Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
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Scientology in der Schweiz


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Über Scientology in der Schweiz:

 
 
Tages-Anzeiger Zürich 5.8.2002

Scientology kommt jetzt auf Samtpfoten daher

Scientology will das schlechte Image verbessern und gibt sich sanft. Doch die Sekte nutzt alle Methoden und Tricks, um Ahnungslose zu umgarnen.

Von Hugo Stamm 

Das Zürcher Scientology-Zentrum war jahrelang eine der Vorzeigeorganisationen der weltweit tätigen Psychosekte und wurde von der amerikanischen Mutterorganisation regelmässig geehrt. Der Grund: Die Millionenspenden und Kursgelder der Zürcher Mitglieder flossen überdurchschnittlich Richtung USA. Doch dann setzten der Organisation unrühmliche Schlagzeilen über die Abzockerei der Anhänger und reihenweise Pleiten scientologischer Geschäftsleute zu. Sie musste das riesige Zentrum an der prestigeträchtigen Badenerstrasse aufgeben und sich mit einem kleinen Geschäftshaus an der Freilagerstrasse am Rand von Zürich bescheiden. Ausserdem drückte das angeschlagene Image auf die Mitgliederzahlen. Die Krise zwang die Zürcher Organisation, ihre aggressive Politik zu überdenken und Imagekorrekturen vorzunehmen. Scientology-Chef Jürg Stettler sorgte dafür, dass seine Leute die Mitglieder nicht mehr wie eine Zitrone finanziell auspressten. Viele Scientologen waren früher gedrängt worden, Kredite über Zehntausende oder Hunderttausende Franken aufzunehmen. Als Kreditvermittler traten oft Scientologen auf, die sich von Grossbanken refinanzieren liessen. Viele Scientologen waren verschuldet, und es entstand ein volkswirtschaftlicher Schaden in Millionenhöhe.

Obwohl Scientology heute in Zürich auf Samtpfoten schleicht, hat sich am totalitären Indoktrinationssystem wenig geändert. Die Kurse kosten immer noch ein Vermögen - eine Stunde auf den höchsten Stufen bis zu 1000 Franken. Und die Dutzenden Mitarbeiter schuften immer noch bis zu 70 Stunden pro Woche. Als Gegenleistung erhalten sie lediglich ein besseres Trinkgeld. Ausserdem erfinden die Zürcher Scientologen immer neue Methoden, um weitere Mitglieder zu ködern.

Neu ist das Telefon-Marketing. Scientologen ackern das Telefonbuch durch und fragen die Leute zum Beispiel, was sie unternehmen würden, um ihre Lebenssituation zu verbessern. Sie versuchen,die kontaktierten Personen in ein per-sönliches Gespräch zu verwickeln und ihnen ein Scientology-Buch zu verkaufen. Manchen Gesprächspartnern ist nicht klar, von wem sie umgarnt werden.

Neuerdings als Hausierer unterwegs

Manche Scientologen betätigen sich seit neustem als Hausierer. Sie polieren wie die Zeugen Jehovas oder Mormonen die Hausklinken und wollen den Leuten Bücher andrehen. Es lässt sich nicht eruieren, ob sie eine Bewilligung besitzen. Die Öffentlichkeitsabteilung von Scientology Zürich behauptet jedenfalls, es seien Patente eingeholt worden.

Ein 17-jähriger Lehrling kroch den Scientologen auf den Leim, obwohl er Scientology eigentlich kannte. Er kaufte eine Broschüre und füllte einen Fragebogen aus. Es handle sich um eine Umfrage für wissenschaftliche Zwecke, wurde ihm erklärt. Der Lehrling beantwortete die 200 Fragen des so genannten Persönlichkeitstests. Erst als er die Resultate vorgesetzt bekam, realisierte er, wo er gelandet war. «Ich ärgerte mich masslos, dass ich auf die Scientologen hereingefallen war», sagt er hinterher. Als Frechheit empfindet er auch die Auswertung.In neun von zehn Testkriterien verlief die Persönlichkeitskurve im negativen Bereich. In sieben Punkten war er fast auf dem tiefsten Punkt der Bewertungsskala. Wäre der Test seriös, müsste der Lehrling als asozial, depressiv, neurotisch und debil gelten. Das vernichtende Resultat macht aus Sicht von Scientology durchaus Sinn. Es flösst vielen getesteten Personen Angst ein. So können sich die Sektenanhänger in die Pose der Retter stürzen und ihre Kurse als universelles Heilmittel verkaufen.

