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70 Prozent der Amerikaner sind der Meinung, dass Scientology
keine echte Religion ist.
13 Prozent meinen, Scientology ist eine echte Religion.
18 Prozent wissen nicht oder kennen nicht.
So das Ergebnis einer Umfrage, die von der Presse durchgeführt
wurde.
Berichte:
Scientology in USA nicht kritisiert?
Die Scientology-Kritik wird in den USA in der Presse kritisiert, wie in Europa auch. Es kann keine Rede davon sein, dass die Öffentlichkeit Scientology nicht kritisiere. In zahlreichen Website lassen sich solche Berichte finden, etwa in http://www.religionnewsblog.com/category/scientology-consumer-alert/. Grosse Berichte, aber auch kleine, wie zum Beispiel im Boston Herald vom 25.1.2007:
"Kein Tom Cruise in Sicht, aber eine Ansammlung seiner Mit-Fanatiker, geblendet durch Scientology, hat gestern den Schmerz der Personen vertieft, die mit dem tragischen Tod eines 15-Jährigen Schülers zu tun hatten .... Mitglieder der Bürgerkommission für Menschenrechte, einem Zweig der Scientology-Kirche, zeigten in der Nähe der Schule ein Spruchband, um die die Praxis der Psychiatrie zu verurteilen und Informationen zu fordern über die medizinische Behandlung, die der Verdächtige bekommen haben könnte, ein autistischer 16-Jähriger. ...Hier einige der wichtigsten grossen Berichte:
Einzelheiten: http://www.Ingo-Heinemann.de/Wollersheim.htm
Der Amerikaner Lawrence "Larry" Wollersheim war von 1969 bis 1980 Scientology-Mitglied und Scientology-Mitarbeiter. 1980 hat er Scientology wegen Entschädigung für vorsätzliche seelische Schädigung verklagt. 1989 wurde Scientology zur Zahlung von 2,5 Mllionen Dollar verurteilt. Mit weiteren Prozessen versuchte Scientology, die Zahlung zu vermeiden. Erst 2002 zahlte die Scientology-Organisation 8,6 Millionen Dollar.
Das Urteil zeigt, dass sich die US-amerikanische Rechtsauffassung von Religionsfreiheit in der Praxis nicht wesentlich von der deutschen unterscheidet, vgl. Kommentar: Grenzen der Religionsfreiheit in USA.
Im Urteil spielt eine zentrale Rolle, ob die bei Wollersheim angewandten üblichen Scientology-Methoden um von der Verfassung geschützte religiöse Ausdrucksformen sind. Ob Scientology deshalb verfassungsmässige Immunität geniesse. Es ging um das "Auditing", "fair game" (die Erklärung zum "Freiwild"), den Trennungsbefehl (also das Abbrechen der Verbindung zu Angehörigen), eine "Freeloader"-Rechnung für "Schmarotzer-Schulden.
All das, so das Gericht, sei unter Zwang durchgeführt
worden. Es handele sich um "Strafen und die Androhung von Strafen,
um einer Fortsetzung der Mitgliedschaft in der Kirche und der Einhaltung
ihrer Praktiken Nachdruck zu verleihen". Deshalb könne Scientology
sich nicht auf die Religionsfreiheit berufen.
Scientology in USA als Kirche anerkannt?
Immer wieder ist in der Presse
zu lesen, die Scientology-Organisation habe in den USA den Status einer
Kirche oder Rekigion. Diesen
Status gibt es dort nicht.
Im Gegenteil: Die Verfassung
würde es verbieten, einen solchen Status einzuführen.
In Wahrheit geht es also
nur um eine Befreiung von der Steuer.
Jahrzehntelang hat auch die
US-Regierung die Scientology-Organisation als Wirtschaftsunternehmen angesehen.
In zahlreichen Prozessen
haben Gerichte diese Auffassung bestätigt.
1993 die Wende: Das Bundesfinanzamt
IRS schloss mit der Scientology-Organisation einen Vertrag, http://www.xenu.net/archive/IRS/
Inhalt: Die Scientology-Organisation
wurde als gemeinnützig anerkannt.
Dies hat die US-Steuerbehörde
IRS auch der deutschen Bundesregierung mitgteilt, http://www.Ingo-Heinemann.de/IRS-16-08-1994-an-BM-Familie-Merkel.pdf
:
| DEPARTMENT OF THE TREASURY
INTERNAL REVENUE SERVICE WASHINGTON D.C. 16. August 1994 Bundesminister für Fauen
und Jugend
Betr.: Scientology-Kirche
Dieses Schreiben dient auch dazu, Sie darüber zu informieren, dass das IRS Schreiben verschickt hat, mit denen der Status der Steuerfreiheit für die Scientology-Kirche International und ihrer nachgeordneten und verbundenen Organisationen anerkannt wird unter Abschnitt 501(c)(3) des Steuergesetzes von 1986. .... |
DEPARTMENT OF THE TREASURY
INTERNAL REVENUE SERVICE WASHINGTON D.C. August 16, 1994 Bundesminister fuer Frauen
und Jugend
RE: Church of
Scientology
This letter also serves to inform you that the IRS has issued ruling letters recognizing the tax-exempt status of the Church of Scientology International and its subordinate churches and related organizations under section 501(c)(3) of the Internal Revenue Code of 1986, as amended. .... |
Fortan betrachtete die US-Regierung die Scientology-Organisation
Zu diesem Selbstverständnis das Bundesverfassungsgericht 1 BvR 632/92 Nichtannahmebeschluß vom 28.8.92 - Scientology - http://www.Ingo-Heinemann.de/Bundesverfassungsgericht-1BvR632-92.htm:
US-Berichte über Religionsfreiheit in anderen Ländern
Kurz nach der Befreiung der
Scientology-Organisation von der Steuer hat das US-Parlament die Regierung
angewiesen, jährliche Berichte über den weltweiten Zustand der
Religionsfreiheit abzugeben.
Diese Berichte bestehen
weitgehend aus der Wiedergabe der Beschwerden von amerikanischen Organisationen.
Da die Scientology-Organisation
bereits zuvor zahlreiche solcher Beschwerde-Berichte veröffentlicht
hatte, konnte Scientology sofort reagieren.
Deshalb war es wohl unvermeidlich,
dass Scientology in Bezug auf Deutschland eine zentrale Rolle spielte.
Eine Zusammenstellung von Links zu diesen Berichten ist zu finden bei
International Religious Freedom Report 2008:
US-Aussenministerium
am 27.1.1997
Es war allerdings verblüffend
genug, daß das US-Bundesfinanzamt IRS 1993 die Scientology-Organisationen
von der Steuer befreit hat.
Denn vorangegangen waren
20 Jahre Auseinandersetzungen vor Gericht.
Die US-Regierung war stets
der Meinung, daß es sich um wirtschaftliche Tätigkeit handelt
und nicht um gemeinnützige Tätigkeiten.
