden Zustand!"
"Schwierigkeiten."
"Fein. Wie haben Sie darauf reagiert?"
"Ich versuchte, sie zu vermeiden."
Ich hatte bei mehreren Wiederholungen dieses Prozesses eine schwe-

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bende Nadel. Ich war aufgeregt. Beim nächsten Teil würde ich ein Grad V Power Release werden.
"Wo sind Sie gewesen?"
Während ich die Namen aufzählte, machte die Auditorin ein Liste: "New York, Sussex, San Francisco, Afghanistan, die 85. Straße, Rochester, Seneca Parkway..."
Die Auditorin sah, daß die Nadel schwebte und teilte mir mit, ich sei nun ein Grad V Power Release. Ich mußte warten, bis ihr Bericht von einem Prüfer für in Ordnung befunden wurde. Dann kam sie zurück.
"Wen haben Sie gekannt?"
"Joe, George, Roy Thompson, Ray Robertson, Mary, Jackie, Marie, Betty, Barbara" (ich ertappte mich dabei, daß ich ihr eine Reihe von Prostituierten nannte, die ich gekannt hatte) "Alma, Marie II, Irene, Barbara II."
"Danke. Ist das ein Titel: römisch II?"
"Nein, es sind Straßenmädchen — ich habe ihre Nachnamen nie erfahren — Diane, Connie, Mary II, Barbara III..."
Die Auditorin zögerte keinen Augenblick. Sie hatte ihre TRs gut gelernt. Die schwebende Nadel kam, als sie zwei Seiten mit Namen bedeckt hatte.
"Worüber möchten Sie mehr wissen?"
"Mathematik, Schach, Dame, Scientology, Geschichte, Filme, Wein, Malerei, Sex, Menschen, Archäologie ..."
"Das wär's. Sie haben eine Release auch in V A. Bitte, warten Sie fünf Minuten, während ich meinen Abschlußbericht schreibe. Dann müssen Sie zum Empfang gehen."

Ich hatte weniger als eineinhalb Stunden gebraucht, das Abklären der Kommandos eingeschlossen, ohne Aufenthalt, ohne daß eine Review-Sitzung nötig wurde!
Triumphierend ging ich zu den Warteschlangen zurück, um die nächste Stufe vorzubereiten. Sorgfältig ging ich dabei dem Vitamin E-Wagen aus dem Wege, der täglich von East Grinstead geschickt wurde und der neben dem Schloß parkte. Obwohl ich Rons Bulletin darüber gelesen hatte, war ich nicht interessiert. Es schien mir nur ein Mittel mehr, die Schüler von ihrem Geld zu trennen.
Die Dame am Empfang forderte mich auf, zum Erfolgs-Büro zu gehen. Dort fragte mich ein junger Mann mit überwältigenden TRs, welche inneren Fortschritte ich durch den Power-Prozeß erzielt hätte. Ich mochte ihm nicht sagen, daß ich bis jetzt noch keine spürte — ich war nur allgemein mit dem Prozeß-Verlauf zufrieden.

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"Ich habe das wunderbare Gefühl, daß ich viele Fortschritte machen werde, und das ist in sich ein großer Fortschritt", sagte ich.
Der junge Mann war mehr als zufrieden. "Großartig", rief er aus. Gleichzeitig schrieb er meine Worte in einem dicken Buch auf. Dann schickte er mich zum nächsten Schreibtisch, wo mich ein junger Mann als FSM (Feld-Stabsmitglied) werben wollte. Ich mochte ihn nicht. Er erinnerte mich an die Empfangsdame in der New York Org. Ich war fest entschlossen, alle Extra-Pflichten und -Arbeiten im Hill zu meiden. Ich war davor gewarnt worden, und außerdem hatte ich keine Ahnung, was ich als FSM tun müßte. Der junge Mann erklärte mir, ich solle Leute für die Scientology werben, wofür ich eine Prämie erhalten würde. Ich war noch immer mißtrauisch und antwortete, ich wolle die Entscheidung aufschieben, bis ich darüber etwas gelesen hätte. Er gab mir eine dicke Broschüre, war aber ziemlich unzufrieden mit mir und wollte mich erst gehen lassen, als ich ihm versprochen hatte, daß ich am nächsten Tag noch einmal vorbeikommen werde.
Innerlich war ich wütend; er hatte mir einen ARC-Bruch verschafft, gerade als meine Freude über die Power-Release am größten war. Ich hatte bei ihm auch Furcht entdeckt, die Furcht, nicht zu erreichen, was man von ihm verlangte. Die Furcht war ansteckend. Ich spürte, daß ich selber nicht auf die falsche Seite — wovon eigentlich? — geraten wollte. Fürchtete er verborgene Mächte? Wovor hatte er Angst? Ich wußte, daß das Personal im Hill Tag und Nacht für einen Hungerlohn arbeitete, um genug Lohn oder Prämien zu verdienen, damit sie die unteren Grade nach und nach absolvieren konnten. Vielleicht hatte meine Standhaftigkeit seine Chancen vermindert. So verärgert ich auch war, wollte ich darüber doch nicht weiter nachdenken.
Ich mußte die FSM-Geschichte möglichst schnell vergessen, denn als nächstes stand eine Sicherheitsüberprüfung auf der Tagesordnung. Das war etwas Neues, aber nachdem ich Power so reibungslos absolviert hatte, machte ich mir keine zu großen Sorgen. Eine Frau, die sich geschäftsmäßig mit ihrem E-Meter beschäftigte, stellte mir heikle Fragen, wie "Sind Sie hier, um vertrauliches Material zu verraten?" Ich war mit der Überprüfung früh genug fertig, rechtzeitig für das Mittagessen im Schloß.
Sam Veach nahm vergnügt am Essen teil. Sein S&D war erfolgreich verlaufen, und nun war er sicher, ein Clear zu sein. Er weinte fast vor Freude, als er mir sagte, nun werde er in die Staaten zurückkehren, um dem Mädchen, das er seit Jahren liebte, einen Heiratsantrag zu machen. Sein Sieg über seine schwere Vergangenheit und seine Liebe für alles und jeden rührten mich sehr.
Nach dem Essen schickte ich einen kurzen Brief an Felicia und Gerald

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ab, in dem ich sie fragte, ob ich ein FSM werden müsse und ob ich mich gegenüber dem Werber richtig verhalten habe. Am späten Abend war diese Episode schon vergessen. Als ich in meinem Schlaf-Iglu lag, fühlte ich die Anwesenheit von etwas neuem — die mir durch Grad V verliehene Macht, die durch meinen Körper pulsierte und mich mit größeren Mächten am nächtlichen Himmel und in den dunklen Wäldern weit draußen in Sussex in Verbindung brachte.
 
 
 
 

Die Grad VI Solo Klasse

Wieder Schlange stehen: Am Empfang, dann an der Kasse, wo 800 Dollar für den Solo-Kurs zu bezahlen waren. Ich teilte der Wohnungsabteilung mit, daß ich in Fyfield Manor und damit in einer nur von Scientologen bewohnten Unterkunft eingezogen war. Im Buchladen kaufte ich einen E-Meter. Der Buchhändler überredete mich, eine umfangreiche Sammlung von Rons Schriften zu erwerben, die ich zum Teil schon in New York hatte. Später ärgerte ich mich: er hatte das nur getan, um Geld zu verdienen.
Der DT (Direktor des Trainings, Ausbildungsleiter), eine matronenhafte Frau, sprach mich an: "Sie wissen, daß alles, was Sie in der Solo Klasse erfahren werden, geheim ist. Was könnte nach Ihrer Meinung der Grund dafür sein?"
"Damit Menschen, die nicht zur Scientology-Bewegung gehören, das Material nicht mißbrauchen können?" improvisierte ich.
"Genau. Außerdem: die Geheimhaltung hat keine kommerziellen Gründe. Denn die Information ist ungeheuer gefährlich; das Material kann jeden schädigen, der nicht darauf vorbereitet ist, weil er die einzelnen Grade nicht gemäß Rons Vorschriften absolviert hat. Sie haben den Power-Prozeß absolviert. Sie dürfen sich mit diesen Dingen befassen, aber wenn sonst jemand davon erfahren würde ..."
Ich wurde in den Solo-Klassenraum geführt und dem Aufseher vorgestellt. Er wies mich darauf hin, daß ich mich an jeden freien Tisch setzen und jedes unbenutzte Tonbandgerät gebrauchen könne. Meine Sachen hatte ich in Ordnung zu halten: Mantel und Bücher sollten unter dem Stuhl liegen, der Tisch in einer Reihe mit den anderen bleiben. Die Tische standen in zwei sauber ausgerichteten Reihen; in der einen Reihe konnte man den E-Meter bedienen und TRs lernen, in der anderen Bulletins studieren. Ich suchte mir einen Platz und schaute mir zunächst die "Saint Hill Orientierungsunterlagen" an. Sie enthielten eine Karte der College-Gebäude und ein Paket mit Bulletins. Eins

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davon machte deutlich, daß die Ethik-Richtlinien im Hill nach wie vor streng gehandhabt wurden. Ich registrierte ein Dutzend "Ethik-Zustände" (= eine Skala negativer und positiver ethischer Werte, denen entsprechend Lob und Strafen gegenüberstehen). Schon bald erfuhr ich, daß sie als einer der größten Beiträge Rons zum Wohl der Menschheit galten.
Die Ethik-Zustände sind der Versuch, jederzeit alles und jedes im Universum zu klassifizieren. Man kann sie auf sich selbst anwenden, auf eine Organisation, einen Haushalt, eine Nation, eine Katze oder einen Füller. Jeder Zustand wird durch eine bestimmte "Formel" definiert, ein Anzahl von Schritten, die getan werden müssen, um den nächsthöheren Zustand zu erreichen. Der augenblickliche Zustand einer Person kann festgestellt werden, indem man sich vergewissert, welche Formel er gerade befolgt, ob bewußt oder unbewußt. Zum Beispiel ereignet sich der Zustand des Nicht-Existierens, wenn man einen neuen Posten antritt, als Chef oder als Diener. Die entsprechende Formel lautet:

  1. Suche eine Linie der Kommunikation
  2. Mache dich bekannt
  3. Stelle fest, was nötig oder erwünscht ist
  4. Tue, produziere und / oder präsentiere es.
Sobald eine Person im "Zustand des Nicht-Existierens" dieser Formel nachkommt, erreicht sie den nächsthöheren Zustand: "Gefahr". Dabei ist der wichtigste Schritt: "Überhole den an Dienstalter Jüngeren, der gewöhnlich den Ton angibt." Wenn man getan hat, was immer das bedeutet, ist der "Gefahr-Zustand" beseitigt, woran sich der "Notfallzustand" anschließt, dessen Schlüsselwort "Fördern" lautet. Danach kommen "Normale Tätigkeiten" ("Ändere nichts"); noch höhere Zustände sind "Überfluß" und "Macht".
Unter "Nicht-Existieren" beginnen die "Niedrigeren Zustände": Zweifel, Schuld, Verrat und Feindschaft. Die Formeln für die Niedrigeren Zustände machen im allgemeinen erforderlich, sich zu überlegen, wem man Treue schuldet, und dann Wiedergutmachung für "jeden zugefügten Schaden" zu leisten. Wiedergutmachung ist sogar für "Verrat" und "Feindschaft" möglich, auch von da aus kann man wieder zu den "Höheren Zuständen" aufsteigen.
Auf dem Kontrollformular wird als erstes verlangt, aus Modellierton Demonstrationsobjekte (Demos) der verschiedenen Zustände zu formen, die durch den Instrukteur geprüft und beurteilt werden mußten. In einem Bulletin wurde diese Übung als sehr nützlich bezeichnet, weil sie dem Schüler ein Gefühl der physikalischen Realität eines Scientology-Wortes oder -Konzeptes vermittelte. Außerdem wird es von den

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Schülern oft als willkommene Erholung von der passiven Haltung beim Abhören der Tonbänder und dem stundenlangen Lesen von Bulletins begrüßt, ein wenig mit dem feuchten Ton herumspielen zu können.
Die Arbeit mit dem Demo zeigt — wie es in dem Bulletin ferner hieß — "dem nur zungenfertigen Schüler, was ihm fehlt: er kann sehr gut abstrakt reden, aber in Wirklichkeit hat er nichts verstanden."
Ein solcher Schüler gerate in Panik, wenn man ihm ein Stück Ton in die Hand gebe.
Der Ton-Demo soll selbst darstellen, was er symbolisiert. Jeder Teil der Figur erhält außerdem ein kleines Papierschild. Abschließend wird der ganze Demo mit dem Etikett des Wortes oder der Prozedur versehen, die er illustrieren soll. Diese Aufschrift wird aber verdeckt. Wenn der Instrukteur trotzdem erraten kann, worum es sich handelt, dann hat der Schüler seine Aufgabe erfüllt.
Unser Instrukteur war zu jener Zeit ein kurzgewachsener Engländer, der zumindest ein OT I sein sollte. Um eine Kaffeepause anzukündigen, pflegte er zu brüllen: "Das wär's!" und wenn sie um war: "In Ordnung. Aaanfangen!"
Sein trockener Humor, den ich für typisch britisch hielt, äußerte sich besonders scharf, wenn er unsere Demos überprüfte. War ihre Bedeutung nicht sofort zu erkennen, dann brachte er uns mit ironischen Fragen in Verlegenheit. Ein Demo über die Ethik-Zustände hatte jeden Schritt der einzelnen Formeln darzustellen. Da es bis zu acht Schritte per Formel gab, verbrauchte man entweder den Ton pfundweise oder man machte die Figuren so klein, daß sie kaum erkennbar waren. Ich mußte meinen Erfindungsreichtum sehr strapazieren, um einen Gedanken wie: "Ändere nichts" zu visualisieren. Ich brauchte zwei Tage, bis ich mit den Demos fertig war.
Ein anderes Problem war die Beförderung zum Saint Hill. Selten gab es genügend Wagen für alle, die zum College fahren wollten. Der beste Tip war, sich mit Max Dinmont, einem OT VI, gut zu stellen. Jeden Morgen fuhr er nach dem Frühstück zu genau der gleichen Zeit los, immer nahm er einige von uns mit. Allerdings kannte Max kein Mitleid, wenn man nicht pünktlich war. Zwei ältere Frauen aus der Solo-Klasse klagten darüber, daß er oft ohne sie abführe. Ralph Wilkins, der Hausmeister, fuhr eine andere Gruppe in einem kleinen Transporter hinüber, aber dann mußte man sich mit sechs anderen Leuten in den Wagen quetschen.
Sobald wir in Hill angekommen waren, stürzten wir uns auf die Tonbandgeräte. Dreißig oder mehr Schüler hatten nur fünfzehn Geräte zur Verfügung. Viele standen schon um 8.45 Uhr vor der Klasse

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Schlange, um ein gut funktionierendes Gerät zu erwischen. Um 9.15 Uhr wurde die Tür geöffnet; dann kam es sofort zu einem wilden Drängen und Schieben. Wenn ich Glück hatte, hörte ich mir den ganzen Morgen Tonbänder an, schlang dann in der Kantine ein Sandwich hinunter und raste sofort wieder in die Klasse zurück, um noch ein paar Tonbänder zu schaffen.
Rons Gegenwart im Solo Klassenzimmer war ständig zu spüren: In seinen Büchern und Bulletins auf den Tischen, seinen Slogans am Schwarzen Brett und durch sein großes Porträt neben dem Pult des Instrukteurs. Seine Gegenwart durchdrang alles; vor allem aber war Ron für uns die Stimme auf den Tonbändern.
Die Tonbänder mit den vierzig Hubbard-Vorlesungen wurden in einem Aktenschrank aufbewahrt. Aus dem Kontrollformular ging hervor, daß zunächst acht Bänder über "Studieren" anzuhören waren.
Hubbards vereinfachende Lehren schlugen mich in ihren Bann: "Etwas zu studieren bedeutet, es anzuschauen, es zu beobachten und alles zu entdecken." Warum war ich darauf nie gekommen? Es war so einfach, so direkt. Ron schlug vor, wenn man etwas lernen wollte, zum Beispiel über einen Traktor, dann "sollte man einen Traktor vor sich haben." Er machte die üblichen Schulen herunter, weil sie keine Ahnung vom wirklichen Zweck der Erziehung hätten: "Den Schüler die Anwendung des Wissens zu lehren."
Es stimmte: alle meine Jahre in der Schule waren vergeudet, weil mir diese elementaren Tatsachen entgangen waren — aber jetzt hatte ich die Chance, die Dinge zurechtzurücken. Ron machte auch die Kompliziertheit der meisten Lehrbücher lächerlich. Was sollte an der WAHRHEIT unklar sein? Selbst seine Methoden, die in den exakten Gesetzmäßigkeiten der Physik und der Technik begründet seien, liefen letzten Endes auf einfache Gesetze hinaus wie: "Wenn wir einen Ziegelstein nehmen und einen anderen Ziegelstein darauf legen, dann haben wir einen Ziegelstein auf dem anderen." Man konnte Rons Zuhörer auf dem Tonband laut lachen hören, während er ihre bisherigen Vorbilder vom Sockel stürzte.
Spott war nur eins von Rons Ausdrucksmitteln. Er konnte launisch sein und ernst, weitschweifig und präzise. Oft plauderte er neunzig Minuten lang, zitierte weither geholte Einzelheiten, und dann, auf den letzten Zentimetern des Tonbandes, brachte er doch noch alles unter einen Hut. Ich bewunderte die Bandbreite seines Wissens; er sprach über so weit von einander entfernte Themen wie die Navigation von kleinen Schiffen und die städtische Leichenhalle. Die Tonbänder waren Unterricht, Predigt und Zirkus — alles in einem.
Zu Beginn seiner Vorlesung nannte Ron gewöhnlich das Datum. Falls

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es sich um 1963 handelte, nannte er es: AD 13 (Anno Dianetico 13).
Das hatte immer einen eigenartigen Effekt bei mir, so daß ich mich nur schlecht konzentrieren konnte. Doch dann weckte Ron mit seinem besonderen Sinn für Humor wieder mein Interesse.
Auf jedem Tonband gab es mindestens einen Abschnitt, der mich beim aufmerksamen Zuhören störte. Ausgerechnet diese Teile prägten sich mir ein. Aber wenn ich mich vor Lachen bog, konnte ich mich unmöglich darauf konzentrieren, was er vorher gesagt hatte. Zuweilen brach die ganze Reihe der Schüler an den Tonbandgeräten gleichzeitig in Gelächter aus, wenn sie in verschiedenen Bändern im gleichen Augenblick lustige Stellen anhörten. In einem Abschnitt über die Unfähigkeit der großen Masse unterstrich Ron sein Argument, indem er das Wort wie das Blöken eines Schafes klingen ließ: "Ma-a-a-asse". Bei anderer Gelegenheit sprach er von einem Mann in New York, dessen größte Furcht es war, in der Öffentlichkeit nackt erwischt zu werden. Als Ron ihn wieder sah, rannte er gerade zum Times Square und riß sich dabei die Kleider vom Leibe. Die Pointe dieser Geschichte galt zugleich als eins der wesentlichen Gesetze des Universums: "Man bekommt immer, was man vermeiden will"
Während der Stunden, die wir in der Klasse verbrachten, gab es häufig Unterbrechungen. Einmal in der Woche wurde der Raum verdunkelt, um Rons Film über den reaktiven Geist vorzuführen. Wir mußten dann unsere Tonbänder und Bulletins zusammenpacken und in andere Räume umziehen, oder nach draußen, auf den Rasen neben der Straße gehen. Jeden Freitagnachmittag wurden in der Kapelle die Diplome überreicht. Schüler, die obere Grade oder den Spezial-Kurs absolviert hatten, hielten dabei Reden über ihre Fortschritte.
Mindestens einmal am Tag kam ein Schüler, der seine Solo-Audition beendet hatte, in den Klassenraum, um unsere gemeinsame "Bestätigung" zu empfangen. Der Instrukteur sagte: "Das wär's", und wir ließen unsere Arbeit einen Moment ruhen, während der neue Release seine Rede hielt. Sofort nach unserem Applaus kam dann wieder "Anfangen!" und wir machten uns wieder an die Arbeit.
Einmal wurden wir durch eine Frau unterbrochen, die uns eine besondere Mitteilung machte: die Organisation erwarte ab sofort die strikte Beachtung der Anordnung über das Tragen der Namensschilder; im College-Bereich müsse jeder sein Schild tragen, Besucher und Taxifahrer, die Fahrgäste abholen wollten, eingeschlossen. Ein Schüler ohne das Namensschild werde in den Zustand der Schuld eingestuft. Die Schüler seien außerdem verpflichtet, jeden zu melden, der sein Schild nicht trage. Falls er das unterlasse, werde er selbst mit einer Ethik-Strafe belegt.

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Ich beschloß, mein Namensschild ständig zu tragen. Das war zwar unbequem, besonders außerhalb des Hill, würde mir aber das ständige Anstecken und Abnehmen ersparen.
Ursprünglich hatte ich geplant, den Solo-Kurs in vier Wochen abzuschließen. Da es aber nicht genug Tonbandgeräte gab und wir dauernd unterbrochen wurden, war es unmöglich, diesen Zeitplan einzuhalten. Die Tonbandgeräte waren schlecht, man mußte sie dauernd reinigen, auch die Tonbänder waren abgenutzt: selbst wenn man sie mehrmals abhörte, konnte man einzelne Sätze nicht genau hören. Viele Kopfhörer waren zerbrochen, man mußte sie mit der Hand gegen das Ohr halten. Diese ständige Anstrengung, Rons Botschaft zu erfassen, machte mich häufig schläfrig. Zum Ausgleich dachte ich an mein Abschlußreferat über meine Fortschritte oder blickte im Zimmer auf und ab, um zu prüfen, ob ich schon besser sehen konnte. Manchmal nickte ich ein; das Geräusch des auf den Tisch fallenden Kopfhörers weckte mich dann wieder. Selbst im Halbschlaf hörte ich weiter Rons Stimme, einen vollen Bariton, rauchig, doch wohlklingend, einschmeichelnd und beherrschend zugleich.
 
 
 
 

Die OTs

Ein Körper ist ein Gemüse...und wie jedes Gemüse wird er — auf die eine oder andere Art — von anderen verbraucht.
L. RON HUBBARD
Die Sitten, wie sie — in sexueller oder anderer Beziehung — von manchen OTs an den Tag gelegt wurden, verwirrten mich. Man war sich einig, daß eine Person nur so lange OT (Operating Thetan = voll kreatives Theta-Wesen) genannt werden konnte, bis Ron der Welt der Scientology die Stufen VII und VIII geschenkt haben würde. Bis dahin, so forderte Ron in einem Bulletin, dürfe man Clears und OTs nicht nach den gleichen Maßstäben messen, wie gewöhnliche Menschen. Trotzdem war es mir unmöglich, nicht zu bemerken, daß es OTs gab, die Eigenschaften vorwiesen, wie sie gewöhnlich nicht mit dem Übermenschlichen assoziiert wurden.
In Fyfield Manor stellten einige ihre sexuelle Promiskuität wie ein Banner zur Schau. Geschlechtsbeziehungen galten als "Übereinkommen zwischen den Körpern". Als Olga O'Brien, eine sinnliche OT VI, mit ihrer elfjährigen Tochter bei uns ankam, traf sie ein solches Über-

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einkommen mit einem Sea Org-Rekruten, der hier auf Nachricht von der Jacht wartete. Die Tochter konnte den Liebhaber nicht ausstehen und die drei diskutierten während der Mahlzeiten darüber. Die Tochter war häufig Zeuge dieser Affären mit Fremden — ihre Mutter war außerdem oft im Bett von Richie Blackburn. Nachdem der Jacht-Rekrut abgereist war, wurde Mike Glassman, ein OT VI, sein Nachfolger bei Olga. Mike war ein vierschrötiger und abstoßender Mann ohne die geringste geistige Ausstrahlung. Rons Regeln entsprechend versuchte ich, ihn nicht zu streng zu kritisieren. Olgas Benehmen schien anzudeuten, daß sie das Kind verletzen wollte — es wirkte fast, als wolle sie sich an ihrer Tochter irgendwie rächen. Trotzdem nahm ich an, es werde schon seine Richtigkeit haben, als ich sie im Wohnzimmer in leidenschaftlicher Umarmung mit Juanita Wilkins' Liebhaber antraf. Die OT I-Fähigkeiten ihres Mannes Ralph Wilkins reichten offensichtlich nicht aus, um sie zu befriedigen. Juanitas Moral versetzte mich ebenso in Erstaunen, wie die von Olga, allerdings war Juanita nur eine Grad IV Release.
Vor einigen Jahren hatte Ron derartige Aktivitäten unter den Schülern des College offiziell verboten. Später hat er diese Anordnung widerrufen. Die Schüler taten sowieso, was sie wollten, und da es kaum Möglichkeit gab, sie davon abzuhalten, wurde der Geschlechtsverkehr wieder zugelassen.
Der Hausmeister des Fyfield Manor war hochgewachsen, schlank, und etwa dreißig Jahre alt; auch er benahm sich nicht wie ein OT. Ralph war darauf versessen, durch leichte Profite, die er aus Fyfield Manor schlug, seine nächste Stufe zu finanzieren. Die Hausbewohner verachteten ihn deshalb. Er war freundlich, zu Scherzen aufgelegt und schrecklich unordentlich. Das Haus war in einem jämmerlichen Zustand, vor allem die Installation; es war noch mehr in Unordnung, als es wegen der fehlenden Mittel für eine Renovierung hätte sein müssen. Ralph war es auch völlig gleichgültig, wie die Gäste unterkamen. Es gab zahlende Gäste, die im Keller oder auf dem Fußboden des Wohnzimmers schliefen. Bekannt war auch, daß er sich sozusagen stellvertretend an den losen Bettsitten des Manor vergnügte, selbst an denen seiner eigenen Frau. Mit einem Wort, seine Ethik war "out", wie die Scientologen sagen. Doch was uns betraf, waren wir bereit, ihm alles zu verzeihen, weil er wenigstens auf eine gute Küche hielt. Man konnte Ralph nichts übelnehmen, solange er uns mit gutem Essen bestach. Eines Tages bemerkte ich während des Essens einen kleinen Jungen, der an einem Nebentisch saß. Zuerst glaubte ich, er sei allein. Dann fiel mir ein, daß er zu den Kindern eines amerikanischen Ehepaares gehörte, das am Spezial-Kurs teilnahm, und das die Angewohnheit

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hatte, was immer man sagte, in der vorgeschriebenen Weise mit sonorem "O.k." und "Danke" zu bestätigen. Seine Mutter hatte in einem S&D entdeckt, daß der Junge für sie suppressiv war. Vielleicht hatte sie das Kind von Anfang an nicht haben wollen; natürlich mußte sie sich nun von ihm trennen. Deshalb aßen sie an verschiedenen Tischen. Hin und wieder lief sie zu ihm und drückte ihn an sich; sie sagte, sie könne sich nur halb von ihm trennen. Er war der traurigste kleine Kerl, den ich je gesehen habe; sein bedrücktes und ratloses Gesicht war der vollkommene Gegensatz zu dem seiner kleinen strahlenden Schwester, die immer bei den Eltern saß.
Es gab dort außerdem ein achtzehnjähriges Mädchen, das in einer Dachstube wohnte und nur selten zu den Mahlzeiten kam, wobei es leise vor sich hin summte. Richie erklärte uns, daß sie das "erste Dianetic-Kind" sei, das Resultat von Rons Erforschung der Engrammlosen Geburt. "Ich bin allerdings nicht sicher", fügte er hinzu, "ob es ein Erfolg war. Sie ist nämlich ein wenig komisch."
 
 
 
 

HCOB Pakete A-D

Es ist den Lehrern des Hubbard College streng untersagt, die HCOBs (Bulletins der Hubbard-Informationsabteilung) gegenüber den Schülern auszulegen oder zu bewerten. Wenn ein Schüler eine Frage hat, ist es dem Lehrer nur erlaubt, ihm ein HCOB zu nennen, daß die korrekte Antwort enthält. Jede andere Antwort bringt den Lehrer in den Zustand der Schuld, und er ist von der Ethik-Abteilung zu bestrafen. Der Schüler, der eine solche falsche Antwort erhält, muß den Schuldigen dem Ethik-Beamten melden. Unterläßt er das und wird erwischt, wird er ebenfalls bestraft.
Der Lehrer muß Tag, Monat und Jahr jedes HCOB kennen — es gibt Hunderte davon — so daß er den Schülern die korrekten Daten nennen kann.

