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Im Mai 2004 hat die Scientology-Tarnorganisation Narconon oberpfälzischen Rimbach im Landkreis Cham eine Postwurfsendung (unten) an die Einwohner verteilt.
Es gibt diverse Orte mit dem Namen Rimbach. Dieser hier (www.gemeinde-rimbach.de) liegt 100 Kilometer nordöstlich von Regensburg im Bayerischen Wald nahe der Grenze zur Techischen Republik, hat die Postleitzahl 93485 und 908 Einträge auf der Telefon-CD. Für die Gartenstrasse 15 war noch 2003 eintragen eine "Tagesklinik für alternative Naturheilverfahren". Dort hatte der Heilpraktiker Jobst Marks eine "Galvano-Plus-Therapie" zwecks Krebsbehandlung und die "Bioresonanz-Therapie" angeboten. Der Stern hatte am 04.09.2003 berichtet.Das Postwurf-Schreiben ist geradezu ein Lehrbeispiel dafür, wie Scientology-Tarnorganisationen vorgehen. Denn selbstverständlich kann man heute im internet problemlos finden, was "Narconon" für ein Verein ist. Deshalb müssen alle wichtigen Fragen beantwortet werden, so dass niemand auf die Idee kommt, im Internet zu suchen. Die Antworten müssen plausibel sein, dürfen also nicht erkennbar falsch sein.
Scientology wird in diesem Schreiben nicht erwähnt.
"Warum gibt es so viele Fragen zu Narconon?" lautet
eine Überschrift.
Die einzig richtige Antwort lautet: Weil Narconon
zur Scientology-Organisation gehört.
Die Antwort der Postwurf-Sendung: "Das liegt einfach
daran, dass Narconon für die meisten Menschen in Deutschland etwas
völlig Neues ist".
Richtig ist, dass die Mehrheit der Deutschen nicht
weiss, was Narconon ist.
Falsch ist, dass es so viele Fragen zu Narconon gibt,
weil Narconon für die meisten Menschen in Deutschland etwas völlig
Neues ist.
Wie ist unser Verein organisiert? lautet eine
weitere der selbstgestellten Fragen.
Antwort: "Wir sind ein eigenständiger, im Vereinsregister
München eingetragener gemeinütziger Verein". "Eigenständig"
soll wohl von der Verbindung zu Scientology ablenken.
In diesem Absatz liest man dann beiläufig, dass
ein gewisser Benitez die erste Narconon-"Selbsthilfegruppe" gegründet
habe, gestützt auf "ein Buch des Autors und Humanisten L. Ron Hubbard".
Verschwiegen wird, dass dies der Gründer der Scientology-Organisation
ist. Stattdessen wird behauptet:
"Damit steht Narconon in der Tradition der klassischen Abstinenzverbände wie die Anonymen Alkoholiker, der Kreuzbund (Caritas), das Blaue Kreuz (Diakonisches Werk), Synanon etc.".Eine schlimmere Täuschung der Öffentlichkeit ist wohl kaum denkbar.
Der Begriff "Selbsthilfegruppe" trifft ganz sicher
nicht zu, ist aber schliesslich nicht geschützt.
Narconon-Postwurfsendung an
die Einwohner von Rimbach
Abbildungen zum Vergössern anklicken
"Keine organisatorische Verbindung?"
Zwei junge Frauen baten den katholischen Ortspfarrer um ein Gespräch, um sich vorzustellen. Dem kam es merkwürdig vor, dass diese sich geradezu aufdrängten. Er zog deshalb einen Sektenbeauftragten hinzu.
Die beiden Frauen wurden nach Scientology gefragt. Sie stritten jede Verbindung zwischen Narconon und Scientology ab, auch nach mehrfacher Rückfrage, gaben sich völlig unwissend. Man arbeite lediglich mit Methoden L. Ron Hubbards. Sie betonten gebetsmühlenartig, ihr Engagement für Narconon beruhe einzig auf persönlicher Betroffenheit durch Drogenfälle im eigenen Familien- und Freundeskreis sowie auf christlicher Nächstenliebe.
Die Pfarrer empfanden das als dreist. Daran ändertes es auch nicht, dass die beiden Frau stets ausdrücklich die "organisatorische" Verbindung zu Scientology abgestritten hatten. Im Gegenteil. Diese Einschränkung bewies, dass es sich um eine sorgfältig aufgebaute Tarnung und um einen gut vorbreiteten Auftritt gehandelt hat.
Denn "keine organisatorische Verbindung" bedeutet eigentlich nur, dass die Vereine einzeln ins Vereinsregister eingetragen sind.
Damit kann man gut verschleiern, dass die Organisationen
sehr wohl vielfach miteinander verwoben sind.