Die Scientology-Organisation triumphierte (unten):
"Der Krieg ist vorüber".In der Broschüre "Anerkennung für Scientology" (Scientology Kirche Hamburg e.V. 1994) heißt es:
"Die Scientology Kirche wurde als gemeinnützig, als steuerbefreit und damit vollständig als Religion anerkannt".Diese Behauptung ist falsch.
"davon ausgehend, daß Ihre Tätigkeiten so sind, wie in Ihrem Antrag auf Steuerbefreiung beschrieben".Zur angeblichen Steuerbefreiung von amerikanischen Scientology-Organisationen in Deutschland:
1962 beschlagnahmte die
amerikanische Lebensmittelbehörde FDA zahlreiche E-Meter.
Damals betrachtete die US-Regierung
die Scientology-Organisation also noch als Anbieter von möglicherweise
gesundheitsschädlichen Geräten.
Daraus entstand ein langwieriges
Gerichtsverfahren.
Das Urteil vom 30.7.71 ist
nachzulesen (auf englisch) unter
Danach folgten zahlreiche
Prozesse, mit denen Scientology Steuerfreiheit erreichen wollte.
So der Titel der Zeitschrift
"Scientology News" in der deutschsprachigen Ausgabe 32/1993.
Auf der nächsten Seite
geht es in großen Balkenlettern weiter:
"IRS: 'Scientology ist steuerfrei' "Tatsächlich hatte die Scientology-Organisation die Auseinandersetzung mit durchaus kriegerischen Mitteln geführt. Insbesondere unter Einsatz des eigenen Geheimdienstes Guardian Office. Dessen Leitung war wegen zahlreicher krimineller Delikte zu Freiheitsstrafen verurteilt worden, so auch Hubbards Ehefrau Mary Sue Hubbard. Alle diese Delikte hatten eine gemeinsam: Die Organisation sollte mit allen Mitteln vor der Steuer geschützt werden und Hubbard vor einer Vorladung vor Gericht.
Hintergründe der Steuerbefreiung unklar
Bis heute sind die Hintergründe
der Steuerbefreiung unklar.
Zahlreiche Artikel in serösen
Zeitungen und Zeitschriften haben sich damit befaßt.
Merkwürdig genug: Seither
unterstützt die US-Regierung die Scientology-Organisation im Ausland.
Kriterien für Steuerbefreiung?
Selbstverständlich war die entscheidende Frage der Behörde geläufig:
| Auszug aus: Anklageschrift
gg. Mary Sue Hubbard u.a. Aktenzeichen 78-401
II. III. B. Das Abhören des Konferenzraumes des obersten IRS-Leiters am 1.11.1974 |
Excerpt from: Criminal No.
78-401 vs. Mary Sue Hubbard et al. Stipulation of Evidence
II.iii. B. The Bugging of the IRS Chief Counsel's Conference Room on November 1, 1974, page 30/31): |
| Am 1. November 1974 war Herr Lewis H. angestellt in der Dienststelle des obersten Leiters der Steuerbehörde in der Constitution Avenue Nr. 1111 im Nordwesten. An diesem Tag nahm er an einer Sitzung im Konferenzraum des obersten Leiters teil. Auch zahlreiche andere hohe Beamte der Steuerbehörde nahmen an dieser Sitzung teil. Herr H. sagt aus, daß die Steuerbehörde am 1. November 1974 die Konferenz abhielt, um schwebende Verfahren zu besprechen, in welche die zahlreichen Scientology-Kirchen verwickelt waren, und um allgemeine Richtlinien darüber zu erlassen, was zu den Kriterien einer "religiösen Institution“ gehöre, die nach dem Steuergesetz den Anspruch auf Steuerfreiheit erheben könne. Herr H. hat aus seinen Akten eine lange, konferenzvorbereitende Vorlage erstellt, die er auf Anforderung des obersten Leiters der Steuerbehörde erarbeitete, um alle Teilnehmer der Konferenz vom 1. Novmeber 1974 über die zu diskutierenden Tagesordnungspunkte zu instruieren (Beweisstück der Regierung Nr. 208). Er hat auch ein Protokoll nach der Konferenz erstellt, welches er gemäß dem Beschluß der Konferenz vom 1. November 1974 ausarbeitete und welches einen Überblick über die Besprechungspunkte dieser Konferenz gibt (Beweisstück der Regierung Nr. 209). | On November 1, 1971, Mr.
Lewis Hubbard, was employed by the Office of the Chief Counsel of the Internal
Revenue Service at 1111 Constitution Avenue, Northwest, and on that date
attended a meeting in the Chief Counsel's conference room. Numerous other
high officials of the IRS attended this meeting. Mr. Hubbard states that
the IRS held the November 1, 1974 conference to disscuss pending legal
actions involving the various churches Of Scientology and to establish
general guidelines for determination oh what constituted a "religious institution"
entitled to exemption from taxation under the Internal Revenue Code. Mr.
Hubbard has produced from his files a lengthy pre-conference memorandum
which he prepared at the request of the Chief Counsel in order to brief
all persons who were to attend the November 1, 1974 conference regarding
the topics to be discussed (Government Exhibit No. 208). He has also produced
a post-conference memorandum which he prepaired following the conclusion
of the November 1, 1974 conference and which outlines the matters discussed
at that conference (Government Exhibit No. 209).
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USA: Menschenrechtsbericht Aus: AGPF-Info 2/97
Während diese Debatte noch geführt wurde, meldet die Washington Post am 27.1.97, daß die Kritik am Verhalten der deutschen Behörden gegenüber der Scientology-Organisation und ihren Anhängern auch im neuen Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums enthalten sein wird. Der Artikel wurde am selben Tag per Internet verbreitet, die Nachrichtenagenturen setzten entsprechende Meldungen ab. Die Wiener Zeitung "Die Presse" am 28.1.97: "Transatlantischer Sekten-Krieg". Es konnte der Eindruck entstehen, als habe die Scientology-Organisation nur in Deutschland Probleme.
USA: Steuerbefreiung nicht durch Gericht
Immer wieder wurde berichtet,
daß die Scientology- Organisation in den USA als Religion anerkannt
sei. So meldete die AFP am 14.1.97: "In den USA entschied der Oberste Gerichtshof
1993 ... daß Scientology eine religiöse Organisation und damit
steuerfrei zu stellen sei". Diese Nachricht ist falsch. Tatsächlich
war es lediglich eine Entscheidung des IRS, der Bundes- Steuerbehörde.
Nach welchen Kriterien die Beurteilung erfolgte, ist in der deutschen Öffentlichkeit
nicht bekannt.