Die HCOBs waren in einem kleinen Büro neben dem Solo-Klassenzimmer unter Verschluß. Die Schüler mußten den Empfang quittieren und durften sie nur in verschlossenen Aktentaschen mit sich führen. Nicht alle der elf Pakete waren geheim und daher "möglicherweise gefährlich für jeden, der auf das Material noch nicht vorbereitet ist". Die Pakete A bis D behandelten das Auditieren und verwendeten Begriffe, die ich schon kannte. Sie unterschieden sich aber in zweierlei Hinsicht von den Dianetic-Paketen. Erstens: im Solo-Kurs mußte ich mich selbst auditieren und damit war ich mein eigener Preclear. Alle Vorschriften in den Bulletins bezogen sich also auf mich; ich war Auditor und PC in einer Person. Zweitens: die Einzelheiten wurden sehr viel mehr im Detail dargestellt. Dutzende von Seiten beschäftigen

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sich mit den Regeln des Auditierens und deren Übertretungen. Korrektes Auditieren beruhte auf einem strengen Ritual: l) Fragen stellen, 2) Antwort bekommen, 3) Antwort bestätigen. Das mußte streng eingehalten werden. Als schädlicher Zusatz galt alles, was der Auditor hinzufügte: überflüssige Worte, Veränderungen der Tonlage beim Sprechen oder spontane Gesten. Als Störung des Prozesses galt es auch, wenn der Auditor bestätigte, ohne die Antwort des PC abzuwarten ("seine Kommunikation abschneiden"). Das vermittelte dem Preclear das Gefühl, der Auditor höre ihm nicht wirklich zu, und als Kompensation versuche er dann, mehr als notwendig zu reden, was den Prozeß verzögere. Ein noch viel schwerwiegender Fehler sei es, wenn sich der Auditor mit dem PC in ein Frage- und Antworte-Spiel einließe.
An einem warmen Sonntagmorgen nahm ich meine Bulletin-Pakete zum Lernen mit auf die Terrasse hinter dem Schloß. David, einer meiner Zimmergenossen, war schon dort, er las sein Sonderkurs-Material. Ich setzte mich zu ihm. Nachdem ich eine Zeitlang Notizen gemacht hatte, mußte ich zum WC im Haus. Als ich zurückkam, ging Richie auf der Terrasse auf und ab. Er kam zu mir und baute sich drohend vor mir auf.
"Weißt du, was du gerade getan hast, Freundchen? Du hast dein vertrauliches Material hier rumliegen lassen. Ich hätte dir mehr Vernunft zugetraut!" Er schlug mit der Faust gegen seinen Oberschenkel. "Wenn ich du wäre, ginge ich sofort zur Ethik-Abteilung, um es zu melden."
Ich starrte ihn an. "Aber Richie, David ist doch hier und ich war nur eine Sekunde fort."
"Du hast gehört, was ich gesagt habe. David ist im Sonderkurs. Wie willst du wissen, ob er deinen Status schon erreicht hat? Wenn er dein Zeug nun gelesen hat? Ich würde etwas tun an deiner Stelle, aber das mußt du selber entscheiden. Bring es morgen gleich in Ordnung. Bei deiner nächsten Sicherheitsüberprüfung kommt es sowieso heraus!" Als Richie ins Haus stolzierte, hatte ich ein komisches Gefühl in der Magengrube.
"Mach dir keine Sorgen", sagte David, "manchmal spinnt er."
"Aber habe ich nicht wirklich etwas falsch gemacht?"
"Das hängt von dir ab. Es ist so, wie du darüber denkst. Wenn du meinst, es war o.k., deine Sachen bei mir zu lassen, um ins Klo zu gehen, dann ist es in Ordnung. Du mußt dir nur selbst sicher sein."
Fast täglich sah ich Fanatiker wie Richie in Aktion. Trotzdem gab es vieles, was mir das Leben im Saint Hill angenehm erscheinen ließ. Man brachte mir bei, mich zu unterwerfen. Es war eine Last mehr, die von einem genommen war, wenn man nicht mehr zu rebellieren brauchte

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und nur gehorsam zu sein hatte. Sie vermittelten mir die Disziplin, die mir mein Leben lang gefehlt hatte. Auf lange Sicht war das genau so nützlich, wie der Clear-Prozeß selbst. In der Tat begann ich zu denken, daß das Clearen nicht notwendigerweise die größte Wohltat der Scientology war. Fast unmerklich war eine Veränderung in mir vor sich gegangen. Ich hatte nicht mehr die Absicht, die Scientology für meine eigenen Zwecke auszunutzen. Mir gefiel dieses Gefühl; es war so sauber. Meine alten Ansichten erschienen mir jetzt — so unrein. Vielleicht beeinflußten mich die Regeln, die strikten Anordnungen, die Augen und Stimmen, die mich bei jeder neuen Aufgabe leiteten. Wenn es so war, dann wußte ich den Wert dessen, was ich bekam, zu schätzen. Ich war froh, mich nicht mehr länger als eigenwilligen Eindringling zu sehen, sondern als Mitglied der Gruppe im Saint Hill.
Ihre Hingabe beeindruckte mich. Die Schüler und Stabsmitglieder kamen aus aller Welt, viele aus den angelsächsischen und skandinavischen Ländern und den Vereinigten Staaten. Sie hatten die verschiedensten Lebenswege hinter sich, gehörten allen gesellschaftlichen Stufen und Altersgruppen an, und hatten jeden erdenklichen religiösen und sozialen Hintergrund. In einem Kurs war ein Paar, das schon hoch in den Siebzigern war, sowie ein zwölfjähriges Mädchen. Die Anzahl gut aussehender Menschen war unter den Schülern überdurchschnittlich groß: viele der Mädchen waren ausgesprochen schön, viele Männer hatten wache und kluge Gesichter. Ihr direkter Blick stieß mich nicht mehr ab, wie in der New York Org.
Etwas besonderes kam hinzu: als einzelner brachte man durch seine persönlichen Anstrengungen und Erfolge die ganze Gruppe voran. Ich kam darauf während des täglichen Gerangels um die Tonbandgeräte. Die Schüler verbargen ihre fiebrige Hast nicht im geringsten; der Druck, möglichst schnell weiter zu kommen, ließ ihnen keine Ruhe. Alle wußten es: Der Scientology-Bewegung konnte etwas zustoßen, bevor wir den Status eines Clear erreichten und uns aus der Falle befreiten, in der wir seit Millionen Jahren steckten. Denn die Scientology wird von den Behörden mehrerer Kontinente verfolgt, und das verlieh Rons Organisation ein wenig den Charakter des Illegalen. Vielleicht ging es den ersten Christen in ihren Katakomben genauso. Vielleicht war es diese Unsicherheit, die die Leute zusammenbrachte, sie zugleich auch von einander trennte und in ihre gegenseitigen Beziehungen eine schwer erklärbare Mischung von Zuneigung und Fast-Feindschaft brachte.
Und doch war mein Leben niemals zuvor ähnlich bewußt verlaufen; hier konnten sich die Menschen geben, wie sie waren. Niemand mußte heucheln, seinen Egoismus verschleiern. Theta-Menschen wurden nicht

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durch den Gefühlsleim des reaktiven Geistes zusammengehalten. Sie konnten sich ihren wirklichen Gefühlen stellen. Hier war Realität, hier gab es Überzeugung, einen Zweck, ein Ziel. Im College mit seinen Bestimmungen, Regeln, seinen Strafen, mit den Hunderten von Seelen, die alle den gleichen, eng umgrenzten Pfad entlang stürmten, wurde einem "der feste Wille, sein eigenes Ziel zu erreichen", abverlangt. An diesem Punkt angelangt, war ich schon dicht daran, für immer einer von ihnen zu werden.
 
 
 
 

Die See Org

Eines Tages fiel die See Org in Saint Hill ein. Die Mitglieder dieser Elite-Mannschaft trugen weiße Pullover, weiße Hosen oder Röcke, weiße Strümpfe und weiße Schuhe. Sie kamen, um sicherzustellen, daß die Normen der Ethik eingehalten wurden und die Standards nicht nachließen. Viele Mitglieder des Stabes sah man jetzt schmutzig graue Stoffetzen um die Arme gewickelt tragen. Das zeigte an, daß sie im Zustand der Schuld waren und die entsprechende Strafformel erfüllen mußten. Man konnte in den Zustand der Schuld versetzt werden, wenn man ein Gebot gebrochen, sein Soll nicht erfüllt oder einen Fehler gemacht hatte. In einem solchen Fall galt man als Minuspunkt für die Organisation und mußte Wiedergutmachung leisten, indem man 24-stündige Roboter-Schichten ableistete. Für die Mitglieder des Stabes bedeutete das, daß sie den College-Bereich eine oder zwei Nächte lang nicht verlassen durften. Nur wenn es keine Arbeit für sie gab, durften sie irgendwo auf dem Fußboden ein wenig schlafen.
Die See Org startete sofort eine größere Aktion: sie schickte alle Mitglieder des Stabes zum Bücherverkaufen los. Instrukteure mit schweren Bücher-Paketen wurden nach Dienstschluß abends nach East-Grinstead geschickt, damit sie noch die Nachtzüge zu benachbarten Städten erreichten. Andere wurden auf zwei oder drei Tage dauernde Reisen geschickt.
Hekla, ein Dänin, die auch in Fyfield Manor wohnte, hatte Sorgen. Sie arbeitete als Sekretärin beim Stab, ohne dort genug für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und jetzt hatte sie Angst, in den Zustand der Schuld versetzt zu werden, weil sie nicht genug Bücher verkauft oder ihr Soll als Sekretärin nicht erfüllt hatte, während sie zum Bücherverkaufen unterwegs war. Wenn man in Schuld war, wurde einem sowieso der Lohn gekürzt. Bis jetzt war Hekla noch nicht auditiert worden, sie hatte gehofft, als Grad IV Release nach Kopenhagen zu-

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rückkehren zu können, besser befähigt, mit ihrer unglücklichen Ehe fertig zu werden. Sie weinte vor Enttäuschung, als ihr bewußt wurde, daß ihr dieses Ziel immer mehr entglitt.
Dexter, ein langhaariger Gitarrenspieler aus Nordengland, arbeitete von früh bis spät beim Stab, um sich die Mittel für Grad 0 zu verdienen. Immer wieder war er wegen kleiner Vergehen in Schuld geraten. Deshalb mußte er sich jetzt einem "Joburg" unterziehen, einer komplizierten Sicherheitsüberprüfung, die gründlicher als üblich war und von Ron ausgearbeitet worden war, als Mitglieder der Org in Johannesburg, Südafrika, vor Jahren gegen ihn rebelliert hatten. Diese Überprüfung dauerte drei Stunden, falls nicht vorher die schwebende Nadel kam, und der E-Meter mußte jede Frage mehrfach als sauber erweisen, darunter solche wie: "Sind Sie pervers?"
Es tat mir leid, meine neuen Freunde gestraft zu sehen, aber ich ermutigte sie nach Kräften, damit sie ihren minderen Status ertrugen, bis sie auditiert werden konnten. Ich entging nur deshalb der gleichen Pein, weil ich über das notwendige Geld verfügte. Gerald hatte mich besonders vor der See Org gewarnt; ihre Mitglieder wollten "den ganzen Planeten clearen." Ich aber dachte nur daran, weshalb ich hergekommen war: selbst ein Clear zu werden und dann zu verschwinden.
 
 
 
 

Die Bulletin-Pakete E-F

Nachdem ich fast zwei Wochen lang Tonbänder abgehört hatte, begann ich immer mehr unter dem Zustand zu leiden, den die Schüler "überstudiert sein" nannten. Ron redete und redete über alles unter der Sonne, und oft gab es nur einen einzigen Punkt auf dem langen Tonband, der im engeren Zusammenhang mit dem Kursthema stand, wenn wir aufmerksam und intelligent genug waren, ihn zu erkennen. Manchmal fehlte ein solcher Zusammenhang sogar ganz, man hörte nur Geschwätz über alles mögliche, von Orgelpfeifen bis zu obskuren Fotografier-Techniken. Obwohl ich das breite Wissen und die große Erfahrung des Mannes bewunderte, ging es mir auf die Nerven, seine Stimme jeden Tag zehn Stunden lang zu hören. Ich ging dazu über, während der Klassenstunden die HCOB-Pakete E bis F zu lesen.

... wie wir alle wissen, hat der Thetan bei seinem Sturz in die Erniedrigung schweren Schaden gelitten. Nachdem er zugelassen hatte, daß er weich wurde, erledigten korrupte Wesen aus dem Universum das Geschäft, indem sie ihn mit Vorfällen und Faksimiles elektrisch aufluden. Solche gewaltigen Eintragungen auf der "Ganz-

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Spur" — das ist die gesamte Zeit-Spur über Milliarden von Jahren — werden Einprägungen genannt. Ein Teil dieses zerstörerischen Materials wurde von Invasionstruppen einer alten innergalaktischen Konförderation, die auf dem Planeten Helotrobus basierte, auf die Erde gebracht. Sie hatten das Ziel, hypnotisierte Sklaven und Kolonisten herzustellen, indem sie es ihnen fast unmöglich machten, sich daran zu erinnern, daß ihnen ihre scheinbaren Ziele vorher eingepflanzt waren. Die meisten dieser eingeprägten Ziele sind jetzt durch Forschungsarbeiten mit dem E-Meter aufgespürt worden. Die Einprägungen sind übrigens sehr unterschiedlich ...
Helatrobus-Einprägungen: Vor 38,2 bis 52 Billionen Jahren
Flugzeug-Tür-Einprägungen: Vor 216 bis 315 Billionen Jahren
Die Gorilla-Ziele: Vor 319 bis 83 Billionen Jahren
Die Bären-Ziele: Vor 83 Sextillionen Jahren, bis vor etwa 40,7 Oktillionen Jahren
Die Lichtungs-Einprägungen (Früher: Schwarze Thetan-Einprägungen) Vor 40,7 Oktillionen bis vor 5,9 Dezillionen Jahren
Die unsichtbaren Bildziele: Vor 5,9 Dezillionen Jahren bis zu einem nicht mehr klar erkennbaren Datum
Die Günstlings-Einprägungen: Noch nicht bestimmt
Die Schöpfungsgeschichte-Einprägungen: Vor 70 Dezillionen Jahren
Das "Flugzeug-Ziel" ist in einem vorgetäuschten Flugzeugrumpf eingeprägt worden, wobei der Thetan vor einer Flugzeugtür angebunden war. Die "Gorilla-Ziele" wurden in einem Rummelplatz mit einem einzigen Tunnel, einer Rollschuh-Bahn und einem Riesenrad eingeprägt. Das Symbol eines Gorilla war immer dort vorhanden, wo das entsprechende Ziel eingeprägt wurde. Manchmal wurde ein schwarzer Gorilla außerhalb des Rummelplatzes gesehen. Ein mechanischer oder ein lebendiger Gorilla wurde immer innerhalb des Rummelplatzes gesehen. Diese Aktivitäten wurden von den Hoipolloi ausgeführt, einer Gruppe, die sich in Gesellschaften mit Körpern aus Fleisch aufhielten. Es waren typische Fleischfresser. Sie gaben Konzessionen für diese angeblichen Rummelplätze aus. Ein rotgestreiftes weißes Hemd mit Ärmelhaltern war die Uniform der Hoipolloi. Solche Figuren fuhren oft auf den Auto-Scootern. Bei den Wagen wurden auch Affen verwendet. Manchmal gehörten auch Elefanten dazu. Die Hoipolloi- oder Gorilla-Ziele wurden in phantastischem Tempo eingeprägt. Dabei wurden sowohl reine Stromstöße als auch Explosionen verwendet. Die "Schwarzer Thetan-Ziele" wurden auf einer Lichtung eingeprägt, die von steinernen Köpfen Schwarzer Thetanen umgeben war, die wiederum weiße Energie auf den gefangenen Thetan spien. Der Gefangene Thetan war ohne Bewegung.
 
 
 
 

Bruce

Meine Zimmergenossen zogen aus, um in der Stadt ein Apartment zu mieten. Eins der Betten wurde sofort mit einem unglücklich aussehenden Mann in den frühen Vierzigern belegt, der ständig das Abzeichen mit der Aufschrift "Ich bin beim Power-Prozeß. Stellt mir keine Fragen, auditiert mich nicht und diskutiert meinen Fall nicht mit mir!" trug.

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Bruce Perkins war ein kurzwüchsiger Engländer mit schweren, hängenden Schultern, einem sensiblen Schmollgesicht und dicken Brillengläsern. Zugunsten der Scientology hatte er seine Ehe aufgegeben, nachdem er sich das Geld dafür auf Baustellen unter der heißen Sonne Afrikas und des Nahen Ostens verdient hatte. Bis jetzt aber hatte er den Power-Prozeß nicht einmal begonnen. Er hatte eine Review-Sitzung nach der anderen absolviert und ständig ARC-Brüche erlebt. Wie er mir sagte, wurde er von der Organisation an der Nase herumgeführt. Wenn sich die Dinge gerade ein wenig einzuspielen begännen, bekomme er einen gemeinen Brief von seiner ehemaligen Frau, was seine Nadel auf der Skala festrasten lasse; das wiederum mache weitere Review-Sitzungen erforderlich, wodurch es zu neuerlichen ARC-Brüchen komme, usw. usw. Bei alledem quäle ihn sehr, daß immer dann, wenn er mit einem Auditor ein erträgliches Verhältnis erreicht habe, ihm bei nächster Gelegenheit ein neuer aufgezwungen werde. Seine Mittel seien nahezu erschöpft und er denke daran, seinen Wagen zu verkaufen. Er glaubte noch immer, daß die Scientology seine letzte Hoffnung auf der Welt sei, so groß seine Zweifel und sein Groll auch waren. Ich gab mich als verständnisvoller Kamerad und sagte ihm, er solle durchhalten und seinen Power-Prozeß zu Ende bringen. Ich hatte Angst, Bruce könnte über seinen Fall reden. Jedesmal wenn er Einzelheiten von den Review-Sitzungen erwähnen wollte, mußte ich ihn zum Schweigen bringen; er verriet ohnehin schon viel zu viel. Das Abzeichen, das er Tag und Nacht tragen mußte, machte mich nervös. Ich hatte Mitleid mit ihm, befürchtete aber, ich könnte das Verbot vergessen und ihm eine Frage stellen. Manchmal blieb mir fast das Herz stehen, wenn mir aufging, daß ich wieder das Verbot übertreten hatte. Beim Frühstück hatte ich ihn zum Beispiel gefragt: "Möchtest du noch Kaffee?" Gewiß war diese Frage nicht schädlich, aber immerhin verbot das Abzeichen jede Frage. Sicher gab es einen Grund dafür. Ich war ungehorsam gewesen und mußte künftig noch vorsichtiger sein.
Als ich am gleichen Abend zum Schlafen nach oben kam, saß Bruce auf seinem Bett und spielte unentschlossen auf seiner Gitarre. Er sagte mir, er fühle sich ständig frustriert, weil er weder Musik machen noch sich sonst irgendwie ausdrücken könne. Dann unterhielt er mich länger als eine Stunde lang mit Geschichten über sein Leben in Afrika. Er war durchaus ein Mann, der sich ausdrücken konnte, auch wenn er es selbst nicht wußte.

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Die Innen-Struktur des Geistes

Dieses Werk beruht auf ehrlicher Forschung, die mit beachtlicher Sorgfalt ausgeführt worden ist.
L. RON HUBBARD
Schließlich war ich so weit, L. Ron in voller Aktion zu sehen, und zwar in seinem Film über den reaktiven Geist. Da war das vertraute Gesicht mit den Hamsterbacken leibhaftig auf der Leinwand. Am Ende jedes Satzes kam ein schnelles Lächeln, als erlaube sich Hubbard einen Scherz über die Barbaren-Welt, wenn er uns seine Geheimnisse verriet. Er stand hinter einem Töpfertisch, auf dem ein Modell stand, das einer ganzen Kette von Booten glich; jedes von ihnen trug etwa zwölf Tonkugeln, die jeweils in zwei Reihen in dem Boot lagen. Er erklärte die Einzelheiten seines Modells, wobei er zuweilen auf Details hinwies, die ich aber nur unvollkommen mitbekam ...

Wir werden euch jetzt die Innen-Struktur des reaktiven Geistes vorführen. Sein Kern ist die R6 Bank. Sie ist von Engrammen und Secondarien umgeben, die ausgelöscht werden müssen, um an den Kern heranzukommen. Und woraus besteht die R6 Bank? Ihr werdet erstaunt sein, wenn ihr hört, daß es eine Gruppe von Worten ist, die GPMs (Goals, Problems, Mass = Ziele, Probleme, Masse) heißen. Ihr Zweck ist es, einen Thetan zu verwirren. Sie sind die Ursache seines Irrweges. Der Inhalt der R6 Bank sind also verfälschte stabile Daten.
Bei diesem Demo (= Modell) ist jedes dieser schiffsähnlichen Objekte ein GPM, und die Tonkugeln darauf sind seine verbalen Inhalte. Diese Phrasen basieren auf dem elektromagnetischen Prinzip der Plus- und Minus-Spannung. Auf der einen Seite des GPM sind die positiven Phrasen, auf der anderen die negativen; beide gehören paarweise zusammen. Mehr darüber später. Hier seht ihr ein erstaunliches Phänomen: Der reaktive Geist ist nicht ein chaotischer Flickwerk-Dschungel von Worten und Emotionen, sondern eher eine exakte Ordnung von Begriffen, die bei jedem Menschen gleich sind. Ganz ähnlich ist es mit der Zeit-Spur. Die Präzision, mit der der reaktive Geist zusammengesetzt wurde, ist unglaublich.
Glaubt nicht, es sei leicht gewesen, das alles zu erforschen. Wir mußten die genaue Zahl der GPMs feststellen; natürlich auch die genaue Zahl der RIs oder Reliable Items (= verläßliche Einzelheiten), das sind die verschiedenen Begriffe, die zu einem GPM gehören. Die RIs blieben lange unentdeckt. Ebenso die Tatsache, daß die GPMs Masse und Bedeutung enthalten, ferner, daß die Bank Masse und Gewicht hat und einen Raum etwa fünfzehn Fuß vor dem Preclear ausfüllt. Wenn man sich einen Moment überlegt, daß dies alles den Psychiatern entgangen ist, dann wundert man sich ... und wundert sich ...
In seinem Film hatte Hubbard nicht erwähnt, wieviele GPMs es in der Bank gab. Auch die Bulletins gaben keine einzelne Zahl an, die verschiedenen Ziffern gingen von eins bis dreihundert. Die Anzahl der RIs in einem GPM lag ebenfalls im Verborgenen. Hinzu kam, daß die

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Prozesse R2 und R3 ohne jede Erklärung erwähnt wurden. Ferner begannen Diagramme aufzutauchen, die sich aus ungewöhnlichen Verbformen zusammensetzten, aus nie gehörten Worten mit der Endung NESS (=-heit). Diese NESS-Worte bedeuteten die Ziele. Davon gab es Hunderte, die durch Kreuz- und Quer-Linien verbunden waren, mit Kreuzungen, wo die Plus-Ziele zu Minus wurden. An beiden Enden jedes Diagramms war etwas, was sich Opposition Terminal (= etwa: Gegensätzliches Endstück) nannte, gesetzt.
Ich las Seite nach Seite voll dieser Verben, die in diese seltsamen Nomen verwandelt waren. Es war ein alptraumhaftes Wortspiel. Ron hatte uns gesagt, daß die Struktur der Bank in jedem Menschen gleichförmig sei; sie sei ein Teil unseres eigenen Geistes, den wir ausradieren sollten. Ich verbrachte viele Abende damit, hinter das Ganze zu kommen. Aber es war hoffnungslos, meine Mühen brachten mir außer heftigen Kopfschmerzen nichts ein.
Zwei Damen aus Dänemark, die den Solo-Kurs eben begonnen hatten, baten mich, sie über ihre Kenntnisse der Tonbänder abzuhören. Sie holten mich eines Abends in ihrem Wagen im Fyfield Manor ab und brachten mich zu ihrem Hotel in der Stadt, wo sie mich zu einem Abendessen mit Steaks und Wein einluden. Wir kamen in Stimmung und waren bald ein wenig angeheitert. Schließlich gingen wir nach oben in ihr Zimmer, damit ich sie abfragen konnte. Die Hübschere von beiden war auch die Intelligentere; mit ihr kam ich schnell zu Rande. Die andere sprach nur wenig Englisch und reagierte langsam. Sie konnte Rons Definitionen nicht genau wiedergeben, sie wußte auch nicht mehr, welche sich in welchem Tonband fand. Ich machte es ihr so leicht wie möglich, praktisch sagte ich ihr die richtigen Worte vor. Trotzdem kam sie nicht mit.
Ich wurde ungeduldig. Meine Stimme begann erregt zu klingen, während ich versuchte, sie auf die richtigen Antworten zu stoßen. Doch während ich auf sie einhämmerte, bemerkte ich, wie sehr sie sich aufregte und durch meine Fragen durcheinander gebracht wurde. Ihre Augen wurden glasig, ihre rosigen Wangen blaß, mir ging auf, was ich ihr antat. "Machen wir eine Pause", sagte ich. Wir drei schauten uns verlegen an. "Ich hätte Sie liebend gern bestehen lassen", sagte ich grausam, "aber ich wäre kein guter Trainer, wenn ich Sie mit den falschen Antworten durchkommen ließe!"

Das R6 EW Material
R6 EW ist der Prozeß, durch den man ein Grad VI Release wird. Er bereitet einen darauf vor, den unter hoher Spannung stehenden Kern der Bank während des Clear-Kurses anzugehen, ohne sich selbst zu gefährden.
R6 EW nimmt die meiste Spannung von den EWs fort. Nun enthält jede Phrase

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oder Jedes RI in einem GPM einen Infinitiv oder ein Verb und ein Nomen. Dies Nomen oder das Objekt des Infinitivs heißt End-Wort oder EW. Das EW ist der weniger hoch geladene Teil des RI, da es nur ein EW pro GPM gibt. Aber das Verb kann in mehreren oder in allen GPMs vorkommen. Damit ist es stärker geladen und würde ganze Teile der Zeit-Spur in Unordnung bringen, wenn es restimuliert (= wieder in Kraft gesetzt) würde. Daher haben wir uns mit den Solo-Kurs-Materialien große Mühe gegeben, um jedes Restim von stark geladenen Worten in der R6 Bank zu vermeiden, was euch hinsichtlich eurer GPMs durcheinander bringen würde.
Wenn du deinen E-Meter aufgestellt hast und deine Formulare zurecht gelegt sind, nimm die Einzel-Büchse in eine Hand, den Kugelschreiber in die andere. Dann stelle dir selbst die Frage: "Was dramatisiere ich gerade?" Die Antwort muß in einem Nomen, dem EW bestehen. Falls es kein Nomen ist, füge -heit hinzu. Falls dir zum Beispiel einfällt, daß du "ein Junge sein" dramatisierst, dann konstruiere das Wort "Jungenheit" oder "Jungenhaftigkeit" oder so ähnlich. Falls das eins deiner EWs ist, zeigt die Nadel eine Reaktion, wenn du es laut aussprichst.
Wenn du ein EW gefunden hast, trag es auf eine kleine Karteikarte ein, ebenso, wie die Nadel reagiert hat. Dann mußt du das entgegengesetze Wort finden. Alle EWs kommen paarweise vor, plus und minus, es sind Dichotomien wie Langheit und Kurzheit. Notfalls darf das Wort 'un' vorgestellt werden, um den gegensätzlichen Begriff zu finden: 'Un-Jungen-heit'. Wenn der Gegenbegriff durch Nadelreaktion gefunden und ein Paar zusammengestellt ist, wird es links von dem ersten Wort auf die Karte geschrieben. Darauf wird es noch einmal auf einer zweiten Karte registriert, komplett mit Datum, Nadelreaktion und dem ersten EW. Die zweite Karte wird dann auf die erste gelegt und beide werden mit einer Büroklammer zusammengeheftet. Das ganze Verfahren ist ohne jeden doppelten Boden. Man muß nur ein EW und sein Gegenteil nach dem anderen suchen, wobei man ein Wörterbuch oder ein Synonymlexikon benutzen kann, falls das notwendig ist. Anschließend registriert man sie auf Karteikarten und legt jedes zusammengeheftete Paar auf den wachsenden Stoß von Karten. Das ist der ganze Prozeß: EW-Paare suchen. Es können hunderte werden.
Grübelt nicht über R6 EW, bevor ihr soweit seid. Wenn ihr bemerkt, daß euch Dramatisierungen einfallen, sagt: "Das wär's" und beschäftigt euch damit weiter, woran ihr gerade gearbeitet habt. R6 EW wird allem körperlichem Leiden, dem ihr noch unterworfen sein mögt, ein Ende setzen. Es ist ein leichter Prozeß. Korrekt ausgeführt, ist es ein Spaziergang.
 
 
 

Zwillings-Prüfungen

Die Schüler formierten sich paarweise, zu sogenannten Prüfungszwillingen, um die mit einem Stern versehenen Bulletins gegenseitig abzuhören. Wenn man mit dem Kurs schnell fertig werden wollte, war es wichtig, einen guten Zwilling zu haben. Manche Schüler kamen gleich zum Kern der Sache, andere verloren sich in Trivialitäten, obgleich Hubbard im HCOB "Die Theorie der Prüfung" deutlich dazu ermahnt hatte, der Prüfer solle nur die wichtigsten Punkte herausgreifen, anhand deren er entscheiden könne, ob sein Partner das betreffen-

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de Dokument im ganzen verstanden habe. Die Klasse arbeitete auf Ehrenwort. Nach einer Prüfung schrieb der Prüfer das Datum und seine Initialen auf dem Prüfungsformular direkt neben das Tonband oder das Bulletin, um das es ging, und attestierte so, daß er seinen Zwilling examiniert hatte und daß er bei ihm hinreichendes Verständnis festgestellt habe.
Die Methode für die Durchführung der Prüfungen war genau vorgeschrieben, ähnlich den Vorschriften beim Auditieren selbst. Die TRs mußten "in" sein, und der Prüfer sagte "Stop!", wenn er aus irgendeinem Grund unterbrechen oder die Prüfung beenden wollte. Innerlich fand ich dieses Ritual unerträglich. Mit dem falschen Partner konnten die Prüfungen auf diese Weise zu einem Verhör dritten Grades werden. Der Prüfer konnte eine gründliche, sogar wortgetreue Kenntnis eines Bulletins verlangen, bis zur letzten mikroskopisch kleinen Fußnote. Bei den Schülern bestanden immer Zweifel, wieviel sie wissen sollten. Die meisten behielten ihre Unsicherheit für sich, aber einmal hörte ich eine Diskussion mit, ob man die Abschnitte in Großbuchstaben oder nur die numerierten Sätze auswendig können mußte. Man war sich wirklich nie sicher. An der Wand des Solo-Klassenzimmers hing ein Schild mit der Aufschrift: EINES TAGES KÖNNTE DIR RON BEGEGNEN UND DIR EINE FRAGE STELLEN!
Meine Verwirrung über dieses Labyrinth unzusammenhängenden Materials war so groß, daß ich mich damit abquälte, bis ich fast krank war. Die Sorgen wuchsen mir über den Kopf. Ich ertappte mich dabei, daß ich den Fortschritt im Kurs mit meiner Selbstachtung verknüpfte — genau wie die anderen Schüler — als ob mein innerer Wert davon abhinge, daß ich schnell durchkommen würde. Das war der Grund, weshalb mich die Bulletins so sehr quälten. Ich glaubte, es sei allein meine Schuld, daß ich meine Zeit nicht besser ausgenutzt hatte.
Ich vertiefte mich noch mehr als bisher in das Kontroll-Formular. Auch am Wochenende ging ich nirgends mehr hin. Weder nach London, um meine Freunde zu besuchen, noch nach Brighton, um den Ozean zu sehen. Ich hielt Fyfield Manor und seine Umgebung, die wundervolle Landschaft, die sich schachbrettartig zum Horizont erstreckte, für ein mir verschlossenes Paradies. Seit meiner Ankunft in England vor mehr als einem Monat hatte ich keine sexuelle Regung mehr verspürt, ich kam nicht einmal auf die Idee, mich mit einem der hübschen Scientology-Mädchen einzulassen; schon der Gedanke war mir zuwider. "Wenn das anhält, wenn ich wieder in New York bin, muß ich mir Sorgen machen", dachte ich mir.
Schließlich beschloß ich eines Sonntags, daß ich Abwechslung brauchte. Ich gönnte mir einen Spaziergang, um mir die Bäume um Fyfield

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Manor und die dahinter liegenden Felder anzuschauen. Ich erneuerte meine Bekanntschaft mit dem Flü gel im Wohnzimmer und entdeckte zu meiner Freude, daß ich immer noch spielen konnte. Richie begeisterte sich an meinem Arrangement eines Strauß-Walzers und war wieder freundlich zu mir. Er erzählte mir von seiner Heimat in Australien, wo Mädchen "Sheilas" hießen und die Ureinwohner "Boongs".