Arbeitslose ködern

In jüngster Zeit erhalten die Scientologen regelmässig eine Bewilligung, um an der Bahnhofstrasse einen Stand zu betreiben. Dieses Privileg erkämpften sie sich auf dem Rechtsweg, den Segen gab am Schluss das Bundesgericht. Um den angeschlagenen Ruf zu verbessern, organisiert Scientology Ausstellungen, Reinigungsaktionen auf öffentlichen Plätzen und teure Plakataktionen. Ausserdem steht beim neuen Zentrum eine grosse Tafel auf dem Trottoir. Die verführerische Botschaft: Arbeitslose erhalten sofort einen Job. Um Goodwill zu schaffen, verteilen Scientologen gelegentlich Rosenim Quartier. Als Scientology das neue Zentrum in Zürich-Albisrieden bezog, versprach die Organisation, im Quartier nicht auf Kundenfang zu gehen. Nun klagt ein Anwohner: «Ich habe oft zweimal pro Woche Werbematerial der Scientologen im Briefkasten.» Diese besuchten auch Geschäfte und wollten Bücher ihres Gurus Ron Hubbard ausstellen.

Trotz finanziellen Engpässen kleckert Scientology nicht, wenn es um das Feiern von prestigeträchtigen Festen geht. Kürzlich lud die Organisation zum «Ehrenstatus-Dinner» ins «Grand Hotel Dolder» ein. Die Schweizer Scientologen wurden von der Mutterorganisation für ihre Verdienste - sprich Umsätze - geehrt. Doch wer glaubt, die Amerikaner würden die ausgebeuteten Mitarbeiter von Zürich für die Schufterei belohnen, kennt Scientology schlecht. Die Gäste mussten einen Eintritt von 325 Franken bezahlen.


 

Scientology will Steuerbefreiung
 
 
Tages-Anzeiger Zürich 05.01.2000

Scientologys seltsame Steuermoral

Trotz hohen Einnahmen liefert Scientology dem Fiskus keinen Rappen ab. Nun will die Sekte auch noch offiziell von der Steuerpflicht befreit werden.

Von Hugo Stamm

Die Steuerausweise von Scientology sind blank. Obwohl die Organisation Umsätze in Millionenhöhe macht, weist sie seit Jahren keinen Franken an Ertrag und auch kein Kapital aus. Trotzdem will die Psychosekte nun noch offiziell von der Steuerpflicht befreit werden.

Hohe Preise, kein Einkommen
Es gibt kaum eine andere Organisation, die so effizient wirtschaftet wie Scientology. Deshalb erstaunt es, dass die Organisation kein Einkommen ausweist. Sie verlangt von den Mitgliedern exorbitante Preise für die Dienstleistungen und Materialien. Für ein so genanntes Hubbard-Elektrometer (Hautwiderstandsmesser oder eine Art Lügendetektor) in Luxusausführung zahlt man rund 5000 Franken, "Therapieseminare" (Auditing) kosten teilweise mehrere Hundert Franken pro Stunde. Da Scientology den Auditoren nur ein Trinkgeld von 50 bis 100 Franken pro Woche zahlt, müsste die Pseudokirche eigentlich riesige Margen ausweisen.

Ehemalige Scientologen, die in der Finanzabteilung gearbeitet haben, erklären, das Zürcher Zentrum habe zu Zeiten der Hochkonjunktur jährlich zehn bis dreizehn Millionen Franken Umsatz gemacht. Scientology-Sprecher Jürg Stettler sagte kürzlich in einem Interview, seine "Kirche" setze jährlich in der ganzen Schweiz zehn Millionen Franken um. Wie hoch die Einnahmen heute sind, lässt sich nicht prüfen. Sicher ist hingegen, dass die Schweizer Scientologen im internationalen Vergleich die besten Spender sind, zahlten sie in den letzten Jahren doch gegen 20 Millionen Franken in die Kriegskasse ("war chest") ein.

Scientology deklariert die Seminargebühren als Spenden. Ein Kniff, um die Steuerbefreiung besser legitimieren zu können und die harten Geschäftspraktiken zu beschönigen. Scientology-Gründer Ron Hubbard bezeichnet nämlich die Verkaufsmethoden von Scientology ungeschminkt als Hard Sell.

Beträchtlicher Werbeaufwand
Wofür wird das Geld verwendet? Scientology betreibt zwar einen beträchtlichen Werbe- und Missionsaufwand, da aber fast keine Lohnkosten anfallen, müsste eigentlich trotzdem ein Gewinn resultieren. Sektengründer Hubbard meinte dazu: "Die Kosten zur gerichtlichen Verteidigung, die wir in einem Dutzend Länder aufbringen müssen, sind nicht gering".