(vgl. AGPF-info 2/97: Grundlage der US-Kritik ist die Steuerbefreiung). Die New York Times vom 9.3.97 berichtete, wie es zu der Steuerbefreiung in den USA gekommen ist. Der Spiegel 12/97 ( "Den Gegner ruinieren") faßt zusammen: "Noch 1992 befand der US Claims Court, daß der 'kommerzielle Charakter von Scientology' offensichtlich sei. .. Doch dann kam, wie aus heiterem Himmel, die Wende: Völlig überraschend erließ Amerikas Steuerbehörde, der Internal Revenue Service (IRS) am 13. Oktober 1993 fast 150 Scientology-Körperschaften die Umsatzsteuer. ... Schon vier Monate später erschien jedenfalls im Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums erstmals der Hinweis, der gerade erst im eigenen Land als Kirche anerkannte Psycho-Konzern werde in Deutschland diskriminiert. Während der gereizten Kontroverse zwischen Bonn und Washington zu Jahresanfang über die angemessene Behandlung von Scientology befand Außenamtssprecher Nicholas Burns kategorisch: 'Wir betrachten Scientology als Religion, weil sie durch die amerikanische Regierung von der Steuer befreit wurde' ".
Demnach betrachtet ein Teil der US-Regierung Scientology als Religion, weil ein anderer Teil eine Steuerbefreiung ausgesprochen hat. Unklar ist noch immer, auf welchen Kriterien diese Befreiung beruht, was sich gegenüber früher geändert hat und weshalb aus der Steuerbefreiung folgt, daß Scientology eine Religion sei.
Franz Riedl, damals Vizepräsident von Scientology Hamburg, hatte über diese Vorgänge in den USA schon 1993 der Wochenzeitung DIE WOCHE (45/93: "Kirche des Mammon") erzählt: "Wir haben die Verbrechen der IRS an Tageslicht gebracht. Diese Leute sammeln auch schon mal die Steuern mit dem Maschinengewehr ein oder verprügeln einen Familienvater. ... Die Behörden hassen es wie die Pest, wenn man die Wahrheit über sie veröffentlicht, deshalb haben sie sich dann mit uns an den Verhandlungstisch gesetzt".
Heber C. Jentzsch, Präsident
von Scientology International in einem Leserbrief (Spiegel 14/97): "Der
Vorwurf, daß Scientology die amerikanische Steuerbehörde (IRS)
unter Druck gesetzt hat, ist lächerlich".
US-Regierung wirbt für Scientology
Das US-Steueramt IRS soll
sich 1993 verpflichtet haben, ein Informationsblatt über Scientology
zu verbreiten. Scientology-Chef Miscavidge: "Wir selbst haben es geschrieben,
und der IRS wird es an jede Regierung der Welt schicken". Wie die "Frankfurter
Rundschau" (15.03.1997: Seltsame Post aus Washington) berichtet, hat der
baden-württembergische Innenminister ein Schreiben des US-Finanzministeriums
vom 16.8.94 bekommen. In der Anlage eine Selbstdarstellung der Scientology-Organisation.
Das Ministerium: Dieses Dokument sei "von der Church of Scientology
verfaßt worden und ist Bestandteil der Akten des IRS".
Warum US-Kritik
an Deutschland?
Aus: AGPF-Info
7/97
1993 hat das US-Bundesfinanzamt
IRS überraschend die Scientology-Organisation von der Steuer
befreit, nach 25 Jahren massiver Auseinandersetzungen. Scientology behauptete
fortan, dadurch als Religion anerkannt worden zu sein. Kurz darauf begann
das US-Außenministerium, Deutschland der religiösen Diskriminierung
zu verdächtigen. Dazu das Wall Street Journal vom 25.3.97: "Wir fragen
uns, warum das Außenministerium sich so sehr beunruhigt wegen deutscher
Äußerungen, die nach amerikanischem Recht zulässig wären
und wegen eines Standpunktes, welcher vor der gegenwärtigen
Regierung auch der amerikanische Standpunkt war. "
Stephen Kent: Die europäisch-amerikanische Debatte
im Marburg Journal of Religio 1/2001
Zu Stephen Kent siehe auch:| Stephen Kent:
THE FRENCH AND GERMAN VERSUS AMERICAN DEBATE OVER 'NEW RELIGIONS', SCIENTOLOGY, AND HUMAN RIGHTS Abstract This article critically examines the allegations of religious intolerance that United States officials and governmental staff have leveled against France and Germany (along with other European countries) for their policies on, and actions toward, Scientology and other controversial groups. It argues that American officials appear to be poorly informed about the bases for the Europeans' critical positions, and that those officials have been the recipients of selective information provided by Scientology itself along with Scientology's supporters. It concludes by offering a preliminary analysis of this Euro-American debate in the context of 'international social movements' theory within the social sciences.
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Stephen Kent:
Die -französisch-deutsch-amerikanische Debatte über "neue Religionen", Scientology und Menschenrechte Zusammenfassung
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Dazu auch:
| [ABC News]: ABCNEWS.com : White House
Wag: Clinton Column Draws Flak
By Josh Gerstein W A S H I N G T O N, Jan. 7, 2000 Here’s to Scientology! Among those receiving warm New Year’s wishes
from President Clinton: the Church of Scientology. The controversial religious
group celebrated its 50th anniversary on Dec. 28 at the Los Angeles Sports
Arena. The thousands of members in attendance were told of Clinton’s salutations.
A White House spokesman says the letter was essentially “boilerplate” and
was not the product of any
high-level decision. But the language in Clinton’s message clearly recognizes
Scientology’s fears of persecution by government authorities. “It’s a fitting
moment to reflect on the importance of religious freedom and the profound
role that religion continues to play in the lives of people around the
world,” Clinton wrote. He also thanked the church for its work to promote
religious tolerance and to “build just communities.”