Die sommerliche Invasion neuer Schüler war inzwischen in vollem Gang. Vom Kontinent kamen viele Anfänger, um die von Schülern des Sonder-Kurses umsonst angebotenen Unteren Grade zu absolvieren. Fyfield Manor war bald überfüllt. Dort waren nicht nur viele Leute des Solo-Kurses untergebracht; es war auch ein Sammelplatz für Rekruten auf dem Wege zur Org-Jacht irgendwo im Mittelmeer. Eines Abends lagen nicht weniger als dreißig Menschen in Schlafsäcken oder auf Matratzen auf dem Boden des Wohnzimmers. Einige der regulären Bewohner waren über diese Zustände verärgert und beschwerten sich bei Ralph Wilkins. Die Ethik-Abteilung ließ einen Bericht über die Bedingungen in Fyfield Manor anfertigen und das Gesundheitsamt in East Grinstead stattete uns einen Besuch ab.

In Edinburgh war vor kurzem die "Advanced Org United Kingdom" (= Fortgeschrittene Organisation für das Vereinigte Königreich) etabliert worden, eine Entwicklung, die die gewohnte Spannung im Hill auf einen fast unerträglichen Gipfel trieb. Die AOUK wurde allein von See Org-Mitgliedern geleitet. Zwei ihrer weiß gekleideten weiblichen Angestellten gingen eines Tages durch das College, um Anzahlungen auf den Clear-Prozeß und die OT-Stufen einzutreiben. Die meisten Schüler schrieben sich bedenkenlos für das Clearen und für alle acht OT-Stufen ein, und leisteten auf der Stelle beträchtliche Anzahlungen. Auch ich unterschrieb für das ganze Paket, obwohl ich nur ein Clear und OT I werden wollte. (Es hieß nämlich, OT I sei ein unbedingtes Muß, um den Clear-Status zu stabilisieren). Während ich das Formular unterschrieb, versuchte ich, die See Org-Mitglieder möglichst gewinnend anzulächeln; seit neuestem war es mir ungeheuer wichtig, bei diesen Leuten gut angeschrieben zu sein.

Die See Org-Vertreterinnen machten uns auch mit der Vorschrift bekannt, daß jeder von uns pro Woche mehrere Werbebriefe abschicken müsse. Die blauen Luftpost-Umschläge dafür bekam man beim Instrukteur. Wir mußten die Briefe unverschlossen in einem Korb auf seinem Schreibtisch lassen. Ich fragte mich, ob die See Org-Leute sie lasen, um sich zu vergewissern, daß wir gebührenden Enthusiasmus zeigten. Ich hatte keine Schwierigkeiten, Leute zu finden, denen ich schreiben konnte. Ich hoffte, Umberto überreden zu können; ich schlug

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ihm vor, nach England zu kommen, noch bevor sein Urlaub zu Ende ging. Einem Freund, der an Yoga interessiert war, schrieb ich: "Mann! Du findest keine Erleuchtung, wenn du in der Lotus-Stellung auf einem Berggipfel sitzt. Komm nach Saint Hill. ES IST ALLES HIER!"

Auch an meine anderen New Yorker Freunde gingen solche Briefe. Ich beschwor sie, in der Agentur ihr Grad IV Release zu machen, damit sie ebenso wie ich Zeugen der vollkommenen Entschleierung aller Geheimnisse des Menschlichen Geistes werden könnten. In einem besonderen, in Fyfield Manor abgeschickten Brief beauftragte ich meinen Börsenmakler, die Hälfte meiner Aktien zu verkaufen, die Dollar in Pfund Sterling zu wechseln und sie nach Barclay's Bank in Edinburgh zu schicken, für den Fall, daß sich die Notwendigkeit ergab, über den Status des Clear hinaus weitere Stufen zu absolvieren.

Mein Prüfungszwilling war ein amerikanisches Mädchen, das ebenfalls in Fyfield Manor wohnte. Wir nahmen uns ein ganzes Wochenende für die Prüfung und absolvierten sie außerhalb des College im Schatten eines riesigen alten Baumes. Am ersten Tag gingen wir den größten Teil des Materials durch, das ich im Dianetic-Kurs gelernt hatte, unter anderem "Die Eigenschaften des Suppressiven". Ich hatte nichts mehr davon im Kopf und am späten Nachmittag hatten wir beide schreckliche Kopfschmerzen.

Am nächsten Tag kamen wir zum geheimen Material des R6 Pakets. Und während wir uns langsam durch die einzelnen Punkte hindurcharbeiteten, begannen wir, uns immer selbstbewußter und lebendiger zu fühlen. Als wir es geschafft hatten, ergriff uns ein Gefühl der Freiheit und Sicherheit, ein Wohlbefinden, das fast schon Ekstase war, weil wir den schwierigen Stoff schließlich doch gemeistert hatten. Wir standen auf, nahmen unsere Aktentaschen und gingen den Pfad durch die prächtigen Wiesen zurück. So hatte ich mich in meinem ganzen Leben noch nicht gefühlt: Mein Körper war ein Instrument, das ich völlig kontrollierte, mit dem ich voranschritt, wie es mir gefiel. Ich nahm die Brille ab und freute mich an den kleinen bunten Blumen zu unseren Füßen, meine Augen schienen bei jedem Schritt schärfer zu sehen, und ich sprach mit meiner Begleiterin mit einer Stimme, die eine Oktave tiefer als gewöhnlich klang. Damals wußte ich: DAS WAR ES! Und diese Worte durchstömten mein ganzes Wesen: Gott, ein Clear muß sich genauso fühlen ... für immer!

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Albert Albert

Ein völlig irrer Thetan ist weit mehr bei Sinnen, als ein normaler Mensch. Aber das werdet ihr beim Auditieren selbst feststellen.
L. RON HUBBARD
Ein finster wirkender Mann von etwa fünfzig Jahren saß eines Abends mit uns am Eßtisch. Er war ein PTS 3 (= eine mögliche Quelle von Schwierigkeiten des dritten Gefahren-Grades). Albert Albert hatte beim Clear-Kurs durchgedreht und war jetzt für 24 Stunden unter Beobachtung. Richie und zwei Mitglieder des Hill-Stabes paßten abwechselnd auf ihn auf. Im Gegensatz zu Sam Veach konnte man Albert nicht einen kooperationswilligen PTS 3 nennen. Er saß still am Tisch, ohne jemanden anzureden oder anzuschauen. Sein Gesicht zeigte einen Ausdruck von geradezu transzendentaler Selbstzufriedenheit, als ob er der Welt um ihn herum voller Trotz erklären wollte: "Ich war von Anfang an im Recht."

Es hieß, Albert Albert wolle nach Amerika zurück reisen, könne sich aber nicht entschließen, Fyfield Manor zu verlassen. Ralph hatte verzweifelt versucht, ihn zum Umzug in ein Hotel in der Stadt zu über- reden. Ralph war es leid, daß die Organisation ihm Leute auf zwang, mit denen sie nichts anfangen konnte. Auch die Bewohner des Manor hatten es satt, daß ihre Unterkunft ein Sammelplatz für PTS 3 Leute wurde.

Nach dem Essen saß ich mit einigen OT VI Leuten in der Küche, während sich Richie auf dem Korridor aufhielt, um Alberts Türe im Auge zu haben.

Erstmals hörte ich von der "Feuerwand" reden. Diesen Beinamen hatte man dem OT III Prozeß gegeben. Olga O'Brian und Mike Glassmann waren gut und schnell durch diese Gefahr hindurch gekommen, als sie den Prozeß auf der See Org-Jacht absolvierten. "Es war wie ein Drahtseilakt über einem Feuerschlund", sagte Olga.
"Ein Ausrutscher und man verbrennt darin."
"Der Prozeß, den wir absolvieren mußten, war schon eine harmlosere Version", sagte Mike. "Ron hat den ursprünglichen überarbeitet, weil dabei zu viele Leute ausgeflippt sind. Vielleicht ist Albert Albert in so etwas aus Stufe III hineingeraten ..."
Schließlich hatte Ralph den Wagen vorgefahren, um Albert in die Stadt zu fahren. Aber es gelang ihm nicht, den kranken Mann dazu zu überreden, sein Zimmer zu verlassen. Selbstbewußt marschierte Mike durch den Flur und gab Albert Kommandos im sogenannten

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"Ton 40", wie sie Auditoren gebrauchen, wenn sie ihre äußerste Entschlossenheit ausdrücken wollen. Doch das machte keinen Eindruck. Olga versuchte es auf die sanfte weibliche Tour. Aber nichts auf der Welt konnte Albert in den Wagen bringen. Keiner von uns wollte Gewalt gegen einen Irren anwenden, obwohl Richie für den Notfall einen dicken Knüppel bei sich trug. Richie hatte rotgeränderte Augen. Er war nach zwei durchwachten Nächten ziemlich nervös. Er glaubte, Albert und die ganze Organisation hätten es auf ihn abgesehen. Am nächsten Morgen sagte man mir, Albert habe Fyfield Manor freiwillig in einem Taxi verlassen. Ich hörte nie wieder von ihm.
 
 
 
 

Angst

Zum Abschluß des theoretischen Teils schrieb das Kontroll-Formular vor, daß wir Ton-Demos des R6-Prozesses anfertigen mußten. Diese Modelle sollten das Verständnis für das Konzept in geradezu magischer Weise verbessern. Leider nicht für mich. Eine verbale Darstellung wäre mir lieber gewesen. Trotzdem war es ein wohltuendes Gefühl, mal eine Zeitlang stehen und mit dem feuchten Ton herumspielen zu können. Wir mußten Modelle eines GPM (= Goals, Problems, Mass: Ziele, Probleme, Masse) anfertigen. Die Resultate waren jeweils dem Modell von Ron in dem Film bemerkenswert ähnlich: Tonkugeln auf einem Boot.

Als ich gerade beim Modellieren war, fiel mir etwas aus Hubbards Bulletins ein. Es ließ mir keine Ruhe. War es eine Bär- oder eine Gorilla-Einprägung, gar eine Spinne?

Ich verließ den Töpfertisch und blätterte die Pakete E bis H nochmals durch. Falls ich das richtige Bulletin fände und den Text einige Male läse, würde es mich nicht mehr beschweren. Doch ich fand es nicht. Einigermaßen nervös kehrte ich zu den Tonfiguren zurück. Um EWs darzustellen, rollte ich zwei männliche Figuren aus, eine stehende mit dem Schild "Stehend-heit", und eine liegende, "Liegend-heit". Ich gab dem Instrukteur ein Zeichen, daß ich ein Demo zur Inspektion fertig hätte. Nach einem Blick auf die Schildchen brauste er auf: "Mann Gottes, das sind stark geladene restimulierende Worte! Gebrauchen Sie doch mal Ihren Verstand. Lassen Sie ja nicht noch einmal gefährliches Material wie dieses herumliegen!" An jenem Nachmittag wurde ich krank. Der Töpfertisch stand im Zug. Ich fühlte mich heiß und fiebrig, und um sechs Uhr hatte Ich nur noch den Wunsch, ins Bett zu kommen.

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Ich erwachte früh am nächsten Morgen und konnte nicht mehr ein schlafen. Ein böser Geist hielt mich wach und zwang mich, über die bevorstehende Solo-Audition zu grübeln. Ich lag zitternd unter der Decke und dachte an all die Wörter, die ich dramatisieren mußte. Einige der Worte endeten auf -heit. Zum Beispiel "Unzufrieden-heit". Schon seit Monaten saß ich nun in Sussex fest, weitere Monate des Lernens würden vermutlich noch folgen, in denen ich mich von den Straßen der Städte und von meinen alten Freunden fern halten mußte, erheblichen Unbequemlichkeiten unterworfen, außerdem einer strengen Disziplin, die mir keine Zeit für mich selbst übrig ließ. Während meines Aufenthaltes hatte ich mir alles versagt, was für mich zum Leben gehörte, sozusagen als Test meiner Entschlossenheit. Während ich jetzt im kalten Morgenlicht darüber nachdachte, wurde mir bewußt, wie einsam mein Leben hier war. Allmählich erhellte die aufgehende Sonne das Zimmer, in den Baumwipfeln lärmten die Vögel. In diesem Moment durchlief ein Zittern wie ein Stromstoß meinen Leib: es war pure Angst. Der Schock hüllte mich ein, das Gefühl der naßgeschwitzten Decke an meinen Beinen war mir zuwider. Der scharfe antiseptische Geruch der englischen Seife auf dem Fensterbrett stieg mir in die Nase. Das schrille Geräusch eines elektrischen Rasierapparates im Raum unter mir störte mich. Zusammengenommen paßten alle diese Widerwärtigkeiten zu der primitiven Furcht, die aus der Bank meines reaktiven Geistes auf mich hernieder stürzte.

Ich wollte rauchen, im Aschenbecher stöberte ich nach einer Zigarettenkippe. Dann versuchte ich noch einmal zu schlafen. Schließlich ging ich nach unten, in der Hoffnung, im Wohnzimmer ungeleerte Aschenbecher zu finden. Um sechs zog ich mich an und machte mir eine Tasse Tee. Nachdem ich jetzt völlig aufgewacht war, wurde mir der Grund für meine Sorgen deutlich. Ich war dem reaktiven Geist dicht auf der Spur, fast berührte ich schon seinen Kern, und die gefährliche Kluft lag direkt unter mir. Schon mehrfach hatte ich den Ausdruck: "Den Tiger bekämpfen" gehört. Jetzt ging mir auf, was dieser Ausdruck bedeutete: ich bekämpfte den Tiger des reaktiven Geistes. Ron vertrat die Ansicht, ein Thetan sei im Prinzip stärker als die Bank. Vielleicht würde es sehr anstrengend sein, während des Solo Auditierens mit wenig Schlaf auszukommen, aber schließlich würde ich die Krallen des Biestes ausreißen und meine Angst besiegen.

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Vor der Solo-Audition

Im Laufe des gleichen Tages erhielt ich die Erlaubnis des Instrukteurs, zum Büro für Zeugnisse und Belohnungen zu gehen, und mir attestieren zu lassen, daß ich das notwendige Wissen über die zum theoretischen Teil des Solo-Kurses gehörenden Tonbänder und Bulletins hatte. Der Termin, an dem das Attest erteilt worden war, wurde in meinem Kontroll-Formular festgehalten, und ich erhielt ein Zeugnis, aus dem hervorging, daß Ich qualifiziert war, mit den praktischen Übungen zu beginnen. Ein Teil der auf dem Kontroll-Formular aufgeführten Übungen war mir aus dem Dianetic-Kurs schon vertraut. Darunter die TRs und die ersten der insgesamt 27 E-Meter-Übungen. Offenbar war es ihr Schicksal, auf jedem Kontroll-Formular bei jedem Scientology-Kurs wieder aufzutauchen. Ich fand schnell einen Partner und wir saßen uns bald an einem Tisch gegenüber, sahen uns gemäß TR 0 an und waren "einfach da".

Edward Douglas, der australische OT I, der in Fyfield Manor wohnte, war berühmt wegen seines TR 0. Ich überredete ihn, mir eine Nachhilfe-Stunde gleich nach dem Abendessen zu geben. Er nahm mich mit in sein Zimmer und verschloß die Tür. Wir plazierten Bücher, Lampen und Koffer so, daß wir einen Tisch und zwei Stühle in der richtigen Auditionsposition aufstellen konnten. Ich schaute genau zu, als Edward feierlich durch das Zimmer lief und alles vorbereitete. Als nächstes stellte er den E-Meter überpräzis auf, eine Angewohnheit, die er während seines jahrelangen Trainings angenommen hatte. Dabei wurde der Meter nicht einmal gebraucht, aber er gab der Übung die Atmosphäre einer Auditionssitzung.

Edwards TR 0 beeindruckte mich. Er verzichtete auf den "Stierkampf" und er konzentrierte sich darauf, mich in schweigender Kommunikation mit sich zu halten.

"Falsch, Sie haben mich mit Ihrem linken Ohr konfrontiert", sagte er etwa, oder: "Falsch, Sie haben Ihr Wesen aus dem Zimmer verschwinden lassen."

Ich fragte ihn, was diese Korrekturen bedeuteten. Er erklärte mir, daß er — wann immer er bemerke, daß sich meine Aufmerksamkeit einem Teil meines Körpers oder einem anderen Gegenstand zuwende — verpflichtet sei, mich darauf aufmerksam zu machen. "Die fehlende Konzentration beruht nicht auf mangelnder Aufmerksamkeit des Thetan, sondern auf dem Verhalten des reaktiven Geistes", fügte er hinzu. "Mein Ziel beim TR 0 ist es, Sie in die Gegenwart zu holen. Sie müssen mich nur mit sich selbst und mit sonst nichts konfrontieren." Mein Partner im Kurs war ein Mann, der gut zu mir paßte. Eigentlich

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kam er aus Ost-Texas, jetzt war er Mitglied der Org an der Westküste. Er hatte Heimweh nach seiner Familie in den Staaten und fand wie ich — nicht genügend Schlaf. Da wir beide an nichts anderes dachten, als den Kurs abzuschließen, einigten wir uns, jeden Abend und an den Wochenenden zusammenzukommen; wir wollten uns bemühen, die dazu erforderlichen Mitfahrgelegenheiten zum College gemeinsam zu erkunden. Ich konnte von Glück sagen, daß mein Partner mich die ersten E-Meter-Übungen nicht unzählige Male wiederholen ließ, bevor er sie mir quittierte. Es versetzte mich ohnehin in Ärger, daß ich Übung Nr. l überhaupt durchführen mußte. "Berühre den E-Meter und lasse ihn wieder los", so lautete die Instruktion. Übung Nr. 2, "Sich mit dem E-Meter vertraut machen", bestand aus einer nicht enden wollenden Serie von Kommandos zum Bedienen der Knöpfe, die wiederholt, werden mußten, bis der Schüler sie völlig fehlerlos ausführen konnte. Eine ganze Stunde verbrachten wir mit einer Übung, bei der der Trainer den Auftrag hatte "zu stöhnen, zu gähnen, tief zu atmen, zu husten, zu lachen, die Hände zu bewegen, sich zu krümmen, sich auf dem Stuhl herumzuwerfen, sich zu entspannen, oder die Elektroden fest anzufassen, die Füße zu bewegen oder sonst die Körperhaltung zu verändern". Der Zweck dieser Übung war, uns beizubringen, daß wir zwischen E-Meter Reaktionen, die durch Körperbewegungen und solchen, die durch die Bank des Preclear verursacht wurden, unterscheiden konnten. Die Nervosität des Schülers steigerte sich noch erheblich, wenn er bei Nr. 12 anlangte, einer Übung, in der er die verschiedenen Arten von Nadel-Reaktionen unterscheiden lernen mußte. Jede Veränderung im Verhalten der Nadel gilt als Nadel-Reaktion. Das kann eine stehende Nadel sein, die sich plötzlich zu bewegen beginnt, eine sich bewegende Nadel, die stehen bleibt, oder eine Veränderung in der Richtung oder im Tempo einer sich bewegenden Nadel. Es ist nicht einfach, Schlüsse aus solchen Nadel-Reaktionen zu ziehen Während einer Auditions-Sitzung ergeben sich die Reaktionen infolge von Auditions-Fragen oder durch die Punkte auf den Listen. Um authentisch zu sein, muß die Reaktion genau am Ende der letzten Silbe erfolgen. Jede Reaktion davor gilt als verfrüht und jede danach als verspätet. Außerdem muß man sich immer bemühen, die schon erwähnten Körperreaktionen zu vermeiden. Da die leichteste Abweichung im Verhalten der Nadel ein echte Reaktion andeuten kann, etwa wenn die Nadel während einer Frage oder eines Satzes schon wild tickt, ist es oft unmöglich, genau festzustellen, ob sich die Reaktion direkt nach der letzten Silbe ereignet hat. Darüberhinaus gibt es

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18 Arten von Nadelreaktionen, mit denen man vertraut sein muß, und von denen einige sich mit anderen zu überlappen oder überflüssig zu sein scheinen: "Steckenbleiben, Null, Fallen, Veränderung der Charakteristik, Steigen, Thetasprung, Schaukel-Ende, freie Nadel, Position vier, Raketen-Reaktion, Saubere Nadel, Schmutzige Nadel, Ticken, Schnelles Steigen, Schnelles Fallen, Langsames Steigen, Langsames Fallen, Stoppen."

1. Fallen: Verluste; Lügen; gegenwärtige Probleme; Festgefahrenes; fehlende Übereinstimmung mit einer Realität.
2. Steigen: Ausweichen; ein ARC-Bruch; Restimulation (= Wiederaufrühren eines Engramms); Unwirklichkeit; Furcht, die außerhalb der Sitzung entstanden ist; Ver-antwortungslosigkeit; Identifizierung; Abwesenheit; Zerstreuung und Verwirrung.
3. Steckenbleibende Nadel: Betrug; Ärger, gestoppt oder stoppend; Haß; fixierte Aufmerksamkeit; versagte Hilfe; verweigerte Hilfe; Entsetzen und Versagen.
4. Thetasprung: Aus dem Körper sein; Wirkungen; Wunsch, etwas zu verlassen; heftige Verletzungen und Schocks.
5. Schaukel-Ende: Die Bereitschaft, ein Overt zu begehen (= falsche Meinung, einen verborgenen Akt zu begehen).
6. Keine Reaktion: Alles, was destimuliert (= beruhigt); oder entladen wurde; oder was inaktiv ist.
7. Änderung der Charakteristik: Jeder der obengenannten Punkte.
8. Ein freie Nadel: Sie wird im Wege des Eliminierens demonstriert. Wenn der angehende Auditor in der Lage war, alle obengenannten Nadelreaktionen zu bewirken, dann war die Nadel keine "freie Nadel".

Um diese Reaktionen zu erzielen, benutzen die Schüler eine Liste von Scientology-Fachausdrücken und die Namen oder Abkürzungen von Abteilungen der Scientology-Organisation. Hubbards Name ist dabei eingeschlossen und der seiner Frau, Mary Sue, die an Bedeutung gleich nach ihm kommt. Jede Spannung bei diesen Reizworten können ein Zusammenfließen der Reaktionen bewirken. Das wird eine schmutzige Nadel genannt und stellt sich als ein Netz kleiner Nadelausschläge dar. Eine schmutzige Nadel kann auch alles Mögliche sonst bedeuten, angefangen bei einem massiven ARC-Bruch bis zu einer Fliege, die um das Gesicht des Preclear herumsummt, oder wenn er sich ärgert, weil der Toast beim Frühstück ein wenig angebrannt war. Wenn eine schmutzige Nadel nicht saubergemacht wird, indem man aufdeckt, was sie verursacht hat, dann steigt sie langsam auf die linke Seite der Skala. Das wiederum erfordert ein Nachstellen des Tonknopfes nach rechts, um die Nadel zu zentrieren. Dadurch werden auf der Stimmungsskala die Punkte vier und fünf überschritten. Dann setzt sich die Nadel, das heißt, sie bleibt stehen oder zittert in millimetergroßen Ausschlägen wie das Klopfen eines bloßgelegten Nervenendes. Wenn andererseits die Nadel extrem nach rechts ausschlägt und dort stehen-

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bleibt, als ob sie aus der Skala fallen wollte, dann bedeutet das, daß viel Spannung aus der reaktiven Bank abgelassen worden ist. Ein kräftiges Nachstellen des Tonknopfes nach links wird dann erforderlich, um die Nadel wiederum zu zentrieren. Das wird als "blowdown" bezeichnet. Preclears haben oft Erkenntnisse und schwebende Nadeln im Anschluß an ein solches Blowdown, vor allem dann, wenn es stark genug war, um auf der Stimmungsskala die Anzeige von vier oder mehr in die Gegend zwischen zwei und drei zu senken. Diese Ziffern auf der Skala für die Stimmungsanzeige heißen TA. Man hat einen hohen oder niedrigen TA, je nachdem, wieviel Restimulation vorhanden ist. Schlechte TRs — schlechte Manieren des Auditors — lassen den TA bis zur Ziffer fünf oder noch weiter steigen. Ein Lächeln oder die richtige Frage drückt es auf zweieinhalb zurück, den Punkt der Release. Während einer Auditionssitzung werden die TA-Reaktionen in den Formularen periodisch als Nachweis des Fortschritts notiert. Die Schüler, die ich beobachtete, neigten dazu, ihre TA-Reaktionen noch persönlicher aufzufassen, als eine schmutzige Nadel oder eine andere E-Meter-Reaktion. Sie assoziierten das mit ihrem augenblicklichen geistigen oder seelischen Zustand (vor allem, wie gut sie in der Scientology vorankamen). Hubbard betonte, es sei der Zweck eines bestimmten E-Meter-Drills, den Schülern beizubringen, daß "der E" Meter auf Gedanken und Ablehnung reagiert". Natürlich wollte niemand sich einer ablehnenden Haltung schuldig machen. Zusätzliche Spannung entstand durch das Wissen, daß wir beim Solo-Auditieren die Daten über Nadel- und Ton-Knopf-Reaktionen an uns selbst anwenden würden.

Jeden Morgen von drei Uhr an lag ich in absoluter Panik wach. Ein neues Symptom hatte sich bemerkbar gemacht: ein Schmerz, der durch meinen Kopf schoß und sich in einem Punkt hinter dem rechten Auge sammelte, wie Stiche mit einem Eispickel. Es erinnerte mich an Rons Beschreibungen von Engrammen, die vor der Geburt entstanden waren. Mein Grübeln über die Dramatisierungen wurde immer weitschweifiger: es paßt zu diesen Symptomen, zum Beispiel "Stechen-heit, Gespannt-heit". Ich versuchte, diesen Wahnsinn mit dem Trainingskommando "Das wär's" zu stoppen. Ich muß dieses Kommando dutzende Male jede Stunde wiederholt haben. Gelegentlich verließ ich das Bett, um nach Zigaretten zu suchen. Ich sehnte mich, daß es sieben Uhr wurde, weil um diese Zeit die Köchin Marilyn unten mit der Vorbereitung des Frühstücks begann. Sie arbeitete, um ihren Mann zu unterstützen, während er den Spezial-Kurs absolvierte. Sie war eine warmherzige und freundliche Frau, die einzige, mit der ich Lust hatte,

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über die eher unvernünftigen Handlungen der See Org-Besatzung zu reden, wobei ich meine Bemerkungen allerdings möglichst diskret und unbestimmt anbrachte. Ich sprach nicht vom Kampf gegen den Tiger, obgleich sie wußte, daß ich nicht gut schlief.

Beim Frühstück schluckte Edward Douglas jeden Morgen Vitamin E und eine große Pille, die GUK-Bombe genannt wurde. Vielleicht war es mein Fehler, daß ich diese Pillen nicht gleich genommen hatte. Ich entschloß mich, Edward über meine Schlaflosigkeit zu informieren und ihn um seinen Rat zu bitten. Er schien zu wissen, was ich durchzumachen hatte. "Das ist eine Falle", sagte er, dabei schaute er mir direkt in die Augen. "Die Bank liefert dir ein hartes Gefecht, damit sie nicht zerstört wird. Du bist schon nahe dran, mein Freund. Ich möchte zu gern dabei sein, wenn du clear wirst." Er lächelte und schlug mir auf die Schultern. "Man wird dich bis London Klavier spielen hören."

Ich fing an, mich immer stärker an Edward anzulehnen. Wenn wir uns trafen, tauschten wir bedeutungsvolle Blicke aus, lächelten und klopften uns auf die Schultern. Ich fühlte, daß mein Kampf ihm irgendwie half, mein endgültiger Erfolg würde auch für ihn ein Gewinn sein. Es machte mich traurig, daß ich das Geld für die oberen Stufen hatte, während er schwitzte und auf den Erlös aus dem Verkauf seines Hauses in Australien wartete. Hinzu kam, daß er allmählich taub wurde. Zwar war ich erstaunt, daß ein OT I in dieser Weise benachteiligt war, doch ich glaubte, daß er sein Gehör wiedererlangen würde, wenn er es sich leisten könnte, die Stufen OT II oder III zu absolvieren.

