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Der
Scientology-Geheimdienst |
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| "Wir benützen die
herkömmlichen Spionagetechniken"
(Scientology-Gründer L. Ron Hubbard HCO PL 17.2.66) |
Am 17.3.1999 berichtete
das ZDF in "Kennzeichen D" unter dem Titel "Der Schattenmann" über
Mülltonnen-Schnüffelei bei Ingo Heinemann.
Der "Schattenmann" ist
Norman Suchanek.
Er hatte zunächst gebeten, dass sein
Name in dem TV-Film und in dieser Website nicht genannt wird.
Der Name war aber allen Beteiligten bekannt.
Inzwischen hat Norman Suchanek seine Meinung
geändert.
Scientology hat die Mülltonnen-Schnüffellei
stets bestritten. So wurde die Scientology-Sprecherin Sabine Weber von
dem Buchautor Thomas Kruchem ("Staatsfeind Scientology?", 1999, Seite 184)
darauf hingeweisen, dass der Baden-Württembergische Verfassungsschutz
berichtet habe, der Scientology-Geheimdienst wühle in Mülltonnen
von Scientology-Kritikern, um belastendes Material zu finden. Weber antwortete:
"Das finde ich köstlich. Der zuständige
Herr vom Verfassungsschutz hat wahrscheinlich zuviel Jerry Cotton oder
007 geschaut."
Auch in diesem konkreten Fall hat Scientology
dem ZDF gegenüber die Schnüffelei bestritten.
Der Begriff "Geheimdienst" ist keineswegs
eine Floskel.
Er beschreibt vielmehr sehr genau viele
Aktiviäten der Scientology-Organisation.
Dazu mehr unter Der
Geheimdienst der Scientology-Organisation.
| Was der "Schattenmann" nicht wissen
konnte:
Seine Aktion war schon viele Jahre vorher vorbereitet worden. 1986 hat die Staatsanwaltschaft München
einen Beschluss gefaßt, durch den Strafanzeigen der Scientology-Organisation
gegen Kritiker zurückgewiesen wurden.
Beigefügt hatte die Staatsanwaltschaft
Anlagen, darunter:
In der Anlage 17 werden Anweisungen für die Schnüffel-Praxis gegeben: "Eine Krankenschwester kommt an ganz bestimmte Daten heran".Im Kapitel über "DBC - Dust Bin Collection" ("Abfallbehälter Sammlung") wird geschildert, wie man Mülltonnen durchschnüffelt: "g) Mülltonne durchschauen, Papierkram herausnehmen.In der Anlage 18 geht es um die Adressaten derartiger Aktionen im konkreten Fall: "Heinemann ist auf jeden Fall eine Zielscheibe und falls man ihn behandelt, werden die anderen leichter zu behandeln sein, entweder parallel dazu, oder danach".Es wird klipp und klar zugegeben, daß man bisher nichts gefunden hat: " ...wobei dieser Heinemann die erste Zielscheibe ist, und daß wir Fakten und Straftaten über ihn wollen, um ihn vor Gericht zu bringen und ihn wirklich zu diskreditieren ...10 Jahre später hatte man offenbar noch immer nichts gefunden. Inzwischen war Heinemann von Stuttgart nach Bonn umgezogen und dann in einen kleinen Ort südlich von Bonn. |
| Textauszug
aus:
ZDF 17.3.99 Kennzeichen D: "Der Schattenmann" |
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Sprecher: " ... Rainer Fromm
ist es jetzt erstmals gelungen, ein früheres Mitglied dieses Geheimdienstes
[OSA] zu interviewen.
Dabei arbeitet die Organisation, was kaum
bekannt ist, mit einem eigenen Geheimdienst, OSA, dem berüchtigten
Office for Special Affairs".
| Caberta, Hamburger Innenbehörde:
"Das Office for Special Affairs ist praktisch der BND der Scientology-Organisation, also die Abwehrorganisation gegen die äußeren Feinede, die dafür zu sorgen hat, daß Scientology ungestört expandieren kann, die sich damit auseinandersetzen müssen, daß keine Angriffe kommen und daß die, die sich kritisch mit Scientology auseinandersetzen, ruhiggestellt werden." |
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"Schattenmann": "Die Scientology-Kirche hat Leute beschattet und verfolgt. Es wurden Nachbarn befragt, um negative Dinge herauszufinden. Es wurden Mülltonnen durchwühlt, um belastende Material aus dem Privatleben zu finden und es wurden künstlich Kritiker aufgebaut, die aber in Wirklichkeit von Scientology waren".
[Auf dem Bildschirm: ein Hubbard-Bild, danach ein Dokument, hervorgehoben: "Unterdrücker! . Rotten Sie sie aus"]
Sprecher: Der Gründer von Scientology. L. Ron Hubbard. Gegner nannte er Unterdrücker, die er fertigmachen wollte. In diesem Dokument heißt es: "Unterdrücker! . Rotten Sie sie aus".
"Schattenmann": "Eine der Aufgaben
von OSA ist es, Ermittlungen gegen sogenannte Feinde durchzuführen
um Dinge über diese herauszufinden, so daß man sie unter Druck
setzen oder vernichten kann. Feinde der Scientology müssen natürlich
mundtot gemacht werden und gemäß der Richtlinie wenn möglich
vollständig finanziell ruiniert werden. Zu den Feinden gehören
verschiedene Berufsgruppen, wie zum Beispiel Sektenbeauftragte der Kirchen,
Sektenkritiker, oder auch bestimmte Politiker".