The Scientologists say the Clinton letter came with a warning not to reprint or misuse the message, but the White House says that is commonplace and reflects no skittishness regarding Scientology in particular. |
| Aus:
TAZ die tageszeitung 11.5.2001
Le Monde
diplomatique Nr. 6443 vom 11.5.2001
Bruno Fouchereau:
USA UND SCIENTOLOGY Im Namen der Freiheit Ein Streit um die Religionsfreiheit vergiftet die diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Europa. Im Namen der Individualrechte reklamieren die Vereinigten Staaten Straffreiheit für Gruppen, die sich als minoritäre Glaubensgemeinschaften ausgeben, deren Aktivitäten aber wiederholt von den Gerichten beanstandet wurden. Diese Sekten, die sich aus einem Gebräu von "neuer Rechter", Neokonservativismus und Antikommunismus entwickelt haben, versuchen die ultraliberale Ideologie und ihre Werte in die Köpfe der Menschen zu hämmern und als allgemein verbindliche Grundlage für alle Gesellschaften zu verkünden. Von BRUNO FOUCHEREAU ** JournalistVOR einiger Zeit galt die Sektenfrage lediglich als ein "beunruhigendes Gesellschaftsphänomen", doch in den letzten Jahren hat sie sich zu einem "vordringlichen Problem der öffentlichen Sicherheit" entwickelt. Anlass zu dieser Neubewertung waren vor allem einige spektakuläre Ereignisse: die Massenselbstmorde der Sonnentempler 1994 und 1995, der Giftgasanschlag der Aum-Sekte in der U-Bahn von Tokio im März 1995 und der Kollektivselbstmord der Sekte Heavens Gate in Los Angeles 1999. Daraufhin verschärften Frankreich, Belgien, Spanien und Deutschland ihre Strafverfolgungsbestimmungen. In den meisten dieser Fälle stützte sich die Entscheidung des Gesetzgebers auf einen parlamentarischen Untersuchungsbericht über die Gefährlichkeit bestimmter Gruppen und die Methoden der Gehirnwäsche, denen ihre Anhänger ausgesetzt sind. Die Vorreiterrolle bei der härteren staatlichen Gangart gegenüber diesen Sekten spielten Frankreich und Deutschland. Doch fast überall in den europäischen Ländern wurden regierungsamtliche Arbeitsgruppen installiert, um die Sektenszene unter Beobachtung zu halten. Frankreich verabschiedete 1996 eine Reihe von Gesetzen zum verstärkten Schutz von psychisch anfälligen Personen. Die Regierung unter Ministerpräsident Lionel Jospin setzte eine "Interministerielle Mission zur Bekämpfung des Sektenwesens" (MILS) unter Leitung von Alain Vivien ein. In Deutschland richteten sich die Maßnahmen in erster Linie gegen die Scientology-Organisation. Im Anschluss an einen Bericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Scientology der Verfassungsschutzämter warnte die Bundesregierung die Bevölkerung nachdrücklich vor dieser Sekte. Bayern verabschiedete sogar einen 15-Punkte-Maßnahmenkatalog, der unter anderem die Überprüfung von Mitarbeitern des öffentlichen Diensts vorsieht, die Beziehungen zu Scientology unterhalten.(1) Angesichts dieser härteren Gangart in Europa rechneten alle Beobachter der Szene mit einer Gegenoffensive der Sektenmultis, die allein in Frankreich Vermögenswerte in Höhe von mehreren hundert Millionen Francs besitzen. Die Attacke kam aus den Vereinigten Staaten.(2) Am 27. Januar 1997 verurteilte die Regierung in Washington hochoffiziell die Maßnahmen Deutschlands gegen die Scientology-Organisation. Einige Tage später veröffentlichte das dem US-Außenministerium angegliederte "Bureau for Democracy, Human Rights and Labor" (BDHRL)(3) seinen Jahresbericht zur Situation der Menschenrechte in der Welt. Darin wird Deutschland heftig angegriffen und in der Liste der Länder, welche die Religionsfreiheit missachten, gleich hinter China eingestuft. Der Bericht war so getimt, dass er die Öffentlichkeitskampagne der Scientology-Organisation unterstützte, die zum Beispiel in verschiedenen Ländern Demonstrationen organisierte, in der internationalen Presse mit Anzeigen protestierte und die EU-Menschenrechtskommission anrief. Um "die Gemüter zu beruhigen", ließ das US-Außenministerium im März 1997 verlauten: "Wir haben die Deutschen zwar kritisiert, aber wir unterstützen die Scientology-Kampagne gegen Deutschland nicht." Diese Äußerung war das Mindeste, was man von der US-Regierung erwarten konnte. Als der Kongress 1998 ein neues Gesetz zur Religionsfreiheit in der Welt verabschiedete, richtete das BDHRL eine neue Abteilung ein: das "Office of International Religious Freedom". Mit einem bevollmächtigten Botschafter an der Spitze, dem fünf Beamte des Außenministeriums zugeordnet sind, besitzt der neue Ausschuss in allen US-Botschaften einen Vertreter. Zum ersten Chef der Behörde wurde Robert A. Seiple ernannt, ein Ex-Marine, dessen Lieblingsspruch lautet: "Die individuellen Freiheitsrechte sind allgemein gültig, weil sie eine Gabe Gottes sind."(4 )Gegenüber der Naples Daily News(5) erklärte Seiple, wie sehr ihm sein Glaube bei allen persönlichen Prüfungen geholfen habe, namentlich bei seinen 300 Kampfeinsätzen im Vietnamkrieg, in dem er als Offizier der Marineinfanterie gedient hatte. Seiple erhielt sein Amt allerdings nicht wegen seiner Kriegserfahrung. Elf Jahre lang stand er an der Spitze der ultrakonservativen World Vision Inc., eines finanzstarken christlichen Hilfswerks mit Millionen Mitgliedern in aller Welt, das Entwicklungshilfeprojekte in Lateinamerika und Asien finanziert.(6 )Im September 1998 erschien der erste Bericht des neuen "Büros für internationale Religionsfreiheit"(7). Darin werden Frankreich, Deutschland, Österreich und Belgien schwer wiegende Verstöße gegen die Religionsfreiheit vorgeworfen. Der Bericht der französischen parlamentarischen Untersuchungskommission von 1995 wird sogar in die Nähe blinder Verfolgungswut gerückt. Den Abgeordneten wird vorgeworfen, sie betrieben eine Politik der religiösen Ausgrenzung, insofern die in dem Bericht genannten Organisationen nicht wegen rechtswidriger Aktivitäten verfolgt würden, sondern allein wegen ihres Glaubens. Auf Einladung der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veranstaltete die OSZE-Unterorganisation "Büro für demokratische Institutionen und Menschenrechte" (ODIHR)(8 )am 22. März 1999 in Wien ein Seminar, auf dem die französische Sektenpolitik heftig attackiert wurde. In Fortsetzung und Zuspitzung der Kritik des US-Außenministeriums schwangen sich die amerikanischen Diplomaten und Senatoren in die Rolle des Anklägers auf. Das hätte fast zu einem diplomatischen Eklat geführt. Dasselbe Szenario lag einer Anhörung der "Commission on Security and Cooperation in Europe" zugrunde, einer unabhängigen US-Bundesbehörde mit Sitz in Washington. Hier waren drei Zeugen geladen, die Schreckliches enthüllten: Frankreich sei auf dem Weg zu einem neuen Vichy-Staat, der französische Ministerpräsident stehe unter dem Einfluss religionsfeindlicher Organisationen, und Kinder würden ihren Eltern weggenommen. Der im Juni 1999 veröffentlichte Anhörungsbericht zeigt, welch gewaltige Sorgen sich die US-amerikanischen Senatoren um die Grundrechte in Europa machen.