Auch von Max Dinmont ließ ich mir Trost spenden, dem OT VI, der mich morgens gewöhnlich zum College fuhr. Ihm sagte ich, wie schlecht es mir jeden Morgen ginge. Er lächelte und antwortete: "In Ordnung, Sie können also morgens nicht mehr schlafen." Das Lächeln war nicht restimulierend. Es schien auszudrücken: "Ich bin nicht befugt, dir zu sagen, was ich durchgemacht habe, bis ich meinen Weg zum Gipfel gegangen bin. Aber du darfst sicher sein, daß ich deine Situation verstehe. Ich lächle nur aufgrund meines Wissens über den Zustand, dem du dich jetzt näherst." Sein Lächeln wischte meine Sorgen sofort fast völlig fort. Arm in Arm gingen wir zum Wagen.

Als OT VI war Max ganz anders als Mike Glassman und Olga O'Brian. Eines Abends hörte ich nach dem Abendbrot zufällig einen Wortwechsel zwischen Mike und Max. "Könnten Sie nicht manchmal morgens warten, wenn Olga sich ein paar Sekunden verspätet, und sie zum Hill mitnehmen?" dröhnte Mike mit befehlsgewohnter Stimme.

"Ich fahre jeden Morgen genau um 8.40 Uhr los", sagte Max in einem

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ruhigeren, aber ebenfalls eindrucksvollen Ton. "Wenn sie unten ist, nehme ich sie gern mit. Wenn nicht, muß sie sich eine andere Fahrgelegenheit suchen."

"Kapiert!" bestätigte Mike. Jeder Satz der beiden war klar, genau umrissen und schneidend wie ein Torschuß. Ich konnte den Druck der "Energie und Masse", die durch das Eßzimmer geschleudert wurden förmlich spüren. Die Luft vibrierte von der Kraft dieser OT VII-1 Titanen, die — auch wenn sie alle Regeln einhielten, alle TRs und Bestätigungen — einander offen haßten. Ein anderer Vorfall in der gleichen Woche steigerte meine Bewunderung für Max noch mehr. Er mußte scharf bremsen, um in der Nähe des Saint Hill einen Zusammenstoß mit einem anderen Wagen zu vermeiden. Im gleichen Augenblick fuhr ihm ein dritter Wagen ins Heck. Ein kräftiger junger Mann steckte seinen zornroten Kopf durch Max" Fenster. "Ein bißchen unvorsichtig gebremst, was Chef?" Max wartete einige Sekunden, ließ die in den Worten mitschwingende Drohung verebben, und sagte dann sehr gelassen: "Das glaube ich nicht." Diese Bemerkung war so klar umrissen, so ohne jedes Drumherum, daß der junge Mann, mit einem Ausdruck wie eine vom Schlagbolzen getroffene Kuh, sich abwandte und zu seinem Wagen ging. Max war sehr menschlich, trotz seiner außerordentlichen OT-Qualitäten. Er liebte es, von seiner Tochter in Kalifornien zu erzählen, dem guten ARC, den er mit seinem Wagen hatte und von seinen früheren Experimenten mit Diäten und Fastenkuren.

Die meisten Schüler, die im Fyfield Manor wohnten, näherten sich, dem Solo Auditieren. Allgemein war man nervös beim Näherrücken dieses Kulminationspunktes von fleißigem Studium, Training und Seelen-Erforschung. Je näher der Zeitpunkt heranrückte, umso gespannter und nervöser wurden alle. Die letzte Strecke war fast mehr : als man ertragen konnte. Die äußeren Hüllen des gefährlichen Kerns der Bank waren gefallen — es war, als ob wir in Kollektiv-Wehen lägen, sagte ich mir. Viele waren krank. Keiner sprach viel darüber, aber aus zufälligen Bemerkungen konnte man sich viel zusammenreimen. Für die Krankheiten mußte es Gründe geben. Irgendwer war dafür verantwortlich: Rons Anweisungen waren nicht bis zum letzten ausgeführt worden und wir alle mußten darunter leiden. Vielleicht war es die schlechte Ethik von Ralph Wilkins. Fyfield Manor war von den PTS 3-Leuten angesteckt, vor allem von Albert Albert. Das Haus schien verwünscht. Viele grübelten mehr als früher über ihre Geldsorgen, da sie nun über OT III aufgeklärt waren. Vor uns lagen Dinge, zu schrecklich, um darüber zu reden, und viele, die nur nach England gekommen waren, um den Clear-Prozeß zu absolvieren, brauchten

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jetzt noch mehr Geld, um die Feuerwand zu riskieren und durch ihre Krankheit hindurchzubrechen.

Das Buch der E-Meter-Übungen" enthält eine Check-Liste. Ein Schüler geht die Liste durch, indem er die einzelnen Punkte seinem Partner vorliest, bis einer eine Nadel-Reaktion auslöst. Das ist der Punkt mit der stärksten Spannung. Es gibt Listen von Ländern, Bäumen, Früchten, Gemüse, Blumen, Kräutern, Tieren, Musikinstrumenten, ferner unangenehme Tiere wie Taranteln, Asseln, Tintenfischen, Hakenwürmern, Elefantenrüssel-Würmern. Der letzte Punkt machte mir Kummer; obgleich ich nie von einem solchen Wurm gehört hatte und bezweifelte, ob er im Lexikon stand, erzielte ich eine starke Nadel-Reaktion dabei.

Die letzte Übung heißt "Spur-Datieren." Die dabei angewandte Methode ist die Einklammerungstechnik. Der eine Schüler sagt zu dem, der die Büchsen in der Hand hat: "Ich werde das Jahr (...) einklammern. Ist das von Ihnen gewählte Datum größer oder kleiner als (...)?" Wenn er eine Nadel-Reaktion feststellt, weiß er, was von beidem gilt und kreist das gedachte Jahr immer mehr ein, wobei er immer kleinere Abstände wählt, bis er schließlich beim exakten Datum, der Stunde, der Minute und der Sekunde ankommt. Der Schüler, der den Auditor spielt, muß äußerst gewandt sein, wenn er die ein geklammerten Ziffern notiert, Nadel-Reaktionen feststellt, die korrekten Punkte markiert und das nächste Einklammern vorbereitet; bei alledem muß er seine TRs beibehalten. Zweck der Übung ist es, Daten früherer Existenzen erkennen zu lernen. Die Jahreszahlen in den Klammern gehen in die Billionen und Trillionen.
 
 
 
 

Gegensätze

MEST-Wesen — unfähig einen Theta Status in Abwesenheit von Dianetikern wieder zu erlangen, hassen Theta-Wesen.
L. RON HUBBARD
Die Nachbarschaft von East Grinstead könnte die Ursache der Krankheit sein. Bei einem Spaziergang durch die Stadt an meinem ersten Wochenende in Sussex beobachtete ich Scientologen auf der Hauptstraße, die den Einwohnern Bücher und Pamphlete entgegen hielten. Die meisten Bürger hielten die Scientologen für leicht gestört — mit ihren verschlossenen Aktentaschen, ihren Abzeichen ("Bitte stellt mir

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keine Fragen...") und ihren lästigen Werbemethoden. Die Scientologen ihrerseits waren ihnen auch nicht freundlich gesonnen. Sie verachteten die Bürger, nannten sie hinter ihrem Rücken Barbaren und etikettierten die ganze Stadt als suppressiv. Für einen Scientologen hatten solche Leute etwas korruptes und ansteckendes. Das Wort "suppressiv" hatte den Beigeschmack einer bösen Macht. Ich neigte dazu, solche Ansichten beiseite zu wischen. Die schlechten Wellen kamen nicht aus der Ferne, auch nicht von Leuten, die eins unter uns lebten. Die Quelle der Schwierigkeiten befand sich innerhalb der Mauern von Fyfield Manor selbst. Ich beobachtete die anderen. Es war einfach genug: Sie waren übernervös, hatten ihre Stimmungsskala sinken lassen und damit ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krankheilen. Bis zur Lösung ihres Problems durch den Solo-Auditionskurs ließen sie sich von ihrem reaktiven Geist überwältigen und schoben äußeren Kräften die Schuld für ihre Schwierigkeiten zu. Sie hatten wie Ron es nennen würde, eine Bank-Abmachung. Aber ich? Mir war. das ja bewußt, das konnte es also nicht sein, was mich krank machte. Vielleicht war es Edward.

Ein Freund und Bewunderer konnte einen weit tiefer in den Staub ziehen als der übelwollendste Feind. Etwas in unserer Beziehung war ungeklärt. Er wollte etwas von mir, und ich wußte nicht, was es war. Und jetzt, als ich mir erlaubte, darüber nachzudenken, erkannte ich daß sein Lächeln und sein bedeutungsvolles Starren in meine Augen hintersinnig waren. Er beschäftigte sich zu verbissen und zu ernst mit der Scientology, und das war etwas, das Ron auf gar keinen Fall wollte ... der fröhliche Ron, der sich gemütlich durch seine Tonbänder lachte. Es konnte gut sein, daß Edward etwas zu verbergen hatte. In Verbergen seiner suppressiven Tendenzen war er sehr geschickt, sein freundliches Gesicht war die Maske eines Teufels ...

Nach den praktischen Übungen waren wir auf uns selbst gestellt. Ich ließ mir die Übungen attestieren und begann mit der letzten Vorbereitung für das Solo-Auditieren: dem Anfertigen von Formularen für Auditor-Berichte. Der Auditor-Bericht enthält den Rahmen der Sitzung: die Namen des Preclear und des Auditors, das Datum, den jeweiligen Prozeß, den Zustand des Preclear, die Abstimmungs-Knopf-Anzeige zu Beginn der Sitzung und die in der letzten Sitzung erzielten Fortschritte. Nach dem Auditor-Kommando "Die Sitzung beginnt" geht man von dem Auditor-Bericht zu einem Arbeitsblatt über das eine detaillierte Übersicht über den Gehalt der Sitzung wiedergibt. Dort werden Blowdowns, schwebende Nadeln und Erkenntnisse festgehalten, ebenso alles, was der Preclear sagt, wobei man in diese

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Fall ja selbst der Preclear ist. Nach dem Ende der eigentlichen Sitzung nimmt man sich den Auditor-Bericht noch einmal vor. Die wichtigsten Vorgänge auf dem Arbeitsblatt werden auf dieses Formular übertragen, eingeschlossen eine Kennzeichnung des Zustandes des Preclears. Schließlich muß der Auditor noch einen zusammenfassenden Bericht schreiben, aus dem der Instrukteur mit einm Blick ersehen kann, was auf der Sitzung vor sich ging.

Der Instrukteur erklärte meine Formulare für in Ordnung und ließ mich Solo-Vorbereitungen machen. Sie umfaßten die Aufgabe, die eigene unsaubere Nadel rein zu machen, ferner das Bewältigen von Gegenwart-Problemen und von ARC-Brüchen. Damit hatte ich keine Schwierigkeiten. Um die Stimmungsskala-Anzeige, den TA, auf einen annehmbaren Punkt zu bringen, sagte ich: "Runter mit dir, du Miststück!" Sofort reagierte die Nadel mit einem langen Fallen nach rechts, wodurch der TA sofort von vier auf zweieinhalb absank, ein "Blowdown."

Während der Mittagspause sah ich einen Mann ohne Namensabzeichen in der Nähe des Schlosses. Ich erinnerte ihn an die entsprechende Anordnung. Er sagte: "Ich gehöre nicht hierher. Ich warte nur auf meine Mutter." Ich sagte nichts weiter. Ich hatte nicht gezögert, ihn anzusprechen, obwohl uns niemand beobachtete. Fürchtete ich Strafe oder war es Pflichtgefühl? Ich war nicht sicher. Ich berührte mein eigenes Namensschild. Seit mehreren Wochen hatte ich es ständig getragen. Ich hatte mich schon völlig angepaßt, aber ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Ich würde sowieso bald abreisen.

Um sechs Uhr an dem Morgen, an dem meine Solo-Audition begann, ging ich die Auffahrt zum Fyfield Manor hinunter. Das war besser als im Bett zu liegen und gegen die Panik anzukämpfen, die unbekannte Mächte in mir entstehen ließen. Auf beiden Seiten der Straße waren die riesigen Bäume, ruhig und friedlich, mit den Farbtupfen der Blüten, die sich in der Morgenluft wiegten. Autos und Lastwagen fuhren auf der Fernstraße nach London vorbei. Ich sah ihnen zu, wie sie über einem Hügel verschwanden. Einen Moment lang dachte ich an Flucht. Ich konnte meine Koffer packen und in zwanzig Minuten dort drüben sein, um nach London zu trampen. Niemand würde mich aufhalten. Statt dessen kehrte ich um und ging langsam zum Manor zurück.

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Solo auditieren

Nach dem Frühstück blieb ich zurück, um allein mit meinem E-Meter zu sein. Nachdem alle fort waren, ging ich nach oben in mein Zimmer, verschloß die Tür und legte mir alle notwendigen Dinge zurecht, wie ich es mir so oft vorgestellt hatte. Bericht-Formulare und Arbeitsblätter wurden auf die eine Seite des Pultes neben den E-Meter gelegt, ferner eine Check-Liste, falls ich eine schmutzige Nadel bekam. Ein englisches Wörterbuch und ein Synonym-Lexikon lagen leicht erreichbar auf dem Bett. Ich stellte den Meter an, füllte den Kopf des Formulars aus, testete die Einzelbüchse, zentrierte die Nadel und las die erste TA-Reaktion ab. Endlich ging es los: "Was dramatisiere ich?" fragte ich mich. "Furcht", kam laut meine Antwort. Ich sprach das Wort mehrfach aus, erzielte eine kleine Reaktion und notierte "Furcht" auf einer Karte.

Was ist das Gegenteil? "Unfurcht?" Darauf gab es keine Reaktion. Die Nadel war träge und unstabil. Ich nahm das Synonym-Lexikon und schaute unter "Zuversicht" nach. Dann nannte ich einige der aufgeführten Wörter. Keine Reaktion. Ich sagte nochmals "Unfurcht" und diesmal gab es eine leicht fallende Nadel. Die Karte Nr. 2 wurde ausgefüllt und an die erste geheftet.

Als mein nächstes EW fiel mir "Bangen" ein, was eine Reaktion erbrachte. Wieder hatte ich Schwierigkeiten mit dem Gegensatz. Die Nadel wurde schmutzig, jetzt war eine Check-Liste an der Reihe. Ich arbeitete mich durch ein Blatt mit Fragen wie "Haben Sie ein korrektes EW unbeachtet gelassen?" Sich selbst zu checken war nervtötend. Mir wurde heiß, und ein unangenehmer Druck machte sich hinter meiner Stirn bemerkbar. Ich hatte während der letzten Wochen zu viele HCOBs durchgeackert und konnte mich nun nicht mehr erinnern, welche Daten wichtig waren. Ich erkannte, daß ich die Nadel-Reaktionen nur schlecht beurteilen konnte.

Schließlich kam ich auf ein weiteres Gegensatzpaar: "Unglück" und "Frieden". Beide Begriffe schienen kaum ein Gegensatzpaar darzustellen, aber sie brachten eine Nadel-Reaktion. Ebenso "Spannung" und "Entspannung". Als ich das zweite Wort ausgerufen hatte, ergab sich keine Reaktion. So verfaßte ich den zusammenfassenden Bericht, packte meine Sachen zusammen und trampte zum Saint HilL.

Der Instrukteur sah meine Berichte durch und meinte: "Sehen Sie, Mann, Sie haben verschiedene EWs. Fahren Sie zurück und vervollständigen Sie die übrigen Paare!"

Nachdem ich das Auditieren wieder aufgenommen hatte, ergab "Un-Bangen" eine wunderbare Reaktion. Das vervollständigte ein weiteres

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Paar, und ich machte mich daran, den Gegensatz von "Spannung" zu finden. Plötzlich kam ich auf die Assoziation "Abgeschlossen". "Öffnen!" rief ich daraufhin aus und die Nadel stieg nach rechts, sie fiel fast aus der Skala. Ich bewegte vorsichtig den Stimmungsskala-Knopf, um sie zu zentrieren, darauf begann die Nadel mit einer Serie von aufsteigenden Bewegungen, in denen ich eine schwebende Nadel zu erkennen glaubte.

Es war spät am Nachmittag, als ich wieder am Schreibtisch des Instrukteurs stand. Ich teilte ihm mit, ich mache mir wegen "öffnen" Sorgen, da das ein Nomen und ein Verbum zugleich sei. Das widerspreche meiner Idee von einem EW — ich hätte lieber "OffenHElT" gesagt. Er antwortete: "Was wollen Sie denn noch, Mann? Ergab das Wort eine Reaktion? Dann ist es ein EW! Lassen Sie es sich attestieren und fangen Sie mit dem Ausmustern an!" Die Kopfschmerzen waren noch immer da. Im Empfang bekam ich ein Formular ausgehändigt, das mir die genaue Reihenfolge der aufzusuchenden Büros vorschrieb. Das orangefarbene Papier sollte mit mir nach Schottland reisen, wo es eine direkte Verbindung zwischen dem Ausstoß an Schülern aus Saint Hill und der Aufnahme in der AOUK gab. Als ich das Attest und ein Zeugnis erhalten hatte, ging ich zum Erfolgsbüro, wo ich meine Fortschritte darzulegen hatte. Als wichtigsten Fortschritt empfand ich es, daß ich den Saint Hill verlassen durfte. Aber statt dessen gab ich an, ich empfände "vollständige Zufriedenheit über den Solo Kurs". Der Angestellte bat mich, ihm mehr über meine Fortschritte mitzuteilen, wenn ich die AO erreicht habe. Er zeigte mir den Weg nach draußen zur Müllkippe, wo ich alle Notizen, die ich mir während des Kurses gemacht hatte, verbrennen sollte.

Am gleichen Abend sah ich Edward in der Küche. Als ich ihm von meiner Grad VI Release berichtete, umarmte er mich und tanzte mit mir um den Küchentisch herum. Ich hatte das Gefühl, daß meine Release ihm mehr bedeutete, als mir selbst.
 
 
 
 

Das Ausmustern

... er ist schuldig, mehr Overts begangen zu haben, als er dem Auditor gegenüber zugibt... .
L. RON HUBBARD
Die zum Ausmustern erforderliche Sicherheitsüberprüfung wurde von dem jungen Danny Glassman, Mikes Sohn, vorgenommen. Danny glitt

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in seinen Stuhl und stellte den E-Meter auf, wobei er sich wie ein Flieger-As im Cockpit bewegte. Er war betont ernst und schielte in einer Weise, die mich nervös machte. Die Fragen waren denen bei der Ankunft ziemlich ähnlich, aber diesmal war mit der Nadel etwas nicht in Ordnung.

"Da ist etwas", sagte Danny. "Ich werde jede Frage doppelt überprüfen. Haben Sie irgendetwas von dem Geheimmaterial kopiert? Ich habe eine Reaktion. Hier stimmt etwas nicht, und ich werde herausbekommen, was es ist."
Damit rutschte mir das Herz in die Hosen.
"Los, los, was ist es?" hämmerte Danny auf mich ein. Verzweifelt fragte ich mich, welche Fehler ich begangen haben könnte.
"Ich habe herumgealbert und Witze über die See Org gemacht", jammerte ich.
"In Ordnung. Noch mehr dazu?"
"Auch über Aufträge, Bücher zu verkaufen."
"Recht so. Mit wem haben Sie darüber gespottet? Mit wem, will ich wissen!"
"Mit Marilyn, der Köchin im Fyfield Manor. Aber sie sagte kein Wort. Sie hörte mir nur zu."
"O.k.", er schrieb alles auf. "Ich werde das auf dem Meter überprüfen: 'Haben Sie vertrauliches Material kopiert?' Das ist sauber. 'Sind Sie aus einem falschen Grund hier?' Ich habe eine Reaktion. Passen Sie auf, da ist etwas dahinter und ich erfahre es, und wenn es den ganzen Tag kostet. Raus mit der Sprache! Es ist besser, Sie spucken es aus — oder muß ich Sie erst einem Joburg unterziehen?"
Ich wußte nicht, was die Reaktionen herbeiführte. Alles, was ich im Saint Hill getan hatte, war offen und ehrlich gewesen, dachte ich. Ich war reisefertig angezogen, hatte gepackt und war bereit nach London zu fahren. Meine Freunde erwarteten mich. Und dieser kleine Bastard mußte alles durcheinander bringen. Er war es, durch den die Nadel unsauber wurde.

"Ich weiß jetzt den Grund. Ich hatte ein seltsames Gefühl wegen meines Solo-Auditierens."
"O. k., was war damit los?"
"Ich war mit einem meiner EWs nicht ganz zufrieden."
"Fein. Warum nicht?"
"Eins von ihnen konnte sowohl ein Nomen als auch ein Verb sein."
"Danke. Setzen Sie die Büchsen ab. Jetzt haben Sie sich selbst geschädigt, indem Sie Ihre Solo Release infrage gestellt haben. Sie sind ein Solo Release, verstanden? Wenn Sie jemals wieder sich selbst herabsetzen, dann sende ich Sie sofort zur Ethik-Abteilung. Ist das klar?

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Falls noch etwas ist, heraus damit, oder auf lange Sicht wird es nur schlimmer für Sie."

Es gab noch etwas. Die Frage der Kompetenz des Instrukteurs. Hatte er gelegentlich nicht auch die Regeln durchbrochen, indem er eine Meinung geäußert hatte, oder indem er mehr über ein offizielles Bulletin aussagte, als er durfte? Ich brachte es fertig, diesen Gedanken so tief in meinem Inneren zu vergraben, daß er nicht wieder nach oben kam. Offensichtlich hatte ich genug durchgemacht, um die Nadel locker zu machen und durch die übrigen Fragen zu kommen.

"Gut, damit sind wir fertig, aber Sie werden eine Review-Sitzung brauchen und dann, denke ich, werden Sie auch zur Ethik-Abteilung gehen müssen, mit einer Nachricht von mir, daß Sie sich selbst herabgesetzt haben."

Ich war nahezu betäubt, nur ein übles Gefühl in der Magengrube erinnerte mich daran, daß ich Marilyn verraten hatte. Ich stellte mich bei Review an, zahlte 20 Dollar und begann das lange Warten auf einen Auditor.

Ich saß in der Sonne, auf einer Bank vor dem Auditionsbüro. Auf einer anderen Bank saßen ein Mann und eine Frau, mit dem Rücken zum College. Sie hatten große Schilder auf den Rücken gebunden. "ICH BIN IM ZWEIFEL — SIE DÜRFEN NICHT MIT MIR SPRECHEN", stand darauf. Sie saßen traurig da, mit unbeweglichen Gesichtern, gedemütigt, vor Gram fast vergehend. Von Zeit zu Zeit murmelten sie sich etwas zu. Ich versuchte zu erkennen, ob sie mit Ketten an die Bank gefesselt waren.

Freundliche Schüler brachten mir Kaffee, Sandwiches und Zigaretten, Bruce schlenderte herbei, um einen Moment mit mir zu plaudern, er war so etwas wie ein ständiger Bewohner dort, immer wartete er auf seine nie endenden Review-Sitzungen, saß dabei auf dem Rasen oder auf einer Bank oder ging auf dem Weg vor den Trainingsbaracken auf und ab.

Die Review-Sitzung bestand nur aus der Einschätzung meines ARC-Bruches mit Danny. Dann mußte ich nochmals lange warten, um den Ethik-Beamten sprechen zu können. Es war ein freundlicher und vertrauenerweckender Mann, der mit mir plauderte, als ich an seinem Pult Platz nahm. Er blickte auf Dannys Bericht und lächelte. "Sie haben wohl kein Material kopiert, nicht wahr? Nein? Gut, gut . .. Selbstherabsetzung? ... Ach so ... EWs, schön, schön ... — O.k., Amigo, gute Reise nach Schottland!"

Es war schon zu spät, um die Routine des Ausmusterns noch fortzusetzen, darum kehrte ich zum Fyfield Manor zurück. Von der Überprüfung noch immer überdreht, vertraute ich Edward an, daß ich

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durch die jüngsten Ereignisse verunsichert sei. Ich wollte von ihm wissen, ob ich im Saint Hill bleiben und die Probleme ausbügeln oder direkt nach Schottland gehen solle. Rein gefühlsmäßig lag mir daran, so bald als möglich abzureisen. Edward stimmte mir zu. "Geh zur AO, es gibt nichts besseres auf der Welt. Die See Org-Mannschaft wird alles zusammenflicken, was zusammengeflickt werden muß."

Am Sonntag gab es keine offiziellen Aktivitäten im Hill. Selbst der Mitarbeiterstab dort mußte einmal ausruhen. Deshalb war ich um sieben Uhr morgens auf der Straße, um nach London zu trampen. Ich konnte über Nacht bei meinen Freunden bleiben und früh am nächsten Morgen nach Saint Hill zurückfahren.
 
 
 
 

London

Die Absicht anderer Wesen war es, diesen Preclear, ob er wollte oder nicht, zumindest zu einem gehorsamen Sklaven zu machen.
L. RON HUBBARD
Mein erster Wunsch war, für ein paar Stunden in ein warmes Bett zu kommen. Ann und Nicholas Dalmas fühlten, daß es mir nicht so gut ging und gaben mir eine Wärmflasche. Nach meinem Mittagsschlaf spielten wir mit den Kindern und aßen zu Abend.

Es war ein seltsames Gefühl, mit Nicht-Scientologen zusammen zu sein. Ich war ganz durcheinander. Ich versuchte verzweifelt, ein fröhliches Lächeln zu zeigen. Als die Kinder im Bett waren, saßen Ann, Nicholas und ich im Wohnzimmer, um zu reden. Ann war sehr besorgt.

"Ich habe über diese Leute in der Zeitung gelesen. Sie haben ein Schiff, und ein Mädchen, das an Bord gegangen war, ist verschwunden."

"Hör zu, Ann, die Scientology hatte in England schon immer eine schlechte Presse. Diese Geschichten sind doch nur Gerüchte. Ich kann vermutlich rekonstruieren, was tatsächlich passiert ist, und dir eine sehr einfache Erklärung dafür geben. Also, das Mädchen hat wahrscheinlich seine Eltern verlassen, um zur See Org auf die Jacht zu gehen. Sicher kam heraus, daß ihre Eltern für sie suppressiv sind — das heißt, sie wollten sie zurückhalten — und sie mußte sich von ihnen trennen. Deshalb haben sie nie wieder von ihr gehört. Ziemlich einleuchtend, oder?"

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"Ich weiß nicht so recht", erwiderte Ann. " Ich finde es schrecklich, Kinder von ihren Eltern fortzulocken. Das ist alles seltsam und bedrohlich. Die ganze Scientology klingt nach Gehirnwäsche. Bob, ich fürchte, sie versuchen dir den Verstand zu rauben. Ich habe schreckliche Angst um dich."

"Aber Ann", warf Nicholas ein, "Bob weiß doch selbst, was er tut, und es scheint genau das zu sein, was er tun möchte."

"Warte. Ich möchte euch eine Geschichte vorlesen, die ich geschrieben habe." Ann holte ihr Notizbuch und las uns eine erschreckende Geschichte vor. Sie handelte von Wesen einer fremden Galaxe, die zur Erde kamen und uns versklavten, wobei wir voll mitarbeiteten. Gewisse Einzelheiten waren bestimmten Abschnitten der Pakete E bis H erstaunlich ähnlich. Wie konnte sie darüber Bescheid wissen?

Wie unter Zwang spuckte ich Informationen über die unteren Grade aus, wie sehr sie mir in New York geholfen hatten. Ann wartete ungeduldig, bis ich damit fertig war. "Um Himmels willen, Bob, mach damit nicht weiter, hör jetzt auf, solange du noch in Sicherheit bist! Du kannst hier bei uns bleiben, das Musikleben in dieser Stadt ist fabelhaft und ich bin sicher, daß Nick mit seinen Beziehungen dir auf der Stelle Arbeit verschaffen kann."

Ich wußte nicht, was ich dazu sagen sollte. Sicher, die Organisation hatte ihre Fehler. Aber bisher kannte ich nur das College, wo die meisten Mitarbeiter notwendigerweise nur am äußeren Rand der Gruppe lebten. Schon bald würde ich mit den Mitgliedern des inneren Zirkels der See Org zusammensein. Sie würden mir die Hilfe geben, die ich für meinen Kampf gegen den reaktiven Geist brauchte.

Ann sah mich an, als suche sie nach den Worten und Gesten, die mich umstimmen könnten. Ich hatte sie sehr gern, und doch fühlte ich, daß sie immer mehr die Eigenschaften eines suppressiven Wesens annahm.

Wir gingen ins Musikzimmer und ich spielte ein wenig. Auch das hellte die Atmosphäre nicht auf. Ich spürte Anns Augen auf mir. Sie fürchtete, daß ich immer tiefer in eine Falle geriet, aus der ich nie mehr würde entkommen können. Und doch, nach allem, was ich im Saint Hill gelernt hatte, saß sie selbst in der Falle. Sie versuchte, andere zu sich hinunter zu ziehen, in die Tiefen geistiger Erniedrigung.

Nicholas war ruhig. Er wollte fair und unparteiisch sein. Aber seine Stimmung war durch den Kummer seiner Frau verständlicherweise gedrückt.

Um Mitternacht gingen wir schlafen. Als ich aufwachte, dämmerte es noch kaum. Es war 5.45 Uhr. Ich rauchte und hörte auf dem Bürgersteig unter meinem Fenster die Schritte von Leuten, die zur Früh-

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schicht gingen.