In den USA führten die Scientologen zum Beispiel 40 Jahre lang einen "Krieg" (Originalton) gegen amerikanische Steuerbeamte, der die Sekte Millionen kostete. Sie engagierte Privatdetektive, die Steuerbeamte ausspionierten und suchte via Inserate Personen und Firmen, die negative Erfahrungen mit der Steuerbehörde IRS gemacht hatten. Anschliessend stellte die Pseudokirche in grossen Zeitungsanzeigen hohe Behördenmitglieder öffentlich an den Pranger und reichte 2500 Strafanzeigen ein, um die Beamten zu zermürben. "Die Namen der Kriminellen innerhalb des IRS öffentlich bekannt zu machen, hatte die gewünschte Wirkung", schrieb die Sekte in einem Bericht.

Steuerkrieg gewonnen
1993 gewann sie den "teuren Zermürbungskrieg". Scientology-Boss David Miscavige verkündete an einer bombastischen Siegesfeier: "Wir können uns jetzt völlig dem wahren Krieg widmen. Dem Krieg, der jeden Einzelnen auf der Erde betrifft. Dem Krieg, den nur wir gewinnen können." Deshalb werde sich Scientology nun darauf konzentrieren, "die Milliarden Menschen zu erreichen, die Dianetik und Scientology brauchen". "Der Preis ist Unsterblichkeit", sagte Miscavige. Was der Scientology-Boss allerdings nicht sagte: Beim Deal mit den Steuerbehörden zahlte auch Scientology einen ansehnlichen Preis. Die Sekte und ihre Anhänger zogen die Klagen zurück und zahlten den Behörden 12,5 Millionen Dollar, wie die Zeitung "Wall Street Journal" schrieb.
Steuerkrieg auch in Zürich?
Droht den Zürcher Behörden ein ähnlicher "Krieg"? Wohl kaum. Da die Scientology-Kirche ohnehin keine Steuern zahlt, wird sie den Aufwand begrenzen. Trotzdem müssen sich die Steuerbehörden auf schwierige Zeiten gefasst machen, denn wenn die Scientologen in die "Schlacht" ziehen, bewaffnen sie sich bis auf die Zähne, um bei ihren Sprachbildern zu bleiben.

Die Zürcher Scientologen sind animiert worden, die Steuerbefreiung zu beantragen, weil sie damit in Schweden Erfolg hatten. In England erlitten sie aber eine Abfuhr. Wie stehen die Chancen in Zürich? Nach dem neuen Steuerharmonisierungsgesetz wird von den Steuern befreit, wer ausschliesslich Kultuszwecke verfolgt, öffentliche Aufgaben erfüllt oder gemeinnützig ist.

Die beiden letzten Kriterien treffen angesichts der teuren Seminare wohl nicht zu. Ob Scientology eine Kirche ist und Kultuszwecke verfolgt, ist ein ewiger Streitpunkt. Für Sektenkritiker verfolgt Scientology in erster Linie wirtschaftliche Ziele. Scientology-Sprecher Jürg Stettler war nicht bereit, Auskunft über das Einkommen und das Gesuch zur Steuerbefreiung zu geben.
 

Gegendarstellung

Zum Artikel "Scientologys seltsame Steuermoral", Tages-Anzeiger vom 5.1.00

1. Es gibt keine "Therapieseminare", bei denen die Stunde mehrere Hundert Franken kostet. Die Kosten für eine Seminarstunde betragen zirka 13 Franken, wie kürzlich auch ein Schweizer Gericht bestätigte. Im Gegensatz dazu handelt es sich beim Auditing um eine Einzelberatung, bei der eine Seelsorgestunde einem Arbeitsaufwand von zirka vier Stunden entspricht.

2. Die Scientology Kirche Zürich hat in den Jahren ihrer nun 27-jährigen Existenz mit ihren 130 Mitarbeitern nie 2-stellige Millionenbeträge an Einnahmen aus steuerlich so deklarierten Beiträgen für religiöse Dienste und Bücher usw. erzielt. Die Einnahmen liegen regelmässig weit darunter.

Der "Tages-Anzeiger" hält an seiner Darstellung fest.