Sprecher: "Freiwilliger Lokaltermin. Der ehemalige Schnüffler trifft den Rechtsanwalt, der Sektenopfer betreut und dadurch zum Unterdrücker für Scientology wurde. Mit der Aktion Mülltonne wollte man seine Glaubwürdigkeit erschüttern".
[Im Bild: Der "Schattenmann" klingelt bei Ingo Heinemann, dann beide vor einer Mülltonne]
Heinemann: "So, da ist das corpus
delicti. Wie haben Sie das damals gemacht? Haben Sie die hier ausgeleert?"
Sprecher: Das Bayerische innenministerium sieht in solchen Kampfansagen eine neue Form des Extremismus.
| Jürgen Keltsch, Innenministerium
Bayern:
"Scientology ist ein neuer Faschismus ..." |
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| Peter Frisch, Präsident
des Bundesamtes für Verfassungsschutz:
"Wir haben ... eine gewaltige Propaganda-Kampagne zu Gunsten der Scientology, die insbesondere von den USA aus losgetreten wird, gelegentlich beteiligen sich da sogar offizeille Stellen der Vereinigten Staaten daran, das bedaure ich in besonderem Masse. Aber jetzt läuft eine Kampagne gegen Deutschland, insbesondere auch gegen den Verfassungsschutz, die mit 40 Millionen Dollar unterstützt werden soll". |
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Sprecher: "Natürlich streitet Scientology die Vorwürfe ab. Militante Ideologie und Schnüffelei gebe es nicht. Man halte sich streng an die Gesetze. Entsprechend heißt der berüchtigte Geheimdienst OSA hier ganz fromm Presse- und Rechtsamt".
Sabine Weber, Sprecherin Scientology:
"Die Floskel Geheimdienst ist ja eigentlich
eher eine Erfindung der weltanschaulichen Gegner von Scientology ...."
Sprecher: "Ausgrechnet Freiheit heißt das Kampfblatt, in dem die Schnüffelergebnisse und Diffamierungskampagnen der Scientologen verbreitet werden".
Peter Frisch, Präsident des Bundesamtes
für Verfassungsschutz:
"Die Scientology will eine neue Zivilisation
errichten, in der die Grundrechte, wie sie unsere freiheitliche demokratische
Grundordnung vorsieht, nicht gelten würden."
Sprecher: "Schon 94 sah sich Scientology
in Deutschland angeblich Neo-Nazistischen Regierungsattacken ausgesetzt".
[Im Bild: Scientology-Rundschreiben "Einberufung
für Deutschland", im Original: "RE: Call-to-Arms Germany", vom 4.5.94]
Sprecher: "Überschrift des OSA-Dokuments im englischen Original: "Zu den Waffen im Kampf gegen ein Krebsgeschwür der Menschheit".
Peter Frisch, Präsident des Bundesamtes
für Verfassungsschutz:
"Ich denke zum Beispiel nur an diesen
entsetzlichen Vergleich mit der Judenverfolgung. Umgekehrt wird vielleicht
ein Schuh draus. Das was die Scientology macht, läuft darauf hinaus,
daß bestimmte Personengruppen hier verdächtigt werden, daß
gegen sie vorgangen werden soll, das ist teilweise eine erbarmunglose Hetze,
die insbesondere gegen Deutschland hier vorbracht wird mit dem Tenor, ihr
Deutschen habt nichts dazugelernt".
Rechtsfragen: Privatsphäre verletzt
Eine solche Aktion ist selbstverständich rechtswidrig.
Der Müll in der Mülltonne vor dem Haus gehört
zur Privatsphäre.
Das Eindringen in diese Privatsphäre muss man
nicht dulden.
Allerdings kann man wohl nur zivilrechtlich dagegen
vorgehen, mit einer Unterlassungsklage.
Verfassungsschutz Baden-Württemberg
berichtet 2004 über "Mülleimeraktion"
Aus: Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württmberg 2004: Die "Scientology-Organisation", Seite 67 http://www.verfassungsschutz-bw.de/file/1366-101.pdf 9.3.2 Die „Mülleimeraktion“
„(...) wir nahmen den Mülleimer zwischen uns und rollten ihn wieder über die Straße, (...) Die ganze Aktion sah nur so aus, als ob zwei Straßenkehrer unten in der Garage arbeiten und den Mülleimer einfach benutzen, um etwas Müll hineinzufüllen, (...) Wir gingen zurück in die Garage zu dem geparkten Wagen, zogen wieder unsere normale Kleidung an und verließen in Ruhe die Örtlichkeit.“(Fussnote 148: Übersetzung durch das Landesamt für Verfassungsschutz) |
Auch der Verfassungsschutz Hamburg erwähnt die Anweisungen für die Mülltonnen-Schnüffelei in seiner Broschüre über die OSA (Seite 66)
Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg: Der Geheimdienst der Scientology-Organisation
In der Broschüre heißt es dazu:
"1993 gelang es dem SO-Aussteiger Larry
WOLLERSHEIM sich einen an ihn adressierten Briefumschlag von einem Privatdetektiv
zurückzuholen, der eindeutig bewies, daß sein Papierabfall durchsucht
worden war. In den neunziger Jahren habe es, so Jon ATACK, eine Reihe ähnlicher
Fälle gegeben. Und auch Robert Vaughn YOUNG berichtet davon, daß
ihm Müll "gestohlen“ worden sei (s.u.)."