Ich hatte nur noch einen Punkt in der Routine des Ausmusterns zu erledigen, einen kurzen Sicherheitstest im "Weltweiten Büro". Ich stand Schlange, während die Ethik-Beamtin andere Schüler an ihrem Pult überprüfte. Ihr Gesicht war von Trauer gezeichnet. Ich fürchtete, daß sie vielleicht Gerald Tibers Ex-Ehefrau war, die ihm soviel Böses zugefügt hatte, als er als Interner im Saint Hill gearbeitet hatte. Sie blickte von ihren Berichten zu mir auf. Vielleicht erinnerte sie meine Nervosität an ihre eigenen früheren Erfahrungen in ähnlichen Situationen.

"Bitte, nehmen Sie die Büchsen." Sie schaute mir in die Augen und ein freundliches Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.
"Sind Sie hier, um vertrauliches Material zu verkaufen?"
"Nein."
"Danke. Das ist sauber", sagte sie leise. Wieder lächelte sie ganz zart; ein freudiger Schauer lief durch meinen Körper.
"Sind Sie Mitglied einer suppressiven Gruppe?"
"Nein."
"Gut. Das ist sauber. Das wär's."
Sie hatte die schwebende Nadel festgestellt. Der Sicherheitstest war vorbei und ich war auf dem Wege zur AOUK.

Ich verbrachte den Abend mit meinen Freunden in London. Ann war immer noch unglücklich. Aber sie hatte jeden Versuch aufgegeben, mich von der Reise nach Schottland abzuhalten. Es war offensichtlich, daß ich entschlossen war, das Abenteuer zu wagen. "Ich nehme an, ihr habt bemerkt, daß ich gestern Probleme hatte", erklärte ich ihnen. "Aber jetzt ist alles in Ordnung."

"Komm zu uns zurück, wenn du damit fertig bist", bat mich Ann. Endlich konnte ich etwas trinken. Das war mir untersagt gewesen, während ich mich selbst auditiert hatte oder von anderen auditiert worden war. Ein wenig verkatert wachte ich am nächsten Morgen auf, wie üblich sehr früh. Mit dem Zehn-Uhr-Zug fuhr ich nach Edinburgh. Mir gegenüber, auf der anderen Seite des Ganges, saß ein Mädchen. Fast während der ganzen, fünf Stunden langen Reise starrte ich ihre Beine an. Sie war aber nur ein Barbaren-Mädchen mit einem dumpfen Gesichtsausdruck. Ganz bestimmt eine suppressive Person.

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Teil III Die AOUK

Dies ist eine kaltblütig verfaßte Tatsachen-Reportage von deinen letzten 60 Billionen Jahren.
L. RON HUBBARD

 

Die höheren Stufen

Ich nahm mir in einer ruhigen Gegend ein Zimmer. Dann ging ich aus, um die Innenstadt zu besichtigen. Nach dem Abendessen traf ich per Zufall einen Mann, der mit mir im Solo-Kurs gewesen war. Er war jetzt ein OT IV.

Auf der Straße zeigte er mir die ungefähre Lage der AOUK. Sie lag am anderen Ende einer Brücke in der Nähe von einigen alten Häusern. Was ich sah, ähnelte altertümlichen Türmen. Über dem Brückendamm waren ihre Silhouetten gegen den Abendhimmel auszumachen. Als er meine Nervosität bemerkte, meinte er: "Kommen Sie rüber — je eher Sie anfangen, desto eher sind Sie OT."

Das Haus hatte eine einzige weiße Türe mit einem blauen Rand um den Türrahmen, darüber ein Schild mit der Aufschrift: "Hubbard College für die Förderung der persönlichen Entwicklung."

Wir mußten eine hohe Treppe hinaufsteigen. Mein Bekannter verließ mich am Empfangsschalter, einer Öffnung in der Wand des Foyers gleich neben der Treppe. Früher war das der Empfang eines schäbigen Hotels namens "Suttie's". Die Räumlichkeiten lagen zwei Stockwerke hoch über einer Anzahl kleiner Läden. Vom Empfangsschalter konnte man nichts weiter sehen, als eine kleine Vorhalle, einige verschlossene Türen und einen langen Gang zu den geheimnisumwitterten inneren Büros. Einem defekten Gasofen entströmte ein strenger Geruch. Von den Wänden blätterte weiße Farbe ab.

Es war neun Uhr abends und die AOUK war schon ziemlich ruhig. Nur wenige Leute waren noch in der Vorhalle. Einige, die eben eine Release gehabt hatten, saßen still da, bewegungslos, wie in der Sauna. Einer von ihnen, den ich ebenfalls vom Solo-Kurs her kannte, stand auf und teilte mir mit, daß er den OT II geschafft hatte. Er schien erschöpft, seine Augen blickten ins Leere. Ein anderer Mann, ein OT IV schien ziemlich erledigt zu sein, als sei eine größere Ladung aus der Bank geblasen worden, als er erwartet hatte. Ich sah mir die anderen an, die in den Sesseln ausruhten. Ihre Augen waren glasig, ihre Gesichter starr; sie schienen sich außerhalb ihrer Körper zu befinden.

Man brachte mich zum Empfang. Wie gewöhnlich begann die Aufnahme-Routine hier. Die Mobilität der See Org versetzte mich erneut in Erstaunen. Die AOUK war erst seit wenigen Wochen in Betrieb, und doch war der ganze Scientology-Apparat schon vorhanden: Buchläden, Büros und — Warteschlangen. Beim Registrator unterschrieb ich für den Clear-Kurs und bezahlte an der Kasse 760 Dollar in Pfund-

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noten. Dann meldete ich mich bei der Wohnungsabteilung an, wo sie meinen Paß als Pfand einbehielten — ein Symbol der Unterwerfung unter die See Org.

AO-Studenten durften nur in Unterkünften wohnen, die von der Wohnungsabteilung als "ungefährliches und sicheres Milieu" klassifiziert worden waren. Darunter war vor allem zu verstehen, daß in einem solchen Haus schon andere Scientologen wohnten, außerdem mußte im Zimmer ein verschließbarer Schrank sein, um die Vertraulichkeit des geheimen Materials sicherzustellen.

Ich war der erste Scientologe, der ein Zimmer bei Mrs. Balke gemietet hatte. Aber beim Auspacken hatte ich in der Tür des Wandschranks einen Schlüssel gesehen. Deshalb entschied die Wohnungsabteilung, ich könne, wenigstens vorläufig, dort bleiben.

Der Mann, der mit mir die Sicherheitsüberprüfung für Neuankömmlinge vornahm, war ein typischer See Org-Angestellter. Abgesehen von den schwarzen Schuhen und seinem dicken schwarzen Gürtel war er von Kopf bis Fuß in Weiß gekleidet. Er nahm die Arbeit sehr ernst, fast wie eine religiöse Pflicht. Für ihn war der E-Meter ein heiliges Gerät, das fehlerlos arbeitete, wenn man es richtig bediente. Er überprüfte die Skalen und Knöpfe wie ein Chirurg, der dabei ist, lebenswichtige Organe eines Patienten mit einem überaus zerbrechlichen Skalpell zu sondieren. Zu dem Ritual gehörte das Klären der Kommandos. Er tat es, indem er jede einzelne Frage ganz langsam aussprach und hinzufügte: "Was verstehen Sie unter dieser Frage?" Ich mußte dann ein Beispiel nennen, um zu zeigen, daß ich verstanden hatte, worum es ging. Die Fragen waren von der gleichen Art wie bei vorhergehenden Sicherheitsüberprüfungen. Ich zitterte innerlich, als die umständliche Prüfung begann. Auf verschiedene Fragen erfolgten Nadel-Reaktionen ohne erkennbaren Grund. Ich war entschlossen, rückhaltlos alles zu gestehen, was einer Reinigung bedurfte. Als er mich fragte, ob irgendjemand mich am Hierherkommen zu hindern versucht habe, antwortete ich laut: "Ja, Ann ... Ann Dalmas in London."

Bevor die Preclears die Instruktionen des Clear-Kurses erhalten, müssen sie sechs kurze Schulungsfilme studieren. In einem von ihnen demonstrierte Ron eine Sitzung mit E-Meter und Arbeitsblättern. Er zeigte uns, wie man Nadelausschläge registriert. Auf der Leinwand sahen wir die Skala eines E-Meters nebst Arbeitsblatt und eine fleischige Hand, die mit dem Kugelschreiber auf das Papier zielte. Da Ron nicht vorhatte, die geheimen Punkte schon jetzt zu enthüllen, erzielte er die Nadel-Reaktionen für diese Demonstration, indem er sich lediglich an die einzelnen Punkte erinnerte. Selbstverständlich hatte er

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sich schon längst über das betreffende Material clear gemacht. Doch er war, wie er sagte, bereit, "die Nadel-Reaktionen zu gewissen Punkten erneut zu erschaffen", allein durch die Kraft seines Geistes, um uns ein anschauliches Beispiel geben zu können.

"Auf das ganze Material werdet ihr starke Reaktionen bekommen", warnte er uns. "Es ist stark geladen. Gebt euch mit nichts weniger als einer fallenden Nadel zufrieden. Da ist sie schon", fügte er hinzu, als die Nadel um zwei Zoll nach rechts schoß. Die Hand mit dem Kugelschreiber notierte ein "F" neben der Ziffer für die betreffende Frage. "Es ist ein langer Fall", und die Hand notierte neben dem F ein "LF". Ein schwaches Fallen hieß "SF" und ein sehr langer Fall, der fast über zwei Drittel der Skala ging, "LLF". Nachdem einige Reaktionen auf diese Weise "wiedererschaffen" waren, sah die Seite etwa so aus:

(1) FLFFSFSFSF ("Dazu bekomme ich jetzt keine vernünftigen Reaktionen mehr... ich gehe weiter zum nächsten Punkt")
(2) SFSF ("Dieser Punkt ergibt noch keine guten Reaktionen ... das zeigt an, daß von vorhergehenden Punkten noch Spannung zurückgeblieben ist. In solchen Fällen geht man um einen Punkt zurück und notiert einen Querstrich neben der letzten Nadelreaktion für diesen Punkt")
(1-Fortsetzung) /SFFFSF ("Nun kann ich den zweiten Punkt wieder aufnehmen")
(2-Fortsetzung) FFLFFLF ("Nun ist die Reaktion da")

Ron ging die ganze Liste durch und notierte für jeden Punkt mehrere Reaktionen. Von Zeit zu Zeit ging er zurück, um weitere Reaktionen auf solche Punkte abzulesen, die um eine oder zwei Ziffern zurücklagen. Jede Nadelreaktion bedeutete, daß aus der Bank Spannung abgelassen worden war. Anders als bei einer Check-Liste sollten wir nicht nach dem unter der stärksten Spannung stehenden Punkt suchen: jeder Punkt auf dieser Liste stehe unter Hochspannung. Wir sollten uns nur mit jedem Punkt in der richtigen Reihenfolge beschäftigen, falls notwendig zurückgehen, um alle Ergebnisse zu bekommen, und die ganze Spannung, Punkt für Punkt abzulassen, bis sie völlig ausradiert war und es keinen reaktiven Geist mehr gab. Der ganze Prozeß war vor allem eine Frage harter Arbeit, eine methodische Routine, die Ron mit "Ausschachten tiefer Gräben" verglich. Sein Gesicht erschien auf der Leinwand, um uns eine letzte Ermahnung zu geben — er sah krötenähnlicher aus, als ich in Erinnerung hatte. "Der Auditor würde gut daran tun, seine Sitzungen nicht zu lang werden zu lassen, warnte er uns. "Eineinhalb Stunden sind mehr als genug."

Das also war der Clear-Prozeß. Schon bald würden wir es mit dem unter hoher Spannung stehenden Material im Kern der Bank zu tun haben — den "gewissen Punkten". Im Film wurde angedeutet, daß sie

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nicht von uns selbst gefunden werden konnten, wie die Dramatisierungen, die EWs. Stattdessen wurden die Nadel-Reaktionen mit dem Material erzielt, das von Ron selbst bereit gestellt worden war. Der Selbst-Auditor mußte also lediglich Rons Listen durcharbeiten. Es sollte kein innerer Kampf entstehen, etwa indem man seinen eigenen Plan machte, seine eigenen Ziele fand oder die ihnen entgegenstehenden Mächte. Ron hatte den Weg gefunden, um alle Hindernisse auszuräumen. Wie sich herausstellte, waren sie für jedermann die gleichen. Er würde uns nicht nur die Punkte nennen, sondern ihre genaue Reihenfolge in der Bank. Wie es schien, waren die Struktur wie der Inhalt des reaktiven Geistes für jedermann identisch. Letzten Endes würde Ron uns genau sagen, was wir dachten; wir und alle übrigen Menschen auf der Welt, die noch nicht Clear geworden waren. Mühelos würden wir unsere überholten Ziele ausradieren. Die volle Bedeutung — daß er dann diese Ziele durch etwas ganz anderes ersetzen könnte — entging mir damals.

Die AOUK arbeitete im Fließband-System, um schnelle Release-Erfolge zu produzieren. Auf besonderen Formularen wurden von den Schülern Atteste über die einzelnen Schritte ihres Weges niedergelegt, die Prüfungen ersetzten. Filme wurden angesehen und attestiert, ebenso die Instruktionen für die oberen Stufen, die man sogar nach Hause mitnehmen konnte. Auch die endgültige Release in jedem Prozeß wurde attestiert. Die eigene Gewißheit war die einzige Sicherheit, ob man die Instruktionen verstanden und eine Release in einer oberen Stufe erzielt hatte.

In der Abgeschlossenheit meines Zimmers stellte ich fest, daß der Umschlag mit den Instruktionen für den Clearkurs ein Paket HCOBs (= Bulletins) und ein schmales Buch mit dem Titel "Instruktionen für den Clear-Kurs" enthielt.

Das Verhalten von Clears und OTs
Wer eine der oberen Stufen erreicht hat, muß auf die ungeheure Verantwortung, die er trägt, eingeschworen werden. Er hat weit mehr Macht als ein normaler Mensch. Er soll lernen, diese Macht zu kontrollieren, damit er sie nicht für selbstsüchtige Zwecke gebraucht, sondern nur zur Verbesserung dieses Planeten.
Ich starrte auf das nächste Bulletin:

Strafen für die niedrigen Ethik-Zustände
Eine Person im Zustand der Schuld muß 24 Stunden ohne Unterbrechung für die Organisation arbeiten, zuzüglich weitere acht Stunden, um den Zustand der Nicht-Existenz zu überwinden.
Wer im Zustand des Zweifels ist, muß 48 Stunden ohne Unterbrechung arbeiten, dann weitere 24 Stunden, um den Zustand der Schuld und weitere acht, um den der Nicht-Existenz zu überwinden.

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Während der Strafe darf er weder schlafen, baden oder das College verlassen.

Immer wieder las ich die nächste Klausel; und an jenem Abend griff ich noch oft danach, um sie anzustarren.

Eine Person, die in den Ethik-Zustand des Feindes zurückgestuft worden ist, gilt als vogelfrei: man darf ihm Eigentum abnehmen, ihn in jeder Weise verletzen, ohne daß man von einem Scientologen bestraft wird. MAN DARF IHM STREICHE SPIELEN, IHN VERKLAGEN, IHN BELÜGEN ODER IHN VERNICHTEN.
 
 
 
 

Das Licht

Ein Theta-Wesen clear zu machen, ist so leicht und einfach, wie einen Schuhriemen zu reparieren.
L. RON HUBBARD
Das Material des Clear-Kurses besteht aus fünf Teilen:
I. Die 7
II. Grund-EWs
III. Verwirrungs-GPMs
IV. Gegenstände (hohl)
V. Gegenstände (massiv)
Es gibt zehn Durchgänge. Alle Materialien kommen in der Bank zehnfach vor und jede Wiederholung ist ein Durchgang. Die Ausradierung des Materials kann beim ersten Durchgang unvollständig sein, dann sind weitere Durchgänge erforderlich. Eine Hilfe dabei ist das Erkennen des Thetan (0). Jedesmal wenn der Auditor einen Punkt anspricht, muß er SICH ALS EINEN THETAN IM FRÜHESTEN MOMENT DER ZEIT ERKENNEN. Man sollte sich keine großen Sorgen machen, wie man den Thetan erkennen kann. Man TUT ES einfach — es ist, als ob man auf etwas zeigt und sagt: DA! Wenn man nach zehn Durchgängen nicht clear ist, geht man zum Anfang von Teil l zurück und macht so viele Durchgänge, wie zur Ausradierung des Materials erforderlich sind. Sie müssen sehr präzise Berichte über die Auditionssitzungen anfertigen. Es ist lebensnotwendig, beim Beginn einer neuen Sitzung genau da weiter zu machen, wo man in der vorhergehenden aufgehört hat. Weder sollen Punkte ausgelassen, noch sollen sie wiederholt werden.
Bei einem erneuten Durchgang wird der betreffende Punkt mit einem Querstrich markiert. Falls dieser Punkt keine Nadel-Reaktion erzielt, muß man noch weiter zurückgehen. Dabei macht man so viele Querstriche wie erneute Durchgänge erforderlich waren. Wenn man wieder bei dem reaktionslosen Punkt angekommen ist, wird sich eine Reaktion einstellen. Ein Punkt ohne Reaktion darf nie übersprungen werden. Gewöhnlich bleibt die Reaktion aus, weil noch Spannung vom vorhergehenden Punkt übrig geblieben ist. Bei einem korrekten Durchgang muß das alles genau beachtet werden.
Gegenstände werden erkannt, während sie sich auf Sie zu und von Ihnen fortbewegen, und zwar in Schulterhöhe. Sie werden die Gegenstände links und rechts, vor und hinter dem Kopf gleichzeitig sehen. Von Zeit zu Zeit ist ein Licht zu sehen. Es kommt am Ende von jedem der 7, der

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Mitte der Grund-EWs und bei verschiedenen anderen Stellen des Materials. Ursprünglich wurde das Licht gebraucht, um den Thetan zu blenden. Man erkennt es, indem man nach vorn und leicht nach links blickt. Es ist weniger ein Sehen des Lichtes, als die FESTSTELLUNG, DASS ES DA IST. Damit werden viele Nadelreaktionen erzielt. Das Licht sollte wie ein anderer Punkt behandelt werden. Man kann bestraft werden, wenn man ein Licht nicht beachtet.
Wenn Sie während des Kurses krank werden, dann haben Sie einen Fehler gemacht.
Wenn Ihre Augen wässrig werden, haben Sie sich selbst herabgesetzt. Wenn Sie eine Sitzung beendet haben, sollten Sie die Sache vergessen und sich auf das Geschäft des Lebens konzentrieren. — Denken Sie daran: "ES IST ALLES IN IHREM GEIST!"

Neben meinem Fenster stand eine Kommode mit einem großen Spiegel. Ich wollte mich nicht sehen, während ich den Thetan erkannte. Deshalb bedeckte ich den Spiegel mit dem Fenstervorhang. Ich fürchtete mich auch, vorzeitig einen Punkt zur Kenntnis zu nehmen, deshalb öffnete ich den Umschlag, holte die Listen mit den Auditionspunkten heraus, und bedeckte sie mit dem Umschlag, so daß ich nichts lesen konnte.

"PC ..... Auditor ....." war oben am Auditor-Bericht-Formular aufgedruckt. Ich schrieb meine Initialen neben beide Begriffe, dann das Datum, die Bezeichnung des Kurses, die Ziffer des Teils und den Einzelpunkt, mit dem ich anfangen mußte. Ich stellte den E-Meter an, rückte ihn zurecht, notierte die Zeit, nahm die Büchse in die Hand und las meine erste Anzeige auf der Stimmungsskala ab. Diese Notizen wurden dann auf das Oberteil des Arbeitsblattes übertragen. Nun konnte ich einen Blick auf den ersten Punkt werfen. Vorsichtig bewegte ich den Umschlag auf der Platte einige Millimeter nach unten:

Teil I. Die 7: Haben
Noch ein wenig weiter unten:

1a. Masse haben
Ich las den Punkt leise vor. Meine Augen hingen an der Nadel. Nichts passierte. Ich wiederholte den Punkt. Die Nadel zitterte. Ich sprach ihn lauter aus und versuchte, mich im frühesten Moment der Zeit zu sehen, ich schaute auf der Skala nach und erkannte einen kurzen Nadel-Ausschlag nach rechts. Neben l a notierte ich SF.
Allmählich wurde die Nadel warm. Reaktionen kamen, wenn ich einen Punkt laut aussprach, aber auch zwischendurch. Die Nadel-Reaktionen wurden ausgeprägter und häufiger. Nach wenigen Minuten bedeckten sie mehrere Zeilen auf der Seite. Als die Nadelausschläge kürzer wurden (SF), ging ich mit dem Umschlag ein Zeile weiter nach unten:

Ib. Keine Masse haben

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Eine Reihe von SF hintereinander, verbunden mit einer tickenden Nadelbewegung, veranlaßten mich, zu l a zurückzugehen und dort einen Querstrich anzubringen. Beim ersten Aufrufen wurde ich von einem F begrüßt, es war also noch Spannung bei diesem Punkt übrig gewesen!

Als die Reaktionen wieder schrumpften, nahm ich 1b wieder auf, nun kam eine Reaktion, genau wie Ron angekündigt hatte. Ich erzielte mehrfach LF, LLF und kleinere Blowdowns. Jedesmal, wenn es langsamer ging, ging ich zu l a zurück, wobei ich neue Reaktionen herauspreßte. Innerhalb einer Stunde bedeckten die Nadel-Reaktionen von dem einen Gegensatzpaar fast eine halbe Seite des Arbeitsblattes. Ich begann 2a, einer anderen Fügung mit "Haben" und beendete die Sitzung, indem ich wieder das Bericht-Formular zur Hand nahm. Ich trug die Stelle ein, bis zu der ich gekommen war, die Zeit und den TA. Unter der gedruckten Überschrift "Ziele und Fortschritte" notierte ich:

Die 7 beendet. Dann gab ich mir das Kommando: "Das wär's!"

Darauf stellte ich den Meter ab. Nun hatte ich nur noch zwei Aufgaben zu erfüllen: den Wertungsbericht zu verfassen (ich schrieb hinein: "Der PC kommt gut voran") und den grünen Termin-Zettel auszufüllen. Die Berichte und das Material wurden in den Umschlag gesteckt, der zugeklebt und in der Aktentasche verschlossen wurde. Das ganze wurde im Wandschrank eingesperrt. Ich lief nach unten, um Richie aufzusuchen. Er hatte seine erste Sitzung ebenfalls abgeschlossen und saß im Aufenthaltsraum vor dem Fernsehgerät.

Am nächsten Morgen wachte ich um sechs Uhr auf, nicht elend, wie noch vor kurzem, sondern glücklich und voller Vorfreude auf eine Sitzung noch vor dem Frühstück. Wieder dauerte es etwas, bis der E-Meter richtig warm wurde. Aber ich ging auf der Platte nach vorne und nach hinten, bis Reaktionen zu den betreffenden Punkten kamen. Nach dem Frühstück gingen Richie und ich in unsere Zimmer zurück, um weiter zu auditieren. Wir hatten vereinbart, um elf eine Pause zu machen. An diesem Tag absolvierten wir beide mehrere Sitzungen, unterbrochen von kurzen Spaziergängen, dem Mittagessen und nachmittags, um uns in der Nachbarschaft an Kaffee und Kuchen zu stärken. Nach dem Abendessen schafften wir noch eine weitere Sitzung, und gingen dann zu Fuß zur AOUK, um die grünen Terminzettel abzugeben, bevor die Büros schlossen. Richie schritt kräftig aus und gab den Ton an, während wir unzählige Male den Refrain von "Lay down your head, Tom Doo-o-o-ly" sangen.

Während dieser ganzen Woche hüpfte ich jeden Morgen fröhlich aus dem Bett und fing um sechs Uhr damit an, "den tiefen Graben auszuschachten". Richie und ich brauchten häufig kleine Essenspausen. Wir

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waren unersättlich, "weil" — wie Richie sagte — "aus der Bank so viel Masse fortgeblasen wird."

Richie glaubte nicht, sehr lange in Edinburgh bleiben zu müssen. Wir durften zwar unsere Fälle nicht miteinander diskutieren, aber er ließ mich wissen, daß er nahe dran war, den Clear-Status zu erreichen, wobei er allerdings in einem Punkt unsicher war: wie würde er erkennen, daß er clear wäre? Das sei wirklich ein Punkt, den Ron in den Instruktionen nicht geklärt habe: wie sollte ein Preclear wissen, wann er ein Clear geworden war? Vielleicht war das endgültige Phänomen die übliche schwebende Nadel. Das war aber nur eine Annahme, denn nichts dergleichen wurde in den Instruktionen erwähnt. Außerdem: bei dem Fließband-System hatte man keine Möglichkeit zu testen, ob die Release gültig war. Mußte man damit rechnen, daß Clears in Edinburgh herumliefen, DIE IN WIRKLICHKEIT ÜBERHAUPT KEINE CLEARS WAREN?

Ich konnte Richies Sorgen gut verstehen, aber ich wollte nichts davon hören. Ich zog es vor, die Angelegenheit ruhen zu lassen und abzuwarten, bis ich selbst sicher war, daß der richtige Augenblick gekommen war. Zu meinem Mißvergnügen merkte ich, daß Richie sein Problem auf unseren Spaziergängen sozusagen mitnahm. Ich bat ihn, den Mund zu halten. Der Graben, den Ron erwähnt hatte, mußte tausend Meilen lang sein; man konnte es sich nicht leisten, von den Sorgen eines anderen mit Beschlag belegt zu werden. Ich selbst war erstaunt über die Anzahl von Nadel-Reaktionen, die ich erzielte. Mein Stapel Berichte war so angeschwollen, daß an den Seiten des großen Umschlags Risse sichtbar wurden. Eine ungeheure Menge Ladung wurde ständig aus der Bank abgelassen; ich hatte Heißhunger.

Richie, der doch schon fast ein Clear war, begann den Überblick über den Prozeß zu verlieren. Er wollte mit mir auf offener Straße darüber diskutieren, während wir zur AOUK und zurück gingen. Wir wußten beide, daß das strikt verboten war. Aber er ließ sich von seiner jungenhaften Erregung überwältigen. Er fragte mich nach dem Licht. Pflichtschuldig verwies ich ihn auf das Instruktionsbuch. Ich konnte ihm sogar die genaue Seite nennen, auf der er nachlesen mußte. Nachdem ich ihm tagelang daraus zitiert hatte, überredete er mich, mit in sein Zimmer zu kommen und ihm die genaue Stelle in dem Buch zu zeigen, auf der diese Einzelheit stand.

Richie hatte es geschafft, mich in eine verbotene Diskussion zu ziehen. Tatsächlich war es eine einseitige Diskussion gewesen — ich hatte ihn lediglich an die rechtmäßige Autorität und zwar in der korrektesten Weise, verwiesen — aber ein wenig hatte er mich doch mit seiner Unsicherheit angesteckt! Dahinter verbarg sich mehr als nur unser Kurs.

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Richie vertraute mir an, er befürchte, daß die Organisation immer militanter werde, mit ihrer von oben nach unten abgestuften Kommandogewalt, mit den See Org-Uniformen und mit ihrer Ethik-Abteilung. Er hatte ein erschreckendes Gerücht über die Strafen an Bord des Schiffes vernommen. Ein Mitglied der Schiffsmannschaft, das im Zustand des Verrats gewesen sei, habe man drei Tage lang im Ankerraum gefangen gehalten; die Ankerkette sei nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt vorbeigezischt, im Tempo von 90 Stundenkilometern!
 
 
 
 

Endkampf

Von unzugänglichen Personen und Neurotikern im allgemeinen abgesehen, sollten die meisten Fälle vom MEST gecleart sein, sobald sie einige Wochen harten Auditierens hinter sich haben.
L. RON HUBBARD
Immer ungeduldiger erwartete ich das Ende des Kurses. Leute, die mit mir die Filme angesehen hatten, ließen sich bereits den Clear-Status attestieren, und ich hatte die 7 noch immer nicht geschafft. Nachdem die Anfangsbegeisterung verflogen war, bedeutete mir der Clear-Kurs nur noch eine Menge harter Arbeit. Ständige Anstrengung war erforderlich, um den Thetan zu erkennen. Für jeden einzelnen Schritt waren neue geistige Impulse erforderlich. Unzählige Male las ich laut die einzelnen Punkte; viele Nadel-Reaktionen waren latent, das heißt sie kamen zwischendurch, ohne daß ich einen Punkt angesprochen hatte. Ich mußte häufig zurückgehen; meine Arbeitsblätter bedeckten sich mit Querstrichen neben erneut behandelten Punkten. Vielleicht beging ich technische Fehler. Wiederum las ich die Instruktionen, um zu sehen, ob ich etwas falsch gemacht hatte.

Richie hatte mich mit seinen Zweifeln angesteckt. Er hatte mir zum Bewußtsein gebracht, daß ich nicht so sicher war, daß ich auch Fragen hatte, und ich nahm ihm das übel. Da gab es zum Beispiel das Licht. Es verschaffte mir nicht so viele Reaktionen, wie die anderen Punkte. Das Erkennen des Lichtes war unangenehm, es strengte meine Augen an. Entschlossen, mit dem nächsten Licht richtig zu verfahren, bemühte ich mich zwanzig Minuten, es zu erkennen. Dabei spürte ich, wie sich die Masse hinter meiner Stirn aufbaute, während ich einen Punkt wenige Fuß von mir und etwas zur Linken anstarrte. Plötzlich

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hatte ich die Vision eines Blitzlichtes — im gleichen Moment ging die Nadel stark nach rechts. Dann mußte ich sofort aufhören, weil ich schreckliche Kopfschmerzen bekam. An diesem Abend gelang es mir, die 7 zu beenden: Haben, tun, sein; jeweils sieben Gegensatzpaare für alle drei Verben, zum Beispiel: "Masse sein". Schnell ging ich den nächsten Teil durch, die achtzehn EWs, wiederum Nomina:
1. Masse
2. Energie
3. Raum
4. Zeit
5. Geschichte ...
Richie wußte, daß ich bis weit in die Nacht hinein auditierte und erklärte, ich verletze den Auditor-Codex: "Du sollst den Prozeß mit einem Preclear nicht nach 22.00 Uhr ausdehnen." Er sagte: "Schließlich bist du selbst der Preclear."