Quelle: Züricher Tagesanzeiger vom 25.1.00


 
 
 

Scientology-Privatschulen
 
 
 
Tages-Anzeiger Zürich 11.8.2003


Brisantes aus dem Scientology-Umfeld
«Scientology-Schule gefährdet den Staat und ist rechtswidrig»
Die Bildungsdirektion beurteilte die Zürcher Privatschulen von Scientologen vernichtend. 
Doch die Sektenanhänger erhielten trotzdem eine Bewilligung.
Ein Fall voller Rätsel.
Von Hugo Stamm 

«Ziel muss es sein, jede Schulung durch Scientology mit allen rechtlich vorhandenen Mitteln zu verhindern oder zu unterbinden.» Dieser Satz steht in einem unter Verschluss gehaltenen Bericht der Erziehungsdirektion aus dem Jahr 1995. Fünf Jahre später erteilte genau diese Direktion den Scientologen die Bewilligung für eine Privatschule. Pikant dabei: Der Bericht landete in der Versenkung. Als ihn die Scientologen rund drei Jahre später auf ungeklärten Wegen in die Hände bekamen, machten sie Druck bei der Bildungsdirektion. Danach wurde er vernichtet. Vielleicht ist es nur Zufall, dass die Scientologen bald darauf die Bewilligung zur Führung einer Privatschule erhielten. Die zeitliche Übereinstimmung ist jedenfalls auffällig.

Was war passiert? Regierungsrat Alfred Gilgen hatte sich in den 90er-Jahren mit allen Mitteln dagegen gewehrt, den Scientologen die Bewilligung zu erteilen. Das Bundesgericht stützte seinen Entscheid. Scientologen seien nicht vertrauenswürdig, eine Schule zu führen. Sein Nachfolger Ernst Buschor zeichnete sich nicht durch den gleichen Kampfgeist aus, in seiner Amtszeit erhielten die Scientologen zwei Bewilligungen: die Ziel-Schule an der Badenerstrasse 294 mit rund 70 Schülern und die Schlümpfli-Schule in Altstetten mit 20 Schülern.

Psychische und soziale Schäden

Das mutet angesichts des radikalen Berichts aus der eigenen Verwaltung seltsam an. So heisst es in dem brisanten Papier, das dem TA vorliegt, verschiedene Hinweise liessen die Vermutung zu, «dass der Umgang von Kindern in dieser Organisation massive - vor allem psychische und soziale - Schäden hervorrufen muss». Die Schulung von Kindern durch Scientology könne nicht im Interesse des Staates sein, da diese Kinder ausserhalb der Gruppenstruktur vermutlich nicht lebensfähig seien. Wenn ein staatliches Organ eine Schule zulasse, die die Bedürfnisse und Pflichten bezüglich Bildung nicht erfülle oder ihnen widerspreche, «handelt es staatsgefährdend und rechtswidrig», heisst es im Bericht weiter.

Kritisiert wird weiter das so genannte Auditing, eine scientologische Therapiemethode, die in der Schule angewendet werde. Dies bedeute eine Indoktrination der Kinder. «Scientology sagt selbst, dass mit Auditing keine humanen oder pädagogischen Ziele und Absichten verfolgt werden, hingegen, um Kinder gefügig zu machen», heisst es. Es gebe Anweisungen an den Auditor («Therapeut»), «Macht auszuüben, sein Gegenüber zu konditionieren, was der Aufforderung zur Gehirnwäsche gleichzusetzen ist». Diese Psychotechnik stelle ein erhebliches Risiko dar, psychische Erkrankungen seien bereits festgestellt worden.

Der Bericht setzt sich auch kritisch mit dem so genannten Wortklären - unbekannte Begriffe mit dem Wörterbuch bestimmen -, einer zentralen Form der Studiertechnologie des Sektengründers Ron Hubbard, auseinander. Diese Methode werde als Instrument der Indoktrination bezeichnet. «Andere scientologische Übungen können eine Derealisation und Depersonalisation zur Folge haben.»

An den von Scientologen geführten Privatschulen wird nach den Methoden des Sektengründers Ron Hubbard unterrichtet. Da relativ wenig Schulgeld bezahlt werden muss, schicken auch Nichtscientologen ihre Kinder in diese Privatschulen. Im Kanton Luzern hat sich die Regierung kürzlich erfolgreich gegen eine ZIEL-Schule gewehrt und vom Bundesgericht Recht bekommen.

Die Zürcher Scientologen waren nicht bereit, Fragen zu ihren Schulen und zum Bericht zu beantworten. Der zuständige Beamte bei der Bildungsdirektion weilt in den Ferien.


