Ingo Heinemann: Scientology-Kritik 
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Zuletzt bearbeitet am 5.6.2009
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Razzia bei Scientology
 
 
 
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Eine Razzia - also eine Hausdurchsuchung - wird durchgeführt, wenn der Verdacht einer Straftat besteht.
Das Strafrecht richtet sich in den meisten Ländern nur gegen Personen, nicht gegen Organisationen.
Zu den objektiven Merkmalen einer Straftat (z.B. Tötung eines Menschen) müssen deshalb stets auch die subjektiven Merkmale hinzukommen, also z.b. die persönliche Schuld. Diese kann z.B. wegen Schuldunfähigkeit fehlen.
Oft wird aus subjektiven Gründen ein Ermittlungsverfahren eingestellt.
Das heißt dann aber keineswegs, daß es keine Tat gegeben hat.
 
 
 
 

Razzia am Sitz der Scientology-Organisation in Paris

Paris, 1. Juni 2000 (AFP) - Fahnder des französischen Betrugsdezernats haben den Sitz der Scientology-Organisation in Paris durchsucht und zahlreiche Dokumente beschlagnahmt. Die Polizisten stellten Akten über Anhänger und Gegner der Organisation sowie zwei Computer mit umfangreichem Datenmaterial sicher, wie die Pariser Zeitung "Libération" am Donnerstag berichtete. Die bereits Mitte Mai erfolgte Razzia ging demnach auf die Klage eines ehemaligen Scientology-Anhängers zurück, der sich von der Organisation belästigt gefühlt habe. Ein Sprecher der Scientology-Organisation bezeichnete dagegen das Vorgehen der Beamten als "behördliche Belästigung".
Ähnlich wie in Deutschland, wo die Scientologen vom Verfassungsschutz beobachtet werden, werden ihre Aktionen auch in Frankreich genau verfolgt, weil eine Unterwanderung der politischen und wirtschaftlichen Schlüsselstellen befürchtet und eine totalitäre, auf reinen Profit ausgerichtete Unternehmensstrukur unterstellt wird. Beide Länder werden deswegen von den USA, wo Scientology als Kirche anerkannt ist, regelmäßig heftig kritisiert. Die Organisation mit Sitz in Los Angeles wurde 1954 gegründet und hat nach eigenen Angaben weltweit acht Millionen Mitglieder. In Frankreich wird deren Zahl auf 30.000 geschätzt, in Deutschland sind es nach Erkenntnissen des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes etwa 5000.
© AFP 011304 Jun 00

 
AGPF-Info 6/98 
http://home.t-online.de/home/AGPF.Bonn/inf98-6.htm 
Razzia bei Scientology

Am 10.2.98 wurden  5 Büros der Scientology- Organisation in München von 130 Polizeibeamten und 4 Staatsanwälten durchsucht. Schon früher gab es zahlreiche Hausdurchsuchungen bei der Scientology- Organisation, beispielsweise 

USA  (1963 FDA, 1977 FBI) 
Frankreich 
Italien (1986) 
Spanien (1988) 
Österreich (1994) 
Griechenland (1996) 
und mehrfach in Deutschland: 
München (1976 und 1984) 
Hamburg (1993) 

Anlaß für die jetzige Durchsuchung in München waren Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung, Beleidigung und des Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz. Dabei geht es um einen ungeklärten Todesfall. "Aufgrund einer Erkrankung", so die Polizei in München, war der langjährige Scientologe "von Verantwortlichen der Scientology-Organisation ... aufgefordert worden, größere Mengen von Tabletten zu sich zu nehmen". Nach dreiwöchigem Koma starb er. Die Scientology-Organisation am Tag nach der Razzia in einer Pressemitteilung: "Die Scientology Kirche führt keinerlei Heilbehandlung durch". Die Einnahme von Medikamenten falle allein in den Kompetenzbereich von Medizinern. 
     Nach dem Heilpraktikergesetz ist die Ausübung von Heilbehandlung ohne Zulassung als Arzt oder Heilpraktiker unter Strafandrohung verboten. Verstöße gegen das Gesetz wurden der Scientology- Organisation seit vielen Jahren vorgeworfen (vgl. z.B. Heinemann: Die Scientology-Sekte und ihre Tarnorganisationen, 1979, S. 68: "Die Gerichte werden sich damit befassen müssen"). 
     Am 10.12.84 hat die Stadt München eine  Gewerbeuntersagung verfügt: 

     "Der Scientology Kirche Bayern e.V. wird die Ausübung des Gewerbes 'Durchführung von heilkundlichen Einzelgesprächen, Persönlichkeits-tests, Kursen und Seminaren, Filmvorführungen sowie der Groß- und Einzelhandel mit Verlagserzeugnissen'... im Bundesgebiet ... untersagt". 