Ich argumentierte, daß der grüne Terminzettel, den man jeden Tag abgeben mußte, durch den DT (Direktor des Trainings) jeweils in die Auditionsstatistik übertragen werde. Oder wisse er, Richie, etwa nicht, daß acht Stunden Auditieren pro Tag als "Zustand des normalen Vorgehens" galt, sechs Stunden als "Mindestmaß" und weniger als sechs Stunden als "Gefahr"? Wie solle man seine Statistik in Ordnung halten, wenn man nur kurze Sitzungen mache, wie Ron rate, und nachts nicht auditiere? Ausschlaggebend sei, daß Ron in einem der Filme eine Bemerkung über einen hohen TA gemacht habe, die beweise, daß es legal sei, beim Clear-Kurs vierundzwanzig Stunden pro Tag zu auditieren: für die meisten Leute, hatte Ron gesagt, gebe es eine spezifische Zeit, zu der ihr Meter hängen bleibe. Das sei für den einen 22.00 Uhr, für den anderen 4.00 Uhr morgens. "Das ist ganz in Ordnung", hatte er gesagt, "das bedeutet nur, jetzt ist es Zeit, es sein zu lassen und sich zu entspannen..."

Richie bestritt meine Auslegung der Regeln. Er schlug vor, von 6.00 bis 8.00 Uhr, von 9.00 bis 11.00, von 13.00 bis 15.00, von 16.00 bis 18.00 und von 20.00 bis 22.00 Uhr zu auditieren. "Das reicht! Wenn du deine Essenspausen verkürzt, dann schwächst du dich selber!" Teil III des Clear-Kurses kombinierte die Grund-EWs und die Verben "schaffen" und "zerstören" zu besonderen Gegensatzpaaren, die Verwirrungs-GPMs hießen (= Goal, Mass, Power = Ziel, Masse, Macht):

1a. erschaffend Masse zerstören
2b. zerstörend Masse erschaffen
Diese Punkte ergaben so magere Nadel-Reaktionen, daß ich häufig zu

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Teil II zurückkehren mußte, wobei ich meine Spur mit einem Gewirr von Querstrichen markierte. Die Grund-EWs hatten aber aufgehört, Reaktionen zu bringen. Minutenlang hämmerte ich auf einzelnen Punkten herum, erzielte aber nur kümmerliche SFs oder noch weniger. Ich ging weiter und weiter zurück; schließlich entschloß ich mich, Teil II ganz und gar zu wiederholen. Auch danach ergab Teil III keine Reaktionen. Dabei war das Material durchaus unter Spannung: der TA (= Stimmungsskala) ging bei jeder Sitzung noch weiter nach oben, während sich die Nadel immer weniger bewegen wollte, vor allem früh morgens. Verzweifelt studierte ich die Instruktionen, um einen Hinweis zu finden.

Als überhaupt nichts mehr Reaktionen hervorrief, beschloß ich, nicht weiter zu auditieren, bis ich herausgefunden hatte, wo der Fehler lag. Ich suchte in dem großen Stapel von Arbeitsblättern nach der Stelle, wo ich zum letzten Mal gute Reaktionen hatte. Die Vielzahl der Möglichkeiten machte mich ratlos. Wegen der zahlreichen Wiederholungen bei den einzelnen Durchgängen — hunderte von Querstrichen verunzierten meine Arbeitsblätter — konnte ich die ursprüngliche Abfolge kaum noch erkennen. Um den ganzen Weg durch das Material noch einmal abschreiten zu können, mochte es nötig sein, noch weiter hinten zu beginnen, vielleicht ganz am Anfang, und dann jede Reaktion zu jedem einzelnen Punkt zu verfolgen, und zwar in der auf den Listen angegebenen Reihenfolge. Aber die Menge der Reaktionen und Querstriche, der Bewegungen nach vorn und nach hinten zu wiederholen, sämtliche Fäden erneut aufzunehmen, war völlig unmöglich. Obgleich ich meinte, die Instruktionen genau eingehalten zu haben, waren die Arbeitsblätter so schwer zu übersehen, wie ein durcheinander geratenes Knäuel Zwirn. Meine eigene Schrift verschwamm mir vor den Augen. Ich fing wieder an zu auditieren, wobei ich einen mehr oder weniger zufälligen Einsatzpunkt wählte.

Nebensächlichkeiten begannen mir Sorgen zu machen. Ich hatte Angst, ich könne ohne Schreibzeug dasitzen und lief los, um mir vier Kugelschreiber zu kaufen. Ich geriet in Panik, ob der E-Meter noch genügend aufgeladen war, und steckte das Kabel alle paar Stunden in die Steckdose, egal, ob das nötig war oder nicht. Die Zink-Büchsen waren rostig geworden; davon hatten meine Hände Flecken, die sich nicht abwaschen ließen. Ich verbrachte viel Zeit damit, die Büchsen zu putzen, um sie in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen. Der Kurs machte mir ständig Sorgen, grübelnd lag ich auf meinem Bett oder lief durch die Straßen und rätselte, an welcher Stelle des Materials ich eigentlich war.

Vielleicht hatte ich alles falsch gemacht? Am liebsten hätte ich noch

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einmal beim ersten Punkt des ersten Teils angefangen, traute mich aber nicht, den DT um dieses Privileg zu bitten. Wahrscheinlich war die einzige Lösung, das ganze Bündel Arbeitsblätter noch einmal zu schreiben. Vielleicht konnte man mit Buntstiften den Nadel-Reaktionen auf der Spur bleiben. Das würde mich mehrere Tage kosten und meine magere Auditions-Statistik würde mich in den Zustand von Schuld bringen. Ich brütete bis spät in der Nacht über den Arbeitsblättern, um den verlorenen Faden wieder zu entdecken.

Ich suchte eine andere Stelle der Listen aus und fing wieder mit der Sitzung an. Die Anstrengung, den Thetan zu beschwören, der Akt des Auditierens selbst, erfüllten mich mit Widerwillen. Schließlich war ich wie betäubt und völlig aus dem Lot. Ich befürchtete, ernsthaft: meinen Verstand zu verlieren, wenn ich mit dem Auditieren weiter machte. Immerhin war ja der Geist in einer präzisen Reihenfolge zusammengesetzt, genau wie auf den Listen angegeben. Jeder Fehler konnte schreckliche Folgen haben.

Ich wollte jetzt auch die oberen Stufen absolvieren. Das kostete 3200 Dollar. Die Stufen VII und VIII waren noch nicht erhältlich. Deshalb machte die Organisation ein Pauschalangebot zum Preis von 2800 Dollar, wenn man für alle acht Stufen im voraus bezahlte. Ich rief meinen Makler jenseits des Atlantik an und beauftragte ihn, meine letzten Aktien zu verkaufen.

Richie hatte mich in den Aufenthaltsraum geholt, um im Fernsehen ein Science-Fiction-Spiel anzuschauen. Die Bilder auf der Mattscheibe ängstigten mich. Sie paßten auf etwas in der Bank, das mich unwiderstehlich auf der Zeitspur entlang nach unter zog, zurück zu einem unliebsamen Vorfall. Mir wurde schwindelig und ich verließ den Raum. Richie rief hinter mir her: "Hallo Kamerad, ich glaube, heute abend werde ich hingehen und attestieren!"

Später traf ich Richie in der Nähe des Empfangsschalters. "Es ist passiert", zischte er mir ins Ohr. "Sie haben mich in den Zustand von Schuld versetzt. Sie haben meine Arbeitsblätter überprüft und festgestellt, daß ich ein Licht übergangen habe — jetzt bin ich dran."

Der Gedanke, mir eine langwierige Strafe einzuhandeln, während ich mich in den Materialien verloren hatte, erschreckte mich. Ich rannte nach Hause, um mich von neuem auf die Arbeitsblätter zu stürzen. Ich mußte einfach die Fehler finden, die in meinen Notizen verborgen waren, und mich ihnen stellen — wenn nicht um der Organisation, dann doch um meiner selbst willen. Ich nahm ein leeres Blatt Papier und schrieb als Überschrift "Mögliche Fehler". Hastig zählte ich sie

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auf: "Zu häufiges Zurückgehen, zu schnelles Vorwärtsgehen, zu viele latente Reaktion (oder verfrühte), nicht genug Reaktionen auf das Licht, zu viele SF und andere ungenügenden Nadel-Reaktionen, die Möglichkeit, in einen falschen Durchgang geraten zu sein." Die weitere Überprüfung ergab, daß ich bei einer Wiederholung ganz zu Anfang ein Licht völlig übersehen hatte, derselbe alberne Fehler, der Richie den Hals gebrochen hatte. Dann entdeckte ich einen schweren Fehler: verschiedentlich war ich, wenn ein Punkt keine Reaktion ergab, einfach zum nächsten weiter gegangen, um die Nadel locker zu machen: ich hatte Punkte ohne Nadelreaktionen übersprungen. Während ich durch das alte Stadtviertel in der Nähe von Mrs. Blake's Pension spazierte, dachte ich an meine Scientology-Freunde in New York. Plötzlich kam ich darauf: ihre Schuld war es, daß ich in diesen Zustand der Verwirrung geraten war! Ich fürchtete mich, in die Review-Sitzung zu gehen, die ich brauchte, wegen der Withholds (= heimliche Vorbehalte) gegenüber der Organisation, die ich in Geralds Agentur erworben hatte: Unsere Diskussionen am späten Abend, unsere Witze auf Kosten anderer Scientologen! Ich hatte Felicia und Gerald decken wollen. Ich konnte nie dem Trieb widerstehen, dem Auditor genau das zu sagen, was ich verbergen wollte. Eine innere Stimme hatte mir gesagt, daß ich die beiden genauso verraten würde, wie Ann und Marilyn.

In einem gewissen Sinne verdienten sie es ja. Felicia und Gerald hatten mich mit ihren ungenauen Instruktionen verwöhnt, sie hatten in der Agentur die Ethik-Bestimmungen nur lasch gehandhabt. Sie hatten mich entwaffnet. Seitdem hatte ich für ihre Laxheit zahlen müssen. Sie hatten mein Vertrauen nicht verdient. Vielleicht waren sie gar nicht wirklich meine Freunde. Trotzdem wollte ich sie nicht hintergehen. Ich wollte mich der Review-Sitzung unterziehen — aber erst, nachdem ich sie gewarnt hatte.

Ich legte meinen Anruf so, daß er um 7.00 Uhr New Yorker Zeit ankam. "Gerald", rief ich dem Auditor zu, der offensichtlich noch schläfrig war, "ich bin in der Klemme — ich melde mit zur Review." Es gab eine Pause, dann antwortete er: "Du gehst also zur Review." "Da steckt noch mehr dahinter. Ich habe Angst um dich — ich möchte deine Vorbehalte gegenüber der Organisation nicht angeben." "Ich habe keine Vorbehalte. Du kannst, verdammt nochmal, sagen, was du Lust hast." "Bist du sicher?"

"Wirklich. Ich habe nichts dagegen, ich habe nichts zu verbergen." Die Empfangsdame füllte ein Formular aus und schickte mich zum Qual (= Qualifikationsbüro), wo die Review-Auditoren ihre Auf-

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träge erhielten.

An jenem Tag war mein Prüfer ein kurzgewachsener, haselnußäugiger junger Mann, der die ganze Zeit wie ein Buddha dasaß und Miniaturzigarren rauchte. Er schaute meine Arbeitsblätter an. "Sie haben ja ganz schön gearbeitet", meinte er. "Ich will Ihnen was sagen: ich werde Ihnen eine Liste, L VII geben, die arbeiten Sie selbst durch, um so die ganze übergangene Spannung loszuwerden." Bei dieser Aussicht hob sich meine Stimmung sofort.

Die Liste L VII enthielt drei Seiten und achtzig Fragen. Die Fragen handelten von ARC-Brüchen, Withholds und den technischen Aspekten des Clear-Kurses, wobei die Dutzende von Dingen, die bei dem Prozeß schiefgehen konnten, bis ins Einzelne erläutert waren. Als ich diese Fragen in kräftiger Druckschrift vor mir sah, fühlte ich mich doppelt schuldig. Ich arbeitete die Liste hastig durch, schrieb eine Zusammenfassung und brachte sie dem Prüfer zurück.

"Sehen Sie, das ist eine übergangene Spannung", sagte er. "Wenn Sie eine Reaktion auf eine Frage bekommen, dann müssen Sie Ihre Considerationen loswerden. Wo sind überhaupt Ihre Considerationen? Ich sehe sie nicht auf Ihren Arbeitsblättern. Es heißt zum Beispiel hier:

'Haben Sie einen ARC-Bruch mit dem Auditieren?' Sie haben dazu eine Reaktion bekommen, aber Sie haben nichts getan, um die übergangene Spannung loszuwerden. Gehen Sie nach Hause und arbeiten Sie die Liste noch einmal durch. Aber diesmal müssen Sie alle Considerationen loswerden — einfach, indem Sie sie in Ihr Arbeitsblatt eintragen."

Nun mußten also allen meinen Withholds die Zähne gezogen werden. Durch mich allein. Ich sah im Geist ganze Ketten verbotener Gedanken. Es war zermürbend, das alles in Langschrift aufzuschreiben. Auf dem Arbeitsblatt sahen meine Considerationen schrecklich unbedarft aus. Meine Stimme klang schwach und weinerlich, als ich sie laut wiederholte. Selbst die nebensächlichste Frage rief selbstklägerische Antworten hervor. Meine Hände begannen zu zittern; ich konnte kaum noch schreiben. Ich hörte auf, nach E-Meter-Reaktionen zu schauen und spuckte alles aus, was ich über Felicia und Gerald wußte.

Der Prüfer warf einen Blick auf meine L VII-Arbeitsblätter, sah mein vertrauliches Material nach, und schickte mich zum Empfang. An der Kasse zahlte ich zwanzig Dollar. Dann ließ ich mich im Review-Wartezimmer nieder, das bei den Mahlzeiten als Schiffsmesse diente. Der Raum war voller Leute, so daß ich an jenem Abend nicht mehr an die Reihe kam.

Um elf Uhr kam ich nach Hause. Richies Tür war offen. Er lag auf dem Bett, die Füße berührten den Boden. Sein Anzug war ver-

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schmutzt. "Richie!" brüllte ich. Keine Antwort. Ich schlug ihm ins Gesicht, zog ihm die Schuhe aus, zerrte ihn unter die Decken und schloß das Fenster, durch das ein kalter Wind hereingeweht kam. Ich steckte eine Münze in den elektrischen Ofen. "Richie, du Bastard, sag etwas — sag nur Hallo!"

Seine Augen öffneten sich halb. "Hallo", sagte er. Am späten Nachmittag des nächsten Tages deutete ein Mädchen mit dem Finger auf mich. Sie führte mich in ein Auditionszimmer. Dort zeigte sie soviel Herzlichkeit, daß sich meine Sorgen in Luft aufzulösen schienen. Das Formular, dem sie ihre Fragen entnahm, war ähnlich wie L VII. Hin und wieder machte mir eine Frage Herzklopfen. Aber es kamen nicht allzu viele Nadel-Reaktionen, die peinlich waren. Als wir die Liste halb durchgearbeitet hatten, sagte sie: "Sie haben eine schwebende Nadel — das wär's!" Sie fügte hinzu: "War die Review vollständig?"

"O ja!" antwortete ich dankbar. Ich machte mich auf den Weg, um mir das Ergebnis im Büro für Zeugnisse und Belohnungen attestieren zu lassen. Meine Stimmung war sehr viel besser. Meine Auditorin rannte an mir vorbei, um mich im nächsten Büro zu erwarten. Denn sie war für beide Jobs zuständig.

Am gleichen Abend sagte mir Richie, daß er clear war. Er hatte sich ausgeschlafen, gewaschen und saubere Sachen angezogen; der Schaden, den er sich im Kurs zugezogen hatte, war behoben. Er erzählte mir, wie man ihn wegen der falschen Technik, die er angewandt hatte, bestraft hatte: "Die verstehen keinen Spaß. In meinem ganzen Leben habe ich nie so hart gearbeitet. Ich habe Büros angestrichen und die verdammte Eingangstreppe geschrubbt. Als ich fertig war, war ich so erledigt, daß ich glaubte, ich würde den Rückweg hierher nicht schaffen. Vielen Dank, daß du mich ins Bett gebracht hast, Kumpel."

Richie hatte immer noch Zweifel. "Ich kann es nicht glauben — bin ich wirklich clear, Bob? Ist es wahr? Sehe ich jetzt anders aus?"

Mich stieß das ab. Ich quälte mich durch die L VII-Listen und mußte zusätzlich für die Review-Sitzung bezahlen — und dieser junge Faulpelz war einfach ins Ziel gestolpert. Ich unterdrückte den Impuls, ihm von meinen Anstrengungen zu berichten. Selbst wenn es nicht verboten gewesen wäre, hätte ich ihm diesen glücklichen Augenblick nicht verderben mögen. Er war nur ein junger Kerl, der es nicht besser wußte, und er sah wirklich anders aus: sein sonst so verdrießlicher Gesichtsausdruck hatte sich aufgehellt und wirkte jetzt froh wie der Blick eines schiffbrüchigen Seemanns, der an Land gespült worden ist. Er brauchte jetzt Sicherheit, und ich gab sie ihm.

"Natürlich bist du clear, mein Lieber, setz dich hin und genieße den

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Augenblick."

"Ich kann es nicht glauben, daß ich es schließlich doch geschafft habe. Jetzt kann ich ohne reaktiven Geist nach Australien zurückkehren." "Genau! Jetzt bist du ein gemachter Mann. Hol alles heraus. Du hast es verdient!"

Ich hatte ein zwiespältiges Gefühl bei diesem Wortwechsel. Unsere Freundschaft hatte sich vertieft. Er schaute mich vertrauensvoll an wie ein junger Hund. Aber ich fragte mich, warum er seinen Erfolg nicht akzeptieren konnte, ohne daß ein anderer ihn bestätigte. Während ich auf ihn einredete, hatte ich den Verdacht, daß ich ihn in Wirklichkeit sadistisch behandelte, seine Lage ausnutzte. Einerseits verwöhnte ich ihn mit Lobsprüchen, andererseits wollte ich ihn im stillen für die Nervosität büßen lassen, mit der er mich früher angesteckt hatte. In einem Cafe trafen wir Radcliff Jones. Er hatte seinen Solokurs genau nach Plan abgeschlossen und war vom Hill aus kurz vorher in Edinburgh angekommen. Wir gingen durch die Stadt. Richie ließ immer noch Trauma aus dem Clear-Kurs ab. Wiederholt versicherten ihm Rad und ich, er sähe wundervoll aus. Alle paar Meter klopften wir ihm auf die Schulter und riefen: "Du bist clear, mein Junge, WIRKLICH CLEAR!"

Die Objekte waren einfache geometrische Figuren, zum Beispiel Kreise und Dreiecke. Sie erschienen zuerst hohl und dann massiv, sie flogen auf einen zu oder von einem fort, beides in ganz verschiedenen Richtungen. Ich probierte einige davon aus und erreichte nur mehrfach SF auf der Skala. Der Versuch, mir Objekte um mich herum vorzustellen, die sich zur gleichen Zeit in verschiedenen Richtungen nach vorn und nach hinten bewegten, führte zu einem seltsamen Ergebnis: Es war, als ob in meinem Kopf etwas abwechselnd auseinander gezogen und zusammengepreßt würde. An diesem Punkt war mir klar, daß sich in meinem Kopf Masse aufbaute. Ich war wieder krank. Die Aussicht auf eine weitere Review-Sitzung war erniedrigend, aber es gab keinen Ausweg.

Die Besetzung der Stellen in der See Org hatte gewechselt. Als Prüfer fungierte nun ein vollbusiger Rotschopf. "Mal sehen ... Sie hatten schon eine Review-Sitzung." Sie sah meine Arbeitsblätter durch. Meine Fehler müssen leicht durchschaubar gewesen sein. Aber gleich am Anfang wollte sie nicht zu hart mit mir umspringen. "Robert, ich möchte nicht, daß Sie dauernd Review-Sitzungen nehmen. Das wäre nicht gut, weder für Sie noch für uns. Also, was wollen wir tun?" Ich hoffte, daß sie mich nicht für einen Fall für die Ethik-Abteilung

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erklärte. "Ich weiß nicht ... nach der letzten Review-Sitzung war alles für eine Weile in Ordnung."

Sie überlegte: "Das klingt ernst. Sie brauchen einen S&D (Search & Discovery: Test zum Suchen und Entdecken einer suppressiven Person oder Sache). Wir müssen die Angelegenheit auf der Stelle klären."

Ich stand auf, um zum Empfang zu gehen. "Machen Sie sich keine Sorgen", fügte sie hinzu, "diese S&D-Sitzungen gehen nicht nach dem alten Schema: 'Haben Sie Verbindung zu einer suppressiven Person? Sie werden es mit hochgeladenem Stoff zu tun haben, der Sie auf der Zeit-Spur weit nach hinten tragen kann." An der Kasse zahlte ich hundert Dollar für den S&D. Eine pummelige brünette Frau holte mich im Wartezimmer ab; es war der Dritte Maat; sie hatte Richie in den Zustand der Schuld versetzt.

Der Dritte Maat war ein Star-Auditor. Sie ging mit ihrem E-Meter und den Bericht-Formularen um, als spiele sie Mah-Jong. "Was versuchen sie, Ihnen anzutun?" fragte sie, während ihre braunen Augen vergnügt funkelten.

"Mich in Furcht versetzen", schlug ich vor, während sie begann, eine Liste aufzustellen, "mich krank machen . .. schlaflos . . . mir Kopfschmerzen zufügen, mir den Spaß am Auditieren nehmen, mir die Freude an der Scientology nehmen." Sie nullte die Liste, damit der entscheidende Punkt übrigblieb. "Gut", bestätigte sie, nachdem sie minutenlang die Fragen wiederholt und einzelne Antworten ausgestrichen hatte. 'Mir die Freude an der Scientology nehmen' ist der Punkt, der bei Ihnen übrigbleibt. Ich gehe zu einer weiteren Prozeß-Frage über: 'Wer oder was versucht, Ihnen die Freude an der Scientology zu nehmen?'cc Es konnte sich herausstellen, daß der Schurke ein böswilliger Beamter eines alten außer-galaktischen Reiches war, oder es konnte jemand aus meiner Familie oder von meinen Freunden sein. Ich stöhnte bei dem Gedanken, vielleicht die Verbindung zu jemandem abbrechen zu müssen, den ich liebhatte, aber schon stieß ich Namen hervor: "Mein Vater . .. meine Schwester ... Anita ... Allen ... Lynn ..." "Gut!" Der Dritte Maat war begeistert. "Noch mehr dazu?" "Radcliff, Richie, Morton, Bruce, Ann, Gerald, Felicia, Danny ..." Ohne Unterschied nannte ich Namen von Preclears und von Scientologen der oberen Stufen.

"Fein. Noch mehr zu der Frage 'Wer oder was versucht, Ihnen die Freude an der Scientology zu nehmen?' cc Ich erinnerte mich an ein Gefühl, das ich einmal in meiner Brust ver-

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spürt hatte, vor vielen Jahren in einem spannungsreichen Augenblick. "Ein schwarzer Klumpen", sagte ich. "Danke. Ist die Liste komplett?"

In meinem Innern stieg ein Bild empor: "Ich sehe einen Mann. An einem schönen Frühlingstag geht er eine Straße entlang." "Fein. Was ist das Datum?" "Es ist... 1870."

"Danke. Erzählen Sie mir jetzt alles, was passiert.<e "Ich weiß nur, daß er die Straße entlang geht — die Bäume blühen — er ist dabei, ein Haus zu betreten und die Treppe hochzusteigen ..." "O.k. Noch mehr dazu?" "Ja ... er hat etwas Sympathisches an sich." "Danke. Erzählen Sie mir davon."

"Das ist alles, was ich darüber sagen kann. Ich habe ein herzliches Gefühl für diesen Burschen auf der Straße. Wissen Sie, an wen er mich erinnert? An Poppa Jenks im Comic-Strip , Gasoline Alley.' " "Fein. Nennen wir diesen Punkt 'Mann in dem Bild', 0. k.? Ist die Liste komplett?" "Ja, ich glaube."

"Gut. Dann werde ich es auf dem E-Meter nachprüfen." Sie ging die Seite durch und machte hinter den einzelnen Punkten ihre X= und /—Zeichen. Mein Herz klopfte, wenn die Namen von Verwandten oder Freunden wiederholt wurden. Beim zweiten oder dritten Durchgang wurden sie alle mit einem X versehen, genullt. Nur zwei Punkte blieben übrig: 'Der Mann im Bild' und 'Der schwarze Klumpen.' Ich vermutete, daß wir uns um den 'Mann im Bild' kümmern müßten. Hinter diesem Vorfall schien mehr zu stecken, als ich mich erinnern konnte. Sie las diesen Punkt laut vor, und ich sah, daß ein X neben die Reihe von Querstrichen gesetzt wurde: 'Der Mann im Bild' war genullt!

"Da haben wir den Punkt!" rief der Dritte Maat triumphierend. "Es war der schwarze Klumpen!"

Wie betäubt starrte ich sie an: Ein schwarzer Klumpen hatte hinter allem gestanden, kein Mensch. "Aber was ist es?" gelang mir schließlich zu fragen. "Ich weiß nicht... das heißt, ich darf nichts sagen." "Wollen Sie sagen, daß Sie eine Idee haben, was es sein könnte?" "Ich kann dazu weder ja noch nein sagen", sagte sie. Ich war völlig im dunkeln, aber irgendwie doch zufrieden mit dem Resultat des S&D. Ich hatte nicht den geringsten Zweifel, daß wir den richtigen Punkt gefunden hatten; niemand war mir gegenüber suppressiv; ich brauchte keine Verbindungen abzubrechen. Die ganze

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Zeit über war es nur ein schwarzer Klumpen gewesen. Ich war erleichtert.

Der Dritte Maat schaute zufrieden zu, wie die Spannung von mir wich. Sie lächelte mich über den Tisch hinweg an. "Gott, es ist phantastisch", meinte sie. "Rons Technik ist so unglaublich gut!" Der Glanz ihrer Augen wärmte mich, meine eigenen schwammen in Tränen. "Sie sind großartig", sagte ich voller Enthusiasmus. Dann ging ich durch die Halle, um der Prüferin Bescheid zu sagen. "Wissen Sie, was es die ganze Zeit über war? Ein schwarzer Klumpen!" Die Prüferin lächelte mich wissend an. Ich vermutete, daß ein schwarzer Klumpen für einen Scientologen eine besondere Bedeutung hatte; sie wußten durchaus Bescheid, aber ich würde warten müssen, bis ich die richtige Stufe erreicht hatte, um dahinter zu kommen. An diesem und am nächsten Tag sagte ich jedem, den ich traf, daß die Auditoren der See Org sensationell seien. Man könne sich auf sie verlassen; man solle sich nie davon abhalten lassen, die Hilfe der Qualifikations-Abteilung zu suchen, wenn man sie brauchte. Ich sagte niemanden, wie der Punkt, den man gefunden hatte, genau aussah, nur daß es keine Person war. Richie informierte mich. "Es ist nichts Ungewöhnliches, bei einem S&D auf eine Sache zu stoßen. Letztes Jahr brauchte meine Mutter auch einen S&D; es stellte sich heraus, daß ihr Problem ein gigantischer Eukalyptus war."

Der E-Meter stand wieder still. Ich kam einfach nicht durch den Clear-Kurs. Mit meinem Ethik-Zustand war irgendetwas von Grund auf in Unordnung. Es schien vom Schicksal vorherbestimmt, daß ich mich durch eine Strafe für den Zustand der Schuld hindurcharbeiten mußte, ehe die Maschine wieder funktionieren würde. Eigentlich brauchte ich gar nicht mehr darauf zu warten, bis die Ethik-Abteilung in Aktion trat. Ich war schon in Schuld, ich hatte mich selbst in diesen Zustand versetzt. Erst durch die eigenen Fehler verstand man Rons Ethik richtig: Man versetzte sich selbst in einen Zustand, entweder in einen höheren oder in einen niedrigeren. Das geschieht dauernd, ob nun die Organisation und man selbst das weiß, oder nicht. Viele in der AOUK waren sich dessen völlig bewußt und immer wenn sie bemerkten, daß sie in einem niedrigeren Zustand geraten waren, meldeten sie sich beim Ethik-Beamten. Warum in Rons Namen machte ich es nicht ebenso und nahm die verdiente Strafe auf mich? War es ein anhaltendes törichtes Begehren, mich zu unterscheiden — die letzten Zuckungen des selbstsüchtigen Ich, das darum kämpfte, besser als die anderen zu sein — das mich davon abhielt? Oder war es einfach nur Furcht? Letzteres glaubte ich eigentlich nicht. Richie war letzten Endes

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unbeschädigt aus der Prozedur hervorgegangen. Wie auch immer, irgendetwas in mir widerstrebte dem Gedanken, mich ihrem Schuldspruch zu unterwerfen. Ich hatte mein Bestes getan, die Instruktionen zu befolgen, und nahm jede Mühe auf mich, um allein klarzukommen. Es mußte ein Unterschied sein zwischen ihrer Definition meines Zustandes und meiner eigenen. Ich beschloß, noch einmal zum Qualifikationsbüro zu gehen. Sie sollten über mein Schicksal entscheiden. Ich traf den Dritten Maat auf dem Flur. "Wie läuft es?" fragte sie — zweifellos spielte sie auf unsere wundervolle Sitzung an. "Ich weiß nicht mehr, was geschieht. Ich stecke fest. Ich bin gerade auf dem Weg zum Prüfer."