 
Beobachter 16/03


Scientology: Urteil macht nicht Schule
Von Andrea Haefely 

Der Luzerner Primarlehrerin Sandra Planzer wurde unlängst per Bundesgerichtsurteil verboten, eine Privatschule zu führen: Als Scientology-Mitglied fehle ihr die notwendige Vertrauenswürdigkeit. Tatsächlich unterrichtet Planzer nach eigenen Aussagen unter Zuhilfenahme der Unterrichtsmethodik von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard. 

Enge Beziehungen zu Scientology pflegt auch Elisabeth Ambühl, Leiterin der Ziel-Schule in Zürich  ebenso wie einst die mittlerweile verstorbene Gründerin der Schlümpfli-Schule in Zürich, Anneliese Rothen. Sie erhielten 2000 respektive 2001 den Segen der Zürcher Bildungsdirektion, die trotz dem Lausanner Urteil am Entscheid festhält. «Wir haben die Anträge einzeln geprüft und sehen auch jetzt keinen Anlass, etwas zu ändern», sagt Generalsekretär Armin Hassler. 

Einen Erklärungsversuch für das Wegschauen der Zürcher Bildungsdirektion wagt Sektenexperte Georg Schmid: «Natürlich wäre es besser für diese Kinder, wenn sie eine öffentliche Schule besuchen könnten. Aber anscheinend hat die Bildungsdirektion keine Handhabe, diesen Instituten die Bewilligung zu entziehen.»

Auch Pfarrer Martin Scheidegger von der Ökumenischen Beratungsstelle «Religiöse Sondergruppen und Sekten» ortet das Problem in mangelnden Kontrollmechanismen für solche Gruppierungen: «Hier wäre der Staat gefordert.»


 
 
Tages-Anzeiger Zürich 25.7.2003

Scientology-Schule wächst
In Zürich ist der Widerstand gegen die Privatschule der Sektenanhänger zusammengebrochen.
Von Hugo Stamm 

In Zürich haben es die Scientologen heute besser als in Luzern. Dort wehren sich die Erziehungsbehörden mit Händen und Füssen gegen die Schule der Scientologin Sandra Planzer in Littau. Bis hinauf zum Bundesgericht.

Anders in Zürich. Ursprünglich hatten sich die Erziehungsbehörden ebenfalls gegen die Privatschule gestemmt und Schützenhilfe vom Bundesgericht bekommen, weshalb die Scientology-Lehrerinnen nur in Kleingruppen bis fünf Schüler unterrichten durften. Vor rund drei Jahren aber erhielten die Hubbard-Anhänger dann plötzlich und von der Öffentlichkeit weit gehend unbemerkt die Bewilligung für eine «richtige» Privatschule. Die ZIEL-Schule (Zentrum für individuelles und effektives Lernen) an der Badenerstrasse 294 wuchs rasch von etwa zehn auf rund 70 Schüler. Unterrichtet wird nach den Lernmethoden des Scientology-Gründers Ron Hubbard.

Weshalb der Gesinnungswandel bei den Zürcher Behörden? War der zurückgetretene Bildungsdirektor Ernst Buschor toleranter als sein Vorgänger Alfred Gilgen? Die Gründe sind nicht bekannt. Sicher ist nur, dass die Regierung die Scientology-Lehrerinnen für ihre Beharrlichkeit belohnte. Der Privatunterricht in Kleingruppen sei in all den Jahren lehrplanmässig verlaufen und habe in einem kindergerechten Klima stattgefunden, liess der Regierungsrat verlauten. Ausserdem sei die Schulleiterin unbescholten und vertrauenswürdig. Es seien auch keine Beeinflussungsversuche bekannt. «Wenn das Wohl des Kindes gefährdet wäre, könnten wir reagieren und im schlimmsten Fall die Bewilligung wieder entziehen», erklärt Robert Steinegger, der juristische Sachbearbeiter der Bildungsdirektion.

Die Bewilligung ist ein Akt des Goodwills. Denn das Bundesgericht hatte früher schon unmissverständlich klar gemacht, dass Scientologen nicht glaubwürdig genug seien, um eine Schule zu führen. Zu diesem Schluss kamen die höchsten Richter erneut, als sie im Schulstreit von Luzern urteilen mussten. Die Scientologen in der Innerschweiz gaben aber nicht auf und mobilisierten Politiker. Fündig wurden sie bei vier SVP-Grossräten, die einen Vorstoss im Parlament einreichten, drei von ihnen liessen sich gar in den Vorstand des neuen Trägervereins der Schule wählen. Die Regierung blieb aber hart, die Schule muss in den Sommerferien geschlossen werden.