(9) So beschuldigen sie zum Beispiel die französische Regierung, das Steuerrecht zweckentfremdet als Instrument einer neuen Inquisition einzusetzen. Die französische Sektenbekämpfungsbehörde MILS und das Pariser Außenministerium haben anhand einer Analyse der Finanzstruktur und der Finanzströme der Scientology-Organisation dargelegt, dass es sich eindeutig um ein privatwirtschaftliches Unternehmen handelt, das kolossale Gewinne erwirtschaftet und deshalb völlig zu Recht der Steuerpflicht zu unterwerfen sei. Der parlamentarische Untersuchungsbericht, an dem Juristen, Sektenspezialisten der Polizei, gemeinnützige Vereine und Professoren mitgewirkt haben, listet 180 angeblich religiöse Organisationen auf, die nach eingehender Untersuchung als totalitär einzuschätzen seien, weil sie ihre Anhänger mit psychologischem Terror bei der Stange halten. Gegen die meisten dieser Organisationen liegen rechtskräftige Urteile vor. Darüber hinaus bemühte sich die französische Regierung, eine Reihe von Missverständnissen und Unwahrheiten auszuräumen. So wird Frankreich etwa vorgeworfen, es verweigere manchen minoritären Gruppen die Anerkennung als Religion. In Wirklichkeit ist es so, dass der französische Staat aufgrund des Gesetzes von 1905, das die Trennung von Kirche und Staat festschrieb, überhaupt keine Religion anerkennt. Aber trotz all dieser Bemühungen blieb der Dialog fruchtlos. Der am 9. September 1999 veröffentlichte Jahresbericht des US-Büros für internationale Religionsfreiheit griff die europäischen Länder schärfer an als je zuvor. Am 8. Dezember schrieb der französische Außenminister Hubert Védrine an seine amerikanische Amtskollegin Madeleine Albright: "Dass Ihre Regierung die Handlungsweise der französischen Behörden grundlos in Frage stellt, während hohe Beamte Ihrer und meiner Regierung den Dialog fortsetzen, wirft einen Schatten auf die viel versprechenden Ansätze ebendieser Gespräche." Kurz darauf wurde der diplomatische Dialog in dieser Frage abgebrochen und bis zum heutigen Tag nicht wieder aufgenommen. Der letzte Bericht des US-Außenministeriums, der am 2. März dieses Jahres veröffentlicht wurde, stellt zwar die französischen Gesetze von 1901 und 1905 in Rechnung und räumt die entsprechenden Irrtümer stillschweigend aus, erhebt aber nach wie vor die schärfsten Anschuldigungen. ALLEIN mit der Geschichte und der Verfassung der Vereinigten Staaten lässt sich nicht erklären, weshalb die US-Regierung die diversen Sekten so beharrlich unterstützt. Wie bereits erwähnt, ist das "Büro für internationale Religionsfreiheit", eine Unterabteilung des "Büros für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit", beim US-Außenministerium angesiedelt. Zudem gibt es eine "Commission for Religious Freedom", die in Washington von Mitgliedern des US-Kongresses gegründet wurde. Hinzu kommt drittens die "United States Commission for Religious Freedom", die unmittelbar dem Weißen Haus untersteht. Nach Auskunft ihres Direktors Steven T. McFarland versteht sich diese Organisation als "Wachhund", insofern sie "die Arbeit der anderen Kommissionen überwacht, damit sie nicht vom rechten Weg abkommen." Die Frage, ob er den Bericht der französischen Nationalversammlung gelesen habe, muss Steve T. McFarland verneinen, da er der französischen Sprache nicht mächtig sei, wie er entschuldigend hinzufügt. Auch die Berichte der französischen Sektenbekämpfungsbehörde MILS, die Informationen des französischen Außenministeriums und die Noten der französischen Botschaft in Washington finden bei den zuständigen Stellen keine Leser. Sämtliche erreichbaren Beamten der drei genannten US-Kommissionen mussten zugeben, dass sie von diesen Texten weder das Original noch übersetzte Fassungen kennen. McFarland entschuldigt dies mit der Versicherung, er halte die Informationen, die ihm die amerikanischen Nachrichtendienste, die Pariser Botschaft, akademische Experten und die frankreichkritischen Nichtregierungsorganisationen übermitteln, für hinreichend glaubwürdig. Konfrontiert man ihn mit einer Reihe von Depeschen der amerikanischen Botschaft in Madrid(10), aus denen klar hervorgeht, dass das "Bureau for Democracy, Human Rights and Labor" in Spanien interveniert hat, um das Ermittlungsverfahren eines Untersuchungsrichters gegen die Scientology-Organisation zu verzögern, verweigert McFarland jeden Kommentar. Die Namen der Geheimdienstangehörigen, von denen die US-Kommissionen ihre Informationen beziehen, lassen sich aus nahe liegenden Gründen nicht ermitteln. Umso aufschlussreicher ist ein Blick auf die Internet-Seite der US-Botschaft in Paris. Dort werden zum Beispiel die Dienste von Rechtsanwalt Kay Gaejens empfohlen, der selbst ein bekanntes Mitglied der Scientology-Organisation ist. Und als die Nationalversammlung im Februar 2001 eine öffentliche Anhörung zur Problematik psychologischer Manipulationstechniken abhielt, entsandte die US-Botschaft, obwohl gar nicht geladen, zwei ihrer Mitarbeiter in Begleitung eines führenden Mitglieds der französischen Scientology-Organisation. Auch die Zeugenaussagen, auf die sich die US-Kommissionen stützen, werfen Fragen auf. Der Leiter des Wiener Seminars vom März 1999 war niemand anderer als der italienische Soziologe Massimo Introvigne, einer der Gründer des fundamentalkatholischen "Centro Studi sulle Nuove Religioni"(11),( )das enge Beziehungen zur neofaschistischen Sekte "Travail Famille Propriété" in Frankreich unterhält. Massimo Introvigne hat sich in zahlreichen Publikationen der Scientology-Organisation geäußert und ist in einem Prozess gegen die Organisation in Lyon als deren Zeuge aufgetreten. Eine weitere Schlüsselfigur ist Willy Fautre, seines Zeichens Vorsitzender der belgischen Organisation "Droit de lHomme sans Frontière" [= Human Rights Without Frontiers HRWF] , deren Name nicht zu der Annahme verleiten darf, sie sei von der "Internationalen Föderation der Menschenrechtsvereinigungen" anerkannt. Fautré war lange