"Ich weiß, was zu tun ist. Kommen Sie mit mir und ich bringe es in Ordnung."

Sie überschüttete mich mit Fragen aus dem grünen Formular, wie es gewöhnlich für eine Review-Sitzung verwendet wurde. Da sie sehr schnell auditierte, kam sie schon bald bei einer Frage an, die ich bisher noch nie gehört hatte. "Hatten Sie schon eine Release?"

Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und beobachtete mich. "Eben gab es eine sehr starke Reaktion auf der Skala", sagte sie. Ich verstand nicht. Ihr fragender Gesichtsausdruck verwandelte sich langsam in ein glückliches Lächeln. Nur zögernd dämmerte mir, was diese Frage und die Nadelreaktion bedeuteten. "Schon eine Release — bedeutet das ... ich bin CLEAR?" Sie blickte mich nur an. Sie durfte ja nicht an meiner Stelle ein Urteil über die Nadelreaktion abgeben. Ich mußte diese Sache selbst begreifen. Es war meine eigene Aufgabe, augenblicklich mein Sorgen fallenzulassen und die Tatsache zu akzeptieren, daß ich schon clear war.

Ich zögerte lange. Ich wollte nichts denken, nichts zu der einfachen Alternative hinzufügen. "Gut, ich werde nicht dagegen ankämpfen", sagte ich mit zittriger Stimme. Und dies alles, meine Hinnahme, die Gefühlsströme, die zwischen mir und dem Dritten Maat pulsierten, erfüllten mich mit solcher Wärme, daß ich mich ganz schwach fühlte. Wir standen zur gleichen Zeit auf und ich warf mich in ihre Arme. "Sie sind wunderbar", murmelte ich.

"Sie sind wunderbar", erwiderte sie. Wir standen mitten in dem Auditionsraum und hielten uns fest in den Armen, meine Beine trugen mich kaum.

"Einen Moment noch", sagte sie und unterbrach den herrlichen Augenblick. "Ich möchte noch einen Punkt überprüfen. Nehmen Sie bitte die Büchsen. Also wann ereignete sich die Release?" Ein Datum schoß in mein Bewußtsein: es war jene Sitzung vor einer

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guten Woche, als die Nadel auf der Skala nach oben geschossen war und als ich mich so gut gefühlt hatte. Danach waren Richie und ich durch eine Straße einem herrlichen Sonnenuntergang entgegengelaufen, sorglos hatten wir nach einem Cafe gesucht, der TA war gegen Ende der Sitzung etwas hoch gewesen, aber hatte Ron in seinen Instruktionen überhaupt etwas davon erwähnt? Es war auch möglich, daß mein E-Meter nicht mehr ganz zentriert gewesen war, der TA hätte vielleicht nachgestellt werden müssen. Beim Ende der Sitzung war ich clear gewesen. Tatsächlich war ich schon seit einer ganzen Woche im Status eines Clear!

"O.k., das wär's!" sagte sie. "Gehen wir zum Qualifikationsbüro — dann können Sie attestieren!"

"Die Review-Sitzung ist beendet", rief der Dritte Maat aus. "Hurra!"

"Ich hatte das Gefühl, daß dort drinnen etwas vorging", sagte die Prüferin. Ganz zart legte ich meine Arme um sie, als ob sie und nicht ich selbst der neugeborene Clear sei. Eine Welt der Zärtlichkeit: Seltsam, diese Umarmungen hatten eine neue, eine vollständigere, eine zufriedenere Qualität. Mein Kopf, mein Körper fühlten sich wie neu an, alles war wie neu. Die Prüferin begleitete mich zum Büro für Zeugnisse und Belohnungen. Dort unterzeichnete ich das Attest-Formular und erhielt ein Zertifikat. Feierlich führte sie mich dann ins Foyer und rief jubelnd aus: "ACHTUNG! . .. HERHÖREN: ROBERT KAUFMAN ... CLEAR! ! !" Von allen Seiten gab es Applaus. Verschiedene Schüler der Akademie erschienen an den Türen, um zu sehen, wer es war, der von der Bank befreit war. Ich hatte mich noch nicht erholt, es war alles so schnell geschehen. Schon war ich im DT-Büro und schrieb in großen Buchstaben meinen Namen auf die immer länger werdende Liste der neuen Absolventen der oberen Stufen.
 
 
 
 

Es geht weiter

Ich hatte gehofft, ein paar Tage ausruhen zu können, mich im Status eines Clear zu sonnen, Edinburgh zu besichtigen, vielleicht auch einen Bus nach Sankt Andrew zu nehmen, um mir den berühmten alten Golfplatz anzusehen. Aber der Direktor des Trainings händigte mir sofort das OT I-Paket aus. Es gab keine Freizeit: Die Erde mußte clear gemacht werden und die Organisation brauchte OT-Mitglieder. Auf dem Weg nach Hause wucherten in meinem Kopf die Erklärungen

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für den Verlauf der letzten Woche. Durch die enorme Zahl von Nadelreaktionen, die ich eine Zeitlang erzielt hatte, mußte ich genügend Spannung abgelassen haben, um innerhalb weniger Tage clear zu werden. Dann hatte ich wegen der alten Unsicherheit — wegen meines entscheidenden Charakterfehlers, mich selbst herabzusetzen — den Moment des Release glatt verpaßt, trotz der schwebenden Nadel und der Stimmungsanzeige unter drei. Kein Wunder, daß alles danach eine reine Katastrophe war. Daß die Nadelreaktionen ausblieben: es gab nichts mehr, worauf der E-Meter hätte reagieren können. Ich hatte den Prozeß verdoppelt: "das Saubere erneut gesäubert", wie Ron es nannte. Ich hatte buchstäblich die Spannung wieder erzeugt, die gerade gelöscht worden war. Dadurch war ein Bumerang-Effekt entstanden, was Widerwillen gegen das Auditieren und körperliche oder geistige Erkrankungen des Preclear auslösen kann.

Ich war einigermaßen erstaunt, das vertraute Instruktionsbuch des Clear-Kurses im OT I-Paket zu entdecken. Ich beschloß, es nochmals durchzublättern, anständig zu essen und dann zur AOUK zurückzukehren, um die OT I-Materialien abzuholen. Jetzt fürchtete ich mich nicht mehr vor dem Auditieren. OT I wird ein Vergnügen sein, dachte ich immer wieder, die Worte waren wie ein Lied. Mir tat nur leid, daß Richie schon nach Australien abgereist war, so daß ich ihm nicht über die tragikomischen Ereignisse mit anschließendem Happy End berichten konnte.

Jetzt endlich begann sich mir das ganze Glück meines Clear-Status zu erschließen. Es gab viele Restaurants, und es war wundervoll, eins auszuwählen. Ich nahm meine Brille ab und die Einzelheiten um mich herum formten sich zu einem Bild: Der Bürgersteig — vorher war es mir nicht aufgefallen — hatte scharfe Umrisse, eine Körnung. Es war wunderbar und ich sah es zum erstenmal.

Zur Feier des Tages brauchte ich ein Steak. Ich betrat ein Restaurant, in dem ich vorher noch nicht gewesen war, mit gedeckten Tischen, Teppichen und einem Kamin. Ich vollzog den Akt des Hinsetzens langsam, wohlüberlegt, jede einzelne Bewegung war eine Einheit für sich. Vorbei waren die nervösen, nur halb bewußten Ticks. Wann immer ich einen Teil meines Körpers bewegen wollte, wurde der Gedanke über geheimnisvolle Kanäle in die erwünschte Handlung umgesetzt:

EIN CLEAR IST VERURSACHER DES MEST: MATERIE, ENERGIE, RAUM, ZEIT — SEIN EIGENES PHYSIKALISCHES UNIVERSUM. Ich bat die Kellnerin um eine Zeitung. Der Überschriften-Wirrwarr auf der Titelseite kam mir leicht lächerlich vor, wie ein schlechtgespieltes Spiel. Jeder Bissen meines Essens hatte seine besondere Qualität; jeder Schnitt mit dem Messer unterschied

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sich von den anderen. Die Fleischstücke auf dem Teller ergaben ein Mosaik.

Schon immer hatte ich so sein wollen. Nun war es soweit. Ohne Anstrengung, ohne Gedanken, ohne weiteren Wunsch. Mein Clear-Referat begann Formen anzunehmen. Beim nächsten Erfolgsabend in der AOÜK würde ich dem aufmerksamen Publikum im Wartezimmer über die Steine auf dem Bürgersteig erzählen, über die Hilfe von der hingebungsvollen See Org und vor allem über die erstaunliche, die himmelerstürmende Technik von L. Ron Hubbard.

Die OT I-Materialien bestanden aus den Listen des Clear-Kurses. Mein letztes Bündel Arbeitsblätter steckte ebenfalls in dem Umschlag. Eine unnötige Korrektur — die Wiederholung von Teil I — war mit Bleistift eingekreist. Jetzt war mir klar, warum es hieß, OT I sei eine notwendige Ergänzung des Clear-Kurses. Es war die Möglichkeit, durch eine Gegenprobe festzustellen, ob alle Ladung beseitigt war. Man ging alles noch einmal durch, begann an der richtigen Stelle und eliminierte dadurch jeden Zweifel, ob alle Punkte gelöscht waren. Phantastisch: das war genau das, was ich sowieso tun wollte. Wie wenig diese Prozedur und die allzu bekannte Gefahr, einen Prozeß zu verdoppeln, zusammenpaßten, das entging mir völlig.

Die Verwirrungs-GPMs starrten mir ins Gesicht. Ich arbeitete mich schnell durch verschiedene Punkte hindurch, ohne mich um die wenigen Reaktionen zu kümmern. Dann ging ich ins Bett und schlief den süßen, gesegneten Schlaf eines Clear.

Um sieben Uhr morgens ging ich hinunter, um den ersten Clear-Blick auf meinen ersten Clear-Morgen zu werfen. Doch als ich die Badezimmertür hinter mir schloß, war mein Hochgefühl plötzlich verschwunden. Ich stand über der Klosettschüssel und schaute verzweifelt die Wände und Installationen an, aber es war nicht mehr so wie am vorhergehenden Abend: ich mußte mich anstrengen, deutlich zu sehen.

Ich frühstückte mit Radcliff Jones zusammen, der das Zimmer von Richie genommen hatte. Ich versuchte, so lustig zu sein, wie es mir möglich war: "Sehe ich heute anders aus, Rad?"

Die Objekte ergaben keine Nadel-Reaktionen. Nach zwei Sitzungen wertete ich die Nicht-Reaktionen als das endgültige Phänomen des Prozesses und ging zum Attestieren in die AOUK, obwohl ich OT I mit einem hohen TA liegengelassen hatte. Jetzt war es mir aus der Hand genommen. Zitternd stand ich im Qualifikationsbüro. Mein Clear-Status war wie ein Traum vergangen und ich war dazu verdammt, nun auch die oberen Stufen zu absolvieren. Der Prüfer

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schickte mich zum Büro für Zeugnisse und Belohnungen ohne mir eine Frage zu stellen, und ich durfte die OT II-Instruktionen mit nach Hause nehmen. Das Instruktionspaket war mit den vorhergehenden identisch, abgesehen davon, daß zwei neue Bulletins beigefügt waren. Eins hieß "Ganz-Spur-Einprägungen". Es erklärte die ersten zehn Teile der OT II-Materialien. Unter den phantasievollen Überschriften las ich "Die elektrischen GPMs" und "Das elektrische Klavier". Das andere Bulletin enthielt eine Warnung an den Auditor, sich nicht mit irgendwelchen "Bomben-Vorfällen" oder mit der Frage "seiner eigenen Identität" während des Auditierens zu befassen. Eine durch Außerachtlassen dieses Befehls selbst zugefügte Verletzung könne "durch die Organisation nur nach Zahlung einer Strafe von zweitausend Dollar" wieder geheilt werden.

Was ist nötig, um einen Thetan vom Wege abirren zu lassen? Tausende und abertausende Volt...in zerstörerischen Wellenlängen, die man ihm direkt ins Gesicht schießt. Was ist nötig, um ihn in eine Position zu bringen, in der er vom Wege abirren kann? Hinterhältigkeit, Verrat, Lügen.
L. RON HUBBARD
Die OT II-Materialien waren so dick wie das Telefonbuch von Edinburgh. Als ich sie aus dem Umschlag nahm, sah ich zufällig die Worte "Flüsse, Seen und Inseln"; das mußten Punkte sein. Eine einzelne Seite vor den elektrischen GPMs brachte eine weitere Instruktion:

Wenn bei einem Punkt das Wort SCHOCK erschien, dann mußte man SCHOCK DENKEN ODER FÜHLEN. Ich legte die erste Liste auf, wobei ich die einzelnen Punkte sorgfältig mit dem Umschlag zudeckte. Dann bewegte ich den Umschlag ein wenig nach unten:

I a. Schaffend zerstören (Schock)
Es war unheimlich: ein ungeheurer Schock zuckte durch meinen Oberkörper. Die Nadel fiel fast von der Achse, so schnell wurde sie über die Skala nach rechts gerissen.

Neunzig Minuten später bekam ich keine weiteren Schocks und Nadelreaktionen mehr. Die Stimmungsanzeige war weit oben. Mein Körper prickelte durch die ständige Berührung mit der elektrischen Spannung. Ich konnte mit dem Prozeß nicht weitermachen. Was soll sein, dachte ich, und ging zur AOUK, um OT II, meine dritte obere Stufe in ebenso vielen Tagen zu attestieren. Ein wenig war ich enttäuscht, daß ich so schnell fertig war, noch bevor ich den Rest des neuen Materials

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durchgearbeitet hatte: die Seen, die Flüsse, die Inseln und das elektrische Klavier, das durch die Lichtjahre einer Ganz-Spur-Einprägung hindurch vor sich hin hämmerte. Nun war ich bereit für die kritische Stufe OT III, die "Feuerwand."
 
 
 
 

Durch die Feuerwand

Hiermit unterzeichne ich diese Verzichterklärung des Inhalts, daß die Scientology-Organisation, ihre Zweige und Mitglieder und L. Ron Hubbard nicht verantwortlich sind für alles, was meinem Körper oder meinem Geist bei OT III geschehen mag.
Ich unterschrieb das Formular. Mit einem feierlichen und mystischen Lächeln legte mir der Direktor des Trainings dann das Paket mit den Instruktionen in meine geöffneten Hände.

Unfälle bei OT III
Solche Fälle werden behandelt, indem man Sie gut ausruhen läßt, Ihnen dann eine vollständige Review Ihres Falles und eine Wiederholung Ihrer sämtlichen früheren Stufen gewährt. Das wird vervollständigt durch ein grünes Formular und einem Tag oder zwei im Repetitorium, der Abteilung für solche Schüler, die einen Prozeß nicht verstanden haben.
OT III-Instruktionen
Hier trifft man Körper-Thetanen (Körper 0), das sind Seelen, die sich an den Körper geheftet haben. Auch wenn sie nicht offen gefährlich sind, neigen sie doch dazu, eine Person unter Druck zu halten; es ist daher besser, sie los zu sein. Man befreit sich von Körper-Thetanen, indem man sie durch zwei Engramme auditiert, die vor Billionen und Trillionen von Jahren eingeprägt wurden. Zuerst wird das Vorhandensein eines Körper-Thetans festgestellt und durch das Engramm I auditiert. Es kann sein, daß er dabei verschwindet. Wenn der betreffende Vorfall zu Ende auditiert und der Körper-Thetan noch nicht befreit ist, dann wird Engramm II auditiert.
Die Release in OT III ist vollzogen, wenn alle Körper-Thetanen vertrieben sind ... Es können hunderte sein.
Man muß absolut sichergehen, immer denselben Körper-Thetan zu auditieren, solange er noch nicht befreit ist. Ein Fehler wäre es auch, nicht zu bemerken, daß der Körper-Thetan schon beim Engramm I verschwunden ist und ihn auch noch durch das Engramm II zu auditieren. Dadurch würde man einen anderen Körper-Thetan herbeizitieren. Wenn ein Körper-Thetan suppressiv wird, soll er im Power-Prozeß auditiert werden.
Es ist gefährlich, OT III falsch zu auditieren. Fehler ziehen schwere Folgen nach sich: von Schlaflosigkeit über Lungenentzündung bis zum Tod.

Mir schwammen die Augen. Die Instruktionen waren in kräftiger aber

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unbeholfener Langschrift verfaßt. Manche wichtige Worte waren unleserlich. Ich verschloß die Instruktionen in meiner Aktentasche und ging dann zur AOUK.

Ich hatte beschlossen, so lange im Repetitorium zu bleiben, bis ich ganz klar verstanden hatte, was mit den Körper-Thetanen zu tun war. Die ganze Angelegenheit war für mich ein einziges Fragezeichen. Es wäre geradezu ein Treppenwitz gewesen, wenn ich damit nicht auch wieder in Schwierigkeiten geraten würde.

Das Repetitorium war ein kleiner Raum mit einigen Stühlen, einer Sammlung von Scientology-Büchern und einigen mit Wachstuch bespannten Tischen, auf denen Ton-Demos geformt werden konnten. Jeder Tag im Repetitorium kostete 8 Dollar. Es galt allgemein als ein Ort, den man nach Möglichkeit vermeiden mußte. Es hieß, man könne dort einen ganzen Tag verbringen, ohne seine Fragen beantwortet zu bekommen.

Ich setzte mich in eine Ecke und wartete auf den Repetenten. Ich studierte erneut die OT III-Instruktionen, wobei ich mich sorgfältig darum bemühte, die Seiten so abzudecken, daß niemand auch nur ein Wort erkennen konnte. An diesem Tag war der Repetent das Mädchen, mit dem ich meine erste Review-Sitzung in der AOUK absolviert hatte. Sie hatte kaum Zeit für uns, denn sie mußte auch noch auditieren und in der Buchhaltung arbeiten. Erst nach dem Mittagessen kam ich an die Reihe. Da kein Büro frei war, gingen wir in ein Badezimmer. Die Repetentin setzte sich auf den Rand der Badewanne, ich nahm auf dem Thron Platz.
"Was verstehen Sie bei dieser Stufe nicht?" fragte sie.
"Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Zum Beispiel heißt es, 'zuerst stellt man den Körper-Thetan fest'. Aber wie zum Teufel macht man das?'"

Sie schlug mir vor, Ton-Demos zu machen. Damit verbrachte ich dann den Nachmittag. Ich schützte die Demos mit meinem Körper vor den Blicken der anderen. Ich machte die Figur eines Auditors, als Körper-Thetan heftete ich ihm einen Klumpen Ton auf den Rücken. Kommunikationslinien und Etiketten zeigten an, daß ein Engramm behandelt wurde.

Am nächsten Morgen holte mich die Repetentin wieder in das Badezimmer. Ich beantwortete ihre einfältigen Fragen, wie "Woher wissen Sie, daß Sie den gleichen Körper-Thetan auditieren?" Die Demos hatten mir nicht die geringste Idee gegeben, wie man diesen Prozeß führen muß oder was man zu den Kreaturen zu sagen hatte. Schließlich meinte sie: "So schwer ist es gar nicht. Gehen Sie nach Hause und machen Sie sich an die Arbeit." Sie sprach darüber, als wäre es ein

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Spiel. Vielleicht war es das wirklich? Jedenfalls brachten unsere Diskussionen nichts zuwege. Nur das eine hatte ich erfahren: man sollte die Körper-Thetanen mit dem E-Meter feststellen. Man dachte an verschiedene Teile des eigenen Körpers, bis man eine Nadel-Reaktion erzielte, genau dort war dann eine marodierende Seele ...

... es gibt nur wenige Preclears, deren Körper auf den Hinweis, daß solche Vorfälle existieren können, nicht kräftig reagieren. So gewaltig ist die Ladung.
L. RON HUBBARD
Beide Vorfälle waren in Langschrift niedergelegt. Vorfall II war der "Bomben-Vorfall". Ich stellte mir mein Gesicht vor; jede Einzelheit ließ ich vor meinem inneren Auge passieren. Gleichzeitig kontrollierte ich, ob sich auf dem E-Meter eine Reaktion ergab. Als ich bei der Haut neben meiner rechten Augenbraue anlangte, erhielt ich ein SF. Ich notierte im Arbeitsblatt "Körper-Thetan über dem rechten Auge", und dirigierte ihn an den Anfang von Vorfall I.

Vorfall I ereignet sich am Anfang der Zeit-Spur, vor 405 Billionen Jahren:
Man hört einen Knall — eine Kutsche fährt vorbei — wendet sich nach rechts, dann nach links und verschwindet — ein Cherub mit einer Trompete erscheint — er setzt sie an seinen Mund — bläst — er kommt näher und immer näher — plötzlich wirbelt er herum und geht fort — dann eine Serie von Explosionen — schließlich Dunkelheit über der Szene.

Ich auditierte den Körper-Thetan mehrfach durch die ganze Szene. Jedesmal war das Bild vor meinem geistigen Auge anders. Einmal schwankte die Kutsche über einen staubigen Acker, dann über eine saftige Wiese mit bunten Blumen, dann wieder raste das Pferd, wie Pegasus, durch einen Wolkenhimmel, mitten in der Nacht oder in hellem Sonnenlicht. Auch die Trompete des Cherubs hörte sich verschieden an.

Ich trug alles in meine Arbeitsblätter ein. Plötzlich kam mir der Gedanke, daß ich alles durcheinander brachte: eine Erkenntnis! Der Körper-Thetan war frei — er war schon verschwunden. Ich notierte das.

Einen weiteren Thetan stellte ich links zwischen den Rippen fest. Nach wenigen Durchgängen mit Vorfall I gab es keine Reaktionen mehr. Ich suchte nach dem nächsten Körper-Thetan, aber ich war nervös. Angenommen, der letzte war doch noch da. Ich hatte keine Gewißheit, ob er wirklich verschwunden war. Versteckte er sich vor mir?

Der nächste Körper-Thetan war dicht über meinem linken Auge. Ich machte mehrere Durchgänge mit Vorfall I. Ich war keineswegs über-

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zeugt, daß die Kreatur verschwunden war, und arbeitet immer weiter. Die Nadel-Reaktionen schrumpften.

Eine Liste mit Vulkanen gehörte zu dem Material. Sie bestand aus zwei Kolonnen, eine für die westliche, eine für die östliche Hemisphäre. Ich erzielte eine Reaktion, als ich "östliche Hemisphäre" ausrief, diese Kolonne anging und "Java" nannte. Ich sprach den Körper-Thetan über meinem linken Auge an: "Bist du derselbe Thetan, den ich über den Vorfall I auditiert habe?" und erzielte eine Reaktion. Ich ging zu Vorfall II weiter ...

Vor 35 Billionen Jahren löste ein böser Fürst namens Xenn das Problem der Übervölkerung auf einem anderen Planeten, indem er 2 Billionen Thetanen zur Erde brachte, die zu jener Zeit als Teegeack bekannt war — er stopfte sie in Wasserstoffbomben, die er in einem Vulkankrater explodieren ließ — durch die Explosion wurden die Thetanen, an elektrische Kabel angeschlossen, bis hoch in den Himmel geschleudert — dann wurde ihnen die gesamte R6 Bank eingeprägt, sie wurden in ein Flugzeug geladen und wieder auf die Erde geworfen — schreckliches Unheil ereilte jeden, der diesen Komplott aufzudecken versuchte, bis uns die Aufklärung gelang — Ron wäre fast selbst elend zugrunde gegangen; doch irgendwie überlebte er, allerdings völlig zerschlagen — Xenn wurde für sein Verbrechen bestraft, indem er in einer elektrisch geladenen Kiste eingesperrt wurde, die in einem Berg im Westen des nordamerikanischen Kontinentes versteckt worden ist, dort befindet er sich noch heute — der Körper-Thetan wird befreit, wenn man die Vorstellung eines grinsenden Flugzeug-Piloten hat, der sagt: "Er ist nur ein Blendwerk". — Wenn der Körper-Thetan dann noch immer nicht verschwunden ist, dann folgen tagelang Bilder von Göttern, Teufeln und der ganzen R6 Bank.

Ich sagte zu dem Körper-Thetan: "Geh zum Anfang dieses Vorfalls." Auf dem E-Meter überprüfte ich, ob eine Reaktion kam, um sicherzustellen, daß er dort war. "Geh nun den Vorfall bis zum Ende durch und sag mir alles, was passiert, während du unterwegs bist."

Das Engramm lief nicht gut. Ich konnte mich nicht an alle Details über den Zustand der Thetanen erinnern. Und da dieser mir überhaupt nichts zu sagen schien, überlegte ich, ob es zulässig war, wenn ich nochmals in dem handgeschriebenen Text nachlas. Ich fragte mich ständig, ob ich vielleicht zu schnell zu Vorfall II übergegangen war. Nach wenigen Durchgängen ging ich zu Vorfall I zurück, um nachzuprüfen, ob er wirklich eingeebnet war. Es war schwieriger als je. Ich versuchte, eine Liste mit Einwänden zu nullen, die Ron dem Material für den Fall beigefügt hatte, daß sich die Vorfälle nicht gut auditieren ließen.

"Besteht der Wunsch aufzuhören?" las ich aus der Liste laut vor. "Besteht der Wunsch, den Vorfall zu meiden?" Inzwischen hatte ich den Vorfall I mindestens dreißigmal auditiert. Der TA ging immer mehr nach oben, ich hatte fürchterliche Kopfschmerzen. Jedesmal wenn die

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Kutsche vorbeiraste, sah ich einen Moment lang den Mann auf dem Kutschbock; während er die Pferde wie rasend voranpeitschte, drehte er mir sein Gesicht mit einem teuflischen Kannibalengrinsen zu. Meine Furcht wuchs noch. Was war mit dem Körper-Thetan? Vielleicht war er schon einmal verschwunden und ich hatte ihn zurückgerufen. Ich ging die Liste mit den Einwänden immer weiter durch — schließlich hörte ich seltsame Töne. Ich kämpfte mich durch einen Durchgang nach dem anderen, bis die Nadel völlig festsaß.

Ich hatte 63 Durchgänge gemacht. Das war unmöglich: so viele brauchte kein Engramm. Das Auditieren ekelte mich an, ich fühlte mich völlig krank. Darum hörte ich auf.

Als ich früh am nächsten Morgen aufwachte, überfiel mich panische Angst. Der Gedanke, weiter zu auditieren, war unerträglich. Vielleicht erging es mir jetzt wieder genauso wie im Clear-Prozeß. Vielleicht war der Körper-Thetan, der in der ersten Sitzung befreit worden war, der einzige, der je vorhanden war und befreit werden mußte. Ich durfte nicht wieder den Fehler machen, nach einer Release tagelang weiterzumachen und den Prozeß so zu übertreiben, daß ich todkrank wurde.

In der Barbaren-Welt draußen kann man bestraft werden, weil man sich gegen die Autoritäten gestellt hat, gegen die äußeren und gegen die inneren. Man straft sich selbst, weil man der inneren Stimme nicht gehorcht, die einen lehrt, das Richtige vom Falschen zu unterscheiden. In Rons Welt gehen die Strafen über jedes vernünftige Maß hinaus: dort droht der Wahnsinn.

Wenn mich zu jener Zeit jemand gefragt hätte: "Glaubst du wirklich, daß es Gorilla-Einprägungen gibt, elektrische GPMs, und Körper-Thetanen?", dann wäre ich vermutlich in Ohnmacht gefallen, weil ein Außenstehender von diesen Dingen gewußt hätte. Hätte ich trotzdem antworten können, hätte ich vermutlich gesagt: "Ich habe keine Zeit darüber zu diskutieren, ich stecke mitten drin."
 
 
 
 

Schuldig

Meine dem Zustand von Schuld entsprechende Strafe, als sie mich endlich ereilte, war gar nicht so schlimm; ich hatte mir zu viele Sorgen gemacht.

Der Prüfer legte seine Zigarre hin, ging zu einem Aktenschrank und holte alle meine Arbeitsblätter aus den Prozessen OT I und OT II hervor. "Hm... Sie wissen, daß Sie I und II mit einem ziemlich ho-

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hen TA abgeschlossen haben. Was zeigt der TA an?" "Das Ausmaß der Spannung, die auf die Nadel drückt." "Gut. Und was bedeutet es, eine Stufe mit einem hohen TA abzuschließen?"

"Daß ich ihn mit hoher Spannung abgeschlossen habe." "Fein. Ich werde Ihre Stufen I und II nicht anzweifeln — Sie haben sie definitiv abgeschlossen — aber hier, gegen Ende von OT II, haben Sie mehrere Punkte übergangen, obwohl sie keine Nadelreaktion erbracht hatten. Genau so bei OT I. Wie kommt das?" "Ich fürchte, ich war einfach dumm." "O.k. Aber Sie wissen, Dummheit ist kein guter Grund, um Rons Instruktionen falsch anzuwenden — es ist keine Entschuldigung. Sie sind jetzt Mitglied einer Gruppe und Sie müssen sich klar sein, daß alles, was Sie einem PC antun, die ganze Gruppe in Mitleidenschaft zieht. Wir halten uns hier alle an den Ethik-Codex. Ich werde Sie in den Zustand der Schuld versetzen müssen, weil Sie Out-Technik praktiziert haben."

Es war eine Erleichterung, die seit langem befürchtete Strafe endlich zugeteilt zu bekommen. Ich hatte geahnt, daß es so kommen würde. Deshalb war ich schon seit einigen Tagen in Jeans und alten Hemden zur AOUK gegangen. Der Prüfer füllte ein Formular aus und schickte mich ins Ethik-Büro. Dort band mir eine aufregende Blondine einen schmutzigen grauen Lappen um den Arm und schickte mich in die Aufwaschküche. Der Steward, ein ehemaliger britischer Marineoffizier gab mir ein Heft mit einer minutiösen Beschreibung meines Postens. Zu den darin aufgeführten Pflichten gehörte das Geschirrspülen und das Kohleholen für den Ofen der Aufwaschküche. Das Heft enthielt sogar einen Grundriß der Küche und eine Anweisung, welches Spülmittel zu benutzen war.