In Zürich expandiert die ZIEL-Schule munter weiter. Und betreibt aktiv Werbung. In einem Inserat in der Lokalpresse, das wie ein Artikel aufgemacht war, suchte Schulleiterin Lisbeth Ambühl kürzlich neue Schüler für die Vorschule, Primar- und Sekundarstufe. In der ZIEL-Schule gebe es keinen Notenstress, Promotionsfrust und keine Prüfungsangst, lobte sie ihre Schule. Die Klassenstärke ist auf 18 Kinder beschränkt. Im Text wird aber nicht erwähnt, dass Scientology-Lehrkräfte die ZIEL-Schule führen und im Unterricht Lernmethoden von Sektengründer Hubbard anwendet werden. Eine weitere Werbemethode: Flugblätter an den Inseratsäulen von Einkaufszentren.

Ideologischer Hintergrund

Bei den Schülern handelt es sich mehrheitlich um Kinder, deren Eltern Scientologen sind. Das vergleichsweise günstige Schulgeld verleitet gelegentlich auch Nicht-Scientologen, ihre Kinder in diese Privatschule zu schicken. In der ZIEL-Schule wird kein Frontalunterricht erteilt, die Lehrer stehen also nicht vor der Klasse, um den Stoff zu erklären. Die Schüler lernen individuell anhand schriftlicher Unterlagen und Testblättern.

Den scientologischen Hintergrund der Schule macht die Homepage deutlich, wird doch die Studiertechnologie von Hubbard ausführlich vorgestellt. Noch klarer zeigt das diesjährige Sommerlager die ideologische Ausrichtung der ZIEL-Schule. Den Kindern werden ein Wörterbuchkurs, ein Kurs «Der Weg zum Glücklichsein» (Autor: Ron Hubbard) und ein Kommunikationskurs angeboten. Das sind die gleichen Kurse, die auch Scientology im Programm führt. Ohne Hubbard geht bei den Scientologen eben gar nichts.


 
 
Tages-Anzeiger Zürich 19.6.2003


SVP-Politiker unterstützen Scientology-Schule
Vier Luzerner SVP-Politiker kämpfen für die Schule der Scientologin Sandra Planzer. Sie verlangen, dass die vom Bundesgericht geschlossene Schule weitergeführt wird.

Von Hugo Stamm 

Lassen sich die vier SVP-Grossräte vor den Karren der Scientology-Sekte spannen? Die Ereignisse rund um die Privatschule der Scientologin im Littauerberg LU drängen zumindest den Verdacht auf. Denn die Schule, die nach einem Entscheid des Bundesgerichtes Ende Juli geschlossen werden muss, soll nach den Ferien wieder geöffnet werden. Mit den gleichen Kindern und der gleichen Lehrerin, der Scientologin Sandra Planzer. Der einzige Unterschied: Die Scientologin ist nicht mehr Schulleiterin. Ermöglichen sollen die neue alte Privatschule die vier SVP-Grossräte Gerhard Klein, Erwin Dahinden, Guido Luternauer und Moritz Bachmann. Drei von ihnen sind in der Trägerschaft der neuen Schule.

Der Dreh: Im vernichtenden Urteil des Bundesgerichts heisst es, die Vertrauenswürdigkeit sei nicht gegeben, wenn die Schulführung mit Scientology verknüpft sei. Deshalb formierten Eltern flugs eine neue Trägerschaft, in der die Scientologin Planzer nicht vertreten ist. Am 22. Mai reichte die neue Schulleitung mit den drei SVP-Politikern ein Gesuch beim Bildungsdepartement ein. «Es ist eine neue Schule, und wir erfüllen die Bedingungen des Bundesgerichts», erklärt Patricia Martin, die Pressesprecherin der neuen Trägerschaft. Ein Etikettenschwindel sei das nicht, betont sie: «In der 14-köpfigen Trägerschaft sind keine Scientologen vertreten.»

Unterstützung von der SP

Um die Behandlung des Gesuches zu beschleunigen, reichten die vier SVP-Politiker ein Dringliches Postulat ein. Zur grossen Überraschung unterstützte der Luzerner Grossrat am Montag das Begehren. Hilfe erhielt die SVP von der SP. Diese argumentierte, die Kinder sollten rechtzeitig wissen, ob sie nach den Ferien eine andere Schule besuchen müssen. Kein Verständnis für die «unanständige Art der Lobbyarbeit» hatte dagegen die FDP.