Aus der Begründung: 

"Die Unzuverlässigkeit der Gewerbetreibenden erweist sich insbesondere daraus, daß sie organisiert und ohne Erlaubnis die Heilkunde ausübt, wobei erschwerend hinzukommt, daß sie sich besonders dilettantischer Methoden bedient.....Entsprechend den ... Ausführungen des Gutachtens sind durch die Methode der hier vorliegenden dilettantischen Psychotherapie psychische Schäden zu erwarten.Hubbards Dianetik intendiert eindeutig heilkundliche  
Praktiken und verstößt damit bei der Anwendung durch Laien gegen das Heilpraktikergesetz." 
     Diese Verfügung dürfte wohl kaum rechtskräftig geworden sein. Der Zustand aber dauert an. 
     Das Heilpraktikergesetz dient in erster Linie dem gesundheitlichen Verbraucherschutz. Es ist belanglos, ob eine religiöse Motivierung vorliegt. Auch Wunderheiler brauchen eine Erlaubnis (vgl. AGPF-Info 4/98). 
     In dem erwähnten Gutachten  (Prof. Dr. Mende, Psychiatrische Klinik der Universität München, Gutachten vom 21.12.84) wird eingehend dargelegt, daß es sich bei den Scientology-Verfahren generell um Verfahren der Heilbehandlung handelt: "Diese therapeutischen Verfahren, auch der sog. Kommunikationskurs und das sog. Reinigungsrundown bergen Nebenwirkungen und Risiken ... 
     Die Bundestagsabgeordnete Renate Rennebach hat darauf hingewiesen, daß der Todesfall in München Ähnlichkeiten mit dem Tod der Lisa McPherson hat. Diese ist am 5.12.1995 in Clearwater/Florida gestorben, einem Hauptsitz der Scientology-Organisation. Ihr Tod beschäftigt wegen der dramatischen Umstände Ermittlungsbehörden und Öffentlichkeit bis heute. Ein US-Anwalt zum ZDF: "Die Scientologen beobachteten sie im Koma für zwei oder drei Tage. Kein Essen, kein Wasser. Sie saßen da und beobachteten sie, wie sie starb. Das ist kriminell, das ist Mord". 
     Scientology bezeichnet mißliebige Medikamente meist als Drogen. Empfohlene Medikamente werden meist als Vitamine bezeichnet, so auch Niacin. Es kursieren Tips und Tricks zur Beschaffung. Für den Reinigungs-Rundown wird geworben: "Ist ihr Körper zu einer Lagerstätte für Umweltgifte geworden?" Angepriesen wird der "Nebeneffekt, daß er die Folgen zukünftiger Strahleneinwirkung vermindert", so daß "in Gebieten, die in einem Atomkrieg schwerem radioaktivem  Niederschlag ausgesetzt sind, nur Scientologen ihrer Tätigkeit nachgehen werden". 
     Wichtigster Bestandteil dieses Verfahrens ist das Medikament Niacin. Dazu die Kantonale Heilmittelkontrolle Zürich in einer Stellungnahme vom 29.6.87:  "Bei der Verabreichung von hohen Dosen Nicotinsäure (= Niacin) sind Gesundheitsschädigungen zu befürchten" und "schwerwiegende Nebenwirkungen zu erwarten: ab Dosierungen von 750 Milligramm pro Tag ist z.B. eine Leberschädigung möglich". Scientology-Empfehlung: 5000 Milligramm. Ergebnis: ein "Endphänomen". 
     Scientology-Gründer Hubbard: "VORSICHT: Die Erscheinungen, die Niacin hervorbringt, können ziemlich erschreckend sein." 

Ingo Heinemann

 
 

 



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