Die AOUK als ganzes war an jenem Tag im "Zustand des normalen Arbeitens", weshalb meine Schicht nur zwölf Stunden dauerte. Ich spülte, deckte den Tisch in der See Org-Messe, schrubbte Töpfe und Pfannen, schleppte Kohlen und einen Abfalleimer mit Schweinefutter zu einem Seiteneingang. Nicht einen Augenblick dachte ich daran, daß ich ihnen dafür auch noch Geld bezahlte. Der Steward war eine Seele von einem Mann. Er erfüllte seine Pflichten ruhig und demütig, als ob er etwas gut machen wollte, vielleicht Sünden, die er in der Marine begangen hatte. Anfangs war ich auf der Hut vor ihm, aber da ich meine Arbeit sorgfältig machte, merkte ich, daß er immer freundlicher wurde; und gegen Ende meiner Schicht traktierte er mich mit Kaffee, Süßigkeiten und Zigaretten. Er selbst rauchte nicht, hatte aber immer Zigaretten für seine Sträflinge.

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Ich brauchte nicht zu hungern. Auf der hinteren Treppe, die zu den Mülltonnen führte, bekam ich einen Teller mit Essen. Abends säuberte ich alle Badezimmer und legte Teppichböden in die neuen Qualifikationsbüros im oberen Stock. Meine letzte Aufgabe war es, dem Steward beim Servieren des Abendtees zu helfen.

Wenn man wieder in den korrekten Zustand zurückversetzt wurde, versprach man sich davon einen besseren TA. Nach der Strafe sollte man "schöner" als vorher sein, umso mehr, je härter die Strafe gewesen war. Einer von Rons Adjutanten war dafür berühmt, daß er alle Zustände, von "Feind" bis "Power" im Geiste durchmachte, und zwar jeden Tag noch vor dem Frühstück. Ferner hieß es, wenn man eine Strafe abarbeitete, neige man zu plötzlichen Erkenntnissen über den Ethik-Codex, die Organisation und die Stelle, die man selbst in Rons Kosmos einnahm. Mir wurden solche Offenbarungen nicht zuteil; ich war nur erleichtert, zur Abwechslung einmal körperlich arbeiten zu müssen.

Meine Strafschicht endete um l .00 Uhr früh. Ich verbrachte die Nacht auf dem Boden des vorderen Wartezimmers, da die Regeln ein Verlassen der AOUK verboten, bevor man völlig aus dem Zustand der Schuld heraus war; und letzteres geschah erst durch das Ausschreiben einer Petition und der Genehmigung durch das Ethik-Büro. Die Mitglieder der See Org kamen gegen sieben Uhr aus ihren Zimmern im oberen Stock. Ich hatte meine Petition für die Unterschrift vorbereitet. Da ich selbst schon viele derartige Papiere unterzeichnet hatte, wußte ich genau, wie eine solche Petition aussehen mußte:

Ich, Robert Kaufman, wegen Out-Technik während der oberen Stufen in den Zustand von Schuld versetzt, habe die Schuld-Formel wie folgt angewandt:
1. Ich habe erkannt, daß die Scientologen meine Freunde sind.
2. Ich habe dem Feind einen vernichtenden Schlag versetzt, in diesem Fall meiner eigenen Dummheit und Unfähigkeit, den Instruktionen zu folgen.
3. Gegenüber der Gruppe habe ich Wiedergutmachung geleistet, indem ich zwölf Stunden in der Aufwaschküche, den Badezimmern und im Qualifikationsbüro gearbeitet habe.
4. Ich bitte die Mitglieder der AOUK daher jetzt um die Erlaubnis, mich wieder der Gruppe anschließen zu dürfen.

Unter den ersten, die ich um eine Unterschrift anging, war die Ethik-Beamtin. "Sie lassen den Leuten ja keine Wahl", monierte sie. "Sie müssen auf dem Blatt einen Strich ziehen, damit auf der einen die Ja- auf der anderen die Nein-Stimmen eingetragen werden können."

Mit der Petition in der Hand lungerte ich im Foyer herum, zusammen mit einem Jungen, der gerade eine Drei-Tage-Schicht im Zustand des Zweifels durchgemacht hatte und im Stehen schlief. An der Treppe

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sprachen wir die Schüler an mit unserer Bitte: "Würden Sie mir gestatten, mich wieder der Gruppe anschließen zu dürfen?" Manche unterschrieben, ohne auch nur einen Blick auf die Petition zu werfen. Andere lasen die Formel sorgfältig durch — wie ich annahm, um sie besser zu kennen, wenn sie selbst in die gleiche Lage gerieten. Vielleicht auch nur, um nicht bei einer Nachlässigkeit erwischt zu werden. Keiner schrieb seinen Namen auf die Seite für "Nein".

Ich betrat das Büro des AOUK-Kommandanten, um mir seine Unterschrift zu holen. Er zeigte auf meine Liste und brüllte mich an: "Was soll das?"

"Die Ethik-Beamtin wollte, daß ich auch Platz für 'Nein' lasse." "Ach, tatsächlich? Sie fordert Sie ja geradezu auf, sich selbst herabzusetzen. Streichen Sie die Seite auf Ihrem Blatt sofort durch. Wollen Sie das Nein postulieren?"

Theoretisch mußte man die Unterschrift jedes Gruppenmitgliedes einholen — in dieser Woche wären das 180 gewesen — aber die Ethik-Beamtin akzeptierte meine Liste, nachdem sie 60 Namen enthielt. Sie ging zur Zustandstafel und steckte mein Namensschild höher, zum Zustand des Nicht-Existierens. Dann schickte sie mich zum Zentral-Büro, wo ich vier Stunden lang arbeiten mußte, um den Zustand der Gefahr zu erreichen. Vor einem der Büros sah ich den Steward stehen, an eins seiner Handgelenke war ein Vorhängeschloß gekettet. Das war eine neue Strafverschärfung für See Org-Mitglieder im Zustand des Zweifels. Ich fragte mich, was er getan haben könnte.

Nach einer Bestrafung war man verpflichtet, eine Stunde Review zu nehmen. An der Kasse zahlte ich dafür 20 Dollar, zuzüglich 8 Dollar für einen weiteren Tag im Repetitorium, dann ging ich zum Wartezimmer. Dort war ich schon fast zum Mobiliar geworden, da ich schon eine Woche lang ständig in Review war.

Es war deprimierend. Unglückliche PCs, Clears und OTs saßen da, rauchten oder brüteten über Zustandsformeln, um sich klar zu werden, zu welcher Kategorie sie gehörten. Die meisten waren zu sehr mit ihren Oberstufen-Problemen beschäftigt, als daß sie miteinander gesprochen hätten. Gelegentlich kam eine geschäftige junge Frau herein und schüttete uns einen Packen Briefumschläge in den Schoß, die wir zukleben und adressieren mußten. Ich übernahm diese Aufgabe gern, weil ich dadurch von weiterem Grübeln über die Oberstufen befreit wurde. Der Einzige, der an jenem Tag im Wartezimmer ein glückliches Gesicht machte, war der Junge, der seine Strafe für den Zustand der Schuld hinter sich hatte.

Manchmal lächelte ich ihm zu. Ich kannte ihn vom Saint Hill. Er hatte seinen Solo-Kurs in wenigen Minuten geschafft und war in das Klassenzimmer

gekommen, um uns in seiner Erfolgsansprache zu sagen, wie lächerlich einfach alles gewesen sei. Damals hielt ich ihn für einen Wissenden. Aber hier hatte ich zufällig gehört, wie der Prüfer mit ihm sprach und andeutete, daß er sein Clear-Release vorzeitig erklärt hatte — er hatte ausbleibende Nadel-Reaktionen fälschlich als Anzeichen für eine Release gedeutet. Das war ein klarer Fall eines falschen Attestes. Nachdem in der Sicherheitsüberprüfung sein Fehler festgestellt worden war und er seine Strafe hinter sich hatte, lächelte er selbstzufrieden. "Ich fühlte mich in meinem ganzen Leben nie besser", vertraute er mir an.

Die Scientology lehrt zu akzeptieren, um zu befreien. Was ein Mensch nicht akzeptieren kann, legt ihn in Ketten. 'Laß sie widerstehen', das könnte das Motto eines Herrschers sein. Widerstand und Zurückhaltung sind der Stacheldraht seines Konzentrationslagers. Man akzeptiere den Stacheldraht, und es gibt kein Konzentrationslager mehr.
L. RON HUBBARD
Verschiedene Mitglieder der Mannschaft machten mich nervös und erweckten meinen Widerstand. Einer davon war der Kommandant, ein großer Mann mit breiten Schultern und kurzgeschnittenen Haaren; er warf mit Befehlen um sich, wie ein Offizier. Dann gab es einen schrecklichen Auditor, der in jener Woche die Sicherheitsüberprüfungen machte. Auf seinem Rattengesicht trug er einen riesigen Schnurrbart. Er war der letzte, von dem ich mich mit einem E-Meter hätte befragen lassen wollen. Ein anderer, den ich noch weniger leiden konnte, war ein OT VI, der "Master-of-Arms" (= Dienstgrad bei der Marine-Polizei). Er war noch größer als der Kommandant und schwerer, etwa 250 Pfund, mit einem kleinen Schnurrbart auf der schmalen Oberlippe, einer aufgeworfenen Unterlippe und den böswilligsten kleinen braunen Augen, die ich je gesehen hatte. Er verbreitete um sich herum ein Gefühl tödlicher Bedrohung, das nach körperlicher Gefahr roch.

Während dieser Woche in der AOUK lernte ich diese Männer und die übrigen Mitglieder der See Org-Mannschaft besser kennen. Alle waren den gleichen harten Regeln unterworfen. Keiner war vor Strafe gefeit. Auch die höheren Ränge waren gelegentlich mit dem schmutziggrauen Lappen um den Arm zu sehen. Selbst Ron, so ging das Gerücht, hatte sich einmal selbst bestraft, als er glaubte, es verdient zu haben. Diese gemeinsame Gefahr hielt keinen davon ab, den anderen gegenüber den Herrn zu spielen — wie in jeder Bürokratie. Dies geschah auf der Basis des Ranges oder der stärkeren Persönlichkeit, wie

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in der Barbaren-Welt draußen.

An der Wand neben dem Wartezimmer war das Organisationsschema angebracht. Es war eine gigantische Karte, auf der die Hierarchie der AOUK dargestellt war. Ganz oben stand L. Ron Hubbard als "Stifter und Commodore", direkt unter ihm seine Frau, Mary Sue, als "weltweite Wächterin", wiederum darunter der Kommandant der AOUK. Von ihm ging ein ganzes Netz von Linien aus, das zu den einzelnen Jobs und Posten der Mitglieder der See Org-Mannschaft führte. Es gab Erste, Zweite und Dritte Maate, den Hochbootsmann, den Steward, den Proviantmeister, den Zahlmeister usw. Die einzelnen Posten wurden periodisch ausgetauscht, eine Prozedur, die "Rotation" genannt wurde. Da in der AOUK häufig ziemliches Durcheinander herrschte, kam es häufig vor, daß eine Person zwei oder drei Posten gleichzeitig ausfüllen mußte. Auch in solchen Fällen war es strikt verboten, daß einer die Pflichten eines anderen übernahm, auch wenn sie noch so klein waren. Eine Übertretung dieser Regel wurde "Unnötiger Verkehr" oder UV genannt. UV in der einen oder anderen Form war nach Rons Worten die Ursache für den Verfall der großen Zivilisationen in der Geschichte. Die Administrationen der verschiedenen Orgs in aller Welt sollten diese Gefahr vermeiden.

Das Org-Schema war nicht nur das Modell für jede Org, nach dem Willen von Ron sollte es auf die ganze Weltbevölkerung angewandt werden. Ganze Bände von Bulletins beschrieben Struktur und Funktion dieses weitmaschigen und komplizierten Organisationsnetzes. Es ähnelte verblüffend einem riesigen Ameisenhaufen (eine Beobachtung, der ich mich zu jener Zeit verschloß).

Die Mannschaft lebte direkt in der AOUK. Es gab aber nur wenig Platz zum Wohnen. Ich sah ihre Zimmer, als der Steward mich nach oben schickte, um ihm etwas aus seiner Kommode zu holen. Die Zimmer waren kaum groß genug, um eine obere und eine untere Koje aufzunehmen, ferner ein paar Sachen zum Anziehen.

Jeden Morgen, wenn ich in der AO ankam, verließen See Org-Mitglieder in ihren weißen Uniformen die Akademie. Sie waren verpflichtet, dort zwischen dem ersten Frühstück und dem Beginn der Bürostunden um 9.30 Uhr zu studieren. Die Mannschaft blieb die halbe Nacht auf; sie renovierten das alte Hotel, erledigten Papierkram, und auditierten auch, falls Not am Mann war, — gegebenenfalls einer den anderen. Sie schienen sehr abgehärtet, ich erlebte nie, daß einer von ihnen krank wurde. Sie waren es gewohnt, nur wenig Schlaf zu bekommen, obwohl der eine oder andere nach dem Abendessen verstohlen gähnte. Ich hielt es für ihre Auffassung von innerer Freiheit, was sie fähig machte, eine so rigorose Disziplin durchzustehen. Keine Macht

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der Welt hätte sie zu diesem Leben zwingen können; sie selbst wollten es nicht anders haben.

In gewisser Hinsicht machte Ron der See Org-Mannschaft das Leben leicht: Sie hatten keine Probleme, weder wie sie ihre Zeit ausfüllen, noch wo sie Freunde finden sollten, oder was sie lernen wollten: Ron hatte für alles vorgesorgt. Sie brauchten selten Entscheidungen zu treffen. Die ständige Rotation verhinderte, daß sie zu ehrgeizig wurden. Sie hatten kein Privatleben, das sie hätte ablenken können. Sie hatten ihre Entscheidung ein für allemal gefällt — nicht nur für dieses Leben, sondern auch für alle künftigen. Die Mühe des Denkens war ihnen abgenommen, deshalb fühlten sie sich frei.

Trotz meiner Bedenken und Widerstände empfand ich das Leben in der AOUK in gewisser Weise doch als anziehend. Irgendwie muß mir aufgegangen sein — und vielleicht fürchtete ich mich davor am meisten — daß ich in mir selbst alle Kräfte hatte, die auch die See Org antrieben; Tendenzen, die in der einen oder anderen Form allen Menschen zu eigen waren. Ich weiß noch genau, wie ich dachte: "Es ist nie langweilig hier — das Leben ist so intensiv — vollgepackt mit Freude, Spannung, Erleichterung, Furcht, Hoffnung, Trauer — jeder Tag ein ganzes Leben." Alle diese Gefühle schienen mehr zu bedeuten als früher im gewöhnlichen Leben. Hier gab es eine Richtung, einen Zweck, ein Ziel. Man wußte, hier ging es um die eigene Seele, selbst wenn man seine Rechnung bezahlte.

In der AOUK gefielen mir die Review-Sitzungen am allerbesten. Dabei hatte man immer die Chance, daß der Auditor zum Kern des eigenen Falles vorstieß. Review bot eine Art von Kommunikation, die sonst nirgends zu finden war: Frage, Antwort, Bestätigung, der liebevolle, aber immer kontrollierte Blick, das alles ging einem ins Blut wie ein zuckersüßes Narkotikum. Ganz gleich, wie einsam und fremd man war, während des Gesprächs mit dem Auditor gehörte man dazu. Die Oberstufen-Leute waren bereit, auf das alles geduldig zu warten. Und außerdem: die Barbaren-Welt dort draußen war unvorstellbar. Je länger man in der AO blieb, desto fester angebunden war man. Manche Mannschaftsmitglieder verließen das Haus nur, wenn sie Sonderurlaub hatten oder wenn sie zur Jacht fuhren.

Für die Schüler war diese Atmosphäre keineswegs deprimierend. Eher das Gegenteil: Brot und Butter, himmlisches Manna. Eine Ausnahme war höchstens das Review-Wartezimmer an manchen schlechten Tagen. Während sie sich durch die oberen Stufen arbeiteten, waren sie von dem Gefühl besessen, der totalen Freiheit schon ganz nahe zu sein. Durch ihre Nähe zur Jacht, der Quelle alles Heils, und zu ihrem Führer waren die Mitglieder der See Org sehr friedfertige Menschen. Sie

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glaubten sich der Himmelstür nahe. Trotzdem entging mir nicht das Menschlich-Allzumenschliche an dieser seltsamen Umgebung. Ich erinnere mich an eine besondere Szene, die Ankunft eines fetten, aalglatten OTs aus den Staaten. Er wirkte wie ein Berufsringer, der Manager geworden war. Ich stand gerade an der Kasse, um meine nächste Review-Sitzung zu bezahlen. Er kam herein, blickte sich um und redete sofort alle Anwesenden an: "Ich habe einen guten Witz für euch: Warum scheißt man immer Würstchen?" Die anwesenden Scientologen bemühten sich, gute TRs zu zeigen — erfolglos, der dicke Mann schaffte sie. Erinnerungen an ihr früheres Barbaren-Leben stiegen auf, wie an ihrem Gesichtsausdruck zu erkennen war. Der Mann schaute in aller Ruhe einen nach dem anderen an. "Warum?" flüsterten einige. "Damit eure Arschlöcher nicht zuwachsen!" Die Gesichter der See Org-Mannschaft wurden verschlossen. Peinliche Stille entstand, dann wandten sich alle wieder ihrer Arbeit zu.

Ich mußte noch mehrere Tage warten, bis mich ein Auditor durch das grüne Formular brachte und das Qualifikationsbüro mich zum Repetitor schickte. Noch immer wartete die Aufgabe, die Körper-Thetanen auszusortieren.

"Sehen Sie, es ist nicht so schwierig, wie Sie es machen", sagte der Repetitor. Es war spät am nächsten Nachmittag und wir hatten nicht einmal die Oberfläche meiner Verwirrung aufgeritzt. Am meisten unklar war mir die Sache mit den Einwänden. Sollte man bewerkstelligen, daß die Engramme liefen, indem man jeweils einen Einwand ausräumte, oder war es In-Technik, immer alle zehn Einwände zu nennen, bis der Vorfall ins Rollen kam und sich Nadel-Reaktionen einstellten? Wie konnte außerdem die Nennung eines Einwandes ihn schon ausräumen? Die Instruktionen sagten nicht, wie man einen Körper-Thetan anreden mußte oder wie man erkannte, mit wem man redete. Diese Geräusche und Visionen, waren sie real? Vielleicht hatte ich sie nur erfunden. Ron selbst hatte angedeutet, daß alles Blendwerk sei. Sollte man so tun, als ob sie real wären, bis man es leid war und vor sich selber zugab, daß man Hubbards Drehbuch nur abschrieb, so wie es befohlen worden war? Oder war der Bomben-Vorfall doch Realität...?

Ich stellte der Repetitorin alle diese Fragen nicht. Und die Fragen, die ich stellte, konnte sie nicht klar beantworten, ohne ihre Meinung hinzuzufügen, was illegal war. Die Aufschlüsse, die ich brauchte, gab es nicht. Die Repetitorin konnte mir nicht helfen, genausowenig die Instruktionen. OT III war gefährlich, ob real oder Blendwerk. Ich schaute sie bittend an. Sie hatte ihr Bestes getan, ihre Augen waren

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vor Erschöpfung fast zugefallen.

"Wissen Sie, was Sie tun?" fragte sie. "Sie versuchen, die Gewißheit, die Ihnen fehlt, von mir zu bekommen. Ich weiß nicht, was ich für Sie tun könnte. Ich kann sie Ihnen nicht geben. Wir müssen mit der Prüferin sprechen."

Die Prüferin starrte mich an. "Wollen Sie sagen, Sie verstehen den Prozeß noch immer nicht?"

"Vielleicht muß ich noch einen Tag ins Repetitorium." Sie schaute mich vielsagend an. "Robert, du bist nun zwei volle Tage dort gewesen. Wir können die oberen Stufen nicht für dich absolvieren. OTs haben etwas, das dir endlich klar werden sollte: sie sind die tapfersten Leute in der Welt. Es ist gewiß nicht leicht, ein OT zu werden. Wir müssen dir mehr Härte beibringen, solange du hier bist. Sonst wirst du nie ein OT. Sicher denkst du jetzt, ich sei brutal zu dir. Aber später wirst du mir dankbar sein. Also, NACH HAUSE UND AUDITIEREN!"

Müden Schrittes verließ ich das Qualifikationsbüro und ging hinunter zur Straße. Draußen in der frischen Luft hob sich meine Stimmung wieder. Wie hatte ich mich nur von den Leuten, die mir doch helfen wollten, so blamieren können? Ich mußte mich jetzt endlich entscheiden. Ich wollte mich nicht noch einmal von der Prüferin bloßstellen lassen, selbst wenn ich mich beim Prozeß selbst zerstören sollte. Wild entschlossen, ohne einen klaren Gedanken, stürzte ich in mein Zimmer, um von neuem in den Morast von OT III zu springen.

Während ich E-Meter und Berichtsformulare vorbereitete, tat ich alles, um meine Entschlossenheit zu bewahren — komme was da wolle. Doch sofort tauchte ein neuer Zweifel auf, der mich voll traf: Es war nicht nur unklar, welche Körper-Thetanen verschwunden und welche noch zu auditieren waren, außerdem war ich mir nicht mehr sicher, wer der PC war — WAR ICH DER PC ODER WAR ES EIN KÖRPER-THETAN? In das Berichtsformular mußte ich schreiben: "PC: Robert Kaufman". Aber wieso galt ich immer noch als PC, obgleich ich doch clear war. Wenn nun ein Körper-Thetan der PC war, dann hatte ich zu leiden, weil ich einen PC mitten in einem Prozeß im Stich gelassen hatte, zum anderen standen mir akute körperliche Schmerzen bevor. Falls sogar mehr als ein Preclear im Spiel war, wurde meine körperliche und geistige Situation noch verworrener. Der Körper-Thetan über meinem linken Auge zum Beispiel. Ich rief ihn, auf dem E-Meter gab es eine kleine Reaktion. Er war also noch da. Ich fühlte Mitleid mit der Kreatur — er hatte mir nichts antun wollen. Litt er genauso wie ich? "Geh zum Anfang von Vorfall I, geh durch bis zum Ende und erzähl mir alles, was passiert!" befahl ich ihm. Nichts ge-

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schah. Ich sprach einen Punkt nach dem anderen an. Wieder bewegte sich nichts auf der Skala. Die Nadel war wie eingefroren. Der TA steckte bei 4.5 fest. Nichts rührte sich mehr. Ich drehte ihn ab und schrieb einen zusammenfassenden Bericht. Die Sitzung hatte zehn Minuten gedauert.

Meine Gedanken rasten: ich mußte fliehen, vielleicht spazieren gehen oder ins Kino. Aber von selbstzerstörerischen Kräften angezogen nahm ich nach kaum einer Stunde die Sitzung wieder auf.

Die Nadel bewegte sich mühsam nach links; der TA stieg fast bis 5.0 und der Druck in meinem Kopf wurde immer unerträglicher. Schon nach wenigen Minuten mußte ich aufhören. Ich ging im Zimmer auf und ab.

Dunkelheit: es war spät am Abend. Ich zündete eine Zigarette an. Warum sollte ich eigentlich während einer Sitzung nicht rauchen? Egal was passierte, es beruhigte mich wenigstens. Entschlossen begann ich wieder mit der Sitzung, die Zigarette zwischen den Lippen.

Ich war also unsicher über die Körper-Thetanen: Gut, dann mußte ich eben einen finden, dessen ich sicher sein konnte. Ich wollte meinen Körper abklopfen, bis ich eine Nadel-Reaktion erhielt, die keinen Zweifel offenließ. Zwanzig Minuten lang saß ich am E-Meter wie in Trance. Ich rauchte und prüfte meinen Körper durch, der sich immer mehr mit elektrischer Spannung auflud. Der Druck in meinem Kopf schwoll an. Jetzt waren die Körper-Thetanen da. In den früheren Sitzungen hatte ich mehrere von ihnen restimuliert zurückgelassen; es war nur fair, daß sie nun revoltierten. Es war nicht ihre Schuld, daß ich sie überall aufstörte, so daß sie in meinem Körper und auf meiner Haut umherkrochen. Ich schaute nicht mehr auf die Skala, ich saß nur noch da, umklammerte die Büchse, hielt den Kugelschreiber in der anderen Hand. Ich zerstörte mich mit Methode. Ganze Schwärme von Körper-Thetanen suchten mich heim.

Ich haßte den E-Meter. Er ließ mich die Fehler spüren, die ich begangen hatte. Natürlich... das zerstörerische Material war im E-Meter selbst! Seitdem ich ihn benutzte, war es durch meine Hände und von dort in mein Hirn geströmt. Nun war es in mir. Der E-Meter war der widerliche Behälter für allen Abfall der Galaxe. Schon die Einprägungen waren niemals auf der Zeit-Spur gewesen, sie waren in die elektrische Maschine eingeschlossen, dort warteten sie auf das Ergebnis der Prozeduren, die darauf angelegt waren, den Wert des Thetanen zu testen. Durch das vergiftete Material wurde nur der infiziert, der von Ron über die Einprägungen unterrichtet worden war. Nur wer reinen Herzens Ron verehrte, konnte der Zerstörung entgehen. Das erklärte die nicht mehr zu beseitigenden Rostflecken an meinen Händen. Während

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der Sitzungen wurde ich langsam gebrandmarkt. Und irgendwo in meinem Hinterkopf hatte ich das Echo einer gewaltigen H-Bomben-Explosion, tief in einem vulkanischen Krater, vor Milliarden Jahren ...

Ich war ein OT III Unfallopfer, wie im Bulletin beschrieben, mir stand eine komplette Review meines gesamten Falles bevor. Die See Org mußte herausbekommen, was mit mir los war, und mich wieder zusammenflicken.

Der junge Mann mit den haselnußbraunen Augen und der kleinen

Zigarre schaute mich liebevoll an: "Wie lange haben Sie letzte Nacht geschlafen?"

"Etwa drei oder vier Stunden."

"Das reicht bei weitem nicht. Vor der Review-Sitzung müssen Sie nachhause gehen und wenigstens noch vier Stunden schlafen."

Ich verzog mein Gesicht. "Das ist unmöglich, ich kann jetzt doch nicht schlafen!"

"Im Auditoren-Codex heißt es, daß eine Person, die unausgeschlafen ist, nicht auditiert werden darf. Jetzt ist es 10.00 Uhr. Gehen Sie nach Hause. Wenn Sie nicht schlafen können, ruhen Sie sich wenigstens aus — und essen Sie etwas. Das wird im Codex auch verlangt. Essen Sie anständig. Sie können gegen 14.30 Uhr zurückkommen. Dann sehen wir uns wieder."

Ich ging zurück und verkroch mich in mein Bett, den Wecker stellte ich so, daß ich die Zeiger sehen konnte. Gegen 14.00 Uhr rannte ich wieder aus dem Haus.

Der Dritte Maat nahm das grüne Formular. Ich bekam Reaktionen auf harmlose Fragen. Mir war egal, was ich sagte, was sie entdeckten.

Wir quälten uns durch das Formular.

"Wurde ein Withhold übergangen? — Das ergab eine Reaktion. Was, meinen Sie, könnte das sein?"

"Ich weiß nicht."

"Die Nadel bewegt sich!"

"Ich habe Angst vor dem Sterben."

"Danke!" flötete der Dritte Maat. "Ich möchte Ihnen mitteilen, daß Sie dabei eine schwebende Nadel hatten. Ist die Review vollständig?"

"Ich weiß nicht, ich fühle mich so seltsam."

"O.k., sitzen Sie einen Moment still — ich möchte mit Ihnen reden.

Wissen Sie, Ihr Fehler von Anfang an war es, daß Sie nicht genug Training hatten. Sie können nicht auditieren. Wußten Sie, daß der SBC (= Spezial Briefing Course: Spezieller Instruktionskurs) früher Vorbedingung für das Absolvieren der Oberen Stufen war? Ron hat

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diese Anordnung aufgehoben, um schneller zu mehr Schülern zu kommen. Er glaubte, die Schüler würden in der Lage sein, seinen Instruktionen auch so nachzukommen und den Gipfel zu erreichen. Aber das funktioniert offenbar nicht immer. Sie wollen doch ein guter Auditor werden, nicht wahr? Sie wollen In-Technik haben und sich durch die oberen Stufen auditieren, oder etwa nicht? Dann wissen Sie genau, was zu tun ist! Gehen Sie sofort hin und unterschreiben Sie für den SBC!"

Das bedeuteten wenigstens sechs Monate! "Es gibt überhaupt keine Frage. Sie müssen das Auditieren richtig lernen, um durch die oberen Stufen zu kommen", sagte sie abschließend. Mit einem triumphierenden Lächeln fügte sie hinzu: "Kommen Sie mit, wir gehen zum Prüfer."

"Es ist wirklich das Gegebene für Sie", sagte der Prüfer, der sich innerhalb weniger Stunden in den vollbusigen Rotschopf zurückverwandelt hatte. Ich konnte nichts sagen. Ich wollte mir die Konsequenzen überlegen, aber mein Kopf funktionierte nicht. Ich stand vor ihrem Tisch und starrte sie stumm an. Sie lächelte gewinnend: "Kommen Sie, wir gehen zum Buchhalter!" Sie sprang auf, hakte sich bei mir ein und zog mich den Gang entlang.

Ich stand in der früheren Hotelhalle, in der je