Zeit Korrespondent des "News Network International", einer US-amerikanischen Presseagentur, die für ihre Opposition gegen Abtreibung und für ihren militanten Antikommunismus bekannt ist. Darüber hinaus ist Fautré Mitglied der "Helsinki Federation for Human Rights" (HFHR), deren Publikationen in den Berichten der US-Kommissionen ausführlich zitiert werden. Als letzter Kronzeuge für die angeblich von der französischen Regierung orchestrierten Verstöße gegen die Religionsfreiheit sei Pastor Louis Démeo vom "Institut Théologique de Nîmes" erwähnt. Dieses Institut gehört zur Sekte "Greater Grace", die ihren Sitz in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland hat. Greater Grace gebietet über 3 000 Missionsfilialen in Lateinamerika, einige hundert in Afrika und eine Handvoll in Osteuropa. Dabei fungiert das Institut von Nîmes als Kaderschmiede für die osteuropäischen Länder. Greater Grace, dessen Methoden auch in den Vereinigten Staaten auf heftige Proteste stoßen, lässt sich durchaus als "Weggefährte" der Scientology-Organisation beschreiben. Stacy Brooks, Vorsitzende des "Lisa McPherson Trust"(12), der wichtigsten US-amerikanischen Hilfsorganisation für Scientology-Opfer, war selbst 15 Jahre lang Mitglied der Organisation. Sie arbeitete als Sekretärin von David Miscavidge, dem Erben Ron Hubbards und derzeitigen Scientology-Guru. An den Leiter von Greater Grace, George Robertson, erinnert sie sich genau: "Er steht in engem Kontakt mit den Leitern von Scientology. Wenn die Sekte bei bestimmten Fragen aus Imagegründen nicht selbst intervenieren kann, bittet sie Robertson um Hilfe. Er ist ihr wichtigster Verbindungsmann zur Evangelisten-Bewegung." Unter seiner Leitung gelang es Greater Grace und Scientology, die wichtigste Hilfsorganisation für Sektenopfer, das 1970 gegründete "Cult Awareness Network", in den Ruin zu prozessieren - und anschließend aufzukaufen.(13) Der Einfluss, den die Scientology-Bewegung und ihre Adepten in den USA ausüben können, erklärt sich auch aus einem ganz anderen Umstand. Seit 1993 ist die Sekte durch die Einkommensteuerabteilung des US-Finanzministeriums als Religionsgemeinschaft anerkannt und damit von der Steuerpflicht befreit. 25 Jahre lang hatte der Fiskus alle entsprechenden Anträge abgewiesen, was von sämtlichen US-Gerichten, einschließlich des Supreme Court, als rechtmäßig anerkannt wurde. Der Sinneswandel von 1993 ermöglichte der Scientology-Organisation den Zugriff auf Ersparnisse in Millionenhöhe und gab ihr ein hervorragendes PR-Instrument an die Hand, insofern es einen Zugang zur US-Regierung verschaffte. Die Einzelheiten dieser Kehrtwende enthüllte 1997 die New York Times. Demnach hat die Scientology-Organisation gegen die Steuerbehörde einen regelrechten Krieg eröffnet, und zwar auf juristischer Ebene, indem sie über fünfzig gerichtliche Verfahren anstrengte. Doch damit nicht genug. Sie heuerte auch Detektive an, die das Privatleben hoher Beamter der Steuerbehörde ausschnüffelten. Einer dieser Privatermittler erzählte der New York Times im März 1997, dass er zwischen 1990 und 1992 achtzehn Monate lang für Scientology gearbeitet habe. Von seinem Büro in Maryland aus sammelte er Informationen über Beamte, die Termine verpassten, übermäßig tranken und außereheliche Kontakte pflegten. Die Steuerbefreiung erfolgte auf ausdrückliche Anordnung des Direktors der Einkommensteuerabteilung, unter Umgehung der normalen Entscheidungsgremien. Jährliche Gewinne in Höhe von 300 Millionen Dollar, ausgefeilte Infiltrations- und Einschüchterungstechniken und schließlich die steuerrechtliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft verschaffen der Scientology-Organisation Einfluss auf die höchsten Entscheidungsinstanzen des US-amerikanischen Staats. Steven A. Kent vom soziologischen Institut der Universität Alberta (Kanada) hat die Lobby-Strategien diverser religiöser Gruppen und Sekten in Washington untersucht. Seine detaillierte Analyse zeigt, mit welchen Mitteln die Scientologen - wie vor ihnen schon die Mun-Sekte - auf Mitglieder des Kongresses, des Senats und des Weißen Hauses Einfluss nehmen. Die Scientology-Organisation hat zu diesem Zweck ein auf Lobbyarbeit spezialisiertes Public-Relations-Unternehmen angeheuert, das für seine Dienste in den Jahren 1997 und 1998 jeweils 725 000 bzw. 420 000 Dollar bekommen hat. Eine Reihe von Schauspielern, ausnahmslos Scientology-Mitglieder, spendierten Hillary Clinton für ihren Senatswahlkampf über 70 000 Dollar, Tom Cruise überreichte Albert Gore 5 000 Dollar, und John Travolta veranstaltete gemeinsam mit anderen Scientologen ein Gala-Diner zugunsten der Demokratischen Partei - Eintrittspreis: 25 000 Dollar. Ein Rechtsanwalt der Scientologen schließlich spendete für den demokratischen Wahlkampf 20 000 Dollar. Auch der Einfluss der Mun-Sekte ist bemerkenswert angewachsen. Seit neuestem darf die Demokratin Hillary Clinton in der auflagenstarken und sehr konservativen Washington Time, die der Mun-Sekte gehört, jede Woche eine Glosse schreiben. Allem Anschein nach haben sich die Mun-Sekte und die Scientology-Organisation seit langem arrangiert. Jedenfalls koordinieren beide Organisationen seit Mitte der Neunzigerjahre ihren Einsatz für Religionsfreiheit in den USA und in Europa. Ihr gemeinsames Vorgehen in Osteuropa wird durch einen im Internet veröffentlichter Briefwechsel zwischen der Führung der Mun-Sekte und der Scientology-Organisation dokumentiert. Dieser Partnerschaft haben sich zudem weitere Sekten mehr oder weniger formell angeschlossen, und auch bei den fundamentalistischen Protestanten der USA finden Mun und Scientology seit einiger Zeit Unterstützung. So engagieren sich in dem vom US-Außenministerium warm empfohlenen "Institute on Religion and Public Policy"(14) neben einigen ultrakonservativen Senatoren auch eine Reihe von Mun-Größen sowie Guru Sri Chinmoy von der gleichnamigen Sekte. Das Institut, dessen Zentrale in Washington gleich neben dem Weißen Haus liegt, huldigt nach eigenem Bekunden einem "integralistischen" Katholizismus und engagiert sich für die Achtung der Rechte der Scientology-Organisation, der Mun-Sekte und anderer so genannter Minderheitenreligionen in Europa. Schließlich sei noch das ultrakonservative, schwulen- und abtreibungsfeindliche "Institute on Religion and Democracy"( )(IRD)(15) erwähnt, das seit zwanzig Jahren für eine fundamentalistisch-protestantische Reform der demokratischen Institutionen in aller Welt