Die neue Trägerschaft ist auf Initiative mehrerer Eltern entstanden. Sie luden Politiker zu Gesprächen ein und fanden bei den vier SVP-Grossräten offene Ohren. SVP-Grossrat Guido Luternauer engagiert sich für die Privatschule, weil die Lehrerin Planzer ausgezeichnet unterrichte und auch Problemkinder gut betreue, was in der öffentlichen Schule immer seltener der Fall sei. Obwohl Planzer dazu steht, dass sie nach den Studiermethoden des Sektengründers Ron Hubbard unterrichtet, sieht Luternauer keine Gefahr, dass die Lehrerin die Kinder scientologisch beeinflusse. «In der Unterstufe ist das im Schulzimmer relativ schwierig. Sie müsste die Kinder nach der Schule in Scientology-Kurse schicken», erklärt der SVP-Politiker. Das Urteil des Bundesgerichts hat er nicht gelesen. Er gibt auch zu, dass er Scientology nicht näher kennt. «Mich interessiert die Religion von Frau Planzer nicht. Wichtig ist, dass sie gut unterrichtet.» Luternauer glaubt auch nicht, dass er und seine Ratskollegen als Feigenblatt für eine Sekte benutzt werden. «Sollte es kleinste Anzeichen geben, dass Eltern missioniert werden, würden wir ein Rösslispiel veranstalten und dafür sorgen, dass die Schule geschlossen würde.»

Fraktionschef ist einverstanden

SVP-Fraktionschef Martin Müller hat keine Probleme damit, dass sich seine Kollegen für die Privatschule einsetzen. Er urteile nicht über die Gesinnung seiner Parteimitglieder, sagte er der «Neuen Luzerner Zeitung». Sein Urteil über Scientology ist hingegen klar, bezeichnet er doch die Bewegung als Sekte.

Und das Bildungsdepartement? Es weiss nicht, ob es das Gesuch noch vor Ablauf des Schuljahres behandeln kann. Rechtskonsulent Arthur Wolfisberg sieht jedenfalls die Gefahr, dass mit dem neuen Gesuch das Urteil des Bundesgerichts umgangen werden könnte. Er gibt aber auch zu bedenken, dass der Kanton Zürich sich auch jahrelang gegen die Privatschule der Scientologen gewehrt habe, ihr die Bewilligung dann aber doch erteilte.


 
 
http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/schweiz/280822.html  Tages-Anzeiger Online

Schliessung von Scientology-Schule rechtens
Als «passives» Mitglied von Scientology verfügt Sandra Planzer nicht über die erforderliche Vertrauenswürdigkeit zur Führung ihrer Privatschule in Littau LU, sagt das Bundesgericht. 

    Der Entscheid war im Dispositiv bereits Anfang Mai bekannt geworden. In der nun vorliegenden Begründung hält das Bundesgericht fest, dass es bereits bei früheren Gelegenheiten festgestellt habe, dass die Verweigerung einer Privatschulbewilligung verfassungsrechtlich haltbar sei, wenn die Trägerschaft mit Scientology verflechtet sei. 

    Dabei habe es auf die gegen die Organisation erhobenen, teilweise durch Strafurteile belegten Vorwürfe der Manipulation und Ausbeutung von 20 Mitgliedern sowie auf ihren totalitären Aufbau und das damit verbundene rigorose Kontroll- und Strafsystem Bezug genommen

    Im konkreten Fall habe das Luzerner Verwaltungsgericht annehmen dürfen, dass Sandra Planzer Scientology derart nahe stehe, dass eine Einflussnahme durch diese Organisation nicht auszuschliessen sei. Als «passives» Mitglied habe sie gemäss den Statuten unter anderem «die Reinheit und die Integrität» ihrer Religion «zu propagieren und zu praktizieren». 

    Ihre Verpflichtungen gegenüber Scientology seien damit nicht so lose wie behauptet. Ihre persönliche Vertrauenswürdigkeit habe das Verwaltungsgericht ebenfalls in Zweifel ziehen dürfen, weil sie in ihrem Bewilligungsgesuch verschwiegen habe, dass sie auch die umstrittenen Lernmethoden des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard anwende. 

    Möge ihre Zugehörigkeit zu Scientology noch als Privatangelegenheit gelten, könne dies auf jeden Fall nicht mehr für die Lehrmethoden und für die Förderung der Ziele und Prinzipien der Mutterkirche im Rahmen des Unterrichts gesagt werden. 

    Eine Verletzung der Wirtschafts-, Vereinigungs-, Glaubens- und Gewissens- sowie der Religionsfreiheit ist laut den Lausanner Richtern unter diesen Umständen nicht ersichtlich. Die «Freie Primarschule Sandra Planzer» in Littau hatte 1998 ihre Zulassung erhalten. Ein Jahr später entzog die Luzerner Regierung die Bewilligung. 

    Dieser Entscheid wurde vom Luzerner Verwaltungsgericht im vergangenen November bestätigt, worauf Sandra Planzer ans Bundesgericht gelangte. Nach Abweisung ihrer Beschwerde kündigte sie an, das Urteil an den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg weiterzuziehen. 

(Urteil 2P.296/2002 vom 28.4.2003) (sda)
 


 
 
 
 
 
Tages-Anzeiger Zürich 26.08.97


Endgültig keine Privatschule für Scientologen
Bundesgericht erteilt der Ziel-Schule eine Abfuhr

Scientologen dürfen definitiv keine Privatschule in Zürich gründen. Das Bundesgericht stützte einen ablehnenden Entscheid der Zürcher Schulbehörden.

VON HUGO STAMM

Das sechs Jahre lange Tauziehen zwischen den Anhängern der Wirtschaftssekte Scientology und den Zürcher Schulbehörden ist entschieden. Die Ziel-Schule (Zentrum für individuelles und effektives Lernen), ein Ableger von Scientology, darf die in der Stadt Zürich geplante Privatschule nicht eröffnen. Das Bundesgericht hat eine staatsrechtliche Beschwerde der Scientologen abgelehnt und damit den Entscheid der Zürcher Behörden gestützt.

Nicht vertrauenswürdig

In ihrer Begründung stützen sich die Lausanner Richter auf den Beschluss des Zürcher Verwaltungsgerichts. Dieses hatte erklärt, die aus Scientologen zusammengesetzte Trägerschaft der Schule sei nicht vertrauenswürdig. Es dürfe den Schulbehörden nicht verwehrt sein, nur solchen Personen oder Organisationen eine Schulbewilligung zu erteilen, von denen sie die redliche Erfüllung der ihnen übertragenen öffentlichen Aufgaben erwarten können.

"Schwere Notlagen"

Das Bundesgericht nennt konkrete Vorfälle, bei denen Scientologen oder angeworbene Interessenten "in schwere Notlagen" geraten seien. Ein Beispiel: 1987 wurden zwei Scientologen vom Strafgericht Basel zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie einem geistig Behinderten 60 000 Franken für Kurse abgeknöpft hatten, die der junge Mann wegen seiner klar erkennbaren Behinderung nicht hätte absolvieren können.

Bei einem ähnlichen Fall in Zürich wurden 1990 vier Scientologen mit Gefängnis bestraft. Ausserdem führt das Bundesgericht die Beispiele zweier Scientologinnen an, die Darlehen aufgenommen hatten und massiv unter Druck gerieten, als sie sich von Scientology lösen wollten.

Öffentliche Interessen gehen vor Freiheitsrechten

Die Ziel-Leute beriefen sich auf die Handels- und Gewerbefreiheit, die Glaubens- und Gewissensfreiheit und die Privatschulfreiheit. Laut Bundesgericht können die Behörden diese Freiheitsrechte einschränken, "wenn das öffentliche Interesse dies gebietet". An die Träger einer Privatschule müssten "hohe Anforderungen an die Integrität" gestellt werden.

Die Scientologen machten beim Bundesgericht geltend, der Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis (VPM) habe schliesslich auch eine Bewilligung für eine Privatschule erhalten, obwohl das von der Erziehungsdirektion in Auftrag gegebene Buch "Das Paradies kann warten" vor der ideologischen Indoktrination des VPM warne. Laut Bundesgericht kann aber nicht von einer rechtsungleichen Behandlung gesprochen werden, weil die Ziel-Leute keine Belege für den Vergleich mit dem VPM angeführt haben.

Unterricht in Kleinklassen

Um den VPM zu diskreditieren und sich in ein gutes Licht zu rücken, führten die Scientologen in ihrer Beschwerde ein Strafverfahren gegen den ehemaligen Präsidenten des VPM und die fachliche Leiterin Annemarie Buchholz-Kaiser an. Das Bundesgericht trat aber nicht auf den Vergleich ein, weil die Ziel-Leute keine näheren Angaben zu diesem Strafverfahren machten.

Obwohl die Scientologen nun definitiv keine Privatschule betreiben dürfen, wird es in Zürich weiterhin eine Ziel-Schule geben. Patentierte Lehrer unter den Scientologen unterrichten bereits Kleinklassen mit maximal fünf Schülern. Da die Zürcher Schulbehörden diese Regelung zurzeit überarbeiten, sind die Tage der Ziel-Schule möglicherweise gezählt.


 



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