eintritt. Deshalb wundert es nicht, dass sich IRD-Präsidentin Diane L. Knippers in den Chor der Frankreich-Verleumder einreiht: "Frankreich ist ein Modell für die anderen europäischen Demokratien. Es muss seine religionsfeindliche Politik unbedingt aufgeben und die Garantie für die Freiheit der Glaubensausübung wiederherstellen." Doch schon im nächsten Satz bekennt sie unfreiwillig, was diese auf den ersten Blick so unterschiedlichen Gruppen und Sekten verbindet: "Wir setzen uns heute aus demselben Grund für die Religionsfreiheit ein wie damals gegen den Kommunismus. Eine menschliche Gesellschaft kann sich nicht entfalten, wenn sie in der Lüge lebt. Atheismus und Kommunismus können nur Lügen hervorbringen. Spiritualität ist ein Garant der Zivilisation, denn Spiritualität und Glauben bringen ehrliche Menschen hervor. Ohne Ehrlichkeit kein Handel, und ohne Handel keine Zivilisation." Der Kampf für eine "Spiritualisierung der Welt" dient demselben Zweck wie jene Lobbygruppen, die auf dem Wege der Globalisierung versuchen, den amerikanischen Werten zu weltweiter Geltung zu verhelfen.(16) Die Globalisierung der Märkte und der amerikanischen Werte, so das "Institute on Religion and Democracy", sei den Vereinigten Staaten von der Bibel aufgetragen. Diese mystisch-imperiale Weltsicht teilen sämtliche fundamentalistischen Gruppen in den USA; sie sind der ideologische Rahmen all jener Kräfte, die sich zu Verfechtern der Religionsfreiheit berufen fühlen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: John R. Bolton, Mitglied der US-Kommission für Religionsfreiheit, war zuvor Vizepräsident des ultraliberalen "American Enterprise Institute for Policy Research". In der alten Bush-Regierung diente Bolton im Präsidentenamt als Berater für internationale Handelsfragen. Nina Shea, ebenfalls Mitglied dieser Kommission, verkündet: "Unser Hauptziel besteht in der weltweiten Durchsetzung der neuen liberalen Ordnung." Diese Herrschaftslogik, deren Anfänge auf die Reagan-Administration zu Beginn der Achtzigerjahre zurückgehen und die man fast schon als interaktiv bezeichnen könnte, wird auf die Spitze getrieben mit den derzeitigen Versuchen, universell gültige Rechtsnormen durchzusetzen. Damit soll die Globalisierung der Märkte zum Abschluss gebracht werden. Aber noch rührt sich dagegen Widerstand. Das gilt unter anderem für den Bildungsmarkt, wo den Sekten und Kommunikationskonzernen ein gemeinsamer Feind entgegentritt: die in Europa weit verbreitete ideologische Grundposition, die ihre historischen Wurzeln in Frankreich hat - das Prinzip der Laizität. Die Angriffe auf die französische Sektenpolitik zielen also auf etwas viel Prinzipielleres: auf den laizistischen Charakter der Französischen Republik. Was die Sekten mit diesem Kampf erreichen wollen, liegt auf der Hand. Wenn es ihnen gelingt, im europäischen Bildungswesen Fuß zu fassen, wenn sie das Recht erlangen, wie in den Vereinigten Staaten eigene Schulen zu betreiben, die jeder staatlichen Kontrolle entzogen sind, hätten sie sich eine umfassendere und stabilere Rekrutierungsbasis gesichert. Denn diese Institutionen wären dann unmittelbar an der kulturellen und psychologischen Prägung des Individuums beteiligt. Vor dem Hintergrund dieses kulturpolitischen Ziels kann man zwar nicht von einer regelrechten Einheitsfront mit den Konzernen der Kommunikationsindustrie sprechen, doch lassen sich eindeutig weit gehende Verflechtungen etwa mit den Geräteherstellern oder den Produzenten von Inhalten und Programmen, der Computer- oder der Filmindustrie nachweisen. Dass ABC, CNN und Konsorten enge Beziehungen zu den fundamentalistischen Lobbygruppen unterhalten, ist bekannt. Abschließend sei noch auf einige bemerkenswerte Zufälle verwiesen: Bill Gates erster Biograf David Ichbia ist Scientologe, dasselbe gilt für Guy Jensen, einen seiner engsten Mitarbeiter, und "Executive Software", ein Schlüsselunternehmen des Microsoft-Imperiums, bezeichnet sich offen als scientologisch orientiert. Wer weiß: Vielleicht kommt uns demnächst Big Brother via Bildschirm ins Haus. dt. Bodo Schulze Fußnoten:
Le Monde diplomatique Nr. 6443 vom 11.5.2001, Seite 1,20-21, 90 Dokumentation BRUNO FOUCHEREAU |
Reform
des Sozialsystem - zur Freude von Sekten und Heilsaposteln
| Süddeutsche Zeitung
28.02.2001 Politik
Reform des Sozialsystems in den Vereinigten Staaten Gottes Land sucht Gottes Hilfe Der neue US-Präsident George W. Bush will den Religionsgruppen mehr Aufgaben übertragen – zur Freude von Sekten und Heilsaposteln / Von Wolfgang Koydl Washington – Schon auf den ersten Blick erschien John DiIulio die Sache klar: Hier war ein Typ, den man gemeinhin als ein wenig verschroben bezeichnen würde – wenn man höflich ist. Ein pensionierter Polizist aus Washington, der auf seine alten Tage religiös geworden ist, noch einmal eine Hypothek auf sein Haus aufnimmt, um dann auf eigene Kosten in der Nachbarschaft Jugendarbeit zu machen; und das alles nur, weil ihn „Gott führt“. „Du hörst dir das an“, erinnert sich DiIulio, „und du sagst dir: Oh-oh, er wird von Gott geführt, sagt er. Zeit, das Programm zu wechseln.“ Aber dann blieb DiIulio doch dran, und sein Bild von Tom Lewis, dem Ex-Cop, änderte sich dramatisch: „Ich hörte, was er sagte, ich sah, was er tat, und es war, als ob man einem Apostel zusähe, live und in Farbe“, meint er. Erfahrungen wie diese haben den 42-jährigen Universitätsprofessor und Kriminalwissenschaftler geprägt und – nach eigenen Worten – auch verändert. Nun soll er im Auftrag von Präsident George Bush das Sozialsystem in den Vereinigten Staaten verändern. Wenn es nach dem neuen Herrn im Weißen Haus geht, sollen künftig religiöse Organisationen mehr als bisher sozial tätig werden. Der italienischstämmige Katholik DiIulio wird diese Bemühungen koordinieren. Letzte Woche übernahm er das neue Amt mit dem komplizierten Namen „Büro für glaubensgeleitete und Gemeinschafts-Initiativen“. Neue Heimat Heilsarmee Der Plan klingt einleuchtend: Warum sollen Kirchen und andere religiöse Institutionen nicht einen Teil der Sozialaufgaben übernehmen, welche der Staat in den USA ohnehin nur unzureichend erfüllt. Neu ist diese Art der Arbeitsteilung ohnehin nicht. Drei große kirchliche und religionsnahe Organisationen erhalten schon jetzt insgesamt 4,5 Milliarden Dollar im Jahr an staatlichen Zuschüssen: „Lutheran Services“, „Catholic Charities“ und die Heilsarmee. Ähnlich wie in Europa betreiben sie Kinderkrippen und Altersstätten, kümmern sich um die Integration neuer Einwanderer, aber sie bauen darüber hinaus auch erschwingliche Wohnungen und Häuser für arme Amerikaner. Unter Geldmangel leiden die drei Organisationen nicht: Die Lutheraner verfügen über ein Jahresbudget von sieben Milliarden Dollar, die Katholiken und die Heilsarmee von jeweils mehr als zwei Milliarden. Insgesamt 62 Prozent davon schießt der Staat zu. Was den Großen recht ist, kann den Kleinen nur billig sein. Aber hier liegt die Crux. „Ein Programm, das auf Glaubensgrundlagen beruht, wirft zwangsläufig die Frage auf, welche Glaubensrichtungen nicht akzeptiert werden können“, meint der Historiker und Religionswissenschaftler Philip Jenkins von der Universität von Pennsylvania. „Wie unterscheide ich zwischen einem Methodisten und einem Moonie? Die Antwort lautet: Man kann nicht unterscheiden.“ Jenkins Schlussfolgerung: „Entweder finanziere ich alle Glaubensgruppen, sogar jene, die ich radikal ablehne, oder ich finanziere gar keine.“ Die Inbrunst der Ungläubigen Bush selbst hatte sich bei der Vorstellung seines Programmes mit einer bunten Auswahl von Klerikern umgeben: Christliche Pfarrer, Priester und Prediger verschiedenster Couleur, zwei Rabbiner, und ein islamischer Imam. Doch diese Gottesmänner – eine Frau war nicht darunter – stellen nur einen kleinen Teil der vielfältigen religiösen Szene in den Vereinigten Staaten dar. Genau genommen müsste Bush sogar die Gruppe der Atheisten finanziell fördern, die in den USA immer mehr Zulauf finden und ihren Unglauben mit einer Inbrunst pflegen, die selbst fromme Menschen vor Neid erblassen lässt. „Wir schreiben keine Religion vor“, erklärte Bush, „wir heißen alle Religionen willkommen.“ Erfreuliche Nachrichten für manche mehr oder weniger obskure Kirchen, Glaubensgemeinschaften und Sekten. Sie offerieren sowieso schon in erster Linie Heilmethoden, Programme und Pläne in jenen Bereichen, die Bush nach eigenem Eingeständnis besonders am Herzen liegen: Alphabetisierung, sexuelle Enthaltsamkeit bei Heranwachsenden und Drogenmissbrauch. Die in Deutschland umstrittene Scientology-Bewegung beispielsweise empfiehlt sich mit ihrem Anti-Drogen-Programm „Narconon“ und mit einer Methode zur Rehabilitierung von Strafgefangenen, die auf den Namen „Criminon“ hört. Im Bundesstaat Oklahoma etwa erhalten die Scientologen öffentliche Mittel für ihr Programm zur Behandlung von Drogenabhängigen. Die Sekte bestreitet, dass Hilfsempfänger sich zu den ideologischen Grundlagen der Kirche bekennen müssen. Die Anhänger des koreanischen Sektenführers Sun Myung Moon wiederum empfehlen sich mit ihrer Methode zur Pflege und Förderung züchtigen Sexualverhaltens an Schulen. Die Moonies haben sich inzwischen umbenannt und heißen – unverfänglich, unerkennbar und umständlich – „Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung USA“. Einen neuen Namen tragen auch die Hare-Krishna-Jünger. Eines ihrer erfolgreichsten Hilfsprogramme nannte sich „Hare Krishna – Nahrung für das Leben“. Als sich Sponsoren beschwerten, blieb nur der zweite Teil des Titels erhalten. Hare Krishna ist ebenfalls schon Teil des staatlichen Sozialsystems: In Philadelphia betreiben sie seit 20 Jahren im Regierungsauftrag Sozialprogramme. Zum Credo des neuen US-Präsidenten gehört es, dass Konkurrenz gut ist für Amerika. Doch ob diese Weisheit auch auf seinen Sozialplan auf Glaubensbasis zutrifft, mag dahin gestellt bleiben. Kritiker erwarten eher Streit und Neid, Rivalität und Missgunst – wie immer und überall, wo Geld verteilt wird. Noch bevor das Glaubensamt öffnete, legte beispielsweise die jüdische „Anti-Diskriminierungsliga“ vorsorglich Protest ein. Sie verlangte – und erhielt – die Zusicherung, dass die radikal-islamische „Nation of Islam“ unter keinen Umständen an den Tropf staatlicher Gelder angeschlossen werden dürfe. Die von Louis Farrakhan geführte Schwarzen-Organisation gilt als notorisch antisemitisch. Andere Kritiker wiederum sehen ein Problem mit der verfassungsrechtlich verankerten Trennung von Religion und Staat. „Wir wollen uns unsere einzigartige Botschaft nicht durch die Abhängigkeit von der Regierung verwässern lassen“, meinte Fritz Ritsch, der eine evangelische Gemeinde in Washington leitet. Und Jane Dixon, die lutherische Bischöfin von Washington, verweist im Interview mit der Süddeutschen Zeitung auf eine alte Weisheit: „Man beißt nicht die Hand, die einen füttert.“ Bedenken wegen einer Verquickung von Staat und Religion gibt es aber auch auf weltlicher Seite: Dort befürchtet man, dass die religiösen Organisationen in Versuchung geraten könnten, unter den ihnen anvertrauten Armen, Schwachen und Kranken ein wenig zu missionieren. Offiziell ist ihnen das zwar nicht gestattet; aber sie dürfen und sollen ihre religiöse Identität nicht verstecken, schließlich trägt diese – nach Überzeugung keines geringeren als des Präsidenten – maßgeblich zum Erfolg ihrer Bemühungen bei. Wer glaubt, lebt gesünder Dass es einen Zusammenhang zwischen Religiosität auf der einen und Kriminalität, Arbeitslosigkeit und anderen sozialen Übeln auf der anderen Seite geben könnte, darüber hat Bushs neuer Glaubenskoordinator DiIulio schon früher nachgedacht. Als Kriminalwissenschaftler stieß er 1995 auf Studien, wonach religiöse Menschen nicht nur seltener mit dem Staat in Konflikt geraten, sondern generell ein gesünderes und längeres Leben führen. Doch anstatt voreilige Schlüsse zu ziehen – „Was soll die Regierung tun? Leute bezahlen, damit sie in die Kirche gehen? –, betrieb DiIulio Feldforschung; etwa bei Leuten wie Ex-Polizist Tom Lewis, die aus religiösem Antrieb anderen helfen. Dabei hätten ihn, so DiIulio, gar nicht einmal die Resultate beeindruckt. „Aber ich war wie geblendet von diesen Menschen“, gibt er zu. Dennoch ist DiIulio nicht überzeugt, dass Kirchen besser oder rentabler helfen können als der Staat. In eine der üblichen politischen Schablonen passt er sowieso nicht, und das macht seine Berufung so pikant. Wo die Republikaner Selbsthilfe predigen, da setzt er des Staates Pflicht zur sozialen Gerechtigkeit entgegen; und wenn die Demokraten alles auf eine vage Form von kollektiver Verantwortung abschieben wollen, erinnert er daran, dass zunächst einmal der Einzelne, seine Familie und seine Nachbarschaft eine Anstrengung zur Verbesserung machen müssten. Und DiIulio hält sich die Option der Rückkehr an die Universität offen: Fürs erste hat er sich nur für sechs Monate in Washington